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Der Anfang des Markusevangeliums


1 Ἀρχὴ τοῦ εὐαγγελίου Ἰησοῦ Χριστοῦ [υἱοῦ θεοῦ]. Anfang des Evangeliums Jesu Christi [, des Sohnes Gottes]:
ℵ* und Θ haben den Zusatz in eckiger Klammer noch nicht. Im ℵ ist er jedoch von einem Korrektor hinzugefügt und auch B und D haben ihn. Die kürzere Lesart ist aber im allgemeinen vorzuziehen.
Strittig ist die Interpunktion. Gehört der folgende καθώς-Satz zum Vorigen (der Anfang [geschah], wie geschrieben steht...) oder zum Folgenden (wie geschrieben steht..., [so] war Johannes...)? Mk mußte sich darüber keine Gedanken machen. Die Mehrzahl der modernen Hg. hat sich für letztere Variante entschieden.
2

Καθὼς γέγραπται ἐν τῷ Ἠσαΐᾳ τῷ προφήτῃ·

ἰδοὺ ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν μου πρὸ προσώπου σου,
ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν
σου.

Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:

„Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.
Die Koine liest ἐν τοῖς προφήταις bei den Propheten. Denn nur die zweite Hälfte des Zitats (V.3) stammt von Jesaja (40,3), die erste Hälfte hingegen (V.2) aus Mal 3,1.
3
φωνὴ βοῶντος ἐν τῇ ἐρήμῳ·
ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν κυρίου,
εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους
αὐτοῦ,
Stimme eines, der in der Wüste ruft:
›Bereitet den Weg des Herrn,
macht seine Pfade eben.‹“,
4 ἐγένετο Ἰωάννης ὁ βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ κηρύσσων βάπτισμα μετανοίας εἰς ἄφεσιν ἁμαρτιῶν. [so] war Johannes der Täufer in der Wüste und verkündigte Bußtaufe (Taufe der Umkehr) zur Sündenvergebung.
So hat Nestle-Aland in der 25. Auflage noch mit B gelesen. Die Koine hat hier (ohne Artikel): βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων Johannes taufte in der Wüste und verkündigte... (ähnlich, aber mit anderer Wortstellung, D und Θ). ℵ hat noch den Artikel mit dazu: ὁ βαπτίζων... καί Was soll das aber heißen? Johannes war der Taufende in der Wüste und verkündigend Taufe.... Diese Lesart steht bei Nestle-Aland seit der 26. Aufl. (der Artikel allerdings in eckiger Klammer).

Der erste Vers des Mk-Ev. ist ebenso seltsam wie sein letzter (darüber wird an anderer Stelle zu reden sein): ein Satz ohne Verb. Ist der Vers als Überschrift zu verstehen? Aber wieso redet diese Überschrift nur vom Anfang des Evangeliums?

Normalerweise bezieht sich ein „wie geschrieben steht“ auf das Vorhergehende. Das scheint hier nicht recht zu passen, weshalb die meisten Herausgeber es auf den folgenden Satz beziehen. Manche haben auch angenommen, daß der ursprüngliche Beginn des Ev. verlorengegangen ist. Der V.1 könnte dann besagen: Das ist der noch erhaltene Anfang des Evangeliums (was vorher war, ist leider futsch).

Doch ist das Wort Evangelium zu Mk' Zeit noch kein gattungsgeschichtlicher terminus technicus, sondern bedeutet noch im ursprl. Sinn frohe Botschaft, gute Nachricht. Vermutlich ist also zu verstehen: Der Anfang der frohen Botschaft (bzw. seines Inhalts, d.h. des Wirkens, Leidens und Sterbens Jesu) geschah so/folgendermaßen.

Schon das (vermutlich) älteste Ev. setzt Johannes den Täufer zu Jesus in eine heilsgeschichtliche Beziehung und versteht ersteren als Wegbereiter für Jesus. Dieser Wegbereiter war bereits von den Propheten angekündigt als Rufender in der Wüste.

Wie das Prophetenwort sagt, trat Johannes in der Wüste auf verkündigte: „Kehrt um und lasst euch von mir taufen, dann werden eure Sünden vergeben.“ Der Anfang des Christusgeschehens war also das Wirken des Johannes, das zugleich Erfüllung des Prophetenwortes war.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2016