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Die Edelsteine am hohepriesterlichen Brustschild


Meine erste Beschäftigung mit antiken Edelsteinbezeichnungen war im Rahmen von Offb 21,19f (s. jetzt auf meiner Seite Die Grundsteine des neuen Jerusalem). Ich habe mich dabei ein wenig blauäugig ans Bibellexikon und an Wikipedia gehalten. Was ich allerdings übersehen hatte, war, dass die Edelsteinnamen im Laufe der Zeit ihre Bedeutung geändert haben. Durch die Lektüre eines Buches von Wolfgang Zwickel wurde ich dann auf Ex 28,17-21 (Beschreibung des Brustschildes / der Lostasche des Priestergewandes) aufmerksam. Von Zwickel habe ich auch die Idee des tabellarischen Vergleichs verschiedener Übersetzungen.

Der Text, um den es geht, steht in Ex (für Protestanten: 2Mo) 28,17-21 und 39,10-14 (LXX 36,17-21):

Quellen

Primärtexte

Neben dem masoret. Text der BHS werden die wichtigsten antiken Übersetzungen, aber auch die Beschreibungen bei Flavius Josephus und Pseudo-Philon verglichen. Josephus gibt die Liste zweimal wieder. Pseudo-Philon gibt seltsamerweise für fast jeden Stein zwei Gleichsetzungen (ist ein/heißt X, ähnelt Y).

MT Masoretischer Text, hebräisch Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS). Hrsg. v. K. Elliger u. W. Rudolph.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1977. Aktuelle Aufl. – Stand Feb. 2015: 5., verb. Aufl. 1997 – online bei Bibelwissenschaft.de.
LXX Septuaginta, griechisch Septuaginta. Id est Vetus Testam. graece iuxta LXX interpr. Hrsg. v. Alfred Rahlfs.- Verkl. Ausg. i. e. Bd.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1979. Aktuelle Ausg. – Stand Feb. 2015: 2. Aufl. bes. v. Robert Hanhart – online bei Bibelwissenschaft.de.
Symm. Symmachus, griechisch Origenis Hexaplorum quae supersunt sive veterum interpr. Graec. in totum vetus testam. fragm. Hrsg. v. Frederick Field. Bd. 1: Prolegomena. Genesis - Esther.- Oxford: Clarendon Press, 1875. Archive.org.
Ios. Flavius Josephus, griechisch Flavii Iosephi Opera. Hrsg. v. Benedikt Niese.- Berlin: Weidmann.
Antiquitates Iudaicae 3,7,5 [§168] Bd. 1: Antiquitatum Iudaicarum libri I-V. 1887. S. 192. Archive.org.
De bello Iudaico 5,5,7 [§234] Bd. 6: De bello Iudaico libros VII. 1894. S. 466. Archive.org.
Vulg. Vulgata, lateinisch Biblia Sacra iuxta vulgatam versionem. Bearb. u. hrsg. v. Robert Weber, Roger Gryson u.a.- 5., verb. u. aktual. Aufl.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 2007. Online bei Bibelwissenschaft.de.
LAB Liber Antiquitatum Biblicarum 26,10, lateinisch Pseudo-Philon [Alexandrinus]: [Liber Antiquitatum Biblicarum] Les Antiquités Bibliques. Bd. 1: Introd. et texte critiques. Hrsg. v. Daniel J. Harrington, übers. v. Jacques Cazeaux.- Paris: Éd. du Cerf, 1976. (Sources Chrétiennes, 229). (im Netz nicht gefunden)
TgO Targum Onqelos, aramäisch Targum Onkelos. Hrsg. u. erl. v. A. Berliner.- 1. Teil: Text.- Berlin: Gorzelanczyk, 1884. S. 91. Archive.org.
KJV King James Version, englisch Holy Bible. King James Version.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 2006. Online bei Bibelwissenschaft.de.
Luther erste Gesamtausg. von 1534 Biblia / das ist / die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Mart. Luth.- Wittemberg [sic!]: Lufft, 1534.
revidierte Fassung von 1984 Stuttgarter Erklärungsbibel. Die Heilige Schrift nach d. Übers. Martin Luthers. M. Einf. u. Erkl.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1992. Bibeltext online bei Bibelwissenschaft.de.
Schlachter Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Unter Berücksicht. d. besten Übers. n. d. Urtext übers. v. Franz Eugen Schlachter.- Neu bearb. u. hrsg. durch d. Genfer Bibelges. Genf: 1975.
Elberf. Elberfelder, revidierte Fassung Die Bibel. Elberfelder Übersetzung.- 8. Aufl.- Wuppertal: Brockhaus, 2001.
Zürcher Zürcher Bibel, Fassung v. 2007 Zürcher Bibel 2007.- 4. Aufl. Zürich: Theolog. Verl., 2012.
Einh. Einheitsübersetzung Die Bibel. Einheitsübersetzung d. Heiligen Schrift. Gesamtausgabe.- Stuttgart: Kathol. Bibelwerk, 2006. Online bei Bibelwerk.de.
Gute N. Gute Nachricht [Gute Nachricht.] Die Bibel in heutigem Deutsch. Die Gute Nachricht d. Alten u. Neuen Testaments ohne d. Spätschriften des A. T.- 2., durchges. Aufl.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1992. Online bei Bibelwissenschaft.de.
Zwickel Zwickel, Wolfgang: Leben und Arbeit in biblischer Zeit. Eine Kulturgeschichte.- Stuttgart: Calwer, Dt. Bibelges., 2013. S. 154.
Theophrast von Eresos, περὶ λίθων (de lapidibus)
Theophrasti Eresii Opera quae supersunt omnia. Hrsg. v. Friedrich Wimmer. Bd. 3: Fragmenta.- Leipzig: Teubner, 1862. (de lapid. als fragmentum 2) Archive.org.
Plinius der Ältere, Naturalis historia 37
C. Plini Secundi naturalis historiae libri XXXVII. Hrsg. v. Karl Mayhoff. Bd. 5: Libri XXXI-XXXVII.- Leipzig: Teubner, 1897. Archive.org.
(Digitalisat des 37. Buches bei LacusCurtius).
Philon von Alexandria, De vita Mosis B. 3, Kap. 11 (andere Zählung B. 2, Kap. 23, § 112)
Philonis Alexandrini Opera quae supersunt. Hrsg. v. Leopold Cohn. Bd. 4.- Berlin: Reimer, 1902.
Eine kurze Beschreibung des Brustschildes, ohne aber die Edelsteine aufzulisten: S. 226 in der Cohnschen Ausgabe, engl. Übersetzung bei Early Jewish Writings.

Sekundärliteratur

Schiller, Johannes: Art. Edelsteine. 2010. WiBiLex / bibelwissenschaft.de.
Stand der Wissenschaft unter Einbeziehung des archäologischen Befunds.
Fletcher, Lazarus: Art. Stones, Precious. International Standard Bible Encyclopedia. Hrsg. v. James Orr. Bd. 5.- Chicago: 1915. S. 2856-2862. Buchscan, Archive.org.
Die ausführlichste Analyse zum Thema, die ich gefunden habe; der Artikel als Digitalisat (ohne griech. und hebr. Lettern) bei BibleStudyTools.com.
Engl. Wikipedia-Art. Priestly breastplate
Diskutiert die einzelnen Steine tw. ausführlicher als Schiller und bezieht die talmud. Tradition mit ein. Aber: Luther hat hebr. lešem nicht mit hyacinth wiedergegeben, sondern mit Lyncurer (so in der ersten Gesamtausgabe von 1534).
[Riehm] Art. Edelsteine. Handwörterbuch des Biblischen Altertums für gebildete Bibelleser. Hrsg. v. Eduard C. Aug. Riehm. Bd. 1.- 2. Aufl. besorgt v. Friedrich Baethgen.- Bielefeld, Leipzig: Velhagen & Klasing, 1893/4. S. 333-339. Archive.org.
Veraltet.
[Rienecker] Art. „Edelsteine“, in: Lexikon zur Bibel. Hrsg. v. Fritz Rienecker.- Wuppertal: Brockhaus, 12. Aufl. 1977.
Ebenfalls etwas veraltet.
Krause, Johann Heinrich: Pyrgoteles oder die edlen Steine der Alten im Bereiche d. Natur u. d. bildenden Kunst, m. Berücks. d. Schmuck- u. Siegelringe, insbes. d. Griechen u. Römer.- Halle: Schwetschke, 1856. Archive.org.
Wenngleich naturwissenschaftlich veraltet, so doch eine brauchbare Zusammenschau dessen, was aus der griech.-röm. Antike zum Thema erhalten ist.
Braun, Johannes: בגדי כהנים [bigdi kohanim] id est vestitus sacerdotum Hebræorum. Sive commentarius amplissimus in Exodi Cap. XXVIII. ac XXXIX. & Levit. Cap. XVI. Aliaque loca S. Scripturæ quam plurima.- 2., erw. u. verb. Aufl. Amsterdam, 1698. S. 482ff. Archive.org.
Veraltet und von extremer Ausführlichkeit.
Lüschen, Hans: Die Namen der Steine. Das Mineralreich i. Spiegel d. Sprache.- 2. Aufl. Thun: Ott, 1979. 384 S.
Ein etymolog. Wörterbuch der Mineralogie, nebst ausführlichen geschichtlichen Vorbemerkungen. Mir war nur die 1. Aufl. 1968 zugänglich.
Edelsteine in der Bibel. Hrsg. v. Wolfgang Zwickel.- Mainz: Zabern: 2002.
War mir leider nicht zugänglich.

Zu den Wörterbüchern, zitiert als Frisk, Ges. (= Gesenius), Klein, Erman/Grapow, Faulkner, LSJ (= Liddell/Scott/Jones), CDA (= A Concise Dictionary of Akkadian), CDA (= Chicago Assyrian Dictionary), Levy, Del. (= Delitzsch), CAL (= Comprehensive Aramaic Lexicon Project), Barth. (= Bartholomae), Hinz, Kent, Monier-Williams, s. auf der Indexseite Etymologica Selecta. Ich habe mir erlaubt, die engl. Angaben bei LSJ und CDA mitunter etwas verkürzt ins Dt. zu übersetzen; auch die Angaben Lüschens habe ich ohne Kennzeichnung mitunter gekürzt.

Allgemeines

Edelsteine kommen im AT an nicht allzuvielen Stellen und meist im Rahmen von Aufzählungen vor: neben Ex 28,17-21 und 39,10-14 vor allem noch Hes 27,16 (wo die LXX einen tw. anderen hebr. Text hatte); Hes. 28,13 (wo leider die Namensliste aus Ex 28 in den LXX-Text gerutscht ist, der genau die 12 Steine des Brustschildes auflistet, während der MT nur neun Edelsteine nennt); Hi 28,6.15-19. Daher können wir über die genaue Bedeutung der Bezeichnungen in den meisten Fällen nur raten. Ähnliches gilt leider auch von den aram. Namen im Targum Onqelos.

Besser ist es um die Namen in der griech. Übersetzung (LXX) bestellt. Doch sind diese bei manchen Steinen offenbar nur Spekulation, wie Fletcher an Hand der Wiedergabe des hebr. שֹׁ֫הַם šoham zeigt:

Ähnlich die Übersetzung des תַּרְשִׁישׁ taršîš:

Konsistent ist hingegen (weil etymologisch naheliegend) die Übersetzung des hebr. סַפִּיר sappîr mit σάπφειρος sáppheiros.

Die lat. Vulgata hat für den šoham in Hi 28,16 lapis sardonicus, sonst immer (lapis) onychinus; für den taršîš in Hld 5,14 hyacinthus, sonst (lapis) chrysolitus (in Hes 1,16 offenbar anderer hebr. Text: quasi visio maris „wie der Anblick des Meeres“). Ansonsten gewinnt man aber den Eindruck, dass die Vulgata nur die griech. Namen übersetzt. Sie liefert also wenig zusätzliche Information.

Daher halte ich es für problematisch, aus der lat. Übersetzung und den Angaben Plinius' über das Aussehen der Steine (im 37. Buch seiner Naturalis historia) auf die Bedeutung des Hebr. zurückzuschließen. Die modernen Übersetzungen beruhen bei der Wiedergabe wohl zumeist auf den Ergebnissen solcher Schlussfolgerungen.

Die heutigen Bezeichnungen

Ich bin kein Mineraloge und beziehe meine Informationen aus den diversen Wikipedia-Artikeln.

Mineralogie ist eine Wissenschaft; mit fortschreitender wissenschaftlicher Erkenntnis ändert sich die Bedeutung mancher Begriffe bzw. werden diese genauer definiert. U.a. hat man durch die Entdeckung des Mogánit (einer Modifikation von Quarz) Ende des 20. Jh. Chalcedon und Jaspis neu bestimmt. Daher muss man öfters zwischen landläufiger und mineralogischer Wortbedeutung unterscheiden. Im folgenden werden sehr vereinfachte Erklärungen gegeben.

Quarz, genauer α-Quarz, ist kristallines Siliciumdioxid (SiO2) und kommt in großen Kristallen als durchsichtiger Bergkristall, als violetter Amethyst, als rosaroter Rosenquarz, als hellgelber Citrin (auch Goldtopas genannt) und in anderen Formen vor. Quarz hat eine Härte von 7.

Der Chalcedon ist die mikrokristalline faserige Varietät des Quarzes. Er ist weiß bis blaugrau, kommt aber selten einfärbig, sondern zumeist mehrfärbig geschichtet vor: als grüner Chrysopras, als schwarz-weißer Onyx, als braun-weißer Sardonyx, als oranger bis roter (oder rot-weißer) Karneol. Mehrfarbig gebändert nennt man ihn Achat. Als grüner Stein mit roten Einschlüssen heißt er Heliotrop (auch Blutjaspis, Oriental. Jaspis). In der Mineralogie werden Karneol, Onyx, Achat usw. nicht mehr als Minerale betrachtet, sondern als Gesteine (Gemenge hauptsächlich aus α-Quarz und Mogánit). Chalcedon hat eine Mohshärte von 6,5.

Der Jaspis ist die mikrokristalline körnige Varietät des Quarzes. Er kommt gebändert, gesprenkelt und mit allen möglichen Mustern vor. Seine Hauptfarben sind rot, gelb, braun, grün. sein Härte ist 6,5 bis 7. Früher wurde Jaspis als eine Form des Chalcedons betrachtet.

Opal ist ein amorphes (d.h. nicht-kristallines) hydratisiertes Kieselgel (amorphes Siliciumdioxid). Viele Opale haben ein eigentümliches farbiges Schillern (sie opalisieren), was sie als Edelsteine begehrt macht. Der Opal hat eine Härte von 5,5 bis 6,5.

Feuerstein ist ein mikrokristallines Sedimentgestein aus verschiedenen Siliciumdioxid-Modifikationen (Opal, Mogánit, Chalzedon/Achat) und hat meist dunkelgraue, schwarze, grüne, braune oder (außen meist) weiße Farbe.

Olivin ist ein (zumeist olivgrünes opakes) Inselsilikat. Es kann aber auch durchsichtige hellgrüne Kristalle ausbilden, die man Chrysolith oder Peridot nennt. Olivin hat eine Härte von 6,5 bis 7.

Der Beryll ist ein Aluminium-Beryllium-Silikat. Es tritt häufig in Form durchsichtiger säulenartiger Kristalle unterschiedlicher Farbe auf: als grüner Smaragd, als hellblauer Aquamarin, als goldgelber Heliodor, als rosafarbener Morganit. Beryll hat eine Mohshärte von 7,5 bis 8.

Topas ist ein Aluminiumsilikat, das in reiner Form farblos ist und öfters mit dem Diamanten verwechselt wurde. Er kommt aber auch gelb, braun, rot, grün, blau, violett vor. In der alten Literatur ist damit aber ein gelber Stein gemeint. Topas hat eine Mohshärte von 8.

Korund ist ein Aluminiumoxid (Al2O3) und mit der Härte 9 nach dem Diamanten das härteste Mineral. Am bekanntesten ist es als roter Rubin und als nicht-roter Saphir. Im engeren Sinn meint man mit Saphir den blauen Korund.

Diamant ist reiner Kohlenstoff und mit einer Härte von 10 das härteste natürlich vorkommende Mineral. Er ist zumeist (annähernd) farblos, tritt aber gelegentlich auch gelb, grün, blau oder (sehr selten) rot auf.

Malachit ist ein Kupferkarbonat, das in verschiedenen Grüntönen vorkommt, häufig gebändert wie der Achat. Seine Härte beträgt 3,5 bis 4.

Lapislazuli ist ein dunkelblaues, glänzendes Gestein (aus Lazurit, Calcit, Sodalit u.a.), das häufig auch goldglänzende Pyriteinschlüsse aufweist. Es wurde früher auch zur Herstellung von blauen Farbpigmenten (Ultramarinblau) verwendet.

Zirkon ist ein Zirkoniumsilikat (ZrSiO4). Es kann farblos sein, tritt aber häufig in gelber, roter oder brauner Farbe auf, dann nennt man ihn Hyazinth. Zirkon hat eine Mohshärte von 6,5 bis 7,5.

Türkis ist ein wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Phosphat, das meist Knollen von charakteristischer blaugrüner Farbe ausbildet. Er hat eine Härte von 5 bis 6.

Als Granate bezeichnet man eine Gruppe von Inselsilikaten, die aus ganz unterschiedlichen Elementen bestehen können. Dazu gehören der rote Pyrop, der meist dunkelrote Almandin, der orangegelbe Spessartin (alle drei Härte 7 bis 7,5), der smaragdgrüne Uwarowit, der gelbgrüne Grossular (beide Härte 6,5 bis 7), der orangegelbe bis rotbraune Calderit (Härte 7) u.a.m. Im engeren Sinn meint man mit Granat die roten Exemplare.

Spinell ist ein Magnesiumaluminat (MgAl2O4). Er kann in ganz verschiedenen Farben auftreten (rot, grün, blau, schwarz), doch verstand man früher darunter die mehr oder weniger roten Exemplare. Spinell hat eine Mohshärte 7,5 bis 8.

Obsidian ist vulkanisches Glas, das meist (annähernd) schwarz ist. Es hat eine Härte von 6 bis 7.

Bernstein ist fossiles (versteinertes) Harz. Es hat eine geringe Härte von 2 bis 2,5.

Die Bedeutung antiker Edelsteinnamen ist meist nicht klar zu bestimmen. Da die Menschen der Antike noch keine chemische Analysen machen konnten und über keine Röntgenkristallographie verfügten, haben sie die Steine nach ihrem Aussehen, d.h. ihrer Farbe, ihrem Glanz, ihrer Oberfläche und evt. ihrer Herkunft kategorisiert. Man darf also davon ausgehen, dass Steine mit ähnlichem Aussehen mit demselben Begriff bezeichnet wurden, auch wenn es sich chemisch um ganz unterschiedliche Mineralien handelte. (So stellten sich manche Diamanten als Topas, manche Rubine als Spinell heraus.) Leider gibt es keine bildlichen Darstellungen, die uns etwas über die Farbe sagen könnten, so sind wir auf Beschreibungen angewiesen. Hierbei stellt sich aber das Problem, dass antike Farbbezeichnungen mit modernen nicht deckungsgleich sind (man denke an Homers weinfarbenes Meer oder grünen Honig). Die Bedeutung der Namen hat sich im Laufe der Zeit gewandelt.

Nach V. 21 soll in jeden Stein der Name eines der zwölf Stämme Israels geschnitten werden. Riehm nimmt an, dass das die ganz harten Steine (Diamant, Korund und wohl auch Spinell) ausschließt.

1. Reihe:
1

MT אֹ֫דֶם ʾodæm
v. אדם ʾdm „rot sein“
Ex 28,17; 39,10; Hes 28,13
LXX σάρδιον sárdion, LSJ: „gab zwei Arten, den roten Karneol, den braunen Sarder“ (im Dt. beides Karneol)
nach Frisk und LSJ „sardischer Stein“ nach dem Fundort Sarde[i]s in Lydien; nach Schiller von pers. sard [Lüschen schreibt serd] „gelbrot“ – kann ich aber bei Barth., Hinz oder Kent nicht finden, awest. sarəta, npers. سرد sard heißt „kalt“
Ios. σαρδόνυξ sardónyx / σάρδιον
Vulg. sardius
LAB ähnelt lapis sardinus (=sardius)
TgO סָמְקָן samqan
v. סמיק smjq „rot sein“
KJV sardius
Luther Sarder
SchlachterRubin
Elberf. Karneol
Zürcher Rubin
Einh. Rubin
Gute N.Rubin
Zwickel Karneol

Der Sarder Luthers ist nach dem hebr. Namen ein rötlicher Stein. Theoretisch in Frage kämen Rubin, Granat, Karneol, roter Spinell. Das griech. Wort der LXX bezeichnet nach LSJ den Karneol (durchscheinend-roter carnelian oder durchscheinend-brauner sardine). Sarder, Sardi[u]s ist nach Grimm „ein rötlicher oder fleischfarbener achat“, also wohl ein anderes Wort für (oder eine bestimmte Varietät von) Karneol.
Meine Einschätzung: Karneol war in der Antike sehr beliebt und erscheint mir als der plausibelste Kandidat.

2

MT פִּטְדָה piṭe
ob wirklich v. skt. पीत pīta „gelb“, auch Name e. Edelsteins, nach Böhtlingk und Monier-Williams „Topas“?
Ex 28,17; 39,10; Hes 28,13; Hi 28,19
Hi 28,19: aus Kusch (Nubien)
LXX τοπάζιον topázion, LSJ: „e. Edelstein von grüner Farbe, daher wahrsch. Chrysolith od. Peridot“
nicht-idg. Fremdwort, nach Plin. nat. 37,107 [Kap.32] vom Namen der Insel Topazus im Roten Meer, h. Az-Zabargad [St.-Johannes-Insel], davon arab. زبرجد zabarǧad „Peridot“); Lüschen nennt aind. तपस् tapas „Glut“
Ios. τόπαζος tópazos
Vulg. topazius
LAB dens „(Stoß-)Zahn, Elfenbein“, ähnelt topazio (Gen. -ionis)
TgO יָרְקָן jarqan
v. ירק jrq „grün, gelb sein“
KJV topaz
Luther Topas
SchlachterTopas
Elberf. Topas
Zürcher Chrysolith
Einh. Topas
Gute N.Topas
Zwickel Chrysolith

Bei Luthers Topas lässt das Hebr. nicht erkennen, um welchen Stein es sich handelt. Das griech. Wort bezeichnet einen grünlichen Stein, nach LSJ Chrysolith oder Peridot (das ist im Dt. offenbar dasselbe). Dieses Wort kommt vom Namen einer heute zu Ägypten gehörenden Insel, die wohl eine der ersten Fund- oder Abbaustätten für diesen Stein war. Dazu würde auch die im Hiobbuch genannte Herkunft aus Kusch passen, ebenso wie die vermutete Etymologie des hebr. Wortes.
Meine Einschätzung: Chrysolith/Peridot besitzen noch ein gewisses Maß an Plausibilität.

3

MT בָּרֶ֫קֶת baræqæt (in Hes 28,13 בָּֽרְקַת barqat vokalisiert)
v. בָּרָק baraq „Blitz“, ברק brq „blitzen“, vgl. aind. मरकत marakata „Smaragd“, akkad. barraqtu Name e. Edelsteins, laut CDA „Smaragd“
Ex 28,17; 39,10; Hes 28,13
LXX σμάραγδος smáragdos, LSJ: „Name verschiedener grüner Steine, einschl. Smaragd“
wahrscheinl. v. Semit. brq „blitzen, glänzen“
Symm. κεραύνιος keraúnios „Blitz-“, als Subst. „Blitzstein“, LSJ: „Heliotrop“
Adj. zu κεραυνός keraunós „Blitz“
Ios. σμάραγδος
Vulg. zmaragdus
LAB ähnelt smaragdinus lapis (=smaragdus)
TgO בָּרְקָן barqan, Levy: „Smaragd, e. glänzender Edelstein“
v. ברק brq „glänzen, leuchten“
KJV carbuncle
Luther Smaragd
SchlachterSmaragd
Elberf. Smaragd
Zürcher Smaragd
Einh. Smaragd
Gute N.Smaragd
Zwickel Malachit

Auch der Smaragd ist dem hebr. Wort sachlich nicht sicher zuzuordnen (vermutlich aber etymologisch). Das griech. Wort der LXX bezeichnet einen grünen Stein, wofür der Smaragd (grüner Beryll) eine Möglichkeit ist. Zwickel optiert für den Malachit, der in Ägypten sehr beliebt war; andere für ein verschiedenfarbig gebändertes Mineral wie Onyx oder Achat. Riehm zieht den Dioptas (ein kupferhaltiges Silikat) mit in Betracht, Schiller auch Türkis, grünen Jaspis und grünen Porphyr. Symmachus' Wiedergabe klingt nach einer etymolog. Übersetzung, aber Heliotrop ist ebenfalls grün und würde mit seinen roten Flecken zum hebr. Namen passen.
Meine Einschätzung: Wenn die Übers. der LXX korrekt ist, ist wohl Schillers Einschätzung zutreffend: ein grüner Stein unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung. Aber wie das zum hebr. Blitzstein passt, sehe ich nicht.

2. Reihe:
4

MT נֹ֫פֶךְ nop̱æḵ, Klein: „wahrsch. der Türkis“
viell. v. äg. G17|I9-D28|X1-N33 mfkꜣ.t, Erman-Grapow: „grüner Edelstein, Malachit“, Faulkner: „Türkis“
Ex 28,18; 39,11; Hes 27,16; 28,13
Hes 27,16: von Edom (so in vielen Hss. und den meisten Übersetzungen, masor. Text: Aram) als Bezahlung gegeben
LXX ἄνθραξ ánthrax „(Holz-)Kohle; Karfunkel“, LSJ: „e. wertvoller Stein von dunkelroter Farbe, einschl. Karfunkel, Rubin, Granat“, Lüschen: „wahrscheinlich unser Granat, kaum schon unser Rubin“
Herkunft unklar
Ios. ἄνθραξ
Vulg. carbunculus
LAB heißt cristallus „(Berg-)Kristall“, ähnelt carbunculus
TgO אִזְמָרַגְזִין ʾizmaragzîn, Levy: „Smaragd“
KJV emerald „Smaragd“
Luther Rubin
SchlachterGranat
Elberf. Rubin
Zürcher Malachit
Einh. Karfunkel
Gute N.Karfunkel
Zwickel dunkler Kalkstein

Auch der Rubin ist dem hebr. Wort nicht sicher zuzuordnen. Wenn die vermutete Etymologie stimmt, wäre es ein (blau)grüner Stein. Das griech. Wort bezeichnet (nach Theophrast, lapid. 18) einen Stein, der, wenn er ins Licht gehalten wird, die Farbe rotglühender Kohle hat. Nach LSJ umschließt das Karfunkel, Rubin und Granat. (Karfunkel, engl. carbuncle, ist eine veraltete Bezeichnung für rote Edelsteine wie Granat, Rubin, Spinell.) Nach Riehm ist es daher der Granat (der Rubin war zu hart zum Gravieren). Schiller versteht das griech. Wort im Sinne der kalten Kohle, sieht darin also einen (annähernd) schwarzen Stein, z.B. Serpentin, Feuerstein, schwarze Jade oder dunklen Kalkstein.
Meine Einschätzung: Schiller und Zwickel liegen m.E. falsch. Aber ob es sich um einen grünen oder roten Stein handelt, ist nicht zu entscheiden.

5

MT סַפִּיר sappîr
Ges. nennt skt. शनिप्रिय śani-priya, Monier-Williams: „‘dem Saturn lieb’, e. dunkelfarbiger Stein (Smaragd oder Saphir)“, Böhtlingk: „Sapphir“; Frisk scheint diese Herleitung aber sehr fraglich
Ex 24,10; 28,18; 39,11; Jes 54,11; Hes 1,26; 10,1; 28,13; Hld 5,14; Hi 28,6.16
Ex 24,10: „unter Gottes Füßen (am Sinai) war es wie Arbeit in Sappîr-Platten, wie der Himmel selbst an Klarheit“
Hi 28,6: „(Fund-)Stätte des Sappîr sind ihre (der Erde) Steine, und Goldstäube sind darin“ (wörtl: in ihm, d.h. dem Sappîr, oder: in ihr, d.i. der Stätte)
LXX σάπφειρος sáppheiros, LSJ: „Lapislazuli“, Lüschen: „Lasurstein“ (anderer Name für Lapislazuli)
semit. Lehnwort, s. RE-Art. Sapphir
Ios. ἴασπις (s. 6)
Vulg. sapphyrus
LAB lapis prasinus „grüner Stein“, von der Farbe des saphirus
TgO שַׁבְזֵיז šabzêz, Levy: „ein glanzreicher Edelstein, Sapphir“
v. שׁבב šbb „zünden“ + זִיז zîz „Glanz“
KJV sapphire
Luther Saphir
SchlachterSaphir
Elberf. Saphir
Zürcher Lapislazuli
Einh. Saphir
Gute N.Saphir
Zwickel Lapislazuli

Der Saphir ist im Dt. ein zumeist blauer Korund, hier ist nach allgemeiner Übereinstimmung der in der Antike sehr geschätzte Lasurstein oder Lapislazuli gemeint. Hi 28,6 könnte so verstanden werden, dass in dem Stein kleine Goldeinschlüsse sind. So sagt auch Theophrast (lapid. 23), dass der sappheiros „wie mit Gold bestreut“ sei, Plin. (nat. 37,119 [Kap. 39]), dass in den sappiri „Gold in Punkten glänzt“. Auch das würde zum Lapislazuli passen, der nicht selten Einschlüsse von golden glänzendem Pyrit enthält.
Meine Einschätzung: Lapislazuli dürfte mit einiger Wahrscheinlichkeit das Richtige treffen.

6

MT יַהֲלֹם jahalom
unklare Herkunft, die Herleitung v. הלם hlm „schlagen“ darf wohl als fraglich gelten
Ex 28,18; 39,11; Hes 28,13
LXX ἴασπις íaspis, LSJ: „Jaspis“, Lüschen: „Der Jaspis des Altertums deckt sich nicht mit dem unsrigen. Man hat an Chrysopras gedacht, auch an Nephrit.“
orient. Lehnwort, vgl. unten hebr. jašep̱ӕ̂, akkad. (j)ašpû, laut CDA „Jaspis“
Ios. σάπφειρος (s. 5)
Vulg. iaspis
LAB wie ein crisoprassus, ähnelt iaspis
TgO סַבְהֲלוֹם sabhalôm
KJV diamond
Luther Diamant
SchlachterDiamant
Elberf. Jaspis
Zürcher Jaspis
Einh. Jaspis
Gute N.Jaspis
Zwickel (Grüner?) Jaspis

Diamant (so Luther und KJV) war wahrscheinlich keiner unter den Steinen des Brustschildes. Denn vor der röm. Zeit konnte man den Diamanten nicht schneiden. Als Diamant wird von Ges. der שָׁמִיר šamîr (z.B. Jer 17,1) übersetzt. Das griech. Wort bezeichnet vermutlich den Jaspis. Nach Rienecker und Riehm muss man hier auch an den Opal denken.
Meine Einschätzung: Wir können nur raten. Der Opal wurde in der Antike sehr geschätzt und einer der Steine dürfte ein solcher gewesen sein. Aber ob dieser?

3. Reihe:
7

MT לֶ֫שֶׁם læšæm
viell. v. äg. N35-N37|G17-X1|N33-Z2 nšm.t, Erman-Grapow: „weißblauer Feldspat“, Faulkner: „grüner Feldspat“
Ex 28,18; 39,12
LXX λιγύριον ligýrion
nicht bei Frisk
Ios. λίγυρος lígyros / ἀχάτης (s. 8)
Vulg. ligyrius (in den Wörterbüchern unter ligurius, lyncurium)
LAB ähnelt ligirius
TgO קַנְכֵּירִי qankêrî, Levy: „e. Art Diamanten, von d. Größe e. Hirsekorns“
v. gr. κέγχρος kénkhros, κέρχνος kérkhnos „Hirse“
KJV ligure
Luther Lynkurer
SchlachterOpal
Elberf. Hyazinth
Zürcher Hyazinth
Einh. Achat
Gute N.Achat
Zwickel Gelber Feuerstein

Lynkurer ist wohl Bernstein (v. griech. λυγγούριον/ λυγκούριον/ λιγκούριον lyngoúrion/ lynk-/ link-, dieses nach LSJ Suppl. aber viell. gelber oder brauner Turmalin). Weder das hebr. Wort (nach Klein üblicherweise mit Opal oder Hyanzinth identifiziert), noch das griech. (unklar, ob identisch mit λυγγούριον) geben näheren Aufschluss. Die von Plin. nat. 37,52f [Kap.13] berichtete Anziehungskraft des Steines könnte die Reibungselektrizität beim Bernstein oder die Pyroelektrizität des Turmalins beschreiben (oder einfach Humbug sein, wie Plin. vermutet).
Meine Einschätzung: Wie wissen nicht sicher, was das griech. Wort bedeutet, wir haben keine Ahnung, was das hebr. bezeichnet. Geschliffener Feuerstein sieht übrigens dem Achat manchmal zum Verwechseln ähnlich.

8

MT שְׁבוֹ šeḇô
vgl. ass. šubû Name e. Edelsteins, Schiller: „Chalzedon“
Ex 28,19; 39,12
LXX ἀχάτης akhátēs, LSJ: „Achat“, Lüschen: „buntgefärbte, gestreifte, gefleckte, geäderte Gesteine, vor allem auch solche mit baum- oder sonstwie bildartiger Zeichnung“
lt. Frisk unerklärtes Fremdwort, der sizil. Fluss habe den Namen vom Stein; anders der RE-Art. Achates
Ios. ἀμέθυσος améthysos [sic!] / ἀμέθυστος (s. 9)
Vulg. achates
LAB adamas „Stahl, Diamant“, ähnelt ametistus
TgO טַרְקְיָא tarqe, Levy: „Türkis, e. blauer od. apfelgrüner Edelstein“
KJV agate „Achat“
Luther Achat
SchlachterAchat
Elberf. Achat
Zürcher Achat
Einh. Hyazinth
Gute N.Hyazinth
Zwickel Achat

Achat beruht auf der griech. Übersetzung, die Bedeutung des hebr. Wortes ist nicht mehr festzustellen. Friedrich Delitzsch, Prolegomena e. neuen hebr.-aram. Wb. zum AT, S. 84-86 bestimmt den hebr. šeḇô, resp. sein ass. Pendant šubû (weil im Assyr. Edelstein par excellence) als Diamanten. Doch beruht das auf der meines Erachtens irrigen Annahme, die Antike hätte die heutige Wertschätzung für den Diamanten geteilt. Tatsächlich will mir scheinen, die Alten hätten Steine von kräftiger, leuchtender Farbe bevorzugt. Und dass es fraglich ist, ob unter den Steinen auf dem Brustschild überhaupt ein so harter und schwer zu bearbeitender Stein war, wurde oben bereits gesagt. Das CAD sagt denn auch zum šubû (Wortspiel!) lapidar: „ein Stein, vielleicht Achat“.
Meine Einschätzung: Alles nur geraten. Wir wissen es nicht.

9

MT אַחְלָמָה ʾaḥlamâ
viell. v. äg. Aa1-N35|G17|X1-N33-Z2 ḫnm.t, Erman-Grapow: „roter Edelstein“, Faulkner: „roter Jaspis (?)“; wohl kaum v. חלם ḥlm „kräftig sein“
Ex 28,19; 39,12
LXX ἀμέθυστος améthystos, LSJ u. Lüschen: „Amethyst“
ἀ privativum + μεθύω methýō „betrunken sein“, daher „rauschhindernd“
Ios. ἀχάτης (s. 8) / λιγύριον (s. 7)
Vulg. amethistus
LAB Stein vom Berg Ophir, ähnelt achates
TgO עֵין עִיגְלָא ʿên ʿîglâ, CAL: „Sardonyx“
wörtl. „Kalbsauge“
KJV amethyst
Luther Amethyst
SchlachterAmethyst
Elberf. Amethyst
Zürcher Amethyst
Einh. Amethyst
Gute N.Amethyst
Zwickel Amethyst

Amethyst wieder nach der griech. Übers., auch hier bleibt das hebr. Wort unerklärt. Doch wenn die vermutete äg. Etymologie stimmt, stünde sie zumindest nicht im Widerspruch zur griech. Übers. Der griech. Name angeblich „nach der lila-violetten Farbe des in so hohem Grade mit Wasser verdünnten Rotweins, daß er nicht mehr trunken machen kann“ (Adolf Clausing, „Der Amethyst“, in: Glotta 20 (1932) S. 292, bei JSTOR). Aber das ist wohl eine Beschönigung, denn die Antike schrieb den Edelsteinen allerhand magische Wirkungen zu (vgl. etwa die orphischen Lithika oder was Plin. über den Achat schreibt).
Meine Einschätzung: Der Amethyst steht auf mehr als wackeligen Beinen. In Wirklichkeit kann das hebr. Wort alles mögliche bezeichnen.

4. Reihe:
10

Hebr תַּרְשִׁישׁ taršîš
vermutl. nach der gleichnamigen Stadt, die üblicherweise mit Tartessos in Spanien identifiziert wird
Ex 28,20; 39,13; Hes 1,16; 10,9; 28,13; Hld 5,14; Dan 10,6
LXX χρυσόλιθος khrysólithos, LSJ: „Topas“ (im Suppl. stattdessen „gelblicher wertvoller Stein, viell. Peridot“), Schiller: „Goldtopas, Citrin“, Lüschen: „können sein Topas, gelber Korund, Zitrin, Chrysoberyll, Beryll u.a.“
wörtl. „Goldstein“
Symm. ὑάκινθος hyákinthos, LSJ: „e. wertvoller Stein von blauer Farbe, viell. Aquamarin“ (im Suppl. stattdessen „Saphir“), Lüschen: „Saphir“
unerklärtes Fremdwort
Ios. χρυσόλιθος / ὄνυξ (s. 12)
Vulg. chrysolitus
LAB ähnelt Stein (von?) Theman, ähnelt crisolitus
TgO כְּרוֹם יַמָּא kerôm jammâ, d.i. „כְּרוּמָא kerûmâ des Meeres“, Levy: „Edelstein von roter Farbe“
gr. Lehnwort χρῶμα khrṓma „Farbe“? wohl kaum verwandt mit hebr. כַּרְמִיל karmîl „Karmesin“
KJV beryl
Luther Türkis
SchlachterChrysolith
Elberf. Türkis
Zürcher Topas
Einh. Chrysolith
Gute N.Chrysolith
Zwickel Gelber Topas (gemeint vermutl. Goldtopas/ Citrin)

Türkis (so Luther) passt nicht zum griech. Wort der LXX, das einen gelben Stein (oder einen mit goldglänzenden Einschlüssen?) bezeichnet. Nach LSJ ist dies Topas bzw. lt. Supplement Peridot. Die Abgrenzung zum topazion (s. 2) ist unklar. Das hebr. Wort bleibt einmal mehr im Dunkeln. Selbst wenn die vermutete Etymologie und die Gleichsetzung mit der Hafenstadt an der span. Küste stimmen sollte, hilft uns das nicht viel, denn Tartessos war wohl Umschlagplatz für Waren, die von weither kamen (z.B. Zinn von den brit. Inseln).
Meine Einschätzung: Chrysolith, Citrin sind nur geraten. Wir wissen es nicht.

11

MT שֹׁ֫הַם šoham
viell. v. ass. sâmtu [d.i. Fem. v. sâmu, Wurzel sʾm, „dunkelfarbig“], Name e. Edelsteins
Gen 2,12; Ex 25,7; 28,9.20; 35,9.27; 39,6.13; Hes 28,13; Hi 28,16; 1Chr 29,2
Gen 2,12: kommt im Land Ḥawîlâ vor, das vom Paradiesfluss Pîšôn umflossen wird
Ex 28,9.12; 39,6f: mit den Namen der Stämme graviert, auf der Schulter des Priestergewandes
Ex 25,7; 35,9.27; 1Chr 29,2: als Edelstein par excellance neben Appellativen für Edelsteine allgemein?
LXX βηρύλλιον bērýllion, LSJ: „meergrüner Edelstein, Beryll“
prakrit veruliya < veḷuriya, wahrscheinlich vom Namen der südind. Stadt Vēḷūr [jetzt Bēlūr] abgeleitet, daraus lat. beryllus, davon dt. Brille
Ios. ὄνυξ (s. 12) / βήρυλλος bḗryllos
Vulg. onychinus
LAB Stein von Libanum, ähnelt berillus
TgO בּוּרְלָא bûrlâ, Levy: „Beryll, e. meergrüner Edelstein“
KJV onyx
Luther Onyx
SchlachterSchoham
Elberf. Onyx
Zürcher Karneol
Einh. Karneol
Gute N.Karneol
Zwickel Beryll (also Smaragd?)

Einige Stellen im AT lassen diesen Stein als Edelstein schlechthin (wie bei uns der Diamant) erscheinen. Das griech. Wort bezeichnet nach LSJ einen grünen Stein, den Beryll. Heute verstehen wir unter Beryll ein Aluminium-Beryllium-Silikat, dessen bekannteste Vertreter Smaragd und Aquamarin sind. Nach Riehm handelt es sich hier um den Onyx oder den Chrysopras. (Chryso-pras heißt „Gold-Lauch“ und Riehm denkt an eine Verwandtschaft von שֹׁהַם šoham mit שׁוּם šûm „Lauch“ [richtiger: „Knoblauch“].) Friedrich Delitzsch, Wo lag das Paradies?, kommt S. 18 zum Schluss, „dass der Schohamstein […] seinem Wesen nach zur Zeit unbestimmt bleiben muss“. S. 60f setzt er ihn mit ass. šâmtu, šâmdu gleich und zieht hierfür den Karneol in Betracht (so auch das CAD).
Meine Einschätzung: Smaragd wäre eine Möglichkeit – mehr aber nicht.

12

MT יָֽשְׁפֶה jašep̱ӕ̂ (od. פֵה- -p̱ê), Klein: „Jaspis“
ass. jaš[u]pû, ašpû, bei Del. unter ʾšp
Ex 28,20; 39,13; Hes 28,13
LXX ὀνύχιον onýkhion, LSJ: „geäderter Edelstein, Onyx“, Lüschen: „unser[n] Achat“
Dem. v. ὄνυξ, -υχος ónyx, -ykhos „Nagel, Kralle“
Ios. βήρυλλος (s. 11) / χρυσόλιθος (s. 10)
Vulg. berillus
LAB Stein vom hohen Syon, ähnelt (lapis) onichinus
TgO פַּנְתֵּירִי pantêrî, Levy: „Pantherstein, e. braungelb gefleckter, weißgelblicher Jaspis“
lat. pantherinus [lapis]
KJV jasper
Luther Jaspis
SchlachterJaspis
Elberf. Nephrit
Zürcher Onyx
Einh. Onyx
Gute N.Onyx
Zwickel Blauer Chalzedon

Vom hebr. Wort stammt wohl das Wort Jaspis (s. 6) her, aber der Jaspis der Antike entsprach eher unserem Chalcedon oder Onyx. Wie die Elberfelder Übers. gerade auf den Nephriten (vermutl. gemeint: grüne Jade) kommt, bleibt ihr Geheimnis. Der Chalcedon Zwickels beruht auf der Beschreibung des Onyx (so die Wiedergabe in der LXX) bei Plinius. Wieso er gerade blau sein muss, verstehe ich nicht.
Meine Einschätzung: Achat oder Onyx sind wohl plausible Kandidaten, aber sicher ist nichts.

Zusammenfassung

Praktisch keiner der Edelsteine des Brustschildes kann vom Hebr. her mit Sicherheit bestimmt werden. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit der Zuordnung beim 5. Stein als Lapislazuli. Bei der griech. Übersetzung der LXX ist die Situation zwar besser, aber wie oben gezeigt, dürfte sie größtenteils auf Vermutung beruhen.


Off-Topic: Einige Edelsteine in Wolframs Parzival

In Wolfram von Eschenbachs Versroman Parzival finden sich mehrmals Aufzählungen von Edelsteinen. Ich greife zwei heraus (mhd. Text nach bibliotheca Augustana).

Die Rüstung des Feirefiz (Parzivals Halbbruder) ist mit Edelsteinen besetzt (735,21f), ebenso sein Schild (741,6ff).

735 rubbîne, calcidône, Rubine, Chalzedone
wârn dâ ze swachem lône. waren da (noch) von niedrigem Wert (d.h. waren im Vergleich zu den anderen Steinen noch die minderwertigsten).
741 turkoyse, crisoprassis, Türkise, Chrysoprase,
smârâde und rubbîne, Smaragde und Rubine,
vil stein mit sunderschîne viele Steine mit besonderem Glanz
wârn verwiert durch kostlîchen prîs waren eingelegt um einen kostbaren Preis
10 alumbe ûf diu buckelrîs. ringsum auf der Schildverzierung.
ûf dem buckelhûse stuont Auf dem Schildbuckel saß
ein stein, des namn tuon ich iu kuont; ein Stein, dessen Namen tue ich euch kund:
antrax dort genennet, Anthrax dort (im Orient, woher Feirefiz kommt) genannt,
karfunkel hie bekennet. als Karfunkel hier bekannt.

Rubin aus gleichlautend afrz. rubin, dieses eine Bildung zu lat. rubeus „rot“. Ursprl. eine weitere Bezeichung für den Karfunkel, also einen (dunkel-)roten Stein, dem man nachsagte, dass er im Dunkeln leuchten könne. Ein Rubin ist die Krone Belacanes (24,12), die Grabplatte Gahmurets (Parzivals und Feirefizens Vater) ist aus Rubin (107,7), ebenso die Schnalle des Gürtels, den Cunneware dem Parzival gibt (307,6).

Karfunkel ist lat. carbunculus „Kohlchen“, Demin. von carbō „Kohle“, nach dem Wort Funke umgebildet. Nach dem Vorbild von gr. ἄνθραξ ánthrax „Kohle“, das auch einen dunkelroten Edelstein bezeichnen konnte, wurde auch lat. carbunculus so verwendet. Bei Albertus Magnus ist die edelste Variante des Karfunkels der Rubin. Wolfram weiß also, dass dieser Stein im Orient einen griechischen, im Okzident einen lateinischen Namen hat. Nach 482,24ff wächst der Karfunkel unter dem Horn des Einhorns.

Smaragd aus lat. smaragdus, gr. σμάραγδος smáragdos, zu hebr. בָּרֶ֫קֶת bāræqæt, akkad. barraqtu (s.o. Nr. 3). Bezeichnung für einen grünen (Halb-)Edelstein. Der berühmte Ring des Polykrates war nach Hdt. 3,41 mit einem smáragdos besetzt.

Türkis, mhd. häufig turkoys, von frz. la turquoise (erg. pierre) „türkischer (Stein)“ (weil die Kreuzfahrer den Stein in der Türkei kennenlernten?).

Lat. chalcēdōn von gr. χαλκηδών khalkēdṓn (nur Offb 21,19, Vulg. carcēdonius oder calcēdonius). Benannt wohl nach der Stadt Chalkedon (besser Kalchedon) am Bosporos und vielleicht eine Vermischung aus dem (smaragdus) Calchedonius (Plin. nat. 37,72) und dem (carbunculus) Carchedonius (Plin. nat. 37,92ff, Carchedon = Karthago). In der Antike nach Lüschen ein roter Stein, im Mittelalter erfolgte der Bedeutungswandel zu einem eher grauen, blassen Stein.

Chrysopras von gr. χρυσόπρασος khrysóprasos, dies zusammengesetzt aus χρυσός khrysós „Gold“ und πράσον práson „Lauch“. In der Antike ein gelbgrüner Stein.

Die wohl längste Aufzählung von Edelsteinen im Parzival ist 791, die Edelsteine an der Bettstatt des Amfortas:

791 Karfunkl unt silenîtes, Karfunkel und Selenit (Mondstein),
balax unt gagâtromes, Balasrubin (=Spinell?) und Gagatrom,
ônix unt calcidôn, Onyx und Chalzedon,
coralîs unt bestîôn, Koralle und Asbestos,
5 unjô unt optallîes, Perle und Opal,
cerâuns unt epistîtes, Keraunia (Donnerstein) und Hephästit,
jerachîtes unt eljotrôpîâ, Jerachit und Heliotrop,
panthers unt antrodrâgmâ, Pantherus (=Panchrus?) und Andródamas,
prasem unde saddâ, Prasem und Sagda,
10 emathîtes unt djonisîâ, Hämatit und Dionysias,
achâtes unt celidôn, Achat und Chelidon (Schwalbenstein),
sardonîs unt calcofôn, Sardonys und Chalzophon,
cornîol unt jaspîs, Karneol und Jaspis,
echîtes unt îrîs, Aetitis (Adlerstein) und Iris (=Bergkristall?),
15 gagâtes unt ligûrîus, Gagat und Lynkurer,
abestô unt cegôlitus, Asbestos und Tekolith (Judenstein),
galactîdâ unt jacinctus, Galaktit und Hyazinth,
orîtes unt enîdrus, Oritis und Enhydros (Wasserstein),
absist unt alabandâ, Apsyktos und Almandin,
20 crisolecter unt hîennîâ, Chryselektrum (Goldbernstein) und Hyänenstein,
smârât unt magnes, Smaragd und Magnet,
sapfîr unt pirrîtes. Saphir und Pyrit.
ouch stuont her unde dâ Auch standen hier und da
turkoyse unt lipparêâ, Türkise und Liparäa (=Obsidian?),
25 crisolte, rubîne, Chrysolithe, Rubine,
paleise unt sardîne, Balasrubine und Sarder,
adamas unt crisoprassîs, Diamant und Chrysopras,
melochîtes unt dîadochîs, Malachit und Diadochos,
pêanîtes unt mêdus, Päanit und Medus,
30 berillus unt topazîus. Beryll und Topas.

In dieser Aufzählung breitet Wolfram sein gelahrtes Wissen aus und nennt viele klingende und exotische Namen. Viele dieser Bezeichnungen sind für uns nichts als Namen, die wir nicht weiter zuordnen können. Darin ähnelt die Aufzählung der obigen des AT. Ich bezweifle aber, dass Wolfram selbst in jedem einzelnen Fall wusste, wie der Stein aussah. Man hat den Eindruck, dass der Dichter ein Mineralogielexikon geplündert hat. Daher wohl auch die gelegentlichen Zweifachnennungen (bestîôn = abestô, balax = paleis). Manche Bezeichnungen gehen von einer tatsächlichen oder im Mittelalter vermuteten Eigenschaft oder (oft wunderbaren) Wirkung der Steine aus: Adamas (=Diamant) „unbezwingbar“ (wohl wegen der Härte), Asbestos „unauslöschlich“, Androdamas „Männerbezwinger“, Apsyktos „unkühlbar“; vom nach dem antiken Weingott benannten Dionysias glaubte man, er schütze gegen Trunkenheit; vom nach dem Feuergott benannten Hephästit, dass er Feuer sprühen könne. Vieles davon ist märchenhaft, sodass die reale Existenz manchen Steines bezweifelt wird.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 21. Okt. 2018