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Äthiopische Schrift


Äthiopisch (Ge’ez) ist eine semitische Sprache. Gelegentlich muss ich das eine oder andere Wort in August Dillmanns Lexicon linguae Aethiopicae nachschlagen. Das ist mühsam, da ich jedes einzelne Zeichen in einer Liste suchen muss. Daher habe ich begonnen, eine eigene Zeichenliste zu erstellen. Aber ich bin damit nicht zu Ende gekommen. Egal.

Die äthiopische Schrift hat sich aus der altsüdarabischen Schrift entwickelt. Im Gegensatz zu den anderen Konsonantenschriften semitischer Sprachen wird sie aber von links nach rechts geschrieben. Wie auch bei anderen Konsonantenschriften wurden diakritische Zeichen zur Bezeichnung der Vokale verwendet. Diese sind im Laufe der Zeit mit den Buchstaben „zusammengewachsen“ und haben auch zu Änderungen an der Buchstabenform geführt. So ist eine Silbenschrift entstanden, deren Zeichen immer Konsonant + Vokal bezeichnen (wenn der Vokal zu Null reduziert ist, dann auch den Konsonanten allein).

Diesen Schrifttyp, bei dem das Zeichen den Konsonsanten bezeichnet und der dazugehörige Vokal als sekundäres (modifizierendes) Merkmal hinzutritt, nennt man neuerdings Abugida (vom äth. አቡጊዳ ʾabūgīdā, ein Kunstwort aus den ersten vier Buchstaben der äth. Schrift) oder Alphasyllabar. Das bekannteste Abugida ist das ind. Devanagari. Im Gegensatz dazu ist ein Abdschad (oder Abdjad) (von ar. أبجد ʾabǧad) eine Konsonantenschrift ohne Bezeichnung der Vokale. Hierher gehören die arab., hebr. und syr. Schrift und ihren antiken Vorläufer.

1. Ordnung: a
Grundform des Buchstabens
2. Ordnung: ū
ein Winker rechts in der Mitte (በ-ቡ) oder unteren Hälfte (ቀ-ቁ) des Buchstabens. Die beiden Zeichen, die schon in der 1. Ordnung rechts einen Winker haben (ረ r, ፈ f), erhalten einen zusätzlichen Fuß (ሩ, ፉ).
3. Ordnung: ī
ein Winker rechts unten (በ-ቢ). Einige Zeichen erhalten dazu rechts einen Fuß, das Zeichen rutscht (መ-ሚ) oder schrumpft (ዐ-ዒ) nach oben. ረ und ፈ haben statt des Winkers der Grundform eine nach oben gezogene Schleife (ሪ, ፊ).
4. Ordnung: ā
a. ein (verlängerter) Fuß rechts, dazu muß entweder das Zeichen wie in der 3. Ordnung nach oben schrumpfen (ሀ-ሃ), oder der linke Fuß wird verkürzt (በ-ባ). Ausnahme mit mittigem Fuß: ወ-ዋ.
b. Zeichen, die einen mittigen Fuß haben, ziehen diesen nach links und schließen mit Winker (ቀ-ቃ).
c. weitere Ausnahmen s. Liste
5. Ordnung: ē
ein Öhse am Fuß rechts unten (በ-ቤ). Zeichen, die keinen Fuß haben, der nach unten weist, erleiden zusätzliche dieselbe Veränderung wie schon in der 3. Ordnung (ወ-ዌ).
6. Ordnung: ə oder kein Vokal
a. ein Winker links oben (ቀ-ቅ), bei በ allerdings mittig (ብ).
b. ein Winker rechts oben (
7. Ordnung: ō
Name Lw. altsüdar. a ū ī ā ē ə, ∅ ō wa ja
Hoy h 𐩠
Läwe l 𐩡
Ḥäwt 𐩢
May m 𐩣
Śäwt ś 𐩦
Rəʾs r 𐩧
Sat s 𐩯
Qaf q 𐩤
Bet b 𐩨
Täwe t 𐩩
Ḫarm 𐩭
Nähas n 𐩬
ʾÄlf ʾ 𐩱
Kaf k 𐩫
Wäwe w 𐩥
ʿÄyn ʿ 𐩲
Zäy z 𐩸
Jämän j 𐩺
Dänt d 𐩵
Gäml g 𐩴
Ṭäyt 𐩷
P̣äyt
Ṣädäj
Ṣ́äppä ṣ́
Äf f 𐩰
Psa p

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2022