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Hebräisches Alphabet


Die folgende Darstellung ist erwachsen aus der Beschäftigung mit dem Hebräischen des Alten Testaments (und einiger weniger Passagen im Talmud) einerseits und dem Versuch, ein paar Brocken modernes Hebräisch (Ivrit, hebr. עִבְרִית ʿiḇrît) zu lernen, andererseits. Das Hebr. der Mischna und der mittelalterlichen Talmudisten ist hier kaum berücksichtigt, da ich davon nur wenig Ahnung habe.

Die semitischen Schriftsysteme versuchen nicht, den Klang des Gesprochenen oder zumindest die Abfolge der Phoneme möglichst getreu in Schrift nachzubilden, sondern sie geben nur das Konsonantengerüst wieder und bieten damit eine Art Erinnerungshilfe. (So wie die Schreibung in Sprachen mit konservativer Orthographie oft nur noch wenig mit der Aussprache zu tun hat, z.B. frz. haut [o] „hoch“, vingt [vɛ̃] „zwanzig“, engl. laugh [lɑːf] „lachen“.)

Glyphen

Die unten gezeigten Glyphen sind:

Die heutige, d.h. in neuzeitlichen Drucken hebräischer Texte, aber auch schon in mittelalterlichen Handschriften verwendete Schriftart nennt man Quadratschrift. Sie stammt von der aramäischen Schrift ab, die die Juden seit dem Babylonischen Exil mehr und mehr an Stelle der althebräischen Schrift verwendeten.

Die sog. Raschi-Schrift entstand im Spätmittelalter (?) und wurde für rabbinische Kommentare verwendet. In kommentierten Talmudausgaben wurde damit der Kommentar (vor allem des Raschi) vom in Quadratschrift gesetzten Talmudtext typographisch unterscheidbar gemacht.

Die samaritanische Schrift wird für den samaritanischen Pentateuch verwendet. Sie ist ein Abkömmling der althebräischen Schrift.

Name Bed. BHS SS TW HW R. Sam. Transkr. Zahlenwert
Aleph אָ֫לֶף ʾā́læp̱ Rind ʾ 1
Beth בֵּית bêt Haus b/ḇ 2
Gimel גִּמֶל ‎(גִּימֶל) gimæl (gîmæl) Kamel g/g̱ 3
Daleth דָּלֶת dālæt Tür d/ḏ 4
He הֵא Gitterfenster? h 5
Waw וָו wāw Haken, Nagel w 6
Zajin זַ֫יִן zájin Schwert? z 7
Cheth חֵית ḥêt Zaun? 8
Teth טֵית ṭêt Windung? Rad? Schlange? 9
Jod יוֺד jôd Hand j 10
Kaph כַּף kap̱ (hohle) Hand, Pfanne k/ḵ 20
Lamed לָ֫מֶד lā́mæd Stab? Ochsenstachel? l 30
Mem מֵם‎, מֵים ‎(מַיִם) mem, mêm (majim) Wasser m 40
Nun נוּן nûn Fisch n 50
Samech סָמֶךְ sāmeḵ Stütze, Pfeiler? s 60
Ajin עַ֫יִן ʿájin Auge ʿ 70
Pe פֵּא (auch פֵּי) Mund p/p̱ 80
Tsade צָדֵי ṣādê Fischerhaken? 90
Qoph קוֺף qôp̱ Nadelöhr? Hinterkopf? q oder ḳ 100
Resch רֵישׁ rêš Kopf r 200
Sin שִׂין śîn Zahn ś 300
Schin שִׁין šîn š
Taw תָּו tāw (Kreuz-)Zeichen? t/ṯ 400

Bei den fünf Buchstaben כ מ נ פ צ gibt es – außer in der samaritanischen Schrift – eigene Finalformen, die am Wortende verwendet werden: ך ם ן ף ץ (Merkwort כַּמְנֶפֶץ KaMNǽFæṢ).

ף- ist immer [-f]. Bei Fremdwörtern, die auf [-p] enden, wird dies im Ivrit in der Schreibung durch פ- (in punktierten Texten mit Dagesch פּ-) angezeigt: יוֺסֵף /josef/, aber מִיקְרוֺסְקוֺפּ /mikroskop/.

In Handschriften und frühen Drucken gab es keine Worttrennung. Zur Vermeidung von Weißraum wurden von einigen Buchstaben horizontal gedehnte Formen (litterae dilatabiles) verwendet. In Drucken sind dies ﬡ ﬣ ﬥ ﬨ ﬦ (Merkwort אֲהַלְתֶּם ʾaHaLTǽM), in Handschriften auch ﬢ ﬤ ﬧ.

Beim Lesen und Schreiben achte man auf folgende Verwechslungsmöglichkeiten:

Quadratschrift Raschi-Schrift Samaritanische Schrift
  • ב vs. כ
  • ג vs. נ
  • ד vs. ר. Wenn Israeli ד schreiben, sieht es manchmal fast wie lat. T aus.
  • ד vs. ך bzw. (je nach Type) ך vs. ר.
  • ה vs. ח
  • ח vs. ת
  • ו vs. ן
  • ם vs. ס. Manche älteren Drucke verwenden anscheinend für beide dieselbe Type.
  • ט vs. ע
  • ל vs. צ
  • ם vs. ס vs. פ
  • ד vs. ך
  • ה vs. ח vs. ת
  • ࠀ vs. ࠕ
  • ࠁ vs. ࠓ vs. ࠃ
  • ࠊ vs. ࠌ
  • ࠉ vs. ࠑ

Seit 1985 gibt es das Währungszeichen , eine Ligatur aus ש und ח, das alternativ zur Abkürzung ש״ח, d.i. שֶׁקֶל חָדָשׁ šæqæl ḥādāš (heutige Aussprache [ˈʃɛkɛl χaˈdaʃ]) „neuer Schekel“ verwendet wird. Dies ist die israelische Entsprechung zu unserem €-Zeichen bzw. dem Kürzel EUR. Außerhalb Israels wird entweder die engl. Abkürzung NIS (New Israeli Sheqel) oder das internationale Währungskürzel ILS (IsraeLi Sheqel?) verwendet. 1 = 100 אֲגוֺרוֺת [ʔagɔˈrɔt].

Die Vermeidung von allem, was nach einem Kreuz aussieht, hat auch zur Einführung des alternativen Pluszeichens geführt.

In der BHS findet sich neunmal (2x Num 10,35f; 7x Ps 107,21-26.40) neben dem Text ein Zeichen, das wegen seiner Form Nun inversum (hebr. נוּן הֲפוּכָה‬ nûn hap̱ûḵâ „umgedrehtes Nun“), wegen seiner Stellung נוּן מְנוּזֶרֶת nûn menûzæræt „abgesondertes Nun“ genannt wird: ׆ . In den gedruckten Ausgaben der BHS steht immer ein Punkt darüber: ׆̇ . In manchen Handschriften hat dieses Zeichen die Form eines schmalen Z. Es handelt sich dabei offenbar um ein altes textkritisches Zeichen (aus hellenistischer Zeit?), dessen Bedeutung schon in der Tannaitenzeit unklar war (s. die Diskussion bShab 115b-116a).

Die Buchstaben haben auch einen Zahlenwert. Zu beachten ist, dass 15 durch טו ‎(9+6) ausgedrückt wird, da יה ‎(10+5) eine Kurzform des Gottesnamens ist. Häufig wird auch 16 durch טז ‎(9+7) ausgedrückt, weil auch יו eine Kurzform des Gottesnamens sein kann. Doch werden in Israel im Alltag heute meist arabische Ziffern wie bei uns verwendet.

Aussprache

Die Masoreten (die mittelalterlichen jüdischen Abschreiber und Bearbeiter des hebr. Bibeltextes) hatten sechs Konsonanten, die je nach Silbenstruktur als Verschlusslaut (plosiv) oder als Reibelaut (frikativ, spirantisch) gesprochen wurden: ב ג ד כ פ ת (Merkwort בְּגַדְכְּפַת BeGaDKeFaT). Im Ivrit wird diese Unterscheidung nur noch bei drei Konsonanten mitgemacht: ב כ ף.

Im Ivrit ist auch die emphatische Aussprache bei ח ט ע ק weitgehend geschwunden. Sie wird nur noch von den sog. orientalischen (d.h. jemenitischen und irakischen) Juden beachtet. Folgende Konsonanten haben im Ivrit identische Aussprache: ב=ו ,ט=ת ,א=ע ,ח=כ ,כּ=ק ,שׂ=ס.

tiber. Ivrit Erklärung
א ​[⁠ʔ⁠] Stimmritzenverschlusslaut (engl. glottal stop), wie in dt. ver-ʾeisen (aber: ver-reisen), Spiegel-ʾei.
ב [b]/[β]? [b]/[v] Die Spirans war vermutlich bilabial (nur mit Lippenrundung) wie im heutigen Span. Im Ivrit ist ein Labiodental (mit den Schneidezähnen auf den Lippen) wie dt. w in Wasser daraus geworden.
ג [g]/[ɣ] [g] Die Spirans wie neugriech. Gamma vor dunklen Vokalen und Konsonanten (d.h. ein Reibelaut wie j, aber weiter hinten, am Velum, artikuliert).
ד [d]/[ð] [d] Die Spirans ist ein stimmhaftes th, wie in engl. this.
ה [h]
ו [w] [v] Ursprl. wohl labiovelar wie engl. w in water. Im Ivrit labiodental wie spirantisches ב.
ז [z] Stimmhaftes s wie in dt. Sahne.
ח [ħ] [χ] In der Theorie ein emphatisches h. In der Praxis wohl ein stimmloser pharyngaler (d.h. im Rachen erzeugter) Frikativ, „ein Laut, der dem sehr ähnlich ist, was man macht, wenn man eine Brille anhaucht, um sie zu putzen“ (aus dem Wikipedia-Artikel Stimmloser pharyngaler Frikativ). Im Ivrit meiner Hörerfahrung nach ein stimmloser (am Gaumenzäpfchen erzeugter) uvularer Frikativ, wie im Dt. ch nach a, z.B. Bach (im Ivrit mit oft deutlich hörbarem „Krachen“ wie beim Tirolerischen k).
ט [tˁ]? [t] Emphatisches t, d.h. mit Anspannung des Gaumens gesprochen, aber nicht aspiriert (d.h. kein t-h).
י [j]
כ [k]/[x]? [k]/[χ] Der Plosiv ein Velar wie dt. k in Kamm. Die Spirans wie Dt. ch nach a oder o, z.B. Bach. Im Ivrit dabei identisch mit ח.
ל [l]
מ [m]
נ [n]
ס [s] Stimmloses s wie in dt. Sonne.
ע [ʕ] ​[⁠ʔ⁠] Trotz der traditionellen Schreibung [ʕ] m.E. kein stimmhafter Frikativ, sondern ein stimmloser epiglottaler Plosiv [ʡ] („pharyngealized glottal stop“), ein „gegurgelter Knacklaut“. Die Beschreibung „mit verengtem Kehlkopf gesprochener Kehlenpresslaut (‚Würgelaut‘)“ (Wikipedia-Artikel Liste der IPA-Zeichen) trifft das Richtige: es ist in etwa der Laut, den man von sich gibt, umittelbar bevor man sich übergibt. Nur jemenitische und irakische Juden sprechen noch so. Wie sich aus der Wiedergabe von Namen in der LXX erschließen lässt, konnte die Aussprache des Ajin in vortiberiensischer Zeit einem (frikativen?) g nahekommen (wie arab. Ġain ﻍ), etwa עַזָּה Γάζα Gáza oder עֲמֹרָה Γόμορρα Gómorrha.
In der Standardaussprache des Ivrit wird Ajin gleich wie Aleph ausgesprochen.
פ [p]/[f]
צ [sˁ]? [ts] Ursprüngl. emphatisches s wie arab. Ṣād. Im Ivrit Affrikata wie dt. z in Zahl.
ק [q] [k] Ein emphatisches k, d.h. ein stimmloser uvularer Plosiv, bei dem man die Zunge kurz ans Gaumenzäpfchen presst. Im Ivrit ein Velar wie dt. k in Kamm.
ר [ɾ]? [ʁ] Die ursprüngl. Artikulation war möglicherweise ein Zungenspitzen-r, so von den orientalischen Juden gesprochen. Bei den Masoreten aber wohl schon in den meisten Fällen ein Zäpfchen-r wie im Franz. und vielen dt. Varietäten. Auch im Ivrit ein Zäpfchen-r.
שׂ [ɕ]?, [s] [s] Stimmloses s wie ס. Ursprünglich vielleicht ein Laut zwischen ס und שׁ, etwa [ɕ].
שׁ [ʃ] Wie sch in dt. schön.
ת [t]/[θ] [t] Die Spirans ist ein stimmloses th, wie in engl. thing. Im Aschkenasischen wurde die Spirans als s ausgesprochen (daher Schabbes.)

Die Konsonanten א י ו ה haben in vielen Wörtern keine konsonantische Aussprache (mehr), sondern zeigen vielmehr einen Vokal an. So einen Konsonanten nennt man Mater lectionis „Lesemutter“. Bei vielen Wörtern findet man Schreibung mit Mater lectionis (plene Schreibung) und ohne (defektive Schreibung). Beim Chireq spricht man dann von Chireq magnum („großes Ch.“, mit Jod) und Chireq parvum („kleines Ch.“, ohne Jod).

Im Ivrit gibt es noch folgende, durch das Zeichen ׳ (s.u. Geresch) modifizierte Buchstaben zur Wiedergabe von Fremdwörtern und fremdsprachigen Eigennamen und zur Transkription arab. Wörter:

ג׳ [dʒ] stimmhaftes dsch wie in dt. Dschungel: ג׳ינס Jeans
ז׳ [ʒ] stimmhaftes sch wie in frz. Journal oder engl. pleasure: ז׳אן-ז׳אק רוסו Jean-Jacques Rousseau
צ׳ [tʃ] stimmloses tsch wie in dt. rutschen: צ׳יפס Chips (d.i. „Pommes frites“)
ד׳ [ð] stimmhaftes th, wie in engl. this
ת׳‬ [θ] stimmloses th, wie in engl. thing: הית׳רו Heathrow
ח׳‬ [χ] zur Wiedergabe des arab. Ḫāʾ (ﺥ), das sich lautlich allerdings mit dem normalen ח deckt; arab. Ḥāʾ (ﺡ) wird dagegen mit ח transkribiert
ס׳‬ [sˤ] zur Wiedergabe des arab. Ṣād (ص)
ר׳‬ (oder ע׳‬) [ɣ] zur Wiedergabe des arab. Ġain (غ)
ו׳‬ [w] bilabiales w wie in engl. water

Tiberiensische Punktation

Im Laufe der Zeit wuchs das Bedürfnis, auch die Aussprache der Vokale und die Betonung zu fixieren. So entstanden, wohl im 6. und 7. Jh., verschiedene Systeme, durch diakritische Zusatzzeichen (hebr. נִקּוּד‬ niqqûd „Punktation“) diesem Bedürfnis abzuhelfen. Durchgesetzt hat sich schließlich das in Tiberias entwickelte System.

Dagesch

Die Masoreten verwendeten einen Punkt im Konsonanten, דָּגֵשׁ‬ dāgeš, דָּגֶשׁ‬ dāgæš „Verstärkung, Verhärtung“ genannt, um zweierlei damit anzuzeigen:

Bei den BeGaDKeFaT kann Dagesch daher doppeldeutig sein: בּ kann [b] (Dagesch lene) oder [bb] (Dagesch forte) sein. Im Wortinnern ist Dagesch lene daran zu erkennen, dass der Konsonant keinen Vokal vor sich haben kann, während Dagesch forte nur nach Vokal stehen kann.

In der BHS findet sich gelegentlich ein Dagesch im ersten Konsonanten eines Wortes, der kein BeGaDKeFaT ist. Dieses sog. Dagesch euphonicum hat keine Funktion für die Aussprache.

Ein Punkt in einem Waw וּ kann entweder der Vokal Schureq sein (s.u.) oder (selten) ein Dagesch forte, d.h. [ww] bezeichnen: עוּר ʿûr, aber עִוֵּר ʿiwwēr „blind“.

Ein Punkt in einem auslautenden He (הּ)‎, מַפִּיק mappîq genannt, zeigt dass das He Konsonant ist, keine Mater lectionis. (In Handschriften findet sich Mappiq auch bei anderen Konsonanten, in der BHS nur in wenigen Fällen bei Aleph.)

Das Gegenstück zu Dagesch und Mappiq, das רָפֶה rāp̱æ̂, ist ein Strich über einem Konsonanten (בֿ) und bezeichnet bei BeGaDKeFaT frikative Aussprache, bei ה, dass es Mater lectionis ist, ansonsten, dass der Konsonant unverdoppelt ist. Es findet sich hauptsächlich in Handschriften und ist in gedruckten hebräischen Texten ungebräuchlich.

Vokale

Die tiberiensische Vokalisation sollte wohl ursprünglich nur die Vokalqualität bezeichnen. Es wurden sieben Vokale unterschieden: a - ɛ (ä) - e - i - ɔ (å) - o - u. Doch hat sich im Laufe der Zeit eine traditionelle Auffassung von gleichzeitiger Bezeichnung der Quantität eingebürgert. Diese wird von der Wissenschaft schon lange in Frage gestellt.

Im folgenden wird ein hellgraues Nun נ als Trägerbuchstabe verwendet, wenn das Zeichen als solches dargestellt werden soll. Dabei kann es sein, dass der eine oder andere Browser die Zeichen nicht in der von mir intentierten Reihenfolge darstellt. Das Mischen von hebr. (rechts-nach-links) und dt. (links-nach-rechts) Text stellt Browser wie Autoren vor gewisse Probleme.

Qamets קָ֫מֶץ ‎(קָמֵץ) qā́mæṣ (qāmēṣ) Zusammenziehung נָ ā (ursprl. wohl [ɒ] oder [ɔ])
Qamets chatuf קָ֫מֶץ חָטוּף qā́mæṣ ḥāṭûp̱ plötzliches, eiliges Qamets ŏ
Patach פַּ֫תַח pátaḥ Öffnung נַ ă
Segol סְגוֺל segôl Traube נֶ æ̆, ǣ d.i. [ɛ], [ɛː]
Chireq חִ֫ירֶק ‎(חִרֵק) ḥîræq (ḥirēq) Knirschen, Kreischen oder Spalt, Schlitz נִ ĭ, ī
Tsere צֵרֵי ‎(צֵירִי) ṣērê (ṣêrî) Spalt, Zerreißung נֵ ē
Cholem ח֫וֺלֶם ḥôlæm Zuschließung וֺ נֹ ō
Qibbuts קִבּוּץ qibbûṣ Zusammendrücken נֻ ŭ, ū
Schureq שׁוּרֶק šûræq Zischen, Pfeifen וּ û

Der Accent circonflexe in der Transkription bezeichnet bei mir (anders als bei Gesenius/Kautzsch28) mit Mater lectionis geschriebene (üblicherweise als lang aufgefasste) Vokale. Allerdings findet in späterer Zeit, insbes. in rabbinischen Texten, immer öfter plene Schreibung auch von Vokalen, die ziemlich sicher kurz sind, statt. Nach Ges./K.28 kann auch im Bibeltext ein Schureq in geschärfter Silbe für kurzes u stehen. Weiters transkribiere ich Qamets mit ā, Qamets chatuf mit ŏ, Patach mit a, Segol mit æ, Qibbuts mit u, Tsere mit ē und Cholem mit ō (die nach Ges./K.28 vielleicht gelegentlich auch für ĕ bzw. ŏ stehen können).

In der Neuzeit wurden die Namen der Vokalzeichen an den Lautwert der bezeichneten Vokale angeglichen: קָמַץ qāmaṣ, חִירִיק‬ ḥîrîq, קֻבּוּץ‬ qubbûṣ, שׁוּרוּק‬ šûrûq. Doch sind diese nur im Ivrit gebräuchlich, nicht in den Grammatiken des biblischen Hebr.

Bezüglich der Unterscheidung von Qamets (raḥav) und Qamets chatuf merke man sich: Qamets in offener Silbe oder in betonter geschlossener Silbe ist ā (דָּבָר dā-ḇā́r), in unbetonter geschlossener Silbe ist es ŏ (חָכְמָה ḥŏḵ-mấ). Ausnahme: Qamets in offener Silbe ist dann ŏ, wenn es vor einem Konsonanten mit Qamets chatuf oder Chatef-Qamets (s.u.) steht: פָּעָלְךָ pŏ-ʿŏl-ḵā, פָּעֳלוֺ pŏ-ʿo-lô.

Als Ausnahmen von den Ausnahmen listet Gesenius1 u.a. auf: קָטָנּי qā-ṭŏn-nî (קֹטֶן, Wurzel wohl *קְטֹן), יָרָבְעָם Jā-rŏḇ-ʿām, יָשָׁבְעָם Jā-šŏḇ-ʿām (doch bietet das Wörterbuch von Gesenius in der 17. Aufl. in allen drei Fällen auch Lesung mit ŏ-ŏ), die Plurale קָדָשִׁים qŏ-dā-šîm (קֹדֶשׁ), שָׁרָשִׁים šŏ-rā-šîm (שֹׁרֶשׁ).
נָ-נֳ ist ā-o, wenn das Qamets zum Artikel gehört (בָּאֳנִי bā-ʾo-nî „auf dem Schiff“). Ebenso in בָּמֳתֵי bā-mo-tê (neben בָּמוֹתֵי), יְתָאֳרֵהוּ je-tā-ʾo-rē-hû).

Ein unbetontes Qamets, auf das Dagesch forte folgt, ist daher Qamets chatuf: חָנֵּנִי ḥŏn-nē-nî́. Ein Sonderfall ist בָּתִּים (Pl. v. בַּיִת „Haus“): Gesenius1 liest es nach dieser Regel bŏt-tî́m; Ges./K.28 liest bāt-tîm mit naturlangem ā; nach Schneider ist das Dagesch hier aber ausnahmsweise lene (es zeigt die überlieferte plosive Aussprache des t an), danach wäre bā-tîm zu lesen.
Wenn das Qamets vor Dagesch forte den Ton trägt, ist es natürlich ā: לָ֫מָּה lā́m-mâ.

Das Graph וֺ bezeichnet meist ein plene geschriebenes ō: עוֺף ʿôp̱. Wenn der vorhergehende Konsonant sonst keinen Vokal hat, ist es aber ein Cholem mit folgendem konsonantischem Waw, ōw: לוֶֺה (richtiger לֹוֶה) lōwæ̂. Ebenso kann es aber ein konsonantisches Waw mit folgendem Cholem sein, : עָוֹן ʿāwōn.

In älteren Drucken ließ man den Punkt des Schin mit einem vorhergehenden Cholem bzw. den des Sin mit einem nachfolgenden Cholem zusammenfallen: משֶׁה Mōšæ̂, שׂנֵא śōnê; in der BHS werden jedoch beide Punkte gesetzt: מֹשֶׁה‎, שֹׂנֵא. Demgemäß bezeichnete das Graph שֹׁ ein Schin mit nachfolgendem Cholem, šō, oder ein Sin mit vorhergehendem Cholem, ōś: שֹׁמֵר šōmēr, יִרְפּשֹׁ jirpōś.

Die Vokalzeichen stehen unter/über/in dem Konsonanten, nach dem sie gesprochen werden. Ausgenommen ist das sog. Patach furtivum, das (rechts) unter einem auslautenden הּ, ח oder ע steht, vor dem es gesprochen wird: רוּחַ a. Dieses Patach wird eingeschoben, weil die genannten Gutturale im Auslaut immer ein a vor sich haben müssen.

Das ist auch der einzige Fall, wo zwei Vokale nacheinander gesprochen werden. Die tiberiensische Vokalisation kennt auch keine Diphthonge. Ges./K.28 empfehlen allerdings, נַי als ai, נַו als au zu sprechen. Ich transkribiere jedoch aj, aw. In einigen Fällen ist ein Konsonant verstummt: נָיו- -āw; insbes. auslautendes Aleph: הוּא , חֵטְא ḥēṭ u.ä. (man sagt, das Aleph otiiert).

Das Ivrit unterscheidet in der Aussprache nur noch die fünf Vokale a - e - i - o - u, wobei e und o offen ausgesprochen werden, d.h. [ɛ] bzw. [ɔ]. Und alle Vokale werden mehr oder weniger kurz gesprochen:

Vokallosigkeit und Murmelvokal

Schwa שְׁוָא š(e) Nichtigkeit, Leerheit נְ e oder ə; ∅
Chatef-Patach חֲטֵף פַּ֫תַח atēp̱ pátaḥ נֲ a
Chatef-Segol חֲטֵף סְגוֺל atēp̱ segôl נֱ æ
Chatef-Qamets חֲטֵף קָ֫מֶץ atēp̱ qā́mæṣ נֳ o

Das Schwa bezeichnet Vokallosigkeit (šwā quiescens, hebr. שְׁוָא נָח šwā nāḥ), z.B. מַלְכָּה mal_kā, oder einen kurzen undeutlichen Murmelvokal (šwā mobile, hebr. שְׁוָא נָע šwa nāʿ). Am Wortende steht Schwa (quiescens) nur im Kaph ךְ (wohl um es leichter von ד und ן unterscheiden zu können) und bei Doppelkonsonanz: קָטַלְתְּ qāṭalt, אַתְּ ʾatt – ausgenommen der letzte Konsonant dabei ist Aleph: וַיַּרְא wajjar (das Aleph otiiert; Schneider transliteriert allerdings wajjarʾ).

Als Murmelvokal (auch lautbares Schwa genannt) wird Schwa im biblischen Hebr. betrachtet, wenn es:

  1. am Wortanfang steht: בְּרֵאשִׁית be-rê-šît
  2. auf einen ebenfalls mit Schwa (in diesem Fall quiescens) punktierten Konsonanten folgt: יִקְטְלוּ jiq-te-lû; ausgenommen am Wortende: קָטַלְתְּ qā-ṭalt
  3. bei einem Konsonanten mit Dagesch steht: עַל־פְּנֵי ʿal-pe (Dagesch lene), קַטְּלוּ qaṭ-ṭe-lû (Dagesch forte); ausgenommen am Wortende: אַתְּ ʾatt
  4. bei einem Konsonanten steht, der unmittelbar noch einmal folgt: הַלְלוּ ha-le-lû (manche geben allerdings der Regel den Vorzug, dass Schwa nach kurzem Vokal quiescens ist, und lesen hal-lû, s.a.u. bei Meteg)
  5. nach einem Konsonanten mit langem unbetontem Vokal steht: קוֺטְלָה qô-ṭe-lâ

Umgekehrt ist ein Schwa dann quiescens, wenn es vor einem weiteren Schwa steht (s.o.), wenn es nach einem Konsonanten mit kurzem Vokal steht (קָטַלְתִּי qā-ṭal-tî), oder der vorausgehende Konsonant lang und betont ist (תִּקְטֹ֫לְנָה tiq-tṓl-nâ). Es bleiben Zweifelsfälle, insbes. nach Qamets und Chireq, z.B. שָׁמְרָה kann šŏm-râ oder šā-me-râ sein.

Ges./K.28 transkribiert öfter mit „etymologischem“ Schwa mobile: פָּעָלְךָ pŏʿŏ-leḵā (weil eigentlich = pŏʿ-le-ḵā); יֶחֶזְקוּ jæḥæ-ze (weil eigentlich = jæḥ-ze-qû); so soll offenbar auch שָֽׁמְרָה šŏ-me-râ gelesen werden, aber ohne Erklärung, warum das Schwa hier lautbar sein soll. Ich transkribiere nach der herkömmlichen Auffassung: pŏ-ʿŏl-ḵā, jæ-ḥæz-qû, šŏm-râ.

Manche älteren Grammatiker kennen auch noch ein Schwa medium, das zwar nach den obigen Regeln den Silbenschluss bilden (also quiescens sein) muss, dem aber dennoch ein spirantischer BeGaDKeFaT folgt: מַלְכֵי mal-ḵê. Doch ist dies wohl so zu erklären, dass die Erweichung des Kaph zur Spirans früher erfolgt ist als der Ausfall des Vokals beim Lamed (*malak- > *malaḵ- > malḵ-).

Es hat sich eingebürgert, Schwa mobile mit einem kurzen e-Laut zu transkribieren. Doch zeigt die Wiedergabe hebr. Namen und Wörter mit Schwa in der LXX, dass die Klangfarbe des Schwa je nach dem folgendem Lautkörper wechselte: סְדֹם Σοδομα Sodoma, שְׁמוּאֵל Σαμουηλ Samuēl, כְּרוּבִים Χερουβιμ Kherubim. In manchen Fällen wollten die Masoreten diese Klangfarbe explizit ausdrücken und haben dafür die Chatef-Vokale, auch Schwa compositum genannt, geschaffen: חֲמוֺר‬ amôr, אֱנוֺשׁ ʾænôš, חֳלִי o.

Im Ivrit ist das Schwa mobile einfach ein e, die Chatef-Vokale sind mit den entsprechenden Vollvokalen identisch:

Die Regeln für das Schwa sind im Ivrit andere als im biblischen Hebr. Es ist viel häufiger quiescens, insbes. am Wortanfang ist es in der Regel stumm: גְּדוֺלָה gdola, זְמַן zman. Ausgenommen der erste Konsonant ist י ל מ נ ר, z.B. נְמָלִים nemalim, oder der zweite Konsonant ist א ה ע, z.B. תְּאָרִים teʔarim, oder der erste Konsonant ist die Konjunktion -וְ we-, eine der Präpositionen -בְּ be-, -כְּ ke, -לְ le- oder das Personalpräfix -תְּ te- . Die obige Regel 4) ist ausgedehnt auf aufeinanderfolgende Konsonanten mit gleichem Artikulationsort: מוֹטַטְתְּ motátet (bibl. môṭáṭt), שָׁדַדְתְּ šadádet, שָׁכְחוּ šaχeχu. Letzteres wäre auch im biblischen Hebr. Schwa mobile (šā-ḵe-ḥû, Regel 5), aber im Ivrit ist das Schwa an dieser Stelle sonst stumm: שָׂרְדוּ sar_du. In Fremdwörtern gilt die Aussprache, die das Wort eben hat, und es können auch drei Schwa aufeinander folgen: אַבְּסְטְרַקְט ʾabstrakt.

Mater lectionis

Wenn ein Vokal durch einen der nachfolgenden Konsonanten א ה ו י angezeigt ist (Mater lectionis), sagt man, der folgende Konsonant quiesziert in dem Vokal. Hierbei gilt:

Eine Besonderheit der Aussprache im Ivrit ist, dass נֵי häufig als ej ausgesprochen wird, ohne dass ich eine Regel dafür ausmachen konnte: für אֵיפֹה „wo“ findet sich sowohl die Aussprache [ˈɛjfɔ] (www.milon.li), als auch [ˈɛfɔ] (Wiktionary).

Im Ivrit wird, wenn Texte unvokalisiert geschrieben werden (und das ist der Normalfall), häufiger Gebrauch von Matres lectionis gemacht. Ist Waw oder Jod konsonantisch gebraucht, wird es oft doppelt geschrieben: טלוויזיה telewizja „Fernseher“. Die unvokalisierte Schreibung unterscheidet sich daher oft im Konsonantenbestand von der Schreibung mit Vokalzeichen: חֹרֶף ḥóref - חורף.

Sonstige Lesezeichen

Maqqef

Der מַקֵּף maqqēp̱ „verbindend“ verbindet Wörter zu einer Toneinheit. Man kann auch sagen: er enttont das Wort, an das er angehängt wird. Er steht vor allem nach einsilbigen Partikeln und Präpositionen, und bei Constructusverbindungen: אֶת־הָאוֺר ʾæt-hāʾôr, כִּי־טוֺב kî-ṭôḇ, אֶת־כָּל־פְּנֵי־הָאֲדָמָה ʾæt-kŏl-penê-hāʾadāmâ.

Im Ivrit ist der Maqqef nicht gebräuchlich.

Satzzeichen

Das biblische Hebr. kennt nur den סוֺף פָּסוּק sôp̱ pāsûq zur Kennzeichnung des Versendes. Dieser sieht aus wie ein Doppelpunkt, ׃ . Eine Unterteilung der Sätze in Sinnabschnitte erfolgt nur über die sog. Akzente, die man als eine Art Notenschrift für den gottesdienstlichen Vortrag betrachten kann:

Gen 1,1. Die Akzente sind rosa eingefärbt. Quelle: BHS auf bibelwissenschaft.de.

Eine Darstellung der biblischen Akzentsysteme ist etwas für hochgradige Spezialisten. Auf dieser Seite wird lediglich (nach dem Vorbild moderner Grammatiken und Wörterbücher des biblischen Hebr.) öfter das Zeichen ـ֫ (der Form nach der Akzent ʿôlæ̂ wejôrēd) über dem Silbenbeginn zur Bezeichnung der Tonsilbe (hauptsächlich bei Paroxytona) verwendet.

Das Ivrit benutzt die auch im Dt. geläufigen Satzzeichen . : , ? ! –.

Geresch

Das Zeichen ׳ heißt גֶּ֫רֶשׁ‬ gǽræš oder גֵּרֶשׁ‬ geræš. Seine Funktion ist:

Ein doppeltes Geresch ״ heißt גֵּרְשַׁיִם gēršajim oder גְּרָשַׁ֫יִם gerāšajim (Dual von gæræš). Es steht immer vor dem letzten Buchstaben. Seine Funktion:

Im biblischen Hebr. gibt es gleichnamige Akzente: גֶּרֶשׁ ־֜ gæræš oder טֶרֶס ṭæræs, גְּרָשַׁ֫יִם ־֞ gerāšajim.

Meteg

In mehrsilbigen Wörtern kann ein senkrechtes Strichlein unter einem Konsonanten (wenn dort ein Vokalzeichen steht, links davon), die Nebentonsilbe bezeichnen. Man nennt dieses Zeichen מֶתֶג mætæg „Zaum“. Doch schwanken die Handschriften in der Setzung des Meteg beträchtlich. Man verwechsle Meteg nicht mit dem gleich aussehenden Akzent סִלּוּק sillûq. Dieser steht immer vor dem Versende (im Beispiel oben im Wort הָאָֽרֶץ).

Meteg steht u.a. bei langem Vokal, der von der Haupttonsilbe durch einen Konsonanten mit Schwa mobile getrennt ist. In diesem Fall zeigt also das Meteg, dass ein Qamets ein ā ist (nicht ŏ) bzw. dass ein Chireq oder Qibbuts lang ist: זָֽכְרָה zā-ḵe-râ „sie gedachte“, aber זָכְרָה zŏḵ-râ „gedenke“ (Imptv. mit He cohortativum); יִֽרְאוּ jī-re-ʾû (defektive Schreibung für יִירְאוּ) „sie fürchten“ (ירא), aber יִרְאוּ jir-ʾû „sie sehen“ (ראה).

Inkonsequenterweise kommen aber auch Schreibungen wie שָֽׁמְרָה šŏm-râ „bewahre“ (Ges./K.28 transkribiert šŏ-me-râ!), עֲמָֽדְךָ ʿa-mŏd-ḵā „deines Stehens“ (d.h. „als du standst“, Inf. עֲמֹד + Possessivsuffix) vor, also mit Meteg bei Qamets chatuf. Auch haben einige Formen von היה und חיה das Meteg in kurzer geschlossener Präformativsilbe, namentlich die Form יִֽהְיֶה jih-jæ̂. Insbes. steht Meteg auch dann, wenn ein Dagesch forte bei einem Konsonanten mit Schwa ausgefallen ist, der vorhergehende Vokal aber dennoch nicht gelängt ist. Das Schwa wird dadurch silbenschließend (quiescens): וַֽיְהִי־אוֺר waj-hî-ʾôr (statt וַיְּהִי waj-je-hî); הַֽלְלוּ־יָהּ hal-lû-jāh (statt הַלְּלוּ hal-le-lû, manche schlagen aber vor, so zu lesen, als ob das Dagesch dastünde; Gesenius1 empfiehlt, hier Schwa mobile zu lesen, s.o. Regel 4).

Quellen

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2018