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Genetiv


Der Genetiv bezeichnet im Lat. den Bereich einer Sache und wird in den meisten Bedeutungen sowohl als Attribut als auch als Prädikatsnomen verwendet.

Bedeutung Funktion
Bereich, zu dem jmd. oder etw. gehört Attribut (abhängig von einem Subst.)
Prädikatsnomen (meist bei esse)
Objekt (abhängig von einem Vb. oder Adj.)

1. Genetiv als Attribut und Prädikatsnomen

a. Genetīvus possessīvus (Genetiv des Besitzers)

Bezeichnet den Besitzer auf die Frage wessen?:

fīlia agricolae die Tochter des Bauern
Haec domus avī est. Dieses Haus (ist des Großvaters=) gehört dem Großvater. (vgl. dt. Die Erde ist des Herrn.)

b. Genetīvus partītīvus (Teilungsgenetiv)

Bezeichnet das Ganze, von dem die im übergeordneten Wort (= das Wort, von dem der Gen. abhängt) bezeichnete Person oder Sache ein Teil ist.

multī puerōrum viele von den Buben
quis vestrum? wer von euch?
maximus omnium der größte von allen
pars cīvium ein Teil der Bürger
nēmō nostrum niemand von uns
Schleudergefahr! Häufig beim substantivierten Neutrum von Zahladj. und Pron. im Nom. oder Akk. und bei Adv.:
multum temporis viel Zeit
quid bonī? was Gutes?
aliquid novī etwas Neues
nihil aurī kein Gold
tantum auctōritātis soviel Ansehen
satis causae genug Grund
Nihil est reliquī. Es ist nichts übrig.
Quid est cōnsiliī tuī? Was ist dein Plan?

(vgl. dt. Woher des Wegs? Nicht viel Federlesens machen.)

c. Genetīvus quālitātis (Eigenschaftsgenetiv)

Stets mit Attribut:

puer decem annōrum ein Bub von zehn Jahren, ein zehnjähriger Bub (vgl. dt. eine Fahrkarte erster Klasse)
Vir magnī ingeniī est. Der Mann ist von großer Begabung, besitzt große Begabung, ist sehr begabt. (vgl. dt. guten Mutes sein, anderer Meinung sein)

d. Genetīvus subiectīvus/obiectīvus

Bezeichnet Subjekt bzw. Objekt des im übergeordneten Nomen genannten Vorganges:

Genetīvus subiectīvus Genetīvus obiectīvus
die Entdeckung des Forschers:
der Forscher ist Subjekt des Entdeckens, er entdeckt etwas
die Entdeckung Amerikas:
Amerika ist Objekt des Entdeckens, es wird entdeckt
memoria eius virī
die Erinnerung dieses Mannes die Erinnerung an diesen Mann
metus hostium
die Furcht der Feinde die Furcht vor den Feinden

Was gemeint ist, erkennt man nur aus dem Zusammenhang! Im Dt. muß man zur Wiedergabe des Gen. obi. meist einen Präpositionalausdruck verwenden:

amor patriae die Liebe zur Heimat
spēs salūtis die Hoffnung auf Rettung
potestās vītae necisque Gewalt über Leben und Tod

2. Genetiv als Objekt

a. bei den Adjektiven

cupidus glōriae begierig nach Ruhm, ruhmbegierig
plēnus vīnī voll Wein
similis patris dem Vater ähnlich
proprius amīcī für den Freund eigentümlich

b. bei den Verben

meminī amīcī ich erinnere mich des Freundes, an den Freund
egeō auxiliī (od. auxiliō) ich bedarf der Hilfe, brauche Hilfe

3. Genetiv als adverbiale Bestimmung

Genetīvus crīminis

impietātis accūsāre wegen Gottlosigkeit anklagen
capitis damnāre zum Tod verurteilen

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Änderung: 16. Juni 2016