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Die Völkertafel (Gen 10)


Das Kapitel Gen 10, das leicht verkürzt 1Chr 1,5-23 wiederholt wird, ist eine Beschreibung der damals bekannten Völker mit den Mitteln der Genealogie. Die Frage ist: wann war damals?

Nur in wenigen Fällen ist die Zuordnung zu einem Land/Volk unzweifelhaft, weil der Name durch häufiges Vorkommen im AT geläufig ist (z.B. Mizrajim = Ägypten). Etliche Namen kommen nur einige wenige Male vor oder sind überhaupt ἅπαξ λεγόμενα („einmal gesagte“). Dann kann die Zuordnung nur auf Grund von Namensähnlichkeit mit Völkern in außerbiblischen Texten getroffen werden. Aber schon das einfache Beispiel dt. Deutschland = engl. Germany = span. Alemania = poln. Niemcy = finn. Saksa (s. die  Liste bei Wikipedia) zeigt, daß Länder-/Völkernamen sprachgeschichtlich oft ganz eigene Wege gehen. Umgekehrt besagt eine zweifelsfreie etymologische Entsprechung noch nicht, dass damit auch dasselbe gemeint ist, wie das Beispiel finn. Saksa = Deutschland, dt. Sachsen = Land Ostmitteldeutschlands zeigt.

Der älteste erhaltene Kommentar zu diesem Text findet sich in dem Werk „Jüdische Altertümer“ des Flavius Josephus: Ios.ant.Iud.1,122ff (=Kap. 6) ( gr. Text bei Perseus,  engl. Übers. bei CCEL).

Meine Quellen waren:

Biblia Hebraica Stuttgartensia. Hrsg. v. Karl Elliger u. Wilhelm Rudolph.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1967/77.
Stuttgarter Erklärungsbibel. Die Hl. Schrift n. d. Übers. Martin Luthers. M. Einf. u. Erkl.- Stuttgart: Dt. Bibelges., 1992.
Namen, zu denen es hier einen Eintrag in den Sacherklärungen gibt, sind unten mit einem Stern markiert; s.a. den Eintrag "Völker in Kanaan".
Lexikon zur Bibel. Hrsg. v. Fritz Rienecker.- 5. Aufl. d. Volksausg. Wuppertal: Brockhaus, 1977.
ein Werk der konservativ-apologetischen Richtung
Gesenius, Wilhelm: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament.- 17. Aufl. 1915; unveränd. Nachdr. Berlin, Göttingen, Heidelberg: Springer, 1962.
Leider veraltet, inzwischen sind durch die Entzifferung des Myken. (Linear-B) und des Hethit. einige Erkenntnisse hinzugekommen.
Erman, Adolf; Grapow, Hermann: Ägyptisches Handwörterbuch.- Darmstadt: Wiss. Buchges., 1961.
Faulkner, Raymond: Concise Dictionary of Middle Egyptian.- Oxford: Griffith Inst., 1972. Nachdr. 1991.
 W[ilhelm] Max Müller: Asien und Europa nach altägyptischen Denkmälern.- Leipzig: Engelmann, 1893. Archive.org.
 Delitzsch, Friedrich: Wo lag das Paradies? E. bibl.-assyriolog. Studie. M. zahlr. assyriolog. Beitr. z. bibl. Länder- u. Völkerkunde u. e. Karte Babyloniens.- Leipzig: Hinrichs, 1881. Bes. S. 244-262, 269ff (Chatti, Kanaan), 275ff (Hamâth), 278f (Chiwwî), 281f (Arad, Simyra), 282 (Arḳa), 283f (Sidon), 288 (Philistäa), 291ff (Cypern). Archive.org.
In vielem wohl veraltet, aber nennt viele keilschriftliche Belege.
Putzger, F.W. / Lendl, Egon / Wagner, Wilhelm: Historischer Weltatlas zur allgemeinen und österreichischen Geschichte.- 48. Aufl. Wien: Hölder-Pichler-Tempksy, 1972.
mein Schulbuch
 Woudhuizen, Frederik Christiaan: The Ethnicity of the Sea Peoples. 2006.
Enthält auf S.36 eine Liste der hieroglyphischen Schreibung der Seevölkernamen.
 Cooper, Bill: After the Flood, daselbst die Kapitel  The Nations of Japheth,  The Nations of Ham,  The Nations of Shem
In meinen Augen unseriös; alles, was irgendwie ähnlich klingt, wird gleichgesetzt: Jupiter z.B. hat mit Japhet nichts zu tun.
diverse Wikipedia-Artikel (s. die Verweise im einzelnen)

Japhet

יֶפֶת Gen 9,27 mit Hebr. פתה "weit sein; Hi. weit machen" in Verbindung gebracht. Manche halten den griech. Titanen Ἰαπετός Iapetos (z.B. Hom.Il. 8,479) sprachlich für mit Japhet zusammenhängend.

Gomer גֹּמֶר Ass. Gimirru, gr. Κιμμέριοι  Kimmerier, iran. Reitervolk nördl. des Kaukasus, das im 8./7.Jh. in Anatolien einfiel.
Bereits Hom.Od. 11,14 erwähnt, aber dort ein halbmythisches Volk am Rand der Welt.
Gelegentlich wurde G. auch mit lat. Cimbri (den german. Kimbern) oder walis. Cymry (Selbstbezeichnung der Waliser) gleichgesetzt.
Nach Ios. die Galater, (kelt.) Bewohner von Galatien (Gebiet um Ankara).
  Aschkenas אַשְׁכֲּנַז Keilschriftl. Ašguza, daher אַשְׁכּוּז zu lesen? Jer 51,27 neben Ararat (= Urartu) und Minni (= Mannai) genannt; viell. gr. Σκύθαι (bei d. Griechen Bez. f. alle Völker nördl. des Schwarzen Meees und der unteren Donau)  Skythen, ein iran. Nomadenvolk in Südrussland.
Im Mittelalter wurde A. zur jüdischen Bezeichnung Deutschlands, die Mz. Aschkenasim zur Selbstbezeichnung der mittel- und osteurop. Juden (i.Ggs. zu den Sephardim der iberischen Halbinsel).
  Rifat רִיפַת Nach Ios. die Bewohner Paphlagoniens (Nordanatolien).
  Togarma תֹגַרְמָה, תוֹגַרְמָה Volk in Armenien, vgl. keilschr. Tilgarimmu in Melitene; Hes 38,6 neben Gomer genannt. Mehrere kaukasische Völker nehmen für sich in Anspruch, von d. T. abzustammen, z.B. die  Armenier.
Nach Ios. die Phryger.
Magog מָגוֹג Nach Ios. die Skythen.
Madai מָדַי Pers. Mada, gr. Μῆδοι  Meder*, iran. Volk im nördl. Zagrosgebirge, das 614 das Assyrerreich eroberte. Erstmals in ass. Annalen des 9.Jh. genannt.
Jawan יָוָן Gr. Ἴωνες < Ἰά(ϝ)ονες Ionier (viell. schon myken. i-ja-wo-ne), ein griech. Stamm, der hauptsächlich die Inseln der Ägäis und die Ostküste Kleinasiens besiedelte; später Griechen allgemein. Hom.Il. 13,685 erwähnt (wo nach Ansicht der antiken Kommentatoren die Athener gemeint sind).
  Elischa אֱלִישָׁה Keilschriftl.  Alašia, äg.
Jrꜣśꜣ (Aloša)?, d.i. gr. Κύπρος (schon myken. als Adj. ku-pi-ri-jo) Zypern? Od. dor. Ϝᾶλις, ion.-att. Ἦλις Elis auf d. Peloponnes?
  Tarsis* תַּרְשִׁישׁ Meist mit gr. Ταρτησσός  Tartessos, St. an d. span. Südküste, gleichgesetzt.
Nach Ios. Ταρσός  Tarsus in Kilikien (von wo der Apostel Paulus herstammt).
  Kittäer* כִּתִּים Phön. Kt(y), gr. Κίτιον  Kition, St. an d. Südküste Zyperns (h. Larnaka); daher Bew. v. Zypern, später Inseln und Küsten Griechenlands allgemein.
  Rodaniter רֹדָנִים So die Lesart der meisten Übers. nach LXX (Ῥόδιοι) und 1Chr 1,7, d.h. wohl Bew. v. Rhodos; im Hebr. steht דֹּדָנִים. Vorgeschlagen wurde auch דֹּנָנִימ, d.i. die Danuna in  einem der Amarna-Br., äg.
Dꜣjnjw,  Denyen, ein Volk des Seevölkersturms, meist gleichgesetzt mit gr. Δαναοί Danaer, hom. Bezeichnung f. d. Griechen.
Tubal תֻּבַל, תּוּבַל a) Ass.  Tabal, ein luwischer Nachfolgestaat des Hethiterreiches in Ostanatolien (8./7.Jh.) Oder
b) Gr. Τιβαρηνοί am Südostrand des Schwarzen Meeres (von manchen mit Tabal gleichgesetzt)
Meschech* מֶשֶׁךְ a) Ass.  Muški, thrako-phryg. Volk, das sich nach dem Zusammenbruch des Hethiterreiches in Kappadokien niedergelassen hatte und von Tiglat-Pileser I. um 1115 in Kommagene geschlagen wurde; im 8.Jh. assyr. Bezeichnung der  Phryger; es ist nicht sicher, ob es sich um dasselbe Volk wie bei Tiglat-Pileser handelt. Oder
b) Gr. Μόσχοι am Ostrand des Schwarzen Meeres, südl. des Kaukasus (von manchen mit den Muški gleichgesetzt). Manche Ausleger bringen diese mit den Bewohnern Russlands (Москва Moskva/Moskau) in Verbindung.
Tiras תִּירָס Möglicherweise äg.
Twrjšꜣ (Tur[i]ša), ein Volk des Seevölkersturms, dor. Τυρσανοί, att.-ion. Τυρρηνοί  Etrusker; Volk in Mittelitalien, das (u.a.) aus kleinasiat. Einwanderern entstanden sein dürfte und von d. Römern unterworfen wurde; nannte sich selbst Rasenna.
Nach Ios. hingegen die  Thraker.

Die Japhetiten sind (hauptsächlich indogerman.) Völker im Norden und Westen Israels.

Ham

חָם

Kusch* כּוּשׁ 1) Einerseits bab. Kûšu, äg.
Kꜣš, gr. meist mit Αἰθιοπία Äthiopien* wiedergegeben, d.i.  Nubien, das Land beiderseits des Nil südl. von Elephantine (h. Assuan), h. Südägypten / Nordsudan. Bei d. Griechen (z.B. Hom.Il. 1,423, Od. 1,22-24) waren die Äthioper ursprl. ein sonnenverbranntes Volk am Rand der Welt. Später wurde die Bezeichnung auf d. Nubier und tw. auch auf d. Inder übertragen.
2) Andererseits keilschr. Kaššû, gr. Κίσσιοι und Κοσσαῖοι (vermutl. dasselbe Volk)  Kassiten, Bergvolk aus dem Zagros, herrschte 15.-12.Jh. über Babylon.
  Seba סְבָא Jes 43,3; 45,14 neben Ägypten und Kusch genannt, daher wohl in Afrika, viell. an d. Küste des Roten Meeres.
  Hawila חֲוִילָה Gen 25,18 und 1Sam 15,7 in der Redewendung "von Hawila bis nach Schur" (letzteres wohl auf d. Sinaihalbinsel), also wohl auf d. arab. Halbinsel. Unklar, ob identisch mit dem (sagenhaften?) Land von Gen 2,11. Vgl. auch V.29!
  Sabta סַבְתָּה Gr. Sabbatha, lat. Sabota, ar.  Šabwa(t), nördl. Hst. v. Hadramaut in Südarabien?
  Ragma רַעְמָה, רַעְמָא Gr. Ῥαμμανῖται? Hes 27,22 neben Saba genannt, also wohl in Südarabien zu suchen.
    Saba שְׁבָא Vgl. V.28
    Dedan דְּדָן Vgl. Jer 49,8 und Hes 25,13: wohl ein arab. Stamm südl. von Edom, also im Nordwesten der arab. Halbinsel.
  Sabtecha סַבְתְּכָא Gr. Σαμυδάκη auf d. Ostseite des pers. Golfs?
  Nimrod נִמְרֹד, נִמְרוֹד Vermutl. ein mesopotamischer Herrscher (z.B. Naram-Sîn, König von Akkad im 23.Jh.), nach anderen eine Gottheit (z.B. Ninurta).
    Schinar* שִׁנְעָר Amarna Šanḫar? Babylonien.
      Babel* בָּבֶל Bab. Bâbilu, äg.
Bbr, gr. Βαβυλών  Babylon (St. am Euphrat) und Babylonien* (Reich).
      Erech אֶרֶךְ Keilschr. Uruk, gr. Ὀρχόη, h. Warka;  Uruk, sumer. St. im (viell. danach benannten) Irak.
      Akkad אַכַּד Sum. Agade,  Akkad(e), Hst. des akkad. Reiches, später Bez. Babyloniens.
      Kalne* כַּלְנֵה Wohl kaum die nordsyr. St. aus Jes 10,9 und Am 6,2. Viell. ist aber כֻּלָּנָה o.ä. zu vokalisieren "sie alle ([liegen] im Land Schinʿar)".
    Assur אַשּׁוּר Akk. Aššur,  Assur, St am Tigris, ein Zentrum des assyr. Reiches.
      Ninive* נִינְוֵה Keilschr. Ninua od. Ninâ, gr. Νίνος od. Νινευΐ  Ninive, St. am Tigris, im 7.Jh. Hst. des assyr. Reiches.
      Rehobot-Ir רְחֹבֹת עִיר Wörtl. „die weiten Plätze der Stadt“, nach Delitzsch ass. rêbit Ninâ, eine Vorstadt Ninives.
      Kelach כֶּלַח Ass. Kalḫu, h.  Nimrûd, Hst. des assyr. Reiches ca. 880 - 710.
      Resen רֶסֶן
Mizrajim מִצְרַיִם Amarna-Br. Miṣrî, gr. Αἴγυπτος Ägypten. Das griech. Wort kommt der allgem. Anschauung nach von äg. Ḥw.t-kꜣ ptḥ ("Stätte der Seele des Ptah", äg. Name der St. Memphis), bab. Ḫikuptaḫ, und bezeichnete ursprl. den Nil (z.B. Hom.Od. 3,300).
  Luditer* לוּדִים Hier ein nordafrikan. Volk. Vgl. auch V.22!
  Anamiter עֲנָמִים
   Lehabiter לְהָבִים = לוּבִים Äg.
Rbw, gr. Λίβυες  Libyer? Libyen (niemals: Lybien!) ist bei d. Griechen (z.B. Hom.Od. 4,85; 14,295) das Land westl. des Nils.
  Naftuhiter נַפְתֻּחִים Äg. Pꜣ-tꜣ-mḥw Unterägypten (also פתמחים zu lesen)? Od. Pꜣ-tꜣ-jḥw Oasa Farafra? Od. Nꜣ-ptḥ Leute des Ptah, d.h. Memphiten (Ptah war Stadtgott v. Memphis)? Od. Leute des Delta?
  Patrositer פַּתְרֻסִים Äg. Pꜣ-tꜣ-rśj "Südland" d.i. Oberägypten, keilschr. Paturêsi. Vgl. Jes 11,11; Jer 44,1; Hes 29,14; 30,14 (hier wird auch die Hst. No = Theben genannt).
  Kasluhiter כַּסְלֻחִים Bew. der Umgegend des Mons Casius östl. des Nildelta?
  Kaftoriter כַּפְתֹּרִים Bew. v. כַּפְתּוֹר, keilschr. Kaptara, äg.
Kftjw, üblicherweise mit gr. Κρήτη (myken. als Adj. ke-re-si-jo) Kreta gleichgesetzt.
    Philister* פְּלִשְׁתִּים Ass. Pilistu, äg.
Prwśṯ,  Philister, ein Volk vermutl. ägäischer oder anatolischer Herkunft, das sich nach 1200 an der Küste von Palästina festsetzte. Die Römer benannten nach dem jüd. Aufstand die Provinz Iudaea in Palaestina um.
Put* פּוּט Bab. Pûṭa, äg.
Pwnt,  Punt, das Weihrauchland am Roten Meer? Nach Ios. Libyen. Jer 46,9; Hes 27,10; 30,5; 38,5; Nah 3,9 immer neben Kusch und/oder Lud genannt.
Kanaan* כְּנַעַן Ass. Kinaḫi, Phönizien, insbes. das Westjordanland, d.h. etwa das heutige Israel.
  Sidon* צִידֹן, צִידוֹן Gr. Σιδών  Sidon, phöniz. St. an d. Küste Libanons (h. Saida); öfters auch für d. Phönizier allgemein.
  Het חֵת Sonst meist חִתִּי, keilschr. Ḫatti, äg.
Ḫt(ꜣ),  Hethiter*. Wir verstehen unter d. Hethitern jenes indogerman. Volk, das im 2.Jt. von Anatolien aus ein Großreich gegründet hat. Im AT sind aber wohl eher die nach dessen Zusammenbruch in Syrien entstandenen Nachfolgereiche und deren Bewohner gemeint.
  Jebusiter יְבוּסִי Bew. v. יְבוּס Jerusalem
  Amoriter* אֱמֹרִי Akk. Amurru  Amoriter, semit. Volk westl. des Euphrat seit 3. Jt., in babyl. Texten = Phönizien. Im AT ein Stamm der Kanaaniter.
  Girgaschiter גִּרְגָּשִׁי
  Hiwiter חִוִּי
  Arkiter עַרְקִי Bew. v.  Arqa, keilschr. Arḳâ, Amarna Irḳata, äg. ʿrḳtw, gr. Ἀρκη, das spätere Caesarea Libani, einige km nördl. v. Tripolis, Geburtsort des röm. Kaisers Alexander Severus (222-235).
  Siniter סִינִי Keilschr. Siânu, St. in Nordphönizien?
  Arwaditer אַרְוָבִי Bew. v.  Arwad, gr. Ἄραδος, arab. Ar-Ruad, phöniz. Inselst. an d. Küste Syriens
  Zemariter צְמָרִי Bew. v. Amarna Ṣumur, äg. Ṣamar (so Ges., Mü. hat Ḏꜣm(ʿ)r), gr. Σιμυρα Simyra, St. nördl. v. Tripolis.
  Hamatiter חֲמָתִי Bew. v.  Ḥamat St. am Orontes in Mittelsyrien (h. Ḥamāh).
  Gerar גְּרָר St. südl. v. Gaza
  Gaza עַזָּה Ass. Ḫazzatu  Gaza, südlichste der 5 Städte der Pentapolis der Philister
  Sodom סְדֹם Die beiden Städte, die Gott Gen 19 wegen ihrer Sündhaftigkeit vernichtet. Man vermutet ihre Lage am Südwestende des Toten Meeres.
  Gomorrha עֲמֹרָה
  Adma אַדְמָה Zwei Städte, die nach Dtn 29,22 das Schicksal von Sodom und Gomorrha teilten und daher wohl in ihrer Nähe zu suchen sind.
  Zebojim צְבֹיִ(י)ם, צְבֹאיִם
  Lescha לֶשַׁע

Zu den Hamiten (der Terminus ist in der ethnolog. Diskussion inzwischen verpönt) gehören einerseits afrikan. Völker (Ägypter, Libyer, Nubier), und andererseit die Phönizier. Die Phönizier wurden offenbar als nicht stammverwandt mit den Israeliten empfunden. In Wirklichkeit waren sie aber Semiten (im modernen Sinn des Wortes) und die Sprache des AT ist die Sprache der Kanaaniter.

Eigenartig ist, daß Saba und Hawila sowohl unter d. Nachkommen Hams als auch unter denen Sems genannt werden. Sind das zufällige Namensgleichheiten oder müssen wir daraus den Schluß ziehen, daß die Unterscheidung zwischen Hamiten und Semiten im afrikanisch-asiatischen Grenzgebiet mitunter schwierig war? Unklar ist auch die Beziehung zwischen der von Nimrod gegründeten St. Aššur und dem gleichnamigen Sohn Sems.

Sem

שֵׁם

Elam עֵילָם Spätäg. ʿrm, ass. Elamtu, gr. Ἐλυμαΐς  Susiana, Landschaft im Südwesten des h. Iran.
Assur אַשּׁוּר Ass. Aššur, äg.
jś(ś)wr Assyrien*, später auch vom babylon. bzw. pers. Reich.
Arpachschad אַרְפַּכְשַׁד Gr. Ἀρραπαχῖτις (Provinz im Quellgebiet d. oberen Zab)? Od. steckt der Name der כַּשְׂדִּים, gr. Χαλδαῖοι  Chaldäer* im Namen, ein Volk am Pers. Golf, das Begründer des Neubabylon. Reiches war. Nach Ios. ebenfalls die Chaldäer.
  Schelach שֶׁלַךְ
    Eber עֵבֶר
      Peleg פֶּלֶג Stammvater Abrahams (Peleg - Regu - Serug - Nahor - Terach - Abram)
      Joktan יָקְטָן
        Almodad אַלְמוֹדָד
        Schelef שֶׁלֶף Ar. سَلِف Salif, eine jemenit. St.?
        Hazarmawet חֲצַרְמָוֶת  Hadramaut (h. Ḥaḍramût), Landschaft an d. südarab. Küste (h. Südjemen)
        Jerach יֶרַח
        Hadoram הֲדוֹרָם
        Usal אוּזָל Keilschr. Izallam?
        Dikla דִּקְלָה
        Obal עוֹבָל
        Abimael אֲבִימָאֵל
        Saba* שְׁבָא Keilschr. Sabaʾ, vgl. 1Kön 10,1-13 (Königin von Saba); gr. Σαβαῖοι  Sabäer, bedeutendes südarab. Volk von sprichwörtl. Reichtum. Vgl. V.7.
        Ofir* אוֹפִר  Ofir, goldreiche Gegend (1Kön 9,28; 10,11; 22,49) in Arabien? Afrika? Indien?
        Hawila חֲוִילָה Vgl. V.7
        Jobab יוֹבָב Keilschr. Jâbibi?
        Mescha מֵשָׁא Nach Delitzsch ass. Maš, die syr.-arab. Wüste.
        Sefar סְפָר Gr. Σάπφαρα, ar. ظَفَار Ẓafār, die Hst. der  Himjariten, eines arab. Stammes im Jemen?
Lud* לוּד Nach Ios. die  Lyd(i)er, ass. Luddu, gr. Λυδοί, bei Hom. noch nicht erwähnt; ein indogerman. Volk im Westen Anatoliens, Reichsbildung ab dem 7.Jh. (König Gyges). Der sprichwörtl. reiche König Kroisos war der letzte Lyderkönig. Vgl. auch die Luditer von V.13.
Aram* אֲרָם Keilschr. Aramu, Syrer*/  Aramäer, Nomadenstämme, die seit dem 13./12. Jh. von Westen her nach Nordmesopotamien eindrangen und seit 1200 v.a. in Nordsyrien Kleinkönigreiche bildeten.
  Uz עוּץ
  Hul חוּל
  Geter גֶּתֶר
  Masch מַשׁ Mašu-Gebirge im Libanon? Oder ὄρος Μάσιον / mons Masius zw. Tigris und syr. Grenze (h. Tur Abdin)?

Elamiter und Lydier waren, soweit wir wissen, keine Semiten im heutigen Wortsinn. Eigenartig, daß wir gerade hier, bei d. engsten Verwandten Israels, die meisten Leerstellen finden.

Zusammenfassung

Wir wissen wenig wirklich Sicheres. Etliche Namen sagen uns gar nichts, viele Zuordnungen können wir nur vermutungsweise auf Grund lautlicher Ähnlichkeiten treffen. Als sicher darf wohl gelten, daß einige der genannten Namen, bei denen die Zuordnung einigermaßen feststeht (z.B. Meder oder Ionier) erst im 1.Jt. in den Gesichtskreis der Geschichte getreten sind.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Änderung: 29. Mai 2016