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Athen: mehr als nur Akropolis (2016)


Mein letzter Athenbesuch ist ziemlich genau dreißig Jahre her. In dreißig Jahren hat sich natürlich viel getan: eine U-Bahn und eine Straßenbahn wurden gebaut; ein neues Akropolismuseum wurde errichtet; ein neuer internationaler Flughafen wurde in Betrieb genommen; die eine oder andere archäologische Entdeckung ist dazugekommen usw.

Meine Interessen sind hauptsächlich kultureller Natur. Die urigsten Tavernen, die angesagtesten Klubs, die besten Geschäfte – ich kenne sie nicht.

Hotel


Hotel Fenix.

Meine Frau wollte, dass das auch ein Badeurlaub am Meer wird. So suchten wir uns, wie schon weiland als Studenten, eine Destination an der sog. Attischen Riviera (der Südwestküste Attikas), um von dort aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum zu fahren. Als Studenten campten wir in Voúla bzw. Várkiza. Diesmal nahmen wir uns ein Hotel in Glyfáda. Das war einmal der Athener Vorort der Reichen und Schönen – also ungefähr das, was Anif für Salzburg ist. Doch inzwischen scheinen sich die Reichen und Schönen woanders hin verzogen zu haben. (Ich rede von Glyfáda.)

Wir buchten das Hotel Fenix (gehört zur Kette Best Western). Es liegt zwischen der Südwestecke des alten, inzwischen stillgelegten Flughafens Athen-Ellinikó und der Zweiten Marina von Glyfáda. Das Fenix ist ein älteres Haus, das schon bessere Tage gesehen hat. Ein Stück weit mag das auch der Krise geschuldet sein. Kaum jemand hat Geld, um groß zu investieren oder renovieren. So funktionierte der Thermostat der Klimaanlage nicht mehr: es gab nur Ein oder Aus. Die ganze Nacht lang Ein war mir zu kalt, Aus meiner Frau zu heiß. Aber bekanntlich sticht die Dame den Buben. Der Föhn im Badezimmer war mit Duct Tape geklebt. Der Halter für die Duschgelflasche war hochgradig korrodiert.

Es gibt WLAN, aber immer wieder bekamen wir bei der Anmeldung die Fehlermeldung, dass zu viele gleichzeitige Sessions offen sind. Anscheinend bekommen alle Gäste den gleichen Usernamen ausgehändigt und irgendwann sagt der Proxy dann Stopp. Ich habe testweise die 1 am Ende des Usernamens durch 2 ersetzt und mich mit demselben Passwort angemeldet, und siehe da: geht.

Der Meerblick entpuppte sich als ein Blick Richtung Meer, das vom zweiten Stock aus hinter Bäumen und Häusern mehr zu erahnen als zu sehen war. Schlimmer aber war: Blick Richtung Meer bedeutete auch Blick auf die Tag und Nacht stark befahrene, sechsspurige Küstenstraße EO91 (Leofóros Posidónos).

Es gab nicht allzuviele Gäste, hauptsächlich Gruppen von Japanern, die wohl nur eine Nacht hier verbringen, um dann weiterzureisen. Außer meiner Frau und mir sahen wir nur ein weiteres Paar, das Halbpension gebucht hatte. Am Essen gab es aus meiner Sicht nichts auszusetzen. Klar ist: bei vier Gästen kann es kein Büffet geben. Beim Frühstück waren wesentlich mehr Menschen, vor allem mehrmals die genannten japanischen Reisegruppen. Da gab es das gewohnte Frühstücksbuffet.

Auf der positiven Seite: es gab einen Kühlschrank im Zimmer (keine Minibar, die eh kein Mensch braucht) und einen kostenlosen Safe. Die Preise im Hotelrestaurant waren moderat: Sprite / 7Up (250 ml) 3 €, frisch gepresster Orangensaft 4 €, Bier vom Fass (Mythos) klein (330 ml) 3,50 €, groß (500 ml) 4 €. Insgesamt waren wir also nicht unzufrieden.

Strand


Strand von Glyfáda.

Glyfáda hat zumindest drei öffentlich zugängliche Strände. Dort sind Sonnenschirme aufgestellt, die nach dem Prinzip wer zuerst kommt, malt zuerst frei benutzt werden dürfen. Es sind allerdings keine Sand-, sondern Schotterstrände. Erst ab Voula oder Vouliagameni beginnen die Sandstrände der Attischen Riviera. Das Wasser ist im allgemeinen recht klar, besonders wenn der Wind meerwärts weht. Strände mit blauer Flagge gibt's aber ebenfalls erst weiter südlich. Für unsere Zwecke war der Strand aber in Ordnung.

Öffentliche Verkehrsmittel

Neben den Bussen gibt es inzwischen auch eine Metro und eine Tram. Diese beiden haben den großen Vorteil, dass es einen im Internet herunterladbaren Netzplan gibt. Und dieser kann sich auch nicht so einfach von heute auf morgen ändern. Die Tram fährt inzwischen bis Voula. Beachten muss man allerdings, dass die Anzeigen an den Tram- und Metrostationen nicht die Linienbezeichnungen verwenden, sondern immer nur die Endstationen (ist ja in der Wiener U-Bahn nicht anders):

Es gibt keinen Zeitplan (ich konnte zumindest keinen entdecken), aber die Tram 5 (Syntagma-Voula) fährt ungefähr im Dreißig-Minuten-Rhythmus, die Metro alle fünf bis zehn Minuten. Praktisch ist auch, dass es für das gesamte Netz nur eine Fahrkarte gibt (und nicht etwa eine für U-Bahn, eine für O-Bus usw.). Und zwar eine für 90 Minuten (1,40 €), eine für 24 Stunden (4,50 €), eine für fünf Tage (9 €). Zu beachten ist allerdings, dass keines dieser Tickets für die Fahrt bis zum Flughafen gilt, sondern nur bis zur Station Koropí (daher auch nicht für die Busline X80, die zwischen Piräus und Flughafen verkehrt)! Eine Einzelfahrt für die Fahrt vom/zum Flughafen kostet mit dem Bus 6 €. Ein Neunzig-Minuten-Ticket für Metro & Co., das auch zur Fahrt vom/zum Flughafen berechtigt, kostet 10 €. (Weitere Details zu den Ticketpreisen als PDF auf der OASA-Homepage.)

Kaufen kann man die Tickets in den Metrostationen, bei den Ticketautomaten, die es wohl an jeder Tramstation gibt, und in Kiosks und manchen Geschäften und der Verkaufsstelle an der Tramstation Syntagma. Bei den Automaten ist zu beachten, dass sie zwar theoretisch Geldscheine nehmen, der an der Station Paralía Glyfádas aber anzeigte: ΜΟΝΟ ΚΕΡΜΑΤΑ „nur Münzen“. Der an der Station Platía Vergotí war überhaupt unbenutzbar (das Programm war abgestürzt, Windows lief im Kioskmodus, man konnte über den Touchscreen also nicht neu starten.) Vor Fahrtantritt muss man das Ticket entwerten. Dazu gibt es an den Tramstationen Entwertungsautomaten, von denen aber etliche nicht mehr funktionieren. Man tut also gut daran, mit dem Entwerten nicht bis zum Einfahren der Tram zu warten.

Für Tram, Metro und innerstädtische Busse ist die OASA (Οργανισμός Αστικών Συγκοινωνιών Αθηνών „Organisation für den städtischen Verkehr Athens“) mit ihren blau-weiß-gelben Bussen zuständig; für Fahrten in die Randbereiche Attikas, etwa nach Súnion, die gute alte KTEL (Κοινά Ταμεία Εισπράξεων Λεωφορείων, dt. etwa „gemeinsame Inkassofonds der Busse“), die hier mit orange-weißen Bussen fährt. Zwischen Athen und Súnion verkehren die Busse im Stundentakt. Man stellt sich an eine Haltestelle, gibt dem Busfahrer ein unmissverständliches Zeichen, dass man mitfahren möchte, und der hält (hoffentlich). Man setzt sich und wartet, bis der Schaffner kommt. Ein Ticket von Glyfáda nach Súnion kostet nicht ganz 6 €. Der Bus fährt wirklich bis zur Umkehrschleife unterhalb des Poseidontempels.

Daneben gibt es Anbieter von Hop-on-hop-off-Touren mit oben offenen Doppeldeckerbussen, z.B. die gelben Busse von Athens Open Tour (24-Stunden-Ticket für Athen 17 €) oder die blauen Busse von Sights of Athens (m.W. das Ticket um 16 €).

Die Krise

Heuer hat der Tourismus in Griechenland ein wenig von den Turbulenzen in der Türkei (Umsturzversuch des Militärs, politische Säuberungen durch Präsident Erdoğan) profitiert. Einige Inseln (Lesbos, Samos) leiden allerdings schwer unter dem (längst unberechtigten) Ruf, sie seien Hotspots der Flüchtlingskrise. Dort ist heuer der Fremdenverkehr stark eingebrochen.

Unverändert ist die Tendenz vieler Griechen, den öffentlichen Raum (Straßen, Parks, Strände usw.) als großen Mistkübel zu betrachten. Was in Glyfáda am Straßenrand und am Strand an Mist herumlag, ist mir unverständlich. Denn es gibt Mistkübel; aber offenbar geht kaum jemand zehn Meter, um seinen Müll in einen Mistkübel zu werfen, wenn er ihn auch einfach fallen lassen kann. Im Zentrum von Athen ist es allerdings deutlich besser.

Sehenswürdigkeiten


Panathenäenfries im Akropolismuseum: die Götter sehen dem Festzug zu, ganz rechts Athene.

Die gewaltigen korinthischen Säulen des Olympieion.

Nordwesttrakt der Akademie von Athen.

Korenhalle (vulgo Karyatiden) am Erechtheion auf der Akropolis.

Hephaistostempel („Theseion“) auf dem Gelände der antiken Agora.

Poseidontempel an der Südspitze Attikas (Kap Súnion).

Panagía Gorgoepíkoos, dahinter die Kathedrale (Mitrópoli).

Südliche Säulenhalle des römischen Forums.

Einer der Glanzpunkte des Archäologischen Nationamuseums: Poseidon oder Zeus vom Kap Artemision.

Akropolis und Dionysostheater bilden eine gemeinsame archäologische Stätte, für die es auch nur eine gemeinsame Eintrittskarte gibt. Das Theseion ist Teil der antiken Agora (ich bilde mir ein, dass das vor dreißig Jahren noch anders war). Der Turm der Winde ist inzwischen Teil des römischen Forums (auch das habe ich anders in Erinnerung). Das Areal der Hadriansbibliothek ist eine eigene Stätte, Olympieion und Kerameikós sowieso.

Die Schlangen vor den Kartenschaltern der Akropolis und des Dionysostheaters (das gleiche Ticket) waren zum Verzweifeln lang. Am Kerameikos (keine Warteschlange) hat man mir dann ein Kombiticket um 30 € angeboten, das zum Eintritt in folgende Stätten berechtigt:

Ich weiß nicht, ob dieses Ticket auch z.B. beim Olympieion oder der Hadriansbibliothek angeboten wird. Dort sind ebenfalls keine Warteschlangen am Kartenschalter.

Der Areopag ist frei zugänglich, ebenso der der sog. Musenhügel (Pnyx, Philopappos-Denkmal).

Neben der Antike ist in Athen vor allem der Klassizismus des 19. Jh. architektonisch sehr präsent. Und wer sich an München erinnert fühlt: da wie dort waren dieselben Architekten am Werk. Wenn man die Straße vom Verfassungs- (Sýntagma) zum Eintrachtplatz (Omónia) geht – sie wird auf Stadtplänen teils als Elefthérios-Venizélos-Boulevard (das ist, glaube ich, der offizielle Name), teils als Universitätsstraße (Panepistimíou, das ist der alte, aber immer noch übliche Name) ausgewiesen – sieht man die größten und prächtigsten Exemplare: Akademie der Wissenschaften, Universität, Nationalbibliothek.

Die Museen sind teils am Montag geschlossen, teils am Dienstag. Das Akropolismuseum (Eintritt 5 €) und das Archäologische Nationalmuseum (Eintritt 10 €) sind für den Kulturinteressierten Pflicht. Von den weiteren Museen, wie das Byzantinische Museum, das Numismatische Museum (in der Villa Schliemanns), das Museum für Kykladische Kunst (im Stathátos-Haus), das Benaki-Museum, das Keramikmuseum, das Kriegsmuseum (Sonderschau zu den Perserkriegen), das Nationale Historische Museum (im alten Parlamentsgebäude), die Nationalgalerie, das Gennadeion, das Museum der Stadt Athen, das Epigraphische Museum usw. habe ich keines geschafft.

Die Besichtigung des Poseidontempels von Súnion kostet 8 €.

Unser Besichtigungprogramm

Erster Tag

Ankommen, Hotelzimmer beziehen, den Strand aufsuchen.

Zweiter Tag

Mit der Tram bis zur Endstation am Verfassungsplatz. Wachablösung am Grab des unbekannten Soldaten vor dem Parlamentsgebäude. Die Königin-Amalie-Allee [1] hinunter, vorbei am Hadrianstor, in die Dionysios-Areopagites-Straße [2] und zur Akropolis. Unfassbare Schlangen sowohl vor der Kasse am Haupteingang als auch bei der am Dionysostheater. Ersatzprogramm ist das gegenüber dem Eingang zum Dionysostheater gelegene Akropolismuseum.

Dritter Tag

Mit der Tram bis zur Station Zappeion. Besichtigung des Olympieion.

Zappeion [3]. Durch den Nationalgarten zur Königin-Sophie-Allee [4]. Vom Verfassungsplatz Richtung Eintrachtplatz die Universitätsstraße hinauf, an der die prachtvollen neoklassizistischen Gebäude stehen (s.o.). In die Akademie der Wissenschaften darf man auch hinein. Die Nationalbibliothek ist im August geschlossen.

Die Panagis-Tsaldaris-Straße [5] (die dann zur Piräusstraße wird) hinunter bis zur Einmündung der Hermesstraße. Kerameikos-Friedhof in der Mittagshitze.

Über den Fußgängerübergang über die Bahngleise in die Eptachalkos- (Siebenerz?-)Straße. Auf den Musen- oder Philopápposhügel hinauf: Pnyx, Diateichisma, Philopapposdenkmal; schöne Aussicht.

Zurück und auf der Suche nach einem Zugang zum Theseion (wusste noch nicht, dass das Teil der Agora ist) die Apostel-Paulus-Straße entlang, durch den Park an der Heiligen-Körperlosen-Straße [6] (Namen habe die!) und die Hadrianstraße hinauf. Die vielen Lokale machen mir bewusst, wie hungrig ich bin. Also durch die Apostel-Paulus-, die Garibaldi- und die Drachenstraße [7] zur Tramstation Fix [8].

Vierter Tag

Endlich: die Akropolis! Der Parthenon wirkt etwas luftig, denn die Naosmauer ist abgebrochen, um die Steine zu untersuchen und die Mauer zu rekonstruieren. Asklepieion, Dionysostheater. Mittagessen im Restaurant Plakiotissa, gleich an der Dionysios-Areopagites-Straße.

Areopag. Antike Agora mit Theseion.

Fünfter Tag

Sonntag. Vormittags Baden am Strand. Am Nachmittag mit dem Bus zum Kap Súnion, Besichtigung des Poseidontempels.

Sechster Tag

Mitrópoli (die Kathedrale von Athen), Kapnikaréa (Kirchlein aus dem 11. Jh.), Gorgoepíkoos (Kirche aus dem 12. Jh., in die einige Spolien verbaut sind).

Hadriansbibliothek. Bibliothek des Pantainos, Römisches Forum mit dem Turm der Winde (eine antike Wasseruhr). Mittagessen in der Taverne Zorbas in der Erechtheusstraße.

Durch die Viertel Anafiótika und Pláka (am Nord- bzw. Osthang der Akropolis), vorbei am Kirchlein Agios Nikólaos Ragavás (11. Jh), die Dreifußstraße hinunter, die zur Shelleystraße [9] wird, am Lysikratesdenkmal vorbei, durch die Lysikratesstraße zum Olympieion.

Nachdem meine Frau von der Station Zappeion wieder nach Glyfáda abgefahren ist, gehe ich die paar Schritte zur König-Konstantin-Straße [10] zum Kallimármaro-Stadion (Panathenäisches Stadion). Weiter die König-Konstantin-Straße, in die Regillastraße [11] zum Lykeion des Aristoteles. Suche nach dem Eingang zum Lykeion. Als er endlich gefunden ist (gleich neben dem Sarogleion [12], dem Sitz des Offiziersklubs der Streitkräfte), ist es nach 15:00 Uhr und die Ausgrabungsstätte bereits geschlossen.

Durch die Königin-Sophie-Allee [4] zum Verfassungsplatz. U-Bahn-Fahren, um einige der U-Bahn-Stationen zu besuchen, in denen Vitrinen mit den Funden, die während der Grabungen gemacht wurden, aufgestellt sind.

Siebenter Tag

Vom Verfassungsplatz aus mit der U-Bahn-Linie 2 bis zum Eintrachtplatz. Dort Umsteigen in die U-Bahn-Linie 1 und eine Station Weiterfahren zur Station Viktoria. Durch die Heidenstraße [13] in die Patésiastraße [14]: Archäologisches Nationalmuseum.

Achter Tag

Packen, Baden im Hotelpool, Warten auf die Rückreise. Am Flughafen gibt es übrigens einen Raum mit den Grabungsergebnissen und Funden am Flughafengelände.


Die Erläuterungen und insbes. die Jahreszahlen basieren auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

[1] Amalie von Oldenburg (1818-1875) war durch die Heirat mit Otto I. 1836-1862 Königin von Griechenland.

[2] Dionysios Areopagites (bei uns meist in der lat. Namensform Dionysius Areopagita), war ein von Paulus bekehrter Athener, der der Überlieferung nach der erste Bischof Athens wurde. Areopagites bedeutet „Mitglied des Areopags“, d.i. des Gerichts, das ursprl. auf dem Areshügel tagte.

[3] Das Zappeion hat seinen Namen von Evangelos Zappas (1800-1865), einem griech. Kaufmann und Wohltäter, der einen großen Teil seines Vermögens für die Ausrichtung der Olympien (Vorläufer der modernen Olympischen Spiele) hinterließ.

[4] Sophie von Preußen (1870–1932) war durch Heirat mit Konstantin I. 1913-1917 sowie 1920-1922 Königin von Griechenland. Sie war eine Enkelin von Victoria, der Königin des Vereinigten Königreichs.

[5] Panagis Tsaldaris (1868-1936) war Abgeordneter und 1932-1935 griech. Ministerpräsident.

[6] Die Heiligen Körperlosen ist in der orthodoxen Tradition Bezeichnung für die Engel, insbes die Erzengel. Die Straße ist wohl benannt nach der gleichnamigen Kirche (unweit der Hermesstraße).

[7] Die Drachenstraße ist wohl eine Drakoustraße, Drakou ist ein öfter vorkommender griech. Familienname. Nach welchem Namensträger die Straße heißt, habe ich nicht herausgefunden.

[8] Fix ist der Name einer aus Bayern stammenden Familie, die in Griechenland Bier braute. Sie gründeten die erste griechische Großbrauerei in Athen und hatten lange Zeit ein Quasimonopol in Griechenland. Die Metrostation Fix liegt am Andreas-Syngros-Boulevard, dort wo die Brauerei einen ihrer Produktionsstandorte hatte.

[9] Die Shelleystraße ist wohl eher nach Mary Shelley benannt als nach ihrem Mann Percy Bysshe Shelley. Mary Shelley äußert sich in ihrem Werk immer sehr positiv über Athen.

[10] Konstantin I. (1868-1923) war 1913-1917 und 1920-1922 König von Griechenland. Er war verheiratet mit Sophie von Preußen [4].

[11] Aspasia Annia Regilla war Gattin des Herodes Atticus.

[12] Das Sarogleion ist benannt nach dem Offizier Petros Z. Saroglou (1864-1920), der einen einen Teil seines Vermögens dem Offiziersklub vermacht hatte.

[13] Login Petrowitsch Heiden (1773-1850) war ein russischer Admiral, der in der Schlacht von Navarino gekämpft hat.

[14] Patésia, meist Patíssia geschrieben, ist ein Stadtviertel von Athen, nördlich des Zentrums.

Exkurs: zur Wiedergabe der Straßennamen

Da das Griech. praktisch keine zusammengesetzten Nomina kennt, steht bei Straßennamen das Bestimmungswort fast immer im Genitiv, also z.B. Straße der Universität (dt. Universitätsstraße). Das Grundwort Οδός „Straße“ wird in aller Regel weggelassen, seltener auch Λεωφόρος „Boulevard, Allee“. Es hat sich im Engl. und auch im Dt. eingebürgert, diese Bezeichnungen nicht einzudeutschen, sondern schlicht zu transkribieren. Übersetzt wird lediglich das Grundwort, wenn man es nicht nach griech. Vorbild weglässt. Ich habe beschlossen, die Straßennamen, so gut es geht und sinnvoll ist, zu übersetzen.

Griech. Name Wörtl. Übersetzung Engl. Wiedergabe Meine Wiedergabe
Πανεπιστημίου „der Universität“ Panepistimíou Universitätsstraße
Βουλής „des Parlaments“ Voulís Parlamentsstraße
Περικλέους „des Perikles“ Perikléous Periklesstraße
Ερμού „des Hermes“ Ermoú Hermesstraße
Λεωφ. Ανδρέα Συγγρού „Boulevard des Andréas Syngrós“
(griech. Bankier und Philanthrop des 19. Jh.)
Leof. Andréa Siggroú (sic!) Andreas-Syngros-Boulevard
Αγίου Κωνσταντίνου „des Heiligen Konstantin“ Agíou Konstantínou Heiliger-Konstantin-Straße
Βασιλέως Γεωργίου Αʹ „des Königs Georg I.“ Vasiléos Georgíou A' (str.) König-Georg-I.-Straße
Λεωφ. Βασιλίσσης Σοφίας „Allee der Königin Sophia“ Leof. Vasilíssis Sofías Königin-Sophie-Allee
Πλατεία Συντάγματος „Platz der Verfassung“ Sýntagma Square (eine der Ausnahmen) Verfassungsplatz

Bei Eigennamen verwende ich die im Dt. eingebürgerte Namensform, z.B. Hermesstraße (nicht etwa Ermísstraße). Ähnliches gilt für einige Gebäude oder Stätten: Theseíon, nicht Thissío, ebenso Asklepieion, Zappeion usw. Unübersetzt lasse ich dagegen die Namen von Kirchen.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 5. März 2017