Michael Neuhold Homepage
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Diese Seite habe ich ursprünglich für den Religionsunterricht meiner Tochter gemacht. Es ging darum, den  Schöpfungsbericht der Genesis mit anderen antiken Weltentstehungserzählungen (u.a. auch Ov.met.) zu vergleichen. Darum ist auch nicht das ganze Epos wiedergegeben, sondern nur jene Teile, die von der Erschaffung des Kosmos und des Menschen erzählen.

Enuma eliš

Das babylonische Epos Enuma eliš (dt. „als droben“) ist in der vorliegenden Fassung etwa im 12. Jh. auf sieben Keilschrifttafeln geschrieben worden und diente wohl zur Verlesung im Rahmen des babylonischen Neujahrsfestes. Es schöpft aber aus älteren babylonischen und sumerischen Quellen.

Die deutsche Übersetzung stammt von einer Downloadseite von Lycos (<http://mitglied.lycos.de/juergenberus/download.html>, der URL ist mittlerweile tot), die den Eindruck erweckte, freie Texte und Programme zum Herunterladen anzubieten. Im Vorspann des PDFs heißt es: „ENÛMA ELÎSCH der mesopotamisch-altbabylonische Schöpfungsmythos nach der Übertragung aus dem Akkadischen ins Französische von Paul Garelli und Marcel Leibovici in: La naissance du monde Paris 1959“. Denselben  deutschen Text habe ich dann auch beim Portal Die frühe Geschichte der Menschheit gefunden. Dort ist der Überschrift noch vorangestellt: „Hans Zimmermann : Quellensammlung : Enûma elîsch“. Mir ist unklar, wie die Urheberrechtssituation genau aussieht. Falls jemand mit diesem Text seine Rechte verletzt sieht, möge er mich verständigen. Ich habe mir übrigens erlaubt, die Interpunktion etwas zu ändern.

Der englische Text ist die  Übersetzung von Leonard William King von 1902 und stammt von Sacred Texts. Zu Kings Zeiten war der Text noch lückenhafter als heute. Soweit ich verstanden habe, ist der Text gemeinfrei. Bei der Wiedergabe habe ich auf einige typographische Feinheiten (z.B. die Unterstreichung bei sh zur Wiedergabe eines š) verzichtet. (Es gibt bei Sacred Texts auch eine  gerafftere Darstellung des englischen Texts.)

Der akkadische Text basiert im wesentlichen auf:

King, L[eonard] W[illiam]: The seven tablets of creation. Vol.1: English translations, etc.- London: Luzac & Co, 1902.
Der Ende des 18. Jh. erhaltene Text in Transliteration und englischer Übersetzung. (21 PDFs, heruntergeladen von <http://www.case.edu/univlib/preserve/Etana/KING.SEVENv1/KING.SEVENv1.html>, der URL ist inzwischen tot. In meinem PDF-Viewer wird beim Text der Transliteration an manchen Stellen Unsinn angezeigt: vu statt ru, Zu statt lu, Su statt šu u.ä. Hat hier die OCR gepatzt?)
 King, L[eonard] W[illiam]: First steps in Assyrian. A book for beginners.- London: Kegan, Trench, Trübner, 1898.
Ein Keilschrifttextlesebuch für Anfänger mit einem ausführlichen Grammatikabriß. Unter den Keilschrifttexten mit Transliteration und Übersetzung befinden sich auch Auszüge aus dem Enuma eliš. (Buchscan bei Archive.org.)
 Transkription des Keilschrifttextes bei Wikisource
Momentan ist nur der Text der ersten Tafel verfügbar. Die Übersichtsseite nennt zwar (nach meinem Verständnis als Quelle) Kings Ausgabe, der Text gibt aber Schreibung mit Ideogrammen anders wieder (z.B. DINGIR-DINGIR statt Kings ilani pl) und liest auch sonst öfters anders und mehr als King. Der Text dürfte also auf einer anderen Quelle beruhen.

Vokabelangaben habe ich - neben dem bereits erwähnten First steps in Assyrian von L. W. King - entnommen:

 Deimel, Anton: "Enuma Eliš" sive epos Babylonicum de creatione mundi.- Rom: Pontif. Inst. Bibl., 1912.
Der Anfang des 20. Jh. verfügbare Text in Keilschrift samt Zeichenliste und Vokabularium. (Buchscan bei Archive.org.)
 Akkadian Dictionary
Online-Dictionary der Association Assyrophile de France.

Weiters benutzt habe ich:

Bergsträßer, Gotthelf: Einführung in die semitischen Sprachen.- Darmstadt: Wiss. Buchges., 1977.
Kurze Beschreibung der Charakteristika einzelner semitischer Sprachen mit Beispieltexten.
 John Heise: lišānum akkadītum (Akkadian language)
Obiger Link verweist auf das Internet Archive, der ursprüngliche URL <http://www.sron.nl/~jheise/akkadian/Welcome.html> ist mittlerweile tot. Homepage eines Enthusiasten, die Grammatik ist leider noch nicht fertig. Aber es gibt eine  detaillierte Erklärung der ersten sieben Zeilen des akkadischen Textes von Enuma eliš.
den Wikipedia-Artikel  Akkadische Sprache.
Eine "Kürzestgrammatik".
 Mercer, Samuel A[lfred] B[rowne]: Assyrian grammar with chrestomathy and glossary.- London: Luzac & Co, 1921.
Nicht mehr ganz aktuell, aber für einen ersten Einstieg durchaus geeignet. (Buchscan bei Archive.org.)

Meine Kenntnisse der akkadischen Grammatik sind äußerst lückenhaft. Mit Fehlern und Mißverständnissen in meiner Textversion ist daher zu rechnen. Da mir nur Onlinequellen zur Verfügung standen, habe ich das Urheberrecht zu spüren bekommen: die meisten Quellen sind Bücher, die gut 100 Jahre oder älter sind. Inzwischen wurden weitere Versionen des Enuma eliš gefunden, mit denen die Lücken im Text weitgehend geschlossen wurden. Die entsprechenden Veröffentlichungen stehen aber im Netz nicht zur Verfügung.

Das Epos beginnt mit der Entstehung der Götter.

die ersten zwei Zeilen in Keilschrift

e-nu-ma e-liš
enūma eliš
als oben
la na-bu-ú šá-ma-mu
lā nabū šamāmū
nicht genannt wurde Himmel
šap-liš am-ma-tum
šapliš ammatum
unten Erde
šu-ma la zak-rat
šuma lā zakrat
Name (Akk.) nicht gesagt wurde

Der Keilschrifttext stammt aus L. W. King, First steps in Assyrian, S. 122.

Tafel 1
1 enuma eliš la nabu šamamu enuma wenn, als
eliš oben
la nicht
nabû rufen, nennen, verkünden
šamû und šamâmu Himmel
Als droben die Himmel nicht genannt waren, When in the height heaven was not named, Was keinen Namen hat, existiert nicht (vgl. V.10).
Wie in Gen.1,1 stehen "Himmel und Erde" wohl für das Universum.
2 šapliš ammatum šuma la zakrat šapliš unten
ammatu Erde
šumu Name
zakâru sagen, nennen
als unten die Erde keinen Namen hatte; And the earth beneath did not yet bear a name,
3 Apsuma reštu zarušun apsû Tiefe, Meer hier als Gottheit
-ma und, und dann
rêštû (rʾš) erster, ältester
zarû (zrʾ) säen, ausstreuen (hier Pt.)
-šun(u) ihr (their)
als selbst Apsu, der uranfängliche, der Erzeuger der Götter, And the primeval Apsû, who begat them, Apsu, sumer. Abzu: der unterirdische Süßwasserstrom
4 mummu Tiamat muallidat gimrišun mummu Urform? Lärm? craftsman?
tiâmtu Meer, als Gottheit Tiamat
alâdu (wld) gebären, hervorbringen (hier Pt. D-St.)
gimru Gesamtheit, alle
Mummu Tiamat, die sie alle gebar, And chaos, Tiamat, the mother of them both,-- Tiamat: Salzmeer, Ozean. Mummu: hier Beiname der Tiamat, sonst als Name von Apsus Boten. (Kings Übersetzung chaos beruht wohl auf der Gleichsetzung mit hebr. מְהוּמָה Getümmel, Verwirrung bzw. Delitzschs Übersetzung Lärm.)
5 mešunu išteniš iḫiquma mû (Pl. mê) Wasser
ištêniš zusammen, völlig
ḫâqu (Ptr. iḫîq) sich vermischen
ihre Wasser in eins vermischten; Their waters were mingled together, Die Vermischung von Süß- und Salzwasser als ungeordneter Urzustand gedacht? (Vgl. Gen.1,2: Finsternis war über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.) Oder eine poetische Umschreibung des hieros gamos?
6 gipara la kiṣṣuru ṣuṣa la šeʾu gipâru Schilf?
kiṣṣura (<kitṣura, Gt-St. v. kaṣâru) sich verbinden, formen, bilden
ṣuṣû Schilf, Röhricht?
šêʾû suchen (Deimel: sehen)
als abgestorbenes Schilf noch nicht angehäuft, Rohrdickicht nicht zu sehen war; And no field was formed, no marsh was to be seen; Es gab noch kein trockenes Land, auf dem Pflanzen hätten wachsen können?
7 enuma ilani la šupu manama ilu (Pl. ilû, ilâni) Gott
wapû (wpʾ) sichtbar sein Š-St. sichtbar machen (Deimel: aufgehen, entstehen)
manâma, manma jemand, wer auch immer neg. keiner, niemand
als noch kein Gott erschienen, When of the gods none had been called into being, Die babylonischen Götter sind anders als der Gott des AT nicht von Ewigkeit her.
8 šuma la zukkuru šimatu la šimu šuma, zakâru s. V.2
šîmtu Geschick
šâmu (šjm, Perm. šimat) (fest)setzen, stellen
mit Namen nicht benannt, Geschick ihm nicht bestimmt war; And none bore a name, and no destinies [were ordained];
9 idbanuma ilani kiribšun banû bauen, schaffen, erzeugen
kirbu (st.c. kirib) Inneres, Mitte
da wurden die Götter aus dem Schoß von Apsu und Tiamat geboren. Then were created the gods in the midst of [heaven], King liest ki-ri[b] š[a-ma-mi]. Wikisource hat qê-reb-šú-un "in ihrem (3.Pl.) Inneren": Die Götter entstehen also im ungetrennten Urwasser.
10 Laḫmu Laḫamu uštapu šumi izzakru uštapu v. wpʾ s. V.7 Lachmu, Lachamu traten ins Dasein, wurden mit Namen benannt. Lahmu and Lahamu were called into being [...]. Demel erklärt die beiden Gottheiten als männliches bzw. weibliches Weltentstehungsprinzip ("principium masculinum bzw. femininum cosmogonicum").
11 adi irbu išiḫu adû (Pl. adî) Zeit, Zeitalter?
râbû (Prt. irbû) groß sein/werden
šâḫu lang sein/werden
Äonen wurden groß und erstreckten sich lang, Ages increased, [...], Demgegenüber passiert die Schöpfung im AT in sechs Tagen.
12 Anšar Kišar ibbanu elišunu atru banû s. V.9
eli zu, gegen
atartu Übermaß, Überfluß
Anschar, Kischar wurden geboren, sie überragten jene. Then Anshar and Kishar were created, and over them [...]. An-schar < sumer. an "Himmel". Ki-schar < sumer. ki "Erde".
13 uriku ume uṣṣibu šanatu arâku lang sein, dauern
ûmu Tag
aṣâbu (wṣb) hinzufügen, vermehren
šattu (Pl. šanâtu) Jahr
Die Tage wurden lang, die Jahre mehrten sich. Long were the days, then there came forth [...]
14 Anu apilšunu šanin abešu aplu (st.c. apil) Sohn, Erbe
abu (Pl. abbû) Vater
???
-šu sein (his)
Anu war ihr Sohn, ebenbürtig seinen Vätern. Anu, their son, [...] Anu: Gott des Himmels
15 Anšar Anum bukrašu maššilma bukru erstgeborener Sohn
mašâlu gleich sein D-St. anpassen, gleichmachen
Anschar machte Anu, seinen Erstgeborenen, sich gleich; Anshar and Anu [...]
16 u Anum tamšilašu ulid Nudimmud u und
tamšîlu Abbild, Ähnlichkeit
alâdu s. V.4
Anu erzeugte sein Ebenbild Nudimmud. And the god Anu [...] Nudimmud: anderer Name für Ea
17 Nudimmud ša abešu šalitsunu šuma ša Relativ- und Gen.-Partikel
šalâu ???
Nudimmud war seiner Väter Herrscher. Nudimmud, whom his fathers [his] begetters [...]
18 palka uznu ḫasis emuqan pungul palkû weit, umfassend
uznu Ohr, Weisheit
ḫasîsu weise, schlau
emûqu Kraft, Macht, Stärke
pungulu ?
Umfassend an Wissen, weise, an Kräften gewaltig, Abounding in all wisdom, [...]
19 guššur madiš ana alid abišu Anšâr gašâru stark sein
mâdiš sehr (v. mâdu viel)
ana zu, nach, um zu
âlidu (wld) Erzeuger, Vater
übertraf er bei weitem an Kraft den Erzeuger seines Vaters, Anschar. He was exceeding strong [...]

Die jungen Göttern stören mit ihrem Lärm Apsu und Tiamat in ihrer Ruhe, daher beschließt Apsu, sie zu wieder zu vernichten. Doch die Götter erfahren davon und der schlaueste der Götter, Ea, schläfert Apsu ein und tötet ihn. Da erschafft Tiamat elf Dämonen, um mit ihnen die Götter zu bekämpfen. Die Götter Ea und Anu können ihr nicht standhalten. Erst Eas Sohn Marduk gelingt es, Tiamat zu besiegen und zu töten.

Tafel 4
129 ikbusma belum ša Tiamatum išidsa kabâsu (Prt. ikbus) treten
bêlu Herr
išdu Fundament, Grund
-ša ihr (her)
Es stellte der Herr seinen Fuß auf Tiamats Kreuz. And the lord stood upon Tiamat's hinder parts,
130 ina miṭišu la padi unatti muḫḫa ina in, von, mit
miṭṭu eine Waffe
padû lösen. schonen (hier Pt.)
naṭû schlagen
muḫḫu Schädel, Oberteil
Mit seinem schonungslosen Dolch spaltete er ihren Schädel, And with his merciless club he smashed her skull.
131 uparrima ušlat damiša parû (zer)reißen, zerschneiden
ušultu (Pl. ušlat) Ader
dâmu Blut
durchschnitt ihre Adern. He cut through the channels of her blood,
132 šaru iltanu ana puzrat uštabil šâru Wind
iltânu Norden, Nordwind
puzru Geheimnis, Versteck
abâlu (wbl, Prt. ûbil) bringen
Und der Nordwind entführte das Blut in die Ferne. And he made the North wind bear it away into secret places.
133 imuruma abbušu iḫdu irišu amâru sehen
ḫadû sich freuen, glücklich/zufrieden sein
râšu sich freuen, frohlocken
Als seine Väter es sahen, freuten sie sich, jubelten, His fathers beheld, and they rejoiced and were glad;
134 šide šulmanu ušabilu šunu ana šašu šidû (Pl. šidê) Geschenk
šulmânu Geschenk
abâlu s. V.132
šunu sie (they)
šâšu ihn, ihm
brachten ihm Geschenke und Gaben. Presents and gifts they brought unto him.
135 inuḫma belum šalamtuš ibarri nâḫu ruhen
šalamtu Leichnam
barû sehen
Es ruhte der Herr und beschaute ihren Leichnam. Then the lord rested, gazing upon her dead body,
136 šir kupu uzazu ibanna niklati šîru Fleisch
kupu Leib? (Jensen)
zâzu (aus)teilen
nikiltu kunstvolles Werk
Aus dem geteilten Ungeheuer wollte er Kunstvolles schaffen. While he divided the flesh of the ..., and devised a cunning plan.
137 iḫpišima kima nuna maš-di-e ana šinašu ḫipû zerschneiden, zerteilen
-šî sie (her)
kîma wenn, wie
nûnu Fisch
šinâ (fem. šittâ) zwei
Er schnitt es also entzwei wie einen getrockneten Fisch. He split her up like a flat fish into two halves;
138 mišluša iškunamma šamama uṣallil mišlu Hälfte
šakânu setzen, stellen
ṣalâlu verhüllen, bedecken (und liegen, schlafen)
Der einen Hälfte bediente er sich, das Himmelsgewölbe zu machen, One half of her he stablished as a covering for heaven. Vgl. Gen.1,7: Gott machte die Feste und trennte das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste.
139 išdud parku maṣṣaru ušaṣbit šadâdu ziehen, schleppen
parku Türriegel, -balken?
maṣṣaru Wächter
ṣabâtu packen, fangen Š-St. ausstatten, aufstellen
zog den Riegel, setzte Wächter ein He fixed a bolt, he stationed a watchman,
140 meša la šuṣa šunuti umtaʾir mû s. V.5
aṣû (wṣʾ) hinausgehen Š-St. hinaus-/freilassen
-šunûti sie (them)
mâru (mʾr) auftragen, befehlen
und schärfte ihnen ein, ihre Wassers nicht herauszulassen. And bade them not to let her waters come forth.
141 šame ibir ašratum iḫiṭamma šamû s. V.1
ebêru (ʾbr < ʿbr) vorübergehen, über-/durchschreiten
ašru Ort
ḫâṭu (ḫjṭ) untersuchen, erforschen
Er ging durch die Himmel, durchforschte ihre Gegenden, He passed through the heavens, he surveyed the regions (thereof),
142 uštamḫir miḫrat apsi šubat Nudimmud maḫâru sich entegenstellen? Št-St. gegenüberstellen, vergleichen, gleichmachen
miḫirtu vor, gegenüber
apsû s. 1,3
šubtu Wohnung
um dort ein Gegenstück des Apsu zu errichten als Wohnung Nudimmuds. And over against the Deep he set the dwelling of Nudimmud.
143 imšuḫma belum ša apsi binutušu mašâḫu messen
binûtu (vgl. banû V.9) Bau, Werk, Schöpfung
Es maß der Herr die Ausmaße des Apsu. And the lord measured the structure of the Deep, Nach 1,71.75-77 nahm Ea auf Apsu seine Wohnung; hier bezeichnet es also Eas Wohnsitz.
144 ešgalla tamšilašu ukin Ešarra ešgallu Palast (sumer. großes Haus)
tamšîlu s. 1,16
kânu (kwn) stark/fest sein, D-St. stark machen, errichten
Einen Palast nach seinem Bild errichtete er dort, den Escharra. And he founded E-shara, a mansion like unto it.
145 ešgalla Ešarra ša ibnu šamamu Der Palast Escharra, den er erbaute, war der Himmel. The mansion E-shara which he created as heaven, Gen.1,8: Gott nannte die Feste Himmel.
146 Anum Bel u Ea maḫazišun ušramma maḫâzu Kultstätte, Stadt
ramû sich niederlassen Š-St. ansiedeln, wohnen machen
Anu, Enlil und Ea ließ er an ihren Stätten wohnen. He caused Anu, Bêl, and Ea in their districts to inhabit.
Tafel 5
1 ubaššim manzaza an ilani rabuti bašâmu herstellen, erbauen
manzazu Standort
rabû groß
Er ersann Standorte für die großen Götter. He (i.e. Marduk) made the stations for the great gods;
2 kakkabani tamšilšunu lumaši ušziz kakkabu Stern
lumâšu Sternbild
In Sternbildern ordnete er ihre Entsprechungen, die Sterne. The stars, their images, as the stars of the Zodiac, he fixed.
3 uaddi šatta miṣrata umaṣṣir adû (wd) festsetzen, bestimmen
šattu s. 1,13
miṣru Gebiet
maṣâru beschließen, bestimmen? D-St. einschließen, begrenzen?
Er bestimmte das Jahr, teilte Abschnitte ab. He ordained the year and into sections he divided it;
4 XII arḫe kakkabani III ušziz arḫu (wrḫ) Monat Für jeden der zwölf Monate bestimmte er drei Sterne. For the twelve months he fixed three stars.
5 ištu umi ša šatti uṣṣi[...] uṣurati ištu seit, nachdem
ûmu s. 1,13
eṣêru (jṣr) gestalten, bilden
uṣurtu (jṣr) Bild
Nachdem er so die Zeiten des Jahres festgesetzt hatte durch Zeichen, After he had [...] the days of the year [...] images,
6 ušaršid manzaz Nibiri ana uddu riksišun rašâdu? gründen
manzazu s. V.1
adû s. V.3
riksu Verbindung
begründete er den Standort des Nibiru, um ihre Beziehungen zu bestimmen, He founded the station of Nibir to determine their bounds; Nibiru od. Neberu: der Planet Jupiter, der "Stern" Marduks
7 ana la epiš anni la egu manama epêšu (ʾpš) tun, machen
annu Fehltritt
egû (ʾg) fehlen, abfallen
damit keiner einen Fehler oder eine Unterlassung begehe. That none might err or go astray,
8 manzaz Bel u Ea u[k]in ittišu kânu s. 4,144
itti mit
Daneben stellte er die Orte Enlils und Eas auf. He set the station of Bêl and Ea along with him.
9 iptema abulle ina ṣili kilallan pitû öffnen
abullu Tor
ṣêlu Rippe, Seite
kilallân beide
Dann öffnete er Tore zu beiden Seiten. He opened great gates on both sides,
10 šigaru udannina šumela u imna šigâru Riegel
danânu stark/mächtig sein D-St. stark machen
šumêlu linke Seite
imnu (jmn) rechte Seite
Feste Riegel machte er links und rechts. He made strong the bolt on the left and on the right.
11 ina kabittišama ištakan elati kabittu Hauptteil, Masse (Deimel: Leber, Herz)
šakânu setzen, stellen
elû (fem. elîtu) hoch (dav. eliš), fem.Pl. Zenit
In den Bauch der Tiamat setzte er den Zenit. In the midst thereof he fixed the zenith;
12 Nannaru uštepa muša iqtipa wapû (s. 1,7) Št-St. glänzen lassen
mûšu Nacht
qâpu übergeben, anvertrauen
Er ließ Nannar erglänzen und vertraute ihm die Nacht an. The Moon-god he caused to shine forth, the night he entrusted to him. Nannar: Mondgott
13 uaddišuma šuknat muši ana uddu ume adû s. 1,3
šukuttu (škn) Geschöpf?
Er machte ihn zum Schmuck der Nacht, um die Zeit zu bestimmen: He appointed him, a being of the night, to determine the days;
14 arḫišam la naparka ina agi[e] uṣir arḫišam monatlich adv. (arḫu s. V.4)
naparkû aufhören, beenden
agû Kronen
eṣêru s. V.5
"Alle Monate, unaufhörlich, mache ein Zeichen der Krone. Every month without ceasing with the crown he covered(?) him, (saying):
15 ina reš arḫima napaḫi [ina] mati rêšu Kopf, Anfang
napâḫu erglänzen
mâtu Land
Am Anfang des Monats, wenn du zu leuchten beginnst über die Länder, "At the beginning of the month, when thou shinest upon the land,
16 qarni nabata ana uddu VI [u]mi qarnu Horn
nabû (hier Perm.) s. 1,1
sollst du an den Hörnern erglänzen, um anzuzeigen sechs Tage; "Thou commandest the horns to determine six days,
17 ina umi VII aga [šumšu]la agû s. V.14
mašâlu s. 1,15 Š-St. gleichmachen, in gleiche Teile teilen
am siebten Tage die Hälfte der Krone. "And on the seventh day to [divide] the crown.
18 [um]u XIV-tu lu šutamḫurat mešl[i...] lû, lû- möge, sei (Wunsch, Absicht)
maḫâru s. 4,142
mišlu s. 4,138
Wenn Vollmond ist, stehe in Opposition: das ist die Hälfte des Monats. "On the fourteenth day thou shalt stand opposite, the half [...].
19 [en]uma Šamaš ina išid šame [...]ka šamšu Sonne, als Gottheit: Šamaš
išdu s. 4,129, išid šamê Horizont
Wenn die Sonne am Horizont dich wieder eingeholt hat, "When the Sun-god on the foundation of heaven [...] thee,
20 [...]ti šutaqṣibamma bini ar[..]uš qṣb abschneiden Št-St.aufhören?
banû s. 1,9
verkleinere deine Krone und beginne abzunehmen. "The [...] thou shalt cause to ..., and thou shalt make his [...].
21 [...arbaʾi?] ana ḫarran Šamaš šutaqrib[ma] arbaʾu (fem. irbitti) vier
ḫarrânu Weg, Reise
qarâbu nahekommen Št-St. sich nähern, folgen
Am Neumondtage nähere dich wieder der Sonnenbahn. "[...] ... unto the path of the Sun-god shalt thou cause to draw nigh,
22 [ina umi...] lu šutamḫurat Šamaš lu šana[...] lû, maḫâru s. V.18 Stehe wieder in Opposition zur Sonne!" "[And on the ... day] thou shalt stand opposite, and the Sun-god shall ... [...]
23 [...]šium baʾi uruḫša bâʾu (entlang-/hinüber)gehen
urḫu Weg, Straße
[...] "[........] to traverse her way.
24 [... š]utaqribama dina dina qarâbu s. V.21
dînu Urteil
dânu urteilen
"[...] thou shalt cause to draw nigh, and thou shalt judge the right.
48 Marduk schuf einen Wind [...]
49 Er sammelte die Wasser und ließ sie in Wolken dahinziehen.
50 Das Aufstehen des Windes, den frischen Regen,
51 den Hauch der Nebel, die Ströme ihres Speichels
52 ordnete er und nahm das Ganze selbst in die Hand.
53 Er gab ihrem Kopf einen Platz; darüber häufte er ein Gebirge.
54 Er machte die unterirdischen Wasser frei, die Flut ergoß sich.
55 In ihren Augen schloß er den Euphrat und den Tigris auf.
56 Er verstopfte ihre Nasenlöcher und ließ [...]
57 Er häufte auf ihrer Brust fruchtbare Hügel an.
58 Er bohrte einen Wasserspiegel an, um eine Quelle zu schaffen.
59 Aus einer Schlinge ihres Schwanzes schuf er das Band des Himmels und der Erde.

Die Götter freuen sich über Marduks Sieg und huldigen ihm als ihrem König. Marduk kündigt an, daß er Bablyon errichten werde.

Tafel 6
1 Marduk zikri ilani ina šemišu zikru Wort
šemû hören
Als Marduk das Wort der Götter hörte, When Marduk heard the word of the gods,
2 [ub]bal libbašu ibana [niklati] abâlu s. 4,132 hier: dazu bringen, veranlassen
libbu Herz
nikiltu s. 4,136
beschloß er, ein großes Werk zu schaffen. His heart prompted him and he devised [a cunning plan].
3 [ip]šu pišu ana Ea [izakkar] epêšu s. 5,7 hier: aufmachen?
Mund
zakâru s. 1,2
Er ergriff das Wort und sprach mit Ea, He opened his mouth and unto Ea [he spake],
4 [...] ina libbišu uštamu inamdin [ana šašu] nadânu (über)geben, zulassen um seine Meinung zu erfahren über den Plan, den er ersonnen hatte: [That which] he had conceived in his heart he imparted [unto him]:
5 dami lukṣurma iṣṣim[tu]m lu[bni] dâmu s. 4,131
lu- s. 5,18
kaṣâru binden, sammeln
eṣemtu Knochen, Gebein
"Ein Gewebe von Blut will ich machen, Gebein will ich bilden, "My blood will I take and bone will I [fashion],
6 lušzizma amela lu amelu [...] nazâzu stehen Š-St. stellen, aufrichten
amêlu Mensch, freier Mann
um ein Wesen entstehen zu lassen: Mensch sei sein Name. "I will make man, that man may ... [...].
7 lubnima amela ašib [irṣitim] ašâbu (wšb) sitzen, wohnen
erṣetu Erde
Erschaffen will ich ein Wesen, den Menschen. "I will create man who shall inhabit [the earth],"
8 lu endu dullu ilanima šunu lu papa[ḫu ...] emêdu (Prs. endu) stehen
dullu Dienst, Kult
Ihm auferlegt sei der Dienst der Götter zu ihrer Erleichterung. "That the service of the gods may be established, and that [their] shrines [may be built].
9 lušannima alkakati ilani lunakki[r ...] šanû anders sein/werden D-St. ändern
alkakâti Handlungen, Wege
nakâru fremd sein D-St. ändern
Weiter will ich die Wege der Götter gestalten. "But I will alter the ways of the gods, and I will change [their paths];
10 išteniš lu kubbutuma ana limna lu [...] išteniš s. 1,5
kabâtu schwer sein D-St. ehren limnu böse, schlecht
Übereinstimmend seien sie verehrt, in zwei geteilt." "Together shall they be oppressed, and unto evil shall [they ...]." King begründet seine Übersetzung oppressed so: The sense seems to be that Marduk, by the creation of man, will establish the worship of the gods, but at the same time will punish the gods for their complaints.

Der Gott Kingu, der als der Anstifter des von Tiamat begonnen Krieges betrachtet wurde, ist es, dessen Blut zur Erschaffung des Menschen verwendet wird:

31 Als sie ihn gebunden hatten, brachten sie ihn vor Ea.
32 Sie ließen ihn seine Strafe erleiden, seine Adern durchschnitten sie.
33 Aus seinem Blute schuf er die Menschheit.
34 Er schrieb ihr den Dienst der Götter vor, um diese zu befreien.
35 Nachdem Ea, der Weise, die Menschheit erschaffen,
36 ihr den Dienst der Götter auferlegt hatte,
37 - ein Werk war es, nicht auszudenken,
38 von Nudimmud vollbracht dank Marduks Ränken -
39 teilte Marduk, der König der Götter, in zwei Gruppen
40 die Gesamtheit der Anunnaki, oben und unten. Anunnaki: die Götter
41 Und er trug Anu auf, über seine Befehle zu wachen.
42 Dreihundert Götter stellte er als Wächter in den Himmel.
43 Dann grenzte er die Wege der Erde ab.
44 Im Himmel und auf Erden setzte er so sechshundert Götter ein.

Die Frage nach dem Verhältnis des alttestamentlichen Schöpfungsberichts zum Enuma eliš ist und bleibt umstritten. Die Bandbreite der Antworten reicht vom Quasiplagiat bis zu völliger Beziehungslosigkeit. (Eine Auflistung der jeweiligen Argumente z.B. bei  Metareligion und  A Christian Thinktank). Meine persönliche Ansicht neigt eher letzterem zu. Viele angebliche Entlehnungen haben sich durch die Funde von Ugarit als gegenstandslos erwiesen. Die vielzitierte Parallele zwischen Tiamat und dem hebr. tehom etwa: das ugarit. thm zeigt, daß das Wort gemeinsemitisch ist. Unbestritten ist, daß Enuma eliš und Genesis manche kosmologische Vorstellungen gemeinsam haben.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 22. Jan. 2017