Michael Neuhold Homepage
Startseite > Biblica > Die Mauer aus Zinn

Die Mauer aus Zinn


Text

Amos, der früheste der Schriftpropheten (1. Hälfte des 8. Jh. v.Chr.), erzählt in Kap. 7 von drei Visionen. Der Bericht über die dritte Vision lautet (Am 7,7-9):

V. Masoretischer Text Wörtliche Wiedergabe Luther 1545 Schlachter 1951
7 כֹּה הִרְאַנִי So ließ er mich sehen: ER zeigete mir aber dis Gesichte / Solches ließ er mich schauen:
וְהִנֵּה אֲדֹנָי נִצָּב עַל־חוֺמַת אֲנָךְ Und siehe, der Herr stand auf einer ʾanāḵ-Mauer (od. Mauer aus/von ʾanāḵ), Vnd sihe / der HERR stund auff einer Maure mit einer Bleischnur gemessen / Der Herr stand auf einer senkrechten Mauer
וּבְיָדוֺ אֲנָךְ׃ und in seiner Hand (war) ʾanāḵ. vnd er hatte die Bleischnur in seiner Hand. und hatte ein Senkblei in der Hand.
8 וַיֹּאמֶר יְהוָה אֵלַי Und JHWH sagte zu mir: Vnd der HERR sprach zu mir / Und der HERR sprach zu mir:
מָה־אַתָּה רֹאֶה עָמוֺס Was siehst du, Amos? Was sihestu Amos? Was siehst du, Amos?
וָאֹמַר אֲנָךְ Und ich sagte: ʾanāḵ. Jch sprach / Eine Bleischnur. Ich sprach: Ein Senkblei!
וַיֹּאמֶר אֲדֹנָי Und der Herr sagte: Da sprach der HERR zu mir / Da sprach der Herr:
הִנְנִי שָׂם אֲנָךְ בְּקֶרֶב עַמִּי יִשְׂרָאֵל Siehe, ich setze ʾanāḵ in die Mitte meines Volkes Israel. Sihe / Jch wil eine Bleischnur ziehen mitten durch mein volck Jsrael / Siehe, ich ziehe ein Senkblei mitten durch mein Volk Israel hindurch
לֹא־אוֺסִיף עוֺד עֲבוֺר לוֺ׃ Nicht mehr werde ich fortfahren, an ihm (schonend) vorüberzugehen, vnd jm nicht mehr vbersehen. und werde nicht weiter Nachsicht an ihm üben,
9 וְנָשַׁמּוּ בָּמוֺת יִשְׂחָק sondern (wörtl.: und) die Höhen Isaaks werden verwüstet werden, Sondern die Höhen Jsahac sollen verwüstet / sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet
וּמִקְדְּשֵׁי יִשְׂרָאֵל יֶחֱרָבוּ und die Heiligtümer Israels werden verheert werden, vnd die Kirchen Jsraels verstöret werden / und die Heiligtümer Israels zertrümmert werden,
וְקַמְתִּי עַל־בֵּית יָרָבְעָם בֶּחָרֶב׃ und ich werde aufstehen gegen das Haus Jerobeams mit dem Schwert. Vnd ich wil mit dem Schwert mich vber das haus Jerobeam machen. und gegen das Haus Jerobeams will ich mit dem Schwerte kämpfen.

Das Problem

Der springende Punkt ist: was ist hebr. אֲנָךְ ʾanāḵ? Schon Luther ging davon aus, dass es „Blei, Senkblei, Bleilot“ o.ä. bedeutet (Bleischnur = Senkblei, wie frz. fil à plomb). Er folgte darin älteren Auslegern wie etwa Raschi (s. Am 7,7 mit Kommentar des Raschi).

V. 7 על חומת אנך. על שורא דדינא וכן פתר דונש, Auf einer Mauer von ʾanāḵ: auf einer Mauer des Gerichts, so erklärt Dunaš (Dûnaš ben Lābrāṭ, 920-990),
אנך ל׳ ערבי חוט קו המשקולת העופרת אשר בה יביט בונה החומה ʾanāḵ (ist) in arabischer Sprache Faden, Messschnur, das Senkblei, das Blei, mit dem der Erbauer der Mauer aufmerksam schaut,
ליישר הדימוס אף כאן הוא לשון קו משקולת משפט: gerade zu richten die Ziegelreihe; hier auch Ausdruck für die Schnur eines Senkbleis, Gericht (?).
V. 8 הנני שם אנך. הנני שופט אותם בקו שורת הדין: Siehe, ich setze ʾanāḵ: Siehe, ich richte sie mit der Schnur des strikten Rechts.

Eine ʾanāḵ-Mauer ist nach Ansicht der Ausleger eine mit dem Bleilot ausgerichtete Mauer, daher „eine senkrechte Mauer“ (Gesenius). Das klingt allerdings nach heißem Feuer und weißem Schnee; was anderes als senkrecht soll eine Mauer denn sein?

In V. 9 ist eindeutig von Gottes Gericht, von Zerstörung und Kampf („Schwert“) die Rede. Doch worin besteht das Gericht, wenn Gott das Bleilot in die Mitte seines Volkes setzt, „das Bleigewicht anlegt“ (Gesenius)? Braucht man etwa ein Lot, um etwas zu zerstören? Ausleger berufen sich meist auf folgende drei Stellen:

Doch scheint mir, dass die Messschnur und das Senkblei nur metaphorisch, um nicht zu sagen ironisch gemeint sind. Die „Messschnur Samarias“ und das „Senkblei des Hauses Ahab“ sind die methodische Gründlichkeit, mit der die Assyrer die Hauptstadt des Nordreichs zerstört haben. In der Praxis wird man wohl kaum diese Gerätschaften gebraucht haben, um eine Mauer oder eine Stadt zu zerstören. In Am 7,8 fehlt hingegen der Zusatz, der (wie an den oben genannten Stellen) deutlich macht, dass es um Gericht und Zerstörung geht.

Geht es also nur um eine Prüfung, ein „Nachmessen“ vor dem Gericht zum Nachweis, wie schief und verkehrt das Volk ist?

Ältere moderne Übersetzungen

Trotz dieser Einwände war das bis vor kurzem das gängige Verständnis der Stelle:

An sich ist die Metonymie Material = Gegenstand aus diesem Material gar nicht selten. So bedeutet in manchen Sprachen das Wort für Silber auch „Geld“, z.B. hebr. כֶּ֫סֶף kǽsæp̱, agriech. ἀργύριον und ἄργυρος (nicht jedoch im Ngriech.), frz. argent, span. (lateinamer.) plata (zumindest dem Wörterbuch zufolge). Für die dt. Standardsprache fallen mir etwa Glas für ein Trinkgefäß aus diesem Material ein, Gläser für eine Brille (vgl. engl. glasses), Papiere für Dokumente auf ebensolchem. Fachsprachlich geht dieser Gebrauch viel weiter, z.B. in der Jägersprache Eisen für eine Falle; im Sport Leder für einen (Fuß-)Ball, Eisen und Holz für bestimmte Arten von Golfschlägern, Holz für einen Kegel; in der Musik Blech und Holz für die entsprechenden Blasinstrumente. So auch engl. brass „Messing“ für Blechbläser; tin „Zinn“ für Blechdose. Blei für Senkblei wäre also eine sprachlich plausible Annahme.

Antike Übersetzungen

Noch seltsamer wird die Geschichte, wann man in die antiken Übersetzungen blickt.

Weil „Bleimauer“ = „gerade, senkrechte Mauer“ doch sprachlich sehr problematisch ist, wird an dieser Stelle auch textkritisch herumgedoktert: Meist wird das אֲנָךְ gestrichen und davor einfach חוֺמָה „Mauer“ gelesen (s.o. Gute Nachricht und Einheitsübersetzung). Beyerlin teilt (allerdings ablehnend) eine etwas plausiblere Emendation mit: חוֺמַת אֶבֶן „Steinmauer“. Nowacks Amos-Kommentar bietet in der 3. Aufl. eine andere Variante: חוֺמַת אַרְמוֺן „Palastmauer“. Das ist ins Blaue geraten und hat sich mit Recht nicht durchgesetzt. Ebenso willkürlich sind der Vorschlag im textkritischen Apparat der BHS, der אֲנָךְ nach vorn zieht und an die Stelle von אֲדֹנָי setzt: אֲנָךְ נִצָּב עַל־חוֺמָהʾanāḵ stand auf einer Mauer“; und die Lesart in Scharts WiBiLex-Artikel, die sowohl אֲנָךְ als auch אֲדֹנָי streicht: נִצָּב עַל חוֺמָה „ein Stehender (=einer stand) auf einer Mauer“.

Neueste moderne Übersetzungen

Doch in Luther 2017 heißt es plötzlich: „Und siehe, der Herr stand auf einer Mauer von Zinn, und er hatte Zinn in seiner Hand. […] Siehe, ich bringe Zinn mitten unter mein Volk Israel.“ Ziemlich ähnlich auch die Neuausgabe der Einheitsübersetzung. Als Erklärung heißt es in der Fußnote: „Zinn diente zur Herstellung von Waffen.“ Doch auch der gedankliche Zweisprung: Zinn verweist auf Bronze, aus Bronze kann man Waffen machen, überdehnt die Möglichkeiten der Metonymie. Und wenn Amos Bronze meint, wieso sagt er es dann nicht? Die Mauer aus Bronze ist im AT belegt, z.B. Jer 15,20: וּנְתַתִּיךָ לָעָם הַזֶּה לְחֹומַת נְחֹשֶׁת בְּצוּרָה „und ich mache dich für dieses Volk zu einer steilen Mauer aus Bronze“ (ähnlich Jer 1,18).

„Zur festen, ehernen Mauer“ haben Luther 1984 und 2017. Das aus der Alltagssprache verschwundene Wort ehern bedeutet „bronzen, aus Bronze“, im übertragenen Sinn „hart, unbeugsam“. Das Adj. mhd. ahd. ērīn ist abgeleitet von mhd. ahd. ēr, vgl. goth. aiz „Kupfermünze, Geld“ (als Übers. v. Mk 6,8 χαλκός), lat. aes, aeris „Kupfer, Bronze“, skt. अयस् áyas „Eisen“. Bekanntlich ist dies der einzige gemeinindogerman. Metallname.

Num 31,22 zählt offenbar die wichtigsten den Israeliten bekannten Metalle auf. Diese sind (in ihrer Wörterbuchform): זָהָב zāhāḇ „Gold“, כֶּ֫סֶף kǽsæp̱ „Silber“, נְחֹ֫שֶׁת neḥóšæt „Kupfer, Bronze“, בַּרְזֶל barzæl „Eisen“, בְּדִיל bedîl „Zinn“, עֹפֶ֫רֶת ʿop̱ǽræt „Blei“. Dass an Stellen wie Hi 19,23 hebr. סֵ֫פֶר sép̱ær die Entsprechung zu ass. siparru „Bronze“ sein soll, ist wohl sprachlich nicht ausgeschlossen, aber vom Kontext her nirgends zwingend erforderlich.

Etymologie

Die Wörterbücher vergleichen das hebr. Wort ʾanāḵ mit den entsprechenden Wörtern in verwandten Sprachen. Zum besseren Verständnis der Lemmata bei Brockelmann, Payne Smith und Dillmann sei hier folgendes vorausgeschickt:

(Zur Auflösung der Siglen diese mit der Maus überfahren, der Tooltip enthält die bibliographischen Angaben.)

akk./ass. AN.NA, annaku
Delitzsch: anaku „Blei“
CAD: annaku „tin“ („Blei“ ist abāru)
Black/George/Postgate: annaku(m) „tin; lead“
aram. nicht sicher belegt
Landsberger (S. 286, Anm. 8) schlägt für das aram. אָנַךְ ʾānaḵ „polieren; glasieren“ auch die Bedeutung „verzinnen“ vor (~ syr. ܐܷܢܰܟ ʾenaḵ), und für אָנָךְ ʾānāḵ „Onyx; Glasur, Überzug“ auch „Verzinnung“.
syr. ܐܴܢܟܳܐ ʾānkâ
Payne Smith, Thes.: plumbum album, h.e. stannum“
Payne Smith, Dict.: „tin“
Brockelmann: „plumbum et nigrum et album, stannum“
CAL: „tin“
ar. آنُك ʾānuk
Steingass: „lead, tin“
Fraenkel: „Zinn“. Nach Fraenkel kommt das arab. Wort aus dem Aram.
Wehr: „Blei“
äth. ናእክ nāʾek
Dillmann: plumbum sive nigrum sive album, stannum, μόλιβδος et κασσίτερος“ (für Apg. 27,28 ist noch die Bedeutung „perpendiculum plumbeum (βολίς)“ vermerkt).
mand. אנכא anka
Drower/Macuch: „tin“

Das Verständis von hebr. ʾanāḵ als Blei(-lot) war so ehrwürdig, dass mit dem Aufkommen der Assyriologie selbst der Bibel-Babel-Streiter Delitzsch nicht daran rütteln mochte. Daher verstand er ass. annaku als Blei. Zwar nahm in den folgenden Jahrzehnten das Verständnis als Zinn überhand und wurde mit dem CAD (Chicago Assyrian Dictionary) gleichsam autoritativ festgeschrieben. Doch für die Sprachepoche des Akkadischen halten Von Soden und Black/George/Postgate am Verständnis als Zinn oder auch Blei fest. Dabei ist gerade für die Bronzezeit unverständlich, dass das wichtige und wertvolle Zinn vom wohlfeilen Blei nicht sprachlich klar unterschieden worden sein soll. Wichtig war Zinn, weil es zur Herstellung der Bronze unabdingbar war; wertvoll, weil es von weither beschafft werden musste und in der Preisliste der Metalle nach Gold und Silber an dritter Stelle rangierte.

Ähnlich dürfte die Situation für das Syrische aussehen. Payne Smith sieht ausschließlich Zinn, Brockelmann hält auch in der 2. Aufl. seines Thesaurus an Blei oder Zinn fest. Auch beim Arabischen sind die Lexikographen uneins. Für das Äthiopische weist Brunet (S. 393, Anm. 4) darauf hin, dass die Belege bei Dillmann letztlich alle nur Zinn bezeichnen.

Schon das obige Beispiel – lat. aes „Kupfer, Bronze“ vs. skt. áyas „Eisen“ – zeigt, dass Metallnamen einzelsprachlich unterschiedliche Bedeutungen annehmen können. Dasselbe Phänomen findet man bei den baltoslavischen Sprachen: tschech. olovo, serbokroat. olovo, poln. ołów „Blei“, aber russ. о́лово, lit. alavas „Zinn“.
Dass die Römer anscheinend sprachlich zwischen Zinn und Blei nicht klar unterschieden, mag daran liegen, dass der Durchschnittsrömer mit Zinn selten in Kontakt kam, und wenn, dass er es dann vom allgegenwärtigen Blei nicht zu unterscheiden wusste. Die römischen Metallurgen kannten den Unterschied selbstverständlich.

Meines Erachtens muss man auch berücksichtigen, dass ein Wort aus einer anderen Sprache durchaus mit geänderter Bedeutung übernommen sein kann. Bekanntlich heißt engl. handy „handlich, praktisch, bequem“, bezeichnet auf Dt. aber das tragbare Fernsprechgerät.

Wirklich Zinn?

Wenn Amos Zinn meint, wieso sagt er dann nicht bedîl, sondern verwendet ein vermutlich aus dem Assyrischen stammendes Fremdwort? Weil er damit auf die drohende Gefahr der Assyrer hinweisen will? Dazu mussten aber die Hörer wissen, dass das Wort assyrisch war, und zugleich seine (hebräische) Bedeutung kennen. (Wenn ich, um – exempli gratia – auf die russische Gefahr hinzuweisen, von Schiljesa (желе́зо) „Eisen“ spräche, wer würde es verstehen?)

Aber was soll eine Mauer aus Zinn bedeuten, was Zinn in Gottes Hand und in der Mitte des Volkes? Die Mauer aus Zinn stehe für die unbegrenzte Menge von Waffen, die Gott zu Gebote stehe, sagt etwa Brunet (S. 391). Aber warum dann nicht „ein Haufen“, ein „Berg aus Zinn“? Warum gerade eine Mauer? (Ich kann nicht sehen, dass hebr. ḥômâ auch die Bedeutung einer großen Menge haben könnte.) Beyerlin beruft sich auf das Unsagbare des Visionären. Aber woran erkennt der Prophet eigentlich Zinn? Amos war ja, wie er selbst bekundet, landwirtschaftlich tätig, und nicht etwa metallurgisch.

Albert Condamin weist in einem ausführlichen Artikel darauf hin, dass wir zwar nicht sicher sagen können, welches Metall genau hinter dem hebr. Wort steckt, dass das aber zweitrangig ist. Klar ist, dass es bei Amos um ein Gerichtshandeln Gottes an seinem Volk und dem König, dass es um Kampf und Zerstörung geht. Er macht sich für die Wiedergabe der LXX stark, die zwar vielleicht nicht das Metall korrekt getroffen, aber den Sinn durch eine für das Griechische passende Metonymie gut übersetzt hat.

Etymologisch ist „Zinn“ die wahrscheinlichste Bedeutung für das hebr. Wort. Aber es ergibt im Kontext keinen wirklichen Sinn. An die doppelte Metonymie Zinn = Bronze = (feindliche) Waffen glaube, wer kann. Mir will scheinen, dass wir noch nicht wissen, was ʾanāḵ heißt.

Literatur:

Anhang: Albert Condamin, Le prétendu “fil à plomb” de la vision d’Amos

Ich habe den Aufsatz, zu meinem eigenen besseren Verständnis, so gut ich es eben vermochte, ins Deutsche übersetzt. Caveat lector: mein Französisch ist erbärmlich.

LE PRÉTENDU “FIL A PLOMB” DE LA VISION D’AMOS Das angebliche „Senkblei“ der Vision des Amos
Des trois visions symboliques où Dieu révèle au prophète Amos le châtiment d’Israël (vii, 1-9), la dernière n’a pas reçu, me semble-t-il, une interprétation satisfaisante, ni dans la version de saint Jérôme, ni dans celle des exégètes modernes. Le point à éclaircir apparaîtra du premier coup dans la traduction du texte hébreu, littérale et sans commentaires : « Voici ce qu’il me fit voir : le Seigneur se tenait sur un mur de plomb (ou d’étain?), et dans sa main il avait du plomb; et Iahvé me dit : Que vois-tu, Amos? Et je dis : Du plomb. Et le Seigneur dit : Je vais appliquer le plomb au milieu de mon peuple Israël, et je ne lui pardonnerai plus. » Toute l’énigme est dans le mot « plomb » répété quatre fois. Von den drei symbolischen Visionen, in denen Gott dem Propheten Amos die Bestrafung Israels offenbart (7,1-9), hat die letzte, (so) scheint mir, keine befriedigende Deutung erhalten, weder in der Übersetzung des heiligen Hieronymus noch in denen der modernen Exegeten. Der Punkt, den es aufzuhellen gilt, wird sich auf Anhieb in der Übersetzung des hebräischen Textes, wörtlich und ohne Kommentare, zeigen: „Das ist, was er mich sehen ließ: der Herr hielt sich auf einer Mauer aus Blei (oder aus Zinn?) auf, und in seiner Hand hatte er Blei; und Jahwe sagte zu mir: Was siehst du, Amos? Und ich sagte: Blei. Und der Herr sagte: Ich werde Blei anbringen/anwenden in der Mitte meines Volkes Israel, und ich werde nicht mehr Nachsicht mit ihm üben.“ Das ganze Rätsel liegt in dem viermal wiederholten Wort „Blei“.
La Vulgate traduit : « Le Seigneur me montra ceci : voici que le Seigneur était debout sur une muraille crépie; dans sa main il avait une truelle de maçon. Et le Seigneur me demanda : Que vois-tu, Amos? Et je répondis : Une truelle de maçon. Et le Seigneur dit : Voici que je mettrai la truelle au milieu de mon peuple Israël, et je ne continuerai plus à le recouvrir. » Le métal, effacé sous cette interprétation, repartaît dans le commentaire où saint Jérôme rend compte de sa version : Sur un mur revêtu d’une couche d’étain, « supra murum stannatum sive litum », Dieu apparaît debout, tenant en main l’étain destiné à orner et à consolider ce mur, image d’Israël. Irrité contre son peuple, il laissera la truelle, il abandonnera le soin de l’édifice. Die Vulgata übersetzt: „Der Herr zeigte mir dies: siehe, der Herr stand auf einer verputzten Mauer; in seiner Hand hatte er eine Maurerkelle. Und der Herr fragte mich: Was siehst du, Amos? Und ich antwortete: Eine Maurerkelle. Und der Herr sagte: Siehe, ich werde die Kelle in die Mitte meines Volkes Israel stellen, und ich werde nicht mehr fortfahren, ihn zu bedecken.“ Das Metall, das bei dieser Auslegung verwischt ist, erscheint wieder in dem Kommentar, in dem der heilige Hieronymus Rechenschaft über seine Wiedergabe gibt: Auf einer mit einer Schicht von Zinn überzogenen Mauer, „supra murum stannatum sive litum“ [auf einer verzinnten oder verputzten Mauer], erscheint Gott stehend, in der Hand das Zinn haltend, das (dazu) bestimmt ist, diese Mauer, Abbild Israels, zu verzieren oder zu verstärken. Erzürnt gegen sein Volk wird er die Kelle liegen lassen, wird er die Wartung des Bauwerks aufgeben.
Cette explication se heurte à d’insurmontables difficultés. D’abord, si le prophète Ézéchiel représente allégoriquement les faux prophètes appliqués à crépir un mur (xiii, 10-15; xxii, 28), nulle part il n’est question d’un mur enduit d’étain. Et puis, privé d’enduit, le mur est moins brillant, moins solide, mais il n’est pas voué, par le fait même, à une ruine fatale ni prochaine : pareille image est une menace bien faible après le fléau des sauterelles et l’immense incendie. D’ailleurs, la locution finale est mal rendue par ces mots : « je ne continuerai plus à le recouvrir » ; un peu plus loin (viii, 2) où elle revient sous une forme identique, saint Jérôme l’explique autrement : « Non adjiciam ultra ut pertranseam eum, hoc significat quod iniquitates populi sui ultra non transeat, nec negligat, neque impunita scelera transire permittat »; c’est-à-dire, je ne lui pardonnerai plus. Il reste donc un seul terme pour indiquer la nature du châtiment : ponam trullam, à condition de traduire : je quitterai la truelle. Or, le verbe שׂום, placer, mettre, appliquer, ne signifie jamais quitter, laisser. En latin ponere équivaut parfois à deponere, « ponere vitam, ponere dolorem »; le verbe hébreu n’offre point d’exemple de ce sens, et doit se traduire précisément avec le sens contraire : je mettrai, j’appliquerai. Dès lors, la menace d’abandon disparaît entièrement. Diese Erklärung stößt auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Erstens: wenn der Prophet Ezechiel die falschen Propheten allegorisch darstellt als eifrig, eine Mauer zu verputzen (13,10-15; 22,28), geht es nirgends um eine mit Zinn bestrichene Mauer. Und zweitens: ihres Anstrichs beraubt ist die Mauer weniger glänzend, weniger fest, aber allein dadurch ist sie nicht einem unausweichlichen und nahen Untergang geweiht: ein solches Bild ist eine recht schwache Drohung nach der Geißel der Heuschrecken und dem gewaltigen Brand. Übrigens ist die Redewendung am Schluß mit diesen Worten schlecht wiedergegeben: „ich werde nicht mehr fortfahren, sie zu bedecken“; ein wenig weiter (8,2), wo sie in einer identischen Form wiederkehrt, erklärt sie der heilige Hieronymus anders: „Non adjiciam ultra ut pertranseam eum, hoc significat quod iniquitates populi sui ultra non transeat, nec negligat, neque impunita scelera transire permittat“ [ich werde nicht länger hinzufügen, dass ich an ihm vorübergehe, das bedeutet, dass er die Ungerechtigkeiten seines Volkes nicht länger übergeht, nicht ignoriert und die Verbrechen nicht ungestraft durchgehen lässt]; d.h. ich werde nicht mehr Nachsicht mit ihm üben. Es bleibt also nur ein Ausdruck, der auf die Art der Bestrafung hinweist: ponam trullam, unter der Voraussetzung, dass man übersetzt: ich werde die Kelle verlassen. Das Verb שׂום setzen, stellen, legen bedeutet nun aber niemals verlassen, stehen lassen. Im Lateinischen entspricht ponere [stellen, lagen] gelegentlich deponere [weglegen, aufgeben], „ponere vitam [das Leben lassen], ponere dolorem [den Unmut ablegen]“; das hebräische Verb bietet gar kein Beispiel für diesen Sinn und muss genau im gegenteiligen Sinn übersetzt werden: ich werde aufstellen, ich werde anbringen. Infolgedessen verschwindet die Drohung des Verlassens gänzlich.
Pour ces diverses raisons — la dernière, à elle seule, est décisive — on peut, avec respect, estimer la solution de saint Jérôme inadmissible. Aus diesen verschiedenen Gründen – der letzte ist für sich genommen (schon) ausschlaggebend – kann man bei allem Respekt die Lösung des heiligen Hieronymus als unzulässig bewerten.
Au sentiment de presque tous les exégètes modernes, il s’agit dans ce fameux passage d’un fil à plomb, ou d’un plomb à niveau. Reuss traduit : « Voici ce qu’il me fit voir : Je vis le Seigneur debout sur un mur fait au niveau, et dans sa main il tenait un niveau. Et l’Éternel me dit : Que vois-tu, ʿAmos? Et je dis : Un niveau. Et le Seigneur dit : Vois-tu, je vais poser le niveau au milieu de mon peuple d’Israël; je ne continuerai point à lui pardonner. » Renan est visiblement satisfait ; il trouve très plaisant le fil à plomb, et ne demande rien de plus : « Amos avait surtout trois menaces par lesquelles il effrayait les populations : les sauterelles, le feu, le fil à plomb. Il disait avoir vu Iahvé au moment où il forme les sauterelles après la fenaison royale. Les sauterelles allaient tout dévorer ; par sa prière, le prophète les arrêtait. — Le feu de même commençait par absorber la Méditerranée, puis il allait manger la terre. La prière l’arrêtait encore. — Quant au niveau ou fil à plomb, rien ne l’arrêtait. Il se promenait en maître sur les hauts-lieux d’Isaac et les sanctuaires d’Israël. C’était le signe d’une absolue dévastation (1). » Nach dem Empfinden fast aller modernen Exegeten geht es in dieser berühmten Stelle um ein Senkblei oder eine Setzwaage. Reuss übersetzt: „Das ist, was er mich sehen ließ: Ich sah den Herrn auf einer waagrecht gemachten Mauer stehen, und in seiner Hand hielt er eine Setzwaage. Und der Ewige sagte zu mir: Was siehst du, Amos? Und ich sagte: Eine Setzwaage. Und der Herr sagt: Sieh du, ich werde die Setzwaage in die Mitte meines Volkes Israel stellen; ich werde nicht fortfahren, mit ihm Nachsicht zu üben.“ Renan ist sichtlich zufrieden; er findet das Senkblei sehr ansprechend, und er verlangt nicht nach mehr: „Amos hatte vor allem drei Bedrohungen, mit denen er die Bevölkerungen aufschreckte: die Heuschrecken, das Feuer, das Senkblei. Er sagte, er habe Jahwe in dem Moment gesehen, in dem er die Heuschrecken bildete nach der königlichen Ernte. Die Heuschrecken waren im Begriff, alles aufzufressen; durch sein Gebet hat der Prophet sie gestoppt.– Ebenso begann das Feuer, das Mittelmeer zu verschlucken, dann würde es die Erde fressen. Das Gebet hat es noch einmal gestoppt.– Was die Setzwaage oder das Senkblei betrifft, nichts hat es gestoppt. Es spazierte gebieterisch auf den Höhen Isaaks und den Heiligtümern Israels. Es war das Zeichen einer völligen Zerstörung (1).“
(1) Histoire du peuple d’Israël, t. II, p. 436. (1) [Ernest Renan,] Geschichte des Volkes Israel, Bd. 2, S. 436.
Ainsi, par une fortune invraisemblable, ce « fil à plomb », dû, je pense, à l’initiative d’un rabbin du moyen âge, a jusqu’à nos jours échappé ou résisté à la critique. Le P. Knabenbauer l’a combattu, il est vrai, par d’excellentes raisons; malheureusement il ne trouve rien de mieux à lui substituer que la truelle et le revêtement d’étain (2). Essayons de montrer clairement le vice de l’interprétation admise à peu près par tous les auteurs modernes; puis mettons en lumière un autre sens, recommandé, semble-t-il, par le texte, les plus anciennes versions, le contexte, et certains passages bibliques parallèles. So ist durch einen unwahrscheinlichen Zufall dieses „Senkblei“, das, denke ich, der Initiative eines mittelalterlichen Rabbiners geschuldet ist, bis in unsere Tage durchgerutscht oder hat der Kritik widerstanden. Pater Knabenbauer hat es mit hervorragenden Gründen bekämpft, das ist wahr; leider findet er nichts Besseres, es zu ersetzen, als die Kelle und die Beschichtung aus Zinn (2). Versuchen wir, den Mangel der Auslegung, die halbwegs von allen modernen Autoren akzeptiert wird, klar zu zeigen; dann weisen wir auf einen anderen Sinn hin, der anscheinend vom Text, den älteren Übersetzungen, dem Kontext und gewissen biblischen Parallelstellen empfohlen wird.
(2) Il est suivi cependant par M. Élie Philippe, art. Amos dans Vig., Dict. de la Bible, t. I, col. 515. (2) Ihm folgt allerdings Hr. Élie Philippe, Art. Amos in Vigouroux, Wörterbuch der Bibel, Bd. 1, Sp. 515.
L’interprétation qui introduit dans le texte d’Amos un niveau, ou un fil à plomb, force le sens des mots, et offre, comme symbole du châtiment, une image vague et inintelligible. — Le sens du mot אנך est évidemment forcé. Ce terme n’est employé nulle part ailleurs dans la Bible; mais il existe en assyrien, en syriaque et en arabe : il désigne un métal, plomb ou étain, peut-être quelque alliage. En hébreu, comme en français, plomb pourrait signifier, par ellipse, fil à plomb, je n’y contredis point ; mais il ne faut pas, sans une nécessité absolue, imaginer un terme nouveau fondé sur une ellipse, pour désigner un objet de ce genre déjà nommé autrement dans la langue : fil à plomb se dit אבן (Is. xxxiv, 11), אבן הבדיל (Zach. iv, 10); le niveau se trouve peut-être représenté par משׁקלת (Is. xxviii, 17; II (IV) Reg. xxi, 13). L’ellipse prend des proportions trop hardies, si, par un mur de plomb, il faut entendre un mur construit verticalement au moyen d’un fil à plomb, ou un mur élevé de niveau à l’aide d’un niveau. Die Auslegung, die in den Amostext eine Setzwaage oder ein Senkblei einführt, vergewaltigt den Sinn des Wortes und bietet als Symbol der Bestrafung ein vages und unverständliches Bild.– Der Sinn des Wortes אֲנָךְ wird offensichtlich vergewaltigt. Dieser Begriff wird nirgendwo anders in der Bibel verwendet; aber er existiert im Assyrischen, im Syrischen und im Arabischen: er bezeichnet ein Metall, Blei oder Zinn, vielleicht irgendeine Legierung. Auf Hebräisch kann Blei, wie auf Französisch, durch Auslassung Senkblei bedeuten, ich widerspreche dem gar nicht; aber man darf nicht ohne eine dringende Notwendigkeit einen neuen Begriff ersinnen, der auf einer Auslassung beruht, um ein solches Objekt zu bezeichnen, das in der Sprache schon auf andere Weise benannt wird: Senkblei heißt אֶ֫בֶן [wörtl. Stein] (Jes 34,11) , אֶבֶן הַבְּדִיל [Stein aus Blei/Zinn] (Sach 4,10); die Setzwaage findet sich vielleicht vertreten durch מִשְׁקֶ֫לֶת (Jes 28,17; 2Kön 21,13). Die Auslassung nimmt zu verwegene Ausmaße an, wenn man unter einer Mauer aus Blei eine Mauer verstehen muss, die senkrecht errichtet wurde mit dem Mittel eines Senkbleis, oder eine Mauer, die waagrecht hochgezogen wurde mit Hilfe einer Setzwaage.
Passe encore si la paraphrase amenait un sens bien clair. Mais l’image obtenue symbolise mieux la restauration que la ruine : le fil à plomb, ou, si l’on veut, le niveau, sert plutôt à élever un mur qu’à le démolir (cf. Zach. iv, 10). Peut-il jamais devenir le symbole d’une œuvre de destruction? Il y a lieu d’en douter. Dans les textes cités à l’appui de cette interprétation, il s’agit du cordeau à mesurer, קו, tout à fait différent du fil à plomb. L’instrument nommé à côté du cordeau, II (IV) Reg. xxi, 13, est, suivant les uns, le fil à plomb ou le plomb à niveau; selon d’autres, plus simplement, un poids; quoi qu’il en soit, le sens des mesures mentionnées là, expliqué par des expressions caractéristiques, est parfaitement clair : ce sont les mesures de Samarie et d’Achab; de même Isaïe (xxxiv, 11), à propos de destruction aussi, parle de mesures « tohu-bohu ». Il ne suit point du tout de là que la mesure en question, employée sans aucun déterminatif, puisse symboliser la destruction. Es geht noch an, wenn die Umschreibung einen recht guten Sinn ergibt. Aber das erzielte Bild symbolisiert besser die Wiederherstellung als den Untergang: das Senkblei oder, wenn man will, die Setzwaage, dient eher dazu, eine Mauer zu errichten als sie zu zerstören (vgl. Sach 4,10). Kann es jemals zum Symbol eines Zerstörungswerkes werden? Daran darf man zweifeln. In den Texten, die zur Unterstützung dieser Deutung zitiert werden, geht es um die Messschnur, קָו, die völlig verschieden ist vom Senkblei. Das Instrument, das neben der Schnur in 2Kön 21,13 genannt wird, ist, wenn man den einen folgt, das Senkblei oder die Setzwaage; nach den anderen ist es, einfacher, ein Gewicht; was immer es sein mag, der Sinn der dort erwähnten Messungen, erklärt durch die charakteristischen Ausdrücke, ist vollkommen klar: dies sind die Messungen von Samaria und Ahab; ebenso spricht Jesaja (34,11), auch im Hinblick auf Zerstörung, von Messungen „tohu bohu“. Es folgt daraus überhaupt nicht, dass die fragliche Messung, ohne irgendeine nähere Bestimmung durchgeführt, die Zerstörung symbolisieren kann.
L’obscurité augmente, et l’énigme se complique, par la destination du mot אנך à exprimer deux idées contraires : cet étrange fil à plomb représente d’abord la construction régulière du mur, puis sa destruction complète. Aussi l’imagination des commentateurs, en s’exerçant sur ce symbole vague, en a tiré les sens les plus variés. Die Unklarheit wächst und das Rätsel verkompliziert sich durch die Funktion des Wortes אֲנָךְ, zwei gegensätzliche Ideen auszudrücken: dieses seltsame Senkblei repräsentiert zunächst die geordnete Errichtung der Mauer, dann ihre völlige Zerstörung. Auch die Vorstellungskraft der Kommentatoren hat, wenn sie sich an diesem unklaren Symbol übten, die vielfältigsten Bedeutungen daraus geholt.
« De même que les défauts, les saillies d’un mur sont corrigés au moyen du fil à plomb, ainsi les péchés sont corrigés par la justice (1). » „Ebenso wie die Mängel, die Überstände einer Mauer korrigiert werden mittels des Senkbleis, so werden die Sünden korrigiert von der Gerechtigkeit (1).“
(1) Vatable.(1) [François] Vatable.
« חומת אנך désigne proprement un mur vertical, que le soin apporté à sa construction ne préservera pas de la ruine; et même le fil à plomb employé pour le construire va maintenant servir à sa destruction (?) (2). » „Mit חֹומַת אֲנָךְ ist eigentlich eine lothrechte Mauer bezeichnet, welche aber die Sorgfalt, womit sie gebaut worden ist, vor Zerstörung nicht schützen soll; vielmehr das Loth, welches zu ihrer Erbauung diente, soll jetzt bei ihrer Zerstörung verwendet werden (2).“
(2) G. Baur, Der Prophet Amos, 1847, p. 408. (2) G[ustav] Baur, Der Prophet Amos, 1847, S. 408.
« Le royaume est donc comparé à un édifice, à un mur autrefois bien et régulièrement construit (soit perpendiculairement, soit horizontalement, n’importe), dont il ne doit pas rester pierre sur pierre, qui sera égalisé au sol, de manière qu’on pourra mettre le niveau sur ce dernier sans trouver de trace de la construction (3). » „Das Königreich wird daher mit einem Bauwerk verglichen, mit einer Mauer, zuvor gut und ordnungsgemäß errichtet (sei es senkrecht, sei es waagrecht, das ist egal), von der kein Stein auf dem anderen bleiben soll, die dem Erdboden gleich gemacht werden wird, sodass man die Setzwaage auf letzteren setzen können wird, ohne eine Spur der Errichtung zu finden (3).“
(3) Reuss, Les Prophètes, trad. 1876. (Trochon, 1883, id.) (3) [Edouard] Reuss, Die Propheten, übers. 1876 [Bd. 1, S. 118, Fn. 5]. (Trochon, 1883, ds.)
« Dieu, dans une troisième vision, lui apparaît debout sur un mur, un fil à plomb à la main, et lui déclare qu’il va détruire son peuple et la maison de Jéroboam sans miséricorde, pour ainsi dire avec la même régularité implacable que celle du maçon qui se sert du fil à plomb (1). » „In einer dritten Vision erscheint ihm Gott auf einer Mauer stehend, ein Senkblei in der Hand, und erklärt ihm, dass er sein Volk und das Haus Jerobeams ohne Mitleid vernichten wird, sozusagen mit derselben unerbittlichen Korrektheit wie der des Maurers, der sich des Senkbleis bedient (1).“
(1) Ch. Bruston, Histoire critique de la littérature prophétique des Hébreux, 1881, p. 73. (1) Ch. Bruston, Kritische Geschichte der prophetischen Literatur der Hebräer, 1881, S. 73.
« Le fil à plomb est placé au milieu du peuple, c’est-à-dire au milieu de l’édifice, et cela marque l’intention de renverser tout le bâtiment : l’architecte ne se contente pas de démolir une partie accessoire, il n’entreprend pas une réparation, il fait la place nette par une complète démolition (2). » „Das Senkblei wird in die Mitte des Volkes gesetzt, d.h. in die Mitte des Bauwerks, und dies zeigt die Absicht an, das ganze Gebäude umzustürzen: der Architekt begnügt sich nicht damit, einen unwesentlichen Teil abzureißen, er unternimmt keine Ausbesserung, er räumt alles leer durch einen vollständigen Abriss (2).“
(2) K. Hartung, Der Prophet Amos, 1898 (cf. von Orelli, 1888). (2) K. Hartung, Der Prophet Amos, 1898 (vgl. von Orelli, 1888).
« Voici que je vais mettre le fil à plomb au milieu de mon peuple, et je ne l’épargnerai plus, » c’est-à-dire je ne lui pardonnerai plus aucune irrégularité, aucune faute, de même que le maçon qui vérifie avec le fil à plomb la muraille qu’il construit n’y souffre aucun creux ni aucune proéminence (3). » „Siehe, ich werde das Senkblei in die Mitte meines Volkes setzen und ich werde es nicht mehr verschonen, d.h. ich werde ihm keine Regelwidrigkeit mehr nachsehen, keine Verfehlung, ebenso wie der Maurer, der mit dem Senkblei die Mauer, die er errichtet, überprüft, daran keine Delle und keine Erhebung duldet. (3).“
(3) Vigouroux, Dict. de la Bible, art. Fil à plomb, t. II, col. 2244. (3) [Fulcran] Vigouroux, Wörterbuch der Bibel, Art. Senkblei, Bd. 2, Sp. 2244.
Témoin de trop d’essais infructueux, M. Nowack entre dans une nouvelle voie. Le mur vertical lui paraît suspect, « totalement dépourvu de sens dans cette vision, et même en désaccord avec l’idée principale ». Il coupe court à la difficulté par la suppression pure et simple du mot אנך (en dépit du texte et de toutes les versions anciennes), et par la correction du mot précédent, mur, où l’on ne peut plus maintenir l’état construit. Le mur toutefois reste debout, sans qualificatif; et sur ce mur apparait Iahvé tenant toujours en main l’inévitable fil à plomb. Mais ici M. Nowack se sépare résolument de la foule des commentateurs — ce fil à plomb n’est pas le symbole de la destruction; on s’appuie à tort sur II Reg. xxi, 13 et Is. xxxiv, 11. Il signifie que Iahvé va se rendre compte de l’état d’Israël, où tout est de travers. Le savant exégète a raison sans doute de se refuser à voir là un symbole de ruine; mais il s’expose alors à cette objection très embarrassante : Sur quoi s’appuie votre traduction du mot אנך? Le seul motif d’y voir un fil à plomb est justement l’idée de ruine, ici exprimée au v. 9, ailleurs, croyait-on, associée au fil à plomb. Il ne faut donc pas conserver un sens elliptique et tout spécial, en lui ôtant son unique base établie sur le contexte et les deux passages prétendus parallèles. Hr. Nowack, Zeuge des Zuviels an fruchtlosen Versuchen, betritt einen neuen Weg. Die senkrechte Mauer erscheint ihm verdächtig, „weil es [אנך nach חומת] nicht nur innerhalb der Vision völlig bedeutungslos ist, sondern auch zu dem Hauptgedanken derselben nicht stimmt.“ Er wischt die Schwierigkeit vom Tisch durch die klare und einfache Unterdrückung des Wortes אנך (ungeachtet des Textes und aller antiken Übersetzungen) und durch die Korrektur des vorausgehenden Wortes, Mauer, wo man den errichteten Zustand nicht mehr aufrecht erhalten kann. Die Mauer jedoch bleibt aufrecht ohne nähere Bestimmung; und auf dieser Mauer erscheint Jahwe, der immer noch das unvermeidliche Senkblei in der Hand hält. Aber hier trennt sich Hr. Nowack entschieden von der Menge der Kommentatoren – dieses Senkblei ist nicht das Symbol der Zerstörung; man stützt sich zu Unrecht auf 2Kön 21,13 und Jes 34,11. Es bedeutet, dass Jahwe den Zustand von Israel erkennen wird, wo alles schief ist. Der gelehrte Exeget hat ohne Zweifel recht, sich zu weigern, dort ein Symbol des Untergangs zu sehen; aber er setzt sich nun diesem sehr unangenehmen Einwand aus: Worauf stützt sich eure Übersetzung des Wortes אנך? Der einzige Beweggrund, darin ein Senkblei zu sehen, ist genau die Idee des Untergangs, hier ausgedrückt im V. 9, anderswo, konnte man glauben, verbunden mit dem Senkblei. Man darf also nicht an einem auf Auslassung beruhenden und ganz speziellen Sinn festhalten, indem man ihm seine einzigartige Grundlage entzieht, die errichtet ist auf dem Kontext und den zwei angeblichen Parallelstellen.
* * ** * *
Il est temps de sortir de ce chaos des commentaires; et l’on n’en peut sortir qu’en se débarrassant définitivement du « fil à plomb », sans rien supprimer ni changer dans le texte. Es ist Zeit, aus diesem Chaos der Kommentare herauszukommen; und man kann nur daraus herauskommen, indem man das „Senkblei“ endgültig los wird, ohne etwas im Text wegzulassen oder zu verändern.
Sans paraphrase, sans allusions savantes, sans symbolisme énigmatique, la version des LXX, suivie par le Syriaque et par Symmaque, voit le Seigneur ἐπὶ τείχους ἀδαμαντίνου, et dans sa main ἀδάμαντα. Pourquoi cette version simple, naturelle et tout à fait juste, comme nous allons essayer de le prouver, n’a-t-elle pas prévalu? Voici probablement la raison : le métal ἀδάμας a été pris pour du diamant! Dom Calmet, par exemple, nous dit : « Les Septante suivis de l’arabe, du syriaque et de quelques autres Interprètes, traduisent l’hébreu anach par un diamant… Voici donc le sens que l’on peut donner à ce passage, en suivant cette traduction, qui paraît la plus littérale : J’ai vu le Seigneur sur un mur de diamant, et qui avait un diamant dans sa main; et il m’a dit : Je mets un diamant, ou un mur de diamant au milieu de mon peuple; je ne lui passerai plus rien. » Tout récemment M. Hartung et M. Vigouroux (loc. cit.) parlaient aussi de diamant à ce propos. Cependant, en latin comme en grec, ce mot signifie en premier lieu un métal très dur. Comme il ne se rencontre pas ailleurs chez les LXX, cherchons-en le sens classique dans le dictionnaire de M. Anatole Bailly : « ἀδάμας. 1. le fer le plus dur, acier. 2. sorte de métal composé très dur, ressemblant à de l’or. 3. postér. diamant. » Consultons encore le Dictionnaire des antiquités grecques et romaines de MM. Daremberg et Saglio : « Adamas (Ἀδάμας).— I. Hésiode est le premier auteur qui se serve de ce terme, et il l’emploie pour désigner, comme l’indique l’étymologie (ἀ-δαμάζω), un métal excessivement dur, indomptable… Il est difficile de savoir si le poète a eu en vue un acier d’une trempe particulière ou un alliage analogue à l’airain… II. Le diamant… Théophraste est le premier qui emploie le mot ἀδάμας dans ce sens. » (Ch. Morel.) Ohne Umschreibung, ohne gelehrte Anspielungen, ohne rätselhaften Symbolismus sieht die Wiedergabe der LXX, gefolgt vom Syrischen und von Symmachus, den Herrn ἐπὶ τείχους ἀδαμαντίνου [auf einer demantenen Mauer] und in seiner Hand ἀδάμαντα [Demant]. Warum hat sich diese einfache, natürliche und völlig genaue Wiedergabe, wie wir zu beweisen versuchen werden, nicht durchgesetzt? Hier ist wahrscheinlich der Grund: das Metall ἀδάμας ist als Diamant aufgefasst worden! Dom Calmet z.B. sagt uns: „Die LXX, gefolgt vom Arabischen, dem Syrischen und einigen anderen Interpreten übersetzten das hebräische anach mit einem Diamanten… Hier ist also der Sinn, den man dieser Stelle geben kann, indem man dieser Übersetzung folgt, die die wörtlichste zu sein scheint: Ich habe den Herrn auf einer Mauer aus Diamant gesehen, und der einen Diamanten in seiner Hand hatte; und er sagte zu mir: Ich setze einen Diamanten oder eine Mauer aus Diamant in die Mitte meines Volkes; ich werde ihm nichts mehr durchgehen lassen.“ Kürzlich sprachen Hr. Hartung und Hr. Vigouroux (an d. genannten Stelle) ebenfalls zu diesem Thema über Diamant. Allerdings bedeutet dieses Wort auf Latein wie auf Griechisch in erster Linie ein sehr hartes Metall. Da es anderswo bei den LXX nicht vorkommt, suchen wir die klassische Bedeutung im Wörterbuch von Hrn. Anatole Bailly: „ἀδάμας. 1. das härteste Eisen, Stahl. 2. eine Art sehr harter Metallverbindung, ähnlich der von Gold. 3. Spätere Diamant.“ Konsultieren wir noch das Wörterbuch der griechischen und römischen Altertümer der Herren Daremberg und Saglio: „Adamas (Ἀδάμας).— I. Hesiod ist der erste Autor der sich dieses Begriffs bedient, und er verwendet ihn, um, wie die Etymologie anzeigt (ἀ-δαμάζω [un- + bezwingen]), ein ungemein hartes, unbezwingbares Metall zu bezeichnen… Es ist schwer zu sagen (wörtl. zu wissen), ob der Dichter einen Stahl einer besonderen Härte im Blick gehabt hat oder eine Legierung ähnlich der Bronze… II. Der Diamant… Theophrast ist der erste, der das Wort ἀδάμας in dieser Bedeutung verwendet.“ (Ch. Morel)
Voilà donc un point sur lequel la version grecque se trouve parfaitement d’accord avec le texte hébreu : il s’agit de part et d’autre d’un mur en métal, et Iahvé tient en main un métal. La nature du métal est ici chose secondaire et sera discutée plus loin. L’important est de ne pas faire aussitôt de ce métal tel instrument qu’on introduira subrepticement dans le texte. L’action symbolique — c’est certain — est expliquée par la conclusion du passage d’Amos : « Je ne lui pardonnerai plus; je détruirai les hauts-lieux d’Isaac, je ravagerai les sanctuaires d’Israël ; je marcherai, armé du glaive, contre la maison de Jéroboam » (v. 9). Guerre et destruction, tel est donc le sens de l’action symbolique. Or, la guerre et la destruction sont clairement représentées par le mur de métal sur lequel (ou près duquel, על) Iahvé se montre, et par le métal dont sa main est armée. Démontrer cela, c’est asseoir l’interprétation des LXX sur une base solide. Da ist also ein Punkt, an dem sich die griechische Wiedergabe vollkommen im Einklang mit dem hebräischen Text befindet: es geht hier wie dort um eine Mauer aus Metall, und Jahwe hält ein Metall in der Hand. Die Art des Metalls ist hier nebensächlich und wird später diskutiert werden. Das Wichtige ist, nicht sofort aus diesem Metall solch ein Instrument zu machen, das man heimlich in den Text einführen wird. Die symbolische Handlung – das ist sicher – wird erklärt durch den Abschluss der Stelle des Amos: „Ich werde nicht mehr mit ihm Nachsicht üben; ich werde die Höhen Isaaks zerstören, ich werde die Heiligtümer Israels verwüsten; ich werde, mit dem Schwert bewaffnet, gegen das Haus Jerobeams marschieren“ (V. 9). Krieg und Zerstörung, solches ist also die Bedeutung der symbolischen Handlung. Nun werden der Krieg und die Zerstörung deutlich repräsentiert von der Mauer aus Metall, auf der (oder nahe der, עַל) sich Jahwe zeigt, und von dem Metall, mit dem seine Hand bewaffnet ist. Dies zu beweisen heißt, die Interpretation der LXX auf eine solide Grundlage zu setzen.
L’image ou la métaphore d’un mur en métal, pour signifier un rempart inexpugnable, n’est pas insolite; nous la trouvons en grec chez un orateur attique, dans les termes employés par les LXX : Χαλκοῖς καὶ ἀδαμαντίνοις τείχεσιν, ὡς αὐτός φησι, τὴν χώραν ἡμῶν ἐτείχισε. (Æsch. in Ctesiph. n. 84, éd. Didot, p. 112.) L’auteur du IIᵉ Livre des Maccabées montre les compagnons de Judas, animés par le secours d’en haut, prêts à transpercer des murailles de fer, σιδηρᾶ τείχη, (xi, 9). En latin cette image est également classique : Das Bild oder die Metapher einer Mauer aus Metall, um ein uneinnehmbares Bollwerk zu bezeichnen, ist nicht ungewöhnlich: wir finden es auf Griechisch bei einem attischen Redner in den Begriffen, die von den LXX verwendet wurden: Χαλκοῖς καὶ ἀδαμαντίνοις τείχεσιν, ὡς αὐτός φησι, τὴν χώραν ἡμῶν ἐτείχισε [mit ehernen und stählernen Mauern, wie er selbst sagt, hat er unser Land eingeschlossen]. (Aischin. Ctesiph. § 84 [Kap. 65], ed. Didot, S. 112 [ed. Bekker Bd. 3, S. 409, ed. Dindorf S. 120].) Der Autor des 2. Makkabäerbuches zeigt die Gefährten des Judas, bewegt durch die Hilfe von oben, bereit, die Mauern aus Eisen, σιδηρᾶ τείχη, zu durchbrechen (11,9). Auf Latein ist dieses Bild gleichermaßen klassisch:
Porta adversa, ingens, solidoque adamante columnae. (Virg., Æn., VI, 552.)
Hic murus aheneus esto… (Hor., Ep., I, 1, 60.)
Porta adversa, ingens, solidoque adamante columnae. [Vorne ein gewaltiges Tor und Säulen aus massivem Stahl] (Verg. Aen. 6,552.)
Hic murus aheneus esto… [Dies sei eine eherne Mauer…] (Hor. epist. 1,1,60.)
Cependant telle métaphore, usitée dans une langue, peut fort bien n’être pas reçue dans une autre langue. On demandera donc à bon droit : pareille locution existe-t-elle en hébreu? Il est facile de le constater. Le Seigneur, armant Jérémie pour la lutte où va l’engager son rôle de prophète, lui dit : « En ce jour je vais faire de toi une forteresse, une colonne de fer, un mur d’airain, contre le pays, les rois de Juda, les grands intendants, les prêtres et le peuple du pays. S’ils combattent contre toi, ils ne triompheront pas de toi » (i, 18). Même expression, xv, 20. Plus remarquable encore est le passage où Ézéchiel décrit une action symbolique destinée à représenter le siège de Jérusalem : « Prends une poêle de fer, place-la comme un mur de fer entre toi et la ville; tourne-toi contre celle-ci, pour qu’elle paraisse assiégée, et toi tu l’assiégeras. C’est un signe pour la maison d’Israël » (Ez. iv, 3). Ici la muraille de fer n’est pas seulement une forteresse où l’on est en sûreté, mais une fortification de l’assiégeant, un abri d’où l’assaillant porte ses coups, pour battre en brèche les remparts ennemis. C’est à la fois l’idée de guerre et de destruction. Allerdings kann es sehr wohl sein, dass eine solche Metapher, in einer Sprache verwendet, in einer anderen Sprache nicht aufgenommen wird. Man wird also mit gutem Recht fragen: existiert eine ähnliche Redewendung im Hebräischen? Es ist leicht, das festzustellen. Als der Herr Jeremia für den Kampf ausrüstet, mit dem er seine Rolle als Prophet eröffnen wird, sagt er zu ihm: „An diesem Tage werde ich aus dir eine Festung machen, eine Säule aus Eisen, eine Mauer aus Bronze, gegen das Land, die König von Juda, die großen Verwalter, die Priester und das Volk des Landes. Wenn sie gegen dich kämpfen, werden sie nicht über dich triumphieren“ (1,18). Derselbe Ausdruck 15,20. Noch bemerkenswerter ist die Stelle, wo Ezechiel eine symbolische Handlung beschreibt, die dazu bestimmt war, die Belagerung von Jerusalem darzustellen: „Nimm eine Pfanne aus Eisen, stelle sie wie eine Mauer aus Eisen zwischen dich und die Stadt; wende dich gegen jene, damit jene belagert erscheint, und du wirst sie belagern. Das ist ein Zeichen für das Haus Israels“ (Ez. 4,3). Hier ist die Mauer aus Eisen nicht nur eine Festung, in der man in Sicherheit ist, sondern eine Befestigung des Belagerers, ein Schutz, von wo aus der Angreifer seine Stöße versetzt, um eine Bresche in die feindlichen Bollwerke zu schlagen. Das ist zugleich die Idee von Krieg und Zerstörung.
Même idée dans le métal que Iahvé tient en main. On peut le prendre pour une arme de guerre ou un instrument de destruction, ou plutôt pour l’un et l’autre à la fois. Par une métonymie, usitée en hébreu comme en français, le seul nom du métal suffit à désigner l’instrument (cf. Deut. xxvii, 5; II Sam. xxiii, 7; Is. x, 34). L’épée semble indiquée par le verset suivant : « Je marcherai, armé du glaive… » D’autre part, la nature du métal, si l’on veut interpréter strictement le mot hébreu par plomb, ne convient pas à une arme de ce genre ; de plus, les premiers mots du v. 9 invitent à voir là un instrument de destruction. A qui aime la précision il plaira peut-être de penser au marteau de guerre, associé à l’épée et au javelot dans les Proverbes (xxv, 18). Jérémie appelle Babylone « le marteau de toute la terre » (l, 23). Appliquée au Dieu des armées, cette image n’a rien d’étrange. Un peu plus loin (li, 20) Iahvé dit à son prophète : « Tu es mon marteau, mon arme de guerre; avec toi je vais broyer les peuples, avec toi j’anéantirai les royaumes. » Die gleiche Vorstellung bei dem Metall, das Jahwe in der Hand hält. Man kann es als eine Kriegswaffe auffassen oder ein Instrument der Zerstörung oder besser als das eine und das andere zugleich. Durch eine Metonymie, die auf Hebräisch wie auf Französisch verwendet wird, genügt der bloße Name des Metalls zur Bezeichnung des Instruments (vgl. Dtn 27,5; 2Sam 23,7; Jes 10,34). Auf das Schwert scheint im folgenden Vers hingewiesen zu werden: „Ich werde marschieren, mit dem Schwert bewaffnet…“ Andererseits passt die Natur des Metalls, wenn man das hebräische Wort strikt mit Blei erklären will, nicht zu einer Waffe dieser Art; außerdem laden die ersten Worte von V. 9 dazu ein, dort ein Instrument der Zerstörung zu sehen. Wer die Genauigkeit liebt, dem wird es vielleicht gefallen, an den Streithammer zu denken, der in den Sprüchen (25,18) mit dem Schwert und dem Speer verbunden wird. Jeremia nennt Babylon „den Hammer der ganzen Welt“ (50,23). Angewendet auf den Gott der Heerscharen hat dieses Bild nichts Fremdartiges. Ein wenig weiter (51,20) sagt Jahwe zu seinem Propheten: „Du bist mein Hammer, meine Kriegswaffe; mit dir werde ich die Völker zerquetschen, mit dir werde ich die Königreiche vernichten.“
Quoi qu’il en soit, les LXX ont bien traduit. Car la nature du métal caché sous le mot hébreu אנך n’est pas absolument certaine ; d’ailleurs elle est, pour le sens du symbole, d’une importance secondaire. Was immer es sein mag, die LXX haben es gut übersetzt. Denn die Art des Metalls, das sich hinter dem hebräischen Wort אנך verbirgt, ist nicht absolut sicher; übrigens ist sie für den symbolischen Sinn von zweitrangiger Bedeutung.
Elle n’est pas certaine. Le mot hébreu se trouve en cet unique endroit; et, malgré la lumière fournie par les langues voisines, il y a lieu d’hésiter entre le plomb et l’étain. Je demande même : ne serait-ce pas un alliage, comme le bronze? L’étain et le plomb sont déjà nommés en hébreu בדיל et עפרת. Et puis, la terminologie des métaux n’est pas très rigoureuse en ces temps reculés. « Les anciens, aussi bien les Romains et les Grecs que les Orientaux, écrit M. Levesque, n’avaient pas pour le cuivre et le bronze de nom distinct et spécifique. Tout métal et alliage rouge ou jaune, altérable au feu, s’appelait χαλκός ou aes, c’est-à-dire airain… Tout métal et alliage blanc, fusible et altérable au feu, s’appelait à l’origine plomb (1). » Enfin אנך ne désignerait-il point peut-être un métal vague comme ἀδάμας? Sie ist nicht sicher. Das hebräische Wort findet sich an dieser einzigen Stelle; und trotz des Lichtes, das von den verwandten Sprachen geliefert wird, gibt es Veranlassung, zwischen Blei und Zinn zu schwanken. Ich frage sogar: könnte es nicht eine Legierung sein wie die Bronze? Zinn und Blei werden auf Hebräisch schon בדיל und עפרת genannt. Und dann ist die Terminologie der Metalle in diesen weit zurückliegenden Zeiten nicht sehr streng. „Die Alten, die Römer und Griechen so gut wie die Orientalen“, schreibt Hr. Levesque, „hatten für Kupfer und Bronze keinen unterschiedlichen und spezifischen Namen. Jedes rote oder gelbe Metall und Legierung, die sich im Feuer verändert, hieß χαλκός oder aes, d.h. Erz/Bronze… Jedes weiße Metall oder Legierung, die im Feuer schmilzt oder sich ändert, hieß ursprünglich Blei (1).“ Bezeichnet schließlich אנך vielleicht gar nicht ein unbestimmbares Metall wie ἀδάμας?
(1) Art. Bronze dans Vigouroux, Dict. de la Bible, I, col. 1943. (1) [E. Levesque,] Art. Bronze bei Vigouroux, Wörterbuch der Bibel, Bd. 1, Sp. 1943.
Peu importe d’ailleurs la nature du métal. Que le mur en question soit d’airain, de fer ou d’acier, comme dans les divers exemples apportés plus haut, le sens de la métaphore ne reste pas moins clair : il s’agit d’un rempart inexpugnable. Quant au métal dans la main du Seigneur, c’est une arme offensive, et cela suffit. Nous employons indifféremment dans des locutions semblables l’airain pour le bronze et le fer pour l’acier ou l’argent. Parfois une métaphore, transportée dans une autre langue, y serait choquante et inintelligible; en pareil cas il est permis, il est même nécessaire de lui substituer une autre métaphore équivalente. Ainsi σιδήρεος ὕπνος, « somnus ferreus », peut devenir un « sommeil de plomb ». De la même manière on peut fort bien, me semble-t-il, changer le plomb en fer dans la traduction du passage d’Amos. Pour désigner une arme de plomb, marteau ou tel autre instrument, le seul nom du métal ne saurait suffire. On dit bien d’un oiseau blessé — et aussi par métaphore : il a du plomb dans l’aile; mais personne ne comprendrait ce langage: «J’appliquerai le plomb au milieu de mon peuple… » Au contraire, porter le fer et la flamme, appliquer le fer et le feu, sont des locutions classiques dans notre langue. Plutôt donc que de commenter le texte, en introduisant à côté du métal le nom d’une arme ou d’un instrument, je préfère, à l’exemple de la version grecque, changer le plomb (si plomb il y a) en fer, et traduire ainsi : « Voici ce qu’il me fit voir : le Seigneur se tenait debout sur un mur de fer, et dans sa main il avait du fer; et Iahvé me dit : Que vois-tu, Amos? Et je dis : Du fer. Et le Seigneur dit : Je vais appliquer le fer au milieu de mon peuple Israël, et je ne lui pardonnerai plus; je détruirai les hauts-lieux d’Isaac, je ravagerai les sanctuaires d’Israël; je marcherai, armé du glaive, contre la maison de Jéroboam. » Die Art des Metalls spielt übrigens keine Rolle. Mag die fragliche Mauer aus Bronze, aus Eisen oder aus Stahl sein wie in den verschiedenen Beispielen, die weiter oben geliefert wurden, der Sinn der Metapher bleibt nicht weniger klar: es geht um ein uneinnehmbares Bollwerk. Hinsichtlich des Metalls in der Hand des Herrn: es ist eine Angriffswaffe, und das genügt. Wir verwenden in ähnlichen Redewendungen unterschiedslos Erz für Bronze und Eisen für Stahl oder Silber. Mitunter wäre eine Metapher, die in eine andere Sprache übertragen wird, anstößig und unverständlich; in einem solchen Fall ist es erlaubt, ist es sogar notwendig, sie durch durch eine andere, bedeutungsgleiche Metapher zu ersetzen. So kann σιδήρεος ὕπνος, „somnus ferreus“ [eiserner Schlaf] zu einem „bleiernen Schlaf“ werden. Auf gleiche Weise kann man sehr wohl, (so) scheint mir, in der Übersetzung der Stelle des Amos das Blei in Eisen verwandeln. Um eine Waffe aus Blei zu bezeichnen, einen Hammer oder ein anderes derartiges Instrument, würde der bloße Name des Metalls nicht genügen. Man spricht so schön von einem verwundeten Vogel – und so durch eine Metapher: er hat Blei im Flügel; aber niemand würde diese Redeweise verstehen: „Ich werde Blei in der Mitte meines Volkes anbringen/anwenden…“ Vielmehr sind Eisen und Feuer zu bringen, Eisen und Feuer anzuwenden klassische Redewendungen in unserer Sprache. Anstatt also den Text zu kommentieren, indem man neben dem Metall den Namen einer Waffe oder eines Instruments einführt, ziehe ich es vor, nach dem Beispiel der griechischen Wiedergabe das Blei (wenn es Blei ist) in Eisen zu verwandeln und so zu übersetzen: „Das ist, was er mich sehen ließ: der Herr stand auf einer Mauer aus Eisen und in seiner Hand hatte er Eisen; und Jahwe sagte zu mir: Was siehst du, Amos? Und ich sagte: Eisen. Und der Herr sagte: ich werde Eisen in der Mitte meines Volkes Israel anbringen/anwenden, und ich werde nicht mehr Nachsicht mit ihm üben; ich werde die Höhen Isaaks zerstören, ich werde die Heiligtümer Israels verwüsten; ich werde mit dem Schwert bewaffnet gegen das Haus Jerobeams marschieren.“
Cette image symbolique représente assez clairement la guerre, la ruine, le châtiment du peuple. Mon opinion là-dessus s’est affermie par la lecture du savant commentaire de M. Nowack, où déjà, nous l’avons vu, le mur n’est plus « vertical », et le fil à plomb prend une direction différente. Il faut l’espérer, exégètes et critiques, d’un commun accord, finiront par reconnaître ici, comme seule vraie, la plus ancienne interprétation, celle des LXX, simple, littérale, respectant le texte, en harmonie avec le contexte, et conforme à l’usage de la langue. Dieses symbolische Bild stellt ziemlich klar den Krieg dar, den Untergang, die Bestrafung des Volkes. Meine Ansicht hierüber ist stärker geworden durch die Lektüre des gelehrten Kommentars von Hrn. Nowack, in dem schon, wir haben es gesehen, die Mauer nicht mehr „senkrecht“ ist und das Senkblei eine andere Richtung nimmt. Es ist zu hoffen, dass Exegeten und Kritiker hier schließlich einmütig die älteste Auslegung, diejenige der LXX, als einzig wahre (an)erkennen werden, einfach, wörtlich, sich an den Text haltend, im Einklang mit dem Kontext und angepasst an den Sprachgebrauch.
Albert Condamin S. J. Albert Condamin S[ocietas] J[esu]

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 28. Dez. 2019