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Arabisches Alphabet


Quellen

Ein erster Startpunkt ist der Wikipediaartikel  Arabisches Alphabet. Vor hier führen Verweise zu den Artikeln über die einzelnen Buchstaben und sonstigen Zeichen.

Peter Dörling bietet eine kurzweilige  Einführung in die arabische Schrift (sie war mir Anstoß zu diesem Dokument) mit Texten auf Briefmarken als Beispiele. An sich eine geniale Idee, denn die Texte sind kurz und verlangen keine Grammatikkenntnisse. Leider sind die Texte auf den ausgewählten, nicht selten osmanischen Marken kalligraphische Kunstwerke, die für den Anfänger praktisch unlesbar sind.

Einen anderen Ansatz verfolgt Halima Krausen mit  In 10 Lektionen den Qur'an lesen lernen. Leider sind die handgeschriebenen Texte klein und manchmal nur schwer zu entziffern.

Wer das Lesen üben möchte: Das Internet Sacred Text Archive stellt den  Koran online zur Verfügung. Die beste Transkription bieten die Links in der Spalte „Arabic (Unicode)“. Die Qualität des Textes hängt aber von den lokal verfügbaren Schriftarten und den Renderingfähigkeiten des Browsers ab. Auf der sicheren Seite ist man mit dem Text als Grafik, das bieten die Links in der Spalte „Arabic/Yusuf Ali“.

Gedrucktes:

Balcik, Ines: Pons Grammatik kurz & bündig Arabisch. Einfach, verständlich, übersichtlich.- 1. Aufl.- Stuttgart: Klett, 2008. 93 S.
Kurz und übersichtlich, zum Nachschlagen.
Bobzin, Katharina: Arabisch Grundkurs.- 3., durchges. Aufl.- Wiesbaden: Harrassowitz, 2009. 291 S.
Ausführlich und verständlich, zum Selbstlernen gut geeignet. Einige Lektionen sind einsehbar  bei Google Books.
Socin A. / Brockelmann, Carl: A. Socins arabische Grammatik. Paradigmen, Übungsstücke, Lit. u. Glossar.- 6. Aufl. Neu bearb. v. C. Brockelmann.- Berlin: Reuther & Reichard, 1909. (Porta Linguarum Orientalium, Bd. 4) XVI + 200 + *130 S.
Mit wissenschaftlichem Anspruch, für den nicht-akademischen Autodidakten nur bedingt geeignet. Download  bei Archive.org.
Wehr, Hans: A dictionary of modern written Arabic.- Hrsg.v. J. Milton Cowan. 3. Aufl.- Ithaca: Spoken Language Services, 1976. 1110 S.
Die engl. Version eines arab.-dt. Wörterbuches, interessanterweise herunterladbar  bei Archive.org.

Die Schrift

Die arabische Schrift wird von rechts nach links geschrieben. Die Schrift ist grundsätzlich kursiv, d.h. die Buchstaben werden (von definierten Ausnahmen abgesehen) immer miteinander verbunden.

Da im Laufe der Schriftentwicklung etliche Buchstaben die gleiche Form angenommen haben, traten im 8 Jh.(?) diakritische Punkte zur Unterscheidung hinzu.

Die arabische Schrift ist eine Konsonantenschrift. Lange Vokale werden meist durch die Buchstaben ʾAlif ا für a/e, Jāʾ ﻱ für i und Wāw ﻮ für o/u bezeichnet. Für kurze Vokale gibt es diakritische Zeichen, die im Alltagsverkehr aber nicht verwendet werden. Man findet sie im Koran und bei Namen aus fremden Sprachen.

Kodierung

Im Unicode sind die arabischen Zeichen im Block  U+0600 - U+06FF definiert, welcher ISO-8859-6 entspricht. Für jeden Buchstaben gibt es nur einen Codepoint. Die verschiedenen Verbindungstypen und Ligaturen werden als kontextabhängige Gestaltungsvarianten betrachtet. Das unterschiedliche Aussehen der Buchstaben hat keine Auswirkung auf die Bedeutung/Aussprache. Die Anzeigesoftware muß erkennen, welcher Glyph im Kontext der richtige ist.

Daneben gibt es zwei Blöcke mit Präsentationsformen ( Arabic Presentation Forms A,  Arabic Presentation Forms B), in denen die verschiedenen Verbindungstypen und die Ligaturen als eigene Zeichen definiert sind. Die Zeichentabellen in diesem Dokument verwenden diese Formen. Dafür benötigen Sie eine Schriftart, die die entsprechenden Glyphen enthält.

Das Alphabet

Das arabische Alphabet hat für die meisten Buchstaben neben der normalen Form eine eigene, größere, wenn der Buchstabe am Wortende steht. Bei beiden gibt es wiederum eine rechts verbundene und eine rechts nicht verbundene Form. Die nicht verbundene steht am Wortanfang und nach den Buchstabenformen ʾAlif ا, Dāl/Ḏāl ر, Rāʾ/Zāʾ د und Wāw ﻭ, die links nicht verbunden werden.

Es gibt also pro Buchstabe vier Formen, diese heißen im Unicode:

Die rechts verbundene Form (d.h. Binnen- und Endform) hat nur den zusätzlichen Anstrich:
versus , versus .

Bei den Endbuchstaben (Endform und Alleinstehende Form) ist der Abstrich meist weitläufig ausgezogen:
versus
Die nicht rechts verbundenen Endformen werden auch als alleinstehende Form verwendet (daher der Unicode-Name Isolated).

Man sollte daher zumindest die Binnen- und die Endform lernen. Die Anfangsform ergibt sich in den meisten Fällen aus der Binnenform unter Auslassung das Anstrichs, die alleinstehende Form in gleicher Weise aus der Endform.

اʾAlif
بBāʾ
تTāʾ
ثṮāʾ
جǦīm
حḤāʾ
خḪāʾ
دDāl
ذḎāl
رRāʾ
زZāʾ
سSīn
شŠīn
صṢād
ضḌād
طṬāʾ
ظẒāʾ
عʿAin
غĠain
فFāʾ
قQāf
كKāf
لLām
مMīm
نNūn
هHāʾ
وWāw
يJāʾ

Ältere Wörterbücher haben die Abfolge Wāw-Hāʾ. Auch Brockelmann bezeichnet das als das Richtige.

In den folgenden Tabellen sind die Formen in der Leserichtung des Arab. aufgeführt. D.h. die Anfangsform steht rechts, links schließen an die Binnenform, die Endform, die alleinstehende Form.

Die im folgenden mit * gekennzeichneten Buchstaben gehören nicht zum arabischen, sondern zum persischen oder osmanischen Alphabet und werden im Arab. nur zur phonetisch genaueren Wiedergabe von Lauten verwendet, die es im Arab. nicht gibt (vergleichbar den Buchstaben ñ oder ç in dt. Texten).


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
ʾAlif Stimmritzenverschluß,
ā
⁞ﺍ ⁞ﺎ ⁞ﺎ ⁞ﺍ

ʾAlif ﺍ wird links nicht verbunden (das symbolisieren die vier Punkte) und hat daher auch keine eigene Endform. Man verwechsle nicht ﺎ (ʾAlif) mit ﻟ (Lām).


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Bāʾ b Man denke an einen Baum, unter dem ein Apfel liegt:
*Pe pers. p
Tāʾ t Man kann sich Tāʾ/Ṯāʾ als kleines t denken: . Man kann auch an die Schnauze eines Tieres denken: . Die Endform ist dann ein veritabler Smiley.
Ṯāʾ arab. stimmloses engl. th [θ];
pers. stimmloses s

Durch das Fehlen des Anstrichs setzt die Anfangsform meist etwas höher an als die Binnenform.

Handschriftlich können zwei Punkte auch durch einen Querstrich (ٮ̄), drei Punkte durch Zirkumflex (Zirkumflex, ٮ̂) realisiert werden.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Ǧīm stimmhaftes dsch [ʤ],
ägypt. g
*Tsche pers. tsch [tʃ],
ägypt. dsch [ʤ]
Ḥāʾ emphatisches h [ħ]
Ḫāʾ ch wie in ach [x], [χ]

Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Dāl d ⁞ﺩ ⁞ﺪ ⁞ﺪ ⁞ﺩ
Ḏāl arab. stimmhaftes engl. th [ð];
pers. stimmhaftes s [z]
⁞ﺫ ⁞ﺬ ⁞ﺬ ⁞ﺫ

Dāl/Ḏal ﺩ haben Ähnlichkeit mit Bāʾ ﺏ/ Tāʾ ﺕ / Ṯāʾ ﺙ. Doch ist der Bogen des Abstrichs etwas größer, daher wird er auch bei der Endform nicht mehr vergrößert.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Rāʾ Zungenspitzen-r ⁞ﺭ ⁞ﺮ ⁞ﺮ ⁞ﺭ Man denke an eine Rutsche:
Zāʾ, Zain stimmhaftes s [z] ⁞ﺯ ⁞ﺰ ⁞ﺰ ⁞ﺯ Zunge: (aber Achtung: stimmhaftes s!)
*Že pers. stimmhaftes sch [ʒ] ⁞ﮊ ⁞ﮋ ⁞ﮋ ⁞ﮊ

Bei allen nicht nach links verbundenen Buchstaben sind Anfangs- und Alleinstehende Form gleich sowie Binnen- und Endform.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Sīn stimmloses s Man stelle sich das Sīn als liegendes Sigma oder als liegendes eckiges S vor: . Man kann auch an Wasserwellen denken.
Das Šīn ist wie ein S mit Hatschek (nur dass die drei Punkte einen Zirkumflex bilden).
Šīn stimmloses sch [ʃ]

Handschriftlich werden die drei Zähne oft zu einem Querstrich vereinfacht.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Ṣād stimmloses emphatisches s Man kann die Rechtsschlaufe als Vereinfachung des Sīn ﺱ auffassen, mit dem Ṣād ja lautlich verwandt ist. (In Wirklichkeit ist es ein Abkömmling des phönik. Ṣade 𐤑.)
Ḍād emphatisches d ﺿ

Emphatische Laute werden mit Anspannung des Rachenraumes gesprochen. Dadurch kommt es zu einer Verdunkelung der umgebenden Vokale. Abgesehen vom Qāf ﻕ ist eine liegende Rechtsschlaufe das Erkennungsmerkmal der emphatischen Konsonaten.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Ṭāʾ emphatisches t Ein auf dem Kopf stehendes T mit „Emphase-Schlaufe“.
Ẓāʾ stimmhaftes emphatisches s

Unicode hat zwar in den Präsentationsformen eigene Codepoints für die Endformen. Ich kann bei den Glyphen jedoch keinen Unterschied feststellen.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
ʿAin „gegurgelter“ Stimmritzenverschluß [ʕ] ʿAin heißt „Auge“ und ein solches stellte schon der phönik. Buchstabe ʕAin 𐤏 dar:
Ġain arab. frikatives g [ɣ] oder Zäpfchen-r [ʁ];
pers. gutturales g [ɢ]
*Gain g ڠ ـڠ ـڠـ ڠـ

Bei der Binnenform entsteht durch das Schreiben in einem Zug eine flach gedrückte Schlaufe (Gefahr der Verwechslung der verbundenen Formen von Ġain ﻐ mit Fāʾ ﻔ). Diese ist manchmal auf der linken Seite spitz. Bei der Endform wird der Abstrich weit nach unten und im Bogen nach rechts geführt.

Der Anstrich bei den rechts verbundenen Formen kann offenbar unterschiedlich angesetzt werden. Bei der Endform wird wie bei ʿAin/Ġain ﻉ in weitem Bogen nach unten rechts abgeschwungen. In der Kalligraphie wird mitunter der obere Strich auf den Grundstrich heruntergezogen, sodass geschlossene, tropfenähnliche Formen entstehen.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Fāʾ f Ein spiegelverkehrtes, flachgedrücktes p. Tatsächlich stammt Fāʾ vom phönik. Pē 𐤐 ab.
Qāf arab. gutturales (emphatisches) k;
pers. frikatives g [ɣ]
Ein q. Zur Unterscheidung von Fāʾ hat es zwei Punkte, Fāʾ nur einen. Das entspricht auch der Reihenfolgen von p und q im lat. Alphabet.
*Ve arab. und kurd. [v];
westarab. (Libyen bis Marokko) g?

Bei der Endform des Qāf ﻕ wird der Abstrich (wie beim Nūn ﻥ) weiter nach unten gezogen. Es sieht dadurch wie ein Wāw ﻭ aus. Aber die Verwechslung ist ausgeschlossen wegen der diakritischen Punkte.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Kāf k Kāf hat bei der Initial und der Medial Form noch entfernte Ähnlichkeit mit einem K.
*Gāf pers. g
Lām l Ein spiegelverkehrtes L bzw. l.

In die Endform von Kāf ﻙ ist zur Unterscheidung von Lām ﻝ ein kleines Anfangs-Kāf ﻛ hineingesetzt. Man verwechsle ﻟ (Anfangsform des Lām) nicht mit ﺎ (Binnen-/Endform des ʾAlif). Lām ﻝ wird im Gegensatz zum ʾAlif ﺍ links verbunden.

Im Wort الله ʾallāh wird, wenn das anlautende ʾa nicht von vorausgehendem i verdrängt wird, das Lām ﻝ unilateral gesprochen.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Mīm m Sieht aus wie ein Monokel.

Die Anfangsform des Mīm ﻣ sieht manchmal aus wie ein Fāʾ ﻓ ohne diakritischen Punkt.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Nūn n Erinnert an einen Vulkan: (Bild des Stromboli, Urheber: Steven W. Dengler 2004, Lizenz: GFDL und CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikipedia) Die Endform wäre dann ein Blick in den Vulkanschlot.

Die Endformen des Nūn ﻥ sind schmaler und tiefer als die Formen bei Bāʾ ﺏ / Tāʾ ﺕ / Ṯāʾ ﺙ.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Hāʾ h

Die alleinstehende Form des Hāʾ ﻩ ist manchmal nicht geschlossen, sondern hat annähernd die Form eines kleinen Gamma ɣ. Stattdessen wird aber gelegentlich auch die Anfangsform ﻫ verwendet. In Edward Lanes Arab.-Engl. Lexikon sieht die Binnenform aus wie ein handschriftliches lat. j: .


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Wāw w in engl. water,
ū
⁞ﻭ ⁞ﻮ ⁞ﻮ ⁞ﻭ Wickeln:

Wāw ﻭ hat große Ähnlichkeit mit Fāʾ/Qāf ﻓ (vor allem bei der Endform). Doch ist (wie bei Dāl ﺩ) der Bogen des Abstrichs etwas größer und wird daher bei der Endform nicht mehr vergrößert. Bei Wāw ﻭ habe ich übrigens auch nach links verbundene Formen gesehen (am Ende des Bogens geht der Strich steil nach oben).

Ältere Wörterbücher haben die Abfolge Wāw-Hāʾ. Auch Brockelmann bezeichnet das als das Richtige.


Name Laut-
wert
Is F M In nach Brockelmann Eselsbrücken
Jāʾ j, ī Ich denke an Jeans mit Schuhen: (aber Achtung: [j]!)

Die Endform des Jāʾ ﻱ hat im Gegensatz zu Bāʾ ﺏ / Tāʾ ﺕ / Ṯāʾ ﺙ einen gerundeten Anstrich. In einigen Sprachen (z.B. dem Pers.) werden die diakritischen Punkte bei der Endform des Jāʾ ﻱ weggelassen.

Sonderbuchstaben

Die folgenden beiden Zeichen werden nicht zum Alphabet gezählt.

Name Laut-
wert
Is F
ʾAlif maqṣūra auslautendes ā
Tāʾ marbūṭa stumm/h oder t

Das ʾAlif maqṣūra sieht aus wie die Endform von Jāʾ ﻱ ohne diakritische Punkte und bezeichnet ein auslautendes langes a. Daher gibt es keine Anfangs- oder Binnenform.

Tatsächlich dürfte es sich beim ʾAlif maqṣūra um ein Jāʾ ﻱ handeln: -ā < -aja. Daher findet man gelegentlich ﻳ / ﻴ als Binnenform, wenn ein Suffix angehängt wird, meist aber ʾAlif ا.

Tāʾ marbūṭa ist der Form nach ein End-Hāʾ ﻪ mit den zwei diakritischen Punkten des Tāʾ ﺕ (die aber gelegentlich auch fehlen können). Seinen Namen hat es davon, daß es sich sprachgeschichtlich um das in der endungslosen Form verstummte auslautende t femininer Wörter handelt. Gesprochen wird es, wenn noch ein Vokal folgt, als t, sonst ist es verstummt (oder wird als h gesprochen).

Im Hocharab. werden an die Wörter noch Kasusendungen und Nunation angehängt. Lediglich beim letzten Wort eines Satzes unterbleibt dies. Diese endungslose Form wird Pausalform genannt. Im Satzinneren ist das Tāʾ marbūṭa daher oft als t zu sprechen. In der Pausalform wurde das auslautende t im Dialekt von Mekka zu h. In der Koranrezitation und einigen Dialekten wird es noch so gesprochen, mehrheitlich ist es aber verstummt.

Wird an ein solches Wort ein Suffix angehängt, wird aus dem Tāʾ marbūṭa ein normales Tāʾ ﺕ.

Ligaturen

Name Laut-
wert
In/Is M/F
Lām-ʾAlif lʾ, lā ⁞ﻻ ⁞ﻼ

Die Zahl der Ligaturen im kalligraphieverliebten Arabischen ist nicht unbeträchtlich. Eine allerdings ist verpflichtend (d.h. sie muß zwingend verwendet werden, wenn die zwei Buchstaben aufeinandertreffen): Lām-ʾAlif. Wie ʾAlif wird das Lām-ʾAlif links nicht verbunden.

Vokale und diakritische Zeichen

Name Lautwert allein-
stehend
ʾAlif Wāw Jāʾ Herkunft
Hamza Stimmritzenverschluß (ʾ) ء ﺃ, ﺇ stilisiertes ʿAin ع
Madda Stimmritzenverschluß + ā Kürzel für madda مد

Das Hamza ء ist ein Konsonant und bezeichnet den Stimmritzenverschlusslaut (engl. glottal stop), wie in dt. ver-ʾeisen (aber: ver-reisen), Spiegel-ʾei, der ursprl. durch das ʾAlif bezeichnet wurde. Am Wortanfang und im Wortinneren hat Hamza normalerweise einen Trägerkonsonanten, nämlich ʾAlif ﺍ, Jāʾ ﻱ oder Wāw ﻭ. Am Wortanfang (auch wenn eine der Präpositionen bi oder li vorausgeht) ist das immer ʾAlif: das Hamza wird vor a und u über das ʾAlif (ﺃ) gesetzt, vor i unter es (ﺇ). Im Wortinneren wird, wenn der Laut von zwei a umgeben ist, ʾAlif ﺍ als Träger verwendet, wenn einer der beiden umgebenden Vokale ein i ist, Jāʾ ﻱ, sonst Wāw ﻭ. Nach langem Vokal oder Diphthong sowie nach Konsonant steht Hamza allein. Jāʾ ﻱ wird ohne Punkte geschrieben, wenn es Hamza bei sich hat.

Im Dialekt von Mekka ging der Stimmritzenverschluss in der Umgebung von i in j, in der von u in w über und wurde auch so geschrieben. Das Gemeinarab. übernahm zwar diese Schreibung, hielt aber an der ursprüngl. Aussprache als ʾ fest.

Vor langem a wird statt Hamza das sog. Madda ﺁ verwendet.

Der Unterschied zwischen ﺍ und ﺃ/ﺇ am Wortanfang ist der, dass bei ersterem (vor allem beim Artikel ال ʾal, der mit dem folgenden Wort immer zusammengeschrieben wird), der Stimmritzenverschluss ausfällt, wenn ein vokalisch auslautendes Wort vorausgeht:


Name Lautwert Zeichen Herkunft
Fatḥa a
Fatḥatān -an
Kasra i
Kasratān -in
Ḍamma u
Ḍammatān -un
Ǧazma, Sukūn Vokallosigkeit
Tašdīd, Šadda Konsonantenverdoppelung Anfangsbuchstabe von šadda شد
Waṣla Alif in Anlaut soll vom auslautenden Vokal
des vorhergehenden Wortes verdrängt werden
ٱ Anfangsbuchstabe von ṣila صل „Verbindung“

Das Hocharab. unterscheidet in der Schreibung nur drei Vokale. Doch kann der tatsächliche Lautwert je nach umgebenden Konsonanten schwanken, namentlich a wird gern zu e, u zu o. Deshalb heißen die Zeichen in vielen Grammatiken Medda, Kesra, Ǧezma, Tešdīd, Šedda. Vgl. auch Eigen- und Personennamen wie Achmed, Mohammed, Mekka, Medina.

Die Vokale sind immer nach dem Konsonanten, bei dem sie stehen, zu sprechen. Die Auslaute -an/-in/-un werden in der Grammatik als Nunation (vom Buchstaben ﻥ Nūn) oder Tanwīn bezeichnet. Die Zeichen dafür sind einfach verdoppelte Vokalzeichen. Beim Ḍammatān hat sich daraus ein eigenes Zeichen entwickelt.

Ein langes a, das nicht durch ʾAlif kenntlich gemacht ist, nennt man ʾAlif qaṣīra. Es wird gelegentlich (insbes. beim Wort Allah) durch ein kleines ʾAlif an Stelle des Fatḥa angezeigt: ٰ .

Im Alltag werden die Vokale nicht geschrieben. Dhntr stht ds Knzpt, dss d Schrft nr n Hlf zr rnnrng st, br ncht dn Ltwrt vllstndg wdrgbt. Das geht bei semitischen Sprachen, da die Grundbedeutung der Wörter am Konsonantengerüst hängt und es nicht viele mehrdeutige Konsonantengerüste gibt.

Der zweite Bestandteil von Diphthongen wird als Konsonant geschrieben: au = ﹶﻮ, ai = ﹶﻴ.

Sonstiges

Das auslautende Lām ﻝ des bestimmten Artikels al ال wird in vielen Fällen in der Aussprache (nicht jedoch in der Schreibung!) an den folgenden Konsonanten assimiliert. Die 14 Konsonanten, bei denen diese Assimilation stattfindet (nämlich die Dentale, Sibilanten und Liquiden) heißen Sonnenbuchstaben: Dal ﺩ, Ḏal ﺫ, Ḍād ﺿ, Tāʾ ﺕ, Ṯāʾ ﺙ, Ṭāʾ ﻃ, Zāʾ ﺯ, Ẓāʾ ﻇ, Sīn ﺱ, Šīn ﺵ, Ṣād ﺹ, Lām ﻝ, Nūn ﻥ, Ra ﺭ. Z.B.: الشمس aš-šams „die Sonne“ (von daher soll auch der Name stammen). In vokalisierten Texten steht ein Verdoppelungszeichen über dem ersten Konsonanten. Die übrigen Buchstaben heißen demgegenüber Mondbuchstaben: القمر al-qamar „der Mond“.

In obiger Liste sind die Namen der Sonnenbuchstaben gelb hinterlegt, die der Mondbuchstaben blau.

Zahlzeichen

Die Zahlzeichen der arabischen Schrift stammen von den Indern und werden deshalb von links nach rechts geschrieben. Für die Ziffern 4, 5, 6 gibt es in einigen Ländern (Iran, Pakistan, Afghanistan) abweichende (sog. ostarabische od. Farsi-) Zahlzeichen.

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Indische Z. ٠ ١ ٢ ٣ ٤ ٥ ٦ ٧ ٨ ٩
Ostarab. Z. ۴ ۵ ۶

Betonung

Im Arab. liegt der Ton auf der letzten langen Silbe des Wortes, wobei die Endung mitzudenken ist. Lang ist eine Silbe, wenn sie einen langen Vokal hat oder auf einen Konsonanten endet.

Gruppierungen

Buchstaben, die links nicht verbunden werden und keine eigenen Endformen haben:
ا ʾAlif, د Dāl, ذ Ḏāl, ر Rā, ز Zāʾ, *Že, و Wāw
Buchstaben mit einem Punkt über dem Glyphen:
خ Ḫāʾ, ذḎāl, ز Zāʾ, ض Ḍād, ظ Ẓāʾ, غ Ġain, ف Fāʾ, ن Nūn
Buchstaben mit einem Punkt unter dem Glyphen:
ب Bāʾ, ج Ǧīm
Buchstaben mit zwei Punkten über dem Glyphen:
ت Tāʾ, ق Qāf
Buchstaben mit zwei Punkten unter dem Glyphen:
ي Jāʾ
Buchstaben mit drei Punkten über dem Glyphen:
ش Šīn, *Ve, *Že
Buchstaben mit drei Punkten unter dem Glyphen:
*Pe, *Tsche
Im Arab. gibt es also nur einen Buchstaben mit drei Punkten: Šīn ش
Buchstaben, zu denen es eine punktlose Variante gibt:
ج Ǧīm/ خ Ḫāʾ: ح Ḥāʾ,
ذ Ḏāl: د Dāl,
ز Zāʾ: ر Rāʾ,
ش Šīn: س Sīn,
ض Ḍād: ص Ṣād,
ظ Ẓāʾ: ط Ṭāʾ,
غ Ġain: ع ʿAin
Jāʾ: ʾAlif maqṣūra (und Jāʾ ist selber punktlos, wenn es Hamza trägt)
Buchstaben, zu denen es keine punktlose Variante gibt:
Bāʾ/ Tāʾ/ Ṯāʾ, Nūn, Fāʾ/ Qāf

Lesebeispiele

Arabisch Transkription Deutsch Anmerkungen
Länder und Städte
لِيبِيَا Lībijā Libyen Ägypt. Rbw, griech. Λιβύη (s.  Völkertafel). Das erste Jāʾ steht für langes i, das zweite für den Kons. j, das auslautende ʾAlif für langes a.
‏طَرَابُلُس‎ Ṭarābulus Tripolis Griech. Τρίπολις „Dreistadt“. Das Arab. hat kein p und gibt es daher mit b oder f wieder (die Getränkemarke Pepsi heißt arab. بيبسي Bībsī, das Land Palästina فلسطين Filasṭīn).
‏اَلْعِرَاق ʾal-ʿIrāq der Irak Vermutl. v. ʿrq „Wurzel, Stamm; verwurzelt sein, Wurzeln schlagen“; nach anderen v. der sumer.-akkad. Stadt Uruk. Auch im Dt. sagt man „in den Irak“ (nicht: „nach Irak“).
بَغْدَاد Baġdād Bagdad Meist als mittelpers. „gottgegeben, Gottesgeschenk“ gedeutet.
تُونِس Tūnis Staat Tunesien, Hauptstadt Tunis Der Name geht viell. auf die pun. Schutzgöttin Tanit zurück.
‏مِصْر‎ Miṣr Ägypten
‏اَلْقَاهِرَة‎‏ al-Qāhira(t) „die Bezwingerin“ Kairo qhr „besiegen, bezwingen, unterwerfen, erobern“
‏سُورِيَة‎‏ Sūrija(t) Syrien
‏‏دِمَشْق‎ Dimašq Damaskus Ägypt. Tmśq, akkad. Dimašqa, hebr. דַּמֶּשֶׂק, griech. Δαμασκός
إِسْرَائِيل‎‏‏ ʾIsrāʾīl Israel Das erste Jāʾ trägt das Hamza, das zweite längt das i.
اَلْقُدْس‎ ʾal-Quds „die Heilige“ Jerusalem
لُبْنَان Lubnān Libanon Nach dem Gebirge ägypt. Rmnn, assyr. Labnānu, hebr. לְבָנוֹן, griech. Λίβανος (Wurzel lbn „weiß“)
‏‏بَيْرُوت‎ Bajrūt Beirut Phönik. Beʾerot "Brunnen", griech. Βηρυτός, lat. Berytus
اَلْنِمْسَا‏‏ ʾal-Nimsā Österreich Erklärung unter  Österreich, Land im Osten
فِييَنَّا Fījannā Vienna, Wien
سالزبورغ Sālzbūrġ? Salzburg
Wörter und Redewendungen
إسلام‏ ʾislām „Unterwerfung, Hingabe“ Islam Hamza unter dem ʾAlif zeigt, dass es mit i zu vokalisieren ist. slm „heil sein, unversehrt sein“ (dav. سلام salām „Wohlergehen, Friede“) „II, IV sich ergeben, sich unterwerfen“.
‏مسلم muslim „sich unterwerfend, sich hingebend“ Moslem Partizip des 4. Stammes
إن شاء الله‎ ʾin šāʾa‿llāh „so Gott will“ Inschallah
بِسْمِ ٱللَّهِ bismi‿llāhi „im Namen Gottes“ Das Šadda steht als Zeichen der Assimilation des Artikels, das anlautende ʾAlif ist vom vorhergehenden i verdrängt. Beim Wort ʾallāh steht oft ein kleines ʾAlif statt des Fatḥa über dem Šadda.
‏جهاد ǧihād „Anstrengung, Kampf“ Dschihad, Kampf gegen die Ungläubigen ǧhd „sich anstrengen, sich bemühen; III kämpfen“
شريعة‏ šarīʿa „Wasserloch, Tränke; Weg zur Tränke; Gesetz“ Scharia, religiöses Gesetz šrʿ „hineingehen; hinführen, vorschreiben, verordnen“
‏اَلْقُرْآن‎ ʾal-qurʾān „die Rezitation, Lesung“ Koran qrʾ „vorlesen, vortragen“
سنة‏ sunna „Brauch, Gewohnheit“ Sunna السنة‏ ʾas-sunna „die Gewohnheit“ od. سنة النبي‏ sunnat ʾan-nabī „die Gewohnheit des Propheten“, die religiöse Richtung der Sunniten
شيعة‏ šīʿa „Partei“ Schia الشيعة‏ ʾaš-šīʿa „die Partei (Alis)“, die religiöse Richtung der Schiiten
‏مسجد masǧid „Ort der Niederwerfung“ Moschee sǧd „sich beugen, sich niederwerfen, anbeten“
‏‏منارة manāra „Leuchter, Leuchtturm“ Minarett
خليفة‏ ḫalīfa „Nachfolger, Stellvertreter“ Kalif (Nachfolger Mohammeds) ḫlf „folgen, nachfolgen, ersetzen“
سلطان‏ sulṭān „Macht, Stärke, Herrschaft“ Sultan slṭ „II Macht verleihen; V überwältigen, (be)herrschen“
‏قاض qāḍin „entscheidend, tödlich, Richter“ Kadi qḍj „beenden, bestimmen“; das dt. Kadi von det. القاضي ʾal-qāḍī „der Richter“
فتوى‏ fatwā „Rechtsgutachten“ Fatwa ftw/ftj „IV ein Rechtsgutachten erteilen“; Partizip مفت muftin, det. المفتي ʾal-muftī „Gutachter, Mufti“
مدرسة‏ madrasa „Unterrichtsstätte, Schule“ Madrasa, Koranschule drs „auslöschen, lernen“
‏طالب ṭālib „Student“ paschtun. Pl. Taliban ṭlb „suchen, streben, verfolgen“
قاعدة‏ qāʿida „Basis, Fundament; Datenbank“ Al-Kaida qʿd „sich setzen, sitzen“; القاعدة‏ ʾal-qāʿida „die Basis“

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2017