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Ortsnamen in Salzburg und Umgebung


Maxglan, Gnigl, Morzg, Liefering, Taxham – die Stadtteile Salzburgs haben schon seltsame Namen. Woher kommen die und was bedeuten sie? Ich habe diesbezüglich ein wenig nachgeforscht und dabei auch die Orte der näheren Umgebung mit einbezogen, soweit sie mit dem Fahrrad bequem zu erreichen (daher vor allem der Süden der Stadt) und sprachlich von Interesse sind. Natürlich gibt es zu jedem Aspekt dieses Themas bereits massenhaft Literatur, man kann sein halbes Leben mit diesem Forschungsgegenstand verbringen. Ich habe mich nur punktuell eingelesen und biete hier eine Zusammenfassung.

Allgemeine Quellen (Quellen zu Einzelthemen sind unter der jeweiligen Überschrift angeführt):

Salzburger Urkundenbuch.- Salzburg: Ges. f. Sbg. Landeskunde, 1910-1933.
Bd. 1: Traditionscodices. Ges. u. bearb v. Willibald Hauthaler.- 1910.
Bd. 2: Urkunden von 790-1199. Ges. u. bearb. v. Willibald Hauthaler u. Franz Martin.- 1916.
Bd. 3: Urkunden von 1200-1246. Ges. u. bearb. v. Willibald Hauthaler u. Franz Martin.- 1918. PDF, Monumenta Germaniae Historica.
Bd. 4: Ausgewählte Urkunden 1247-1343. Ges. u. bearb. v. Franz Martin.- 1933.
Die vollständigste Zusammenstellung mittelalterlicher Dokumente über Salzburg. Sie wird meist mit der Sigle SUB zitiert. Leider ist nur der 3. Bd. online erhältlich. Zum Glück sind einige der Dokumente auch anderweitig verfügbar.
Indiculus Arnonis und Breves Notitiae Salzburgenses. Nacn d. bekannten u. nach bisher unbenützen Hss. neu hrsg. u. m. Erl. vers. v. Friedrich Keinz.- München: Fleischmann, 1869. Google Books.
Der Indiculus Arnonis – heute meist Notitia Arnonis genannt – ist ein im Auftrag von Bischof Arn(o) um 790 erstelltes Verzeichnis der Besitztümer des Bistums. Bald nach der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum im Jahre 798 wurden die umfangreicheren Breves Notitiae erstellt. Die beiden sind hier abgekürzt mit N.A. bzw. B.N.
Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde.
Mit der Sigle MGSLK zitiert, Index der bei ÖNB-ANNO online verfügbaren Bände.
Grienberger, Theodor von: „Die Ortsnamen des Indiculus Arnonis und der Breves Notitiae Salzburgenses in ihrer Ableitung und Bedeutung dargestellt“. MGSLK 26 (1886) 1-78. ÖNB-ANNO.
Urbar des Benedictinnen-Stiftes Nonnberg. Bearb. v. Adam Doppler, erg. u. hrsg. v. Willibald Hauthaler. MGSLK 23 (1883) 41-144. ÖNB-ANNO.
Dieses Verzeichnis der Leistungen, zu denen die Grunduntertanen verpflichtet waren, stammt von 1212 oder 1312 – Mo CoCo..XII, in der Rasur könnte noch ein Co gestanden haben.
Hörburger, Franz: Salzburger Ortsnamenbuch. Unter Mitw. v. Stefan Adamski, Norbert Heger u. Manfred Straberger bearb. v. Ingo Reiffenstein u. Leopold Ziller.- Salzburg: Selbstverl. d. Ges. f. Sbg. Landeskunde, 1982. (MGSLK, 9. Erg.-Bd.).
Das aktuellste Nachschlagewerk zum Thema; die Stringenz der Darstellung leidet aber unter der Zahl der Bearbeiter.
Reitzenstein, Wolf-Armin Frhr. v.: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz.- München: Beck, 2006. Google Books (teilweise einsehbar).
Enthält Art. zu Saalach und Salzach.
Historische Ortsnamendatei der der Salzburger Ortsnamenkommission (SONK). Hrsg. v. Thomas Lindner.- 1. Ausg. 10/2010. Österr. Akad. d. Wiss.
Ein Index der Ortsnamen samt Quellen- und Literaturverweis. Leider werden Urkunden oft nur mit der Seitenzahl des SUB zitiert; aber dankenswerterweise werden die entsprechenden Artikel der MGSLK genannt.
Kranzmayer, Eberhard: „Die Ergebnisse der neuesten österreichischen Ortsnamenkunde und das Land Salzburg“. MGSLK 97 (1957) 1-16.
Nicht mehr ganz aktuell und vom Stil her zu apodiktisch.
Brandenstein, Wilhelm: „Die Völkerschichten in den Ostalpen im Lichte der Ortsnamen“. Zeitschr. d. Dt. u. Österr. Alpenvereins 66 (1935) 251-260 (jetzt in: Kleine namenkundliche Arbeiten. Hrsg. v. Fritz Lochner von Hüttenbach.- Graz: Akad. Druck- u. Verlagsanst., 1978, 100-111).
Dopsch, Heinz: „Unter erzbischöflicher Herrschaft – Anif im Mittelalter und an der Wende zur Neuzeit“. Anif: Kultur, Geschichte u. Wirtschaft v. Anif, Niederalm u. Neu-Anif. Hrsg. v. Heinz Dopsch u. Ewald Hiebl.- Anif, 2003, 55-81.
Dopsch, Heinz; Hoffmann, Robert: Salzburg. D. Geschichte e. Stadt.- 2. aktual. Aufl.- Salzburg: Pustet, 2008. S. 40f, 76-80.
(Mitschrift?) Vorlesung Namensforschung von Hermann Scheuringer. Univ. Wien, Inst. f. Germanistik.
Ein allgemeine Einführung in die Konzepte und Fragestellungen der Onomastik.
Reiffenstein, Ingo: Die Namen der Salzburger Stadtteile. Homepage der Stadt Salzburg.
Salzburg-Wiki-Art. Ortsnamen (Etymologie).

Quellen habe ich, soweit sie bequem erreichbar waren, eingesehen. Wo ich die Quelle nicht ermitteln konnte oder sie mir nicht zugänglich war, zitiere ich meist mit einem urkdl. (urkundlich).


Tabula Peutingeriana (Kopie einer spätröm. Straßenkarte aus dem 4./5. Jh., Faksimile von Konrad Miller, 1887): Links unten Ivavo und fl. Ivaro, rechts oben Ovilia (d.i. Ovilava, Wels); die Straße führt über Tarnantone (vermutl. Neumarkt a. Wallersee), Laciacis (Mösendorf?), Tergolape (Schwanenstadt). Darunter die Straße in den Lungau; sie führt über Cuculle (Kuchl), Vocario (Pfarrwerfen), Ani (=Anisus?, Altenmarkt i. Pg.).

Bei Ivavo sieht das erste v im Original so aus, als hätte der Schreiber zunächst ein v schreiben wollen (linke Haste schräg), sich dann aber anders entschieden und ein u gemacht (gerundeter Abstrich, rechte Haste nach rechts abgeschwungen). Viell. muss man also Iuavo lesen. (Zweifelsfrei, wie Hainzmann/de Bernardo Stempel S. 55 schreiben, ist das u für mich nicht.)
Quelle: Wikipedia.- Lizenz: Gemeinfrei.- Bearb.: Leicht vergrößerter Ausschnitt, Sättigung reduziert, aufgehellt.
Die beste nahtlose Darstellung der Originalkarte hat der Map Viewer des Webauftritts von Richard J. A. Talbert. Hochaufgelöste Scans (mit etwas flauem Kontrast) finden sich auch auf der Projektseite von Sorin Olteanu. Sehr schön zu sehen ist der Salzburger Raum auf einem Scan der Seite The Roman Roads. Einen noch kleineren Ausschnitt des Gebietes hat der „offizielle Webauftritt“ auf Euratlas. Bei keiner der Abbildungen ist klar, ob und unter welchen Bedingungen man sie nutzen darf.
Nicht mehr missen möchte ich bei Benutzung der Tab. Peut. die Seite Omnes Viae: Römischer Routenplaner.

Die Inschrift für M. Haterius Summus (digital bearbeitet, um den Text halbwegs lesbar zu machen). Fotos mit besser lesbarem Text hat Ubi erat lupa.

Iuvavum, Iuvarus

Keune, Johann Baptist: Art. Iuvavum. Paulys Realencyclop. d. class. Altertumswiss., Bd. X,2 (1919) Sp. 1349–1355. e-Text, Wikisource.
Keune, Johann Baptist: Art. „Ivaro, Ivarus“. Paulys Realencyclop. d. class. Altertumswiss., Bd. IX,2 (?) Sp. 2623. PNG-Bild, Archive.org.
Holder, Alfred: Alt-celtischer Sprachschatz. Bd. 2: I-T.- Leipzig: Teubner, 1904. OPACplus / Bayerische Staatsbibliothek.
Brandenstein, Wilhelm: „Fluß und Stadt“. Corolla Linguistica. Festschrift Ferdinand Sommer.- Wiesbaden, 1955, 5-11 (jetzt in: Kl. namenkundl. Arbeiten, 7-13).
Brandenstein, Wilhelm: „Besprechung Hans Krahe, Die Struktur der alteuropäischen Hydronymie“. Indogerm. Forschungen 68 (1963) 314-317 (jetzt in: Kl. namenkundl. Arbeiten, 28-31).
Lindner, Thomas: „Die Etymologie von Iuvavum und Salzburg“. 125 Jahre Indogermanistik in Graz. Festbd. anläßl. d. 125jährig. Bestehens d. Forschungsrichtg. “Indogermanistik” a. d. Karl-Franzens-Univ. Graz. Hrsg. v. M. Ofitsch u. C. Zinko.- Graz:Leykam, 2000. S. 239-245.
Widmann, Hans: Geschichte Salzburgs. Bd. 1: Bis 1270.- Gotha: Perthes, 1907.
Teilt einige ältere Etymologien mit, zu den vorröm. Namen S. 11, zu Iuvavum S. 15f, zu den bairischen Namen S. 51-53.
Hutter, Clemens M.: Iuvavum. Alltag im röm. Salzburg.- Salzburg: Pustet, 2012.
Ein populärwissenschaftl. Werk, das auch die Etymologie streift.
Grotefend, Karl Ludwig: Epigraphisches. II: Norica.- Hannover: Culemann, 1857. S. 15. Google Books.
Betz, Artur: „Iuvavum oder Vianiomina?“. Festschrift zu Ehren Richard Heuberger's. Hrsg. v. Wilhelm Fischer.- Innsbruck: Wagner, 1960 (Schlern-Schriften, 206) S. 9-12.
Betz, Artur: „Ein verdienter Bürgermeister von Iuvavum“. Jahreshefte d. Österr. Archäolog. Inst. in Wien 43 (1956-58) 52-57. Google Books (durchsuchbar, aber leider nicht zur Gänze einsehbar).
Heger, Norbert: Salzburg in röm. Zeit.- Salzburg, 1974. (Salzburger Museum Carolino Augusteum Jahresschrift 1973 Bd. 19) S. 19f (zum Namen Iuvavum), S. 162f (zu weiteren Namen des zu Iuvavum gehörenden Gebietes).
Leider vergriffen.
Thüry, Günther E.: Das röm. Salzburg. D. antike Stadt u. ihre Geschichte.- Salzburg: Eigenverl. d. Vereins „Freunde d. Salzburger Geschichte“, 2013. (Salzburg Studien Bd. 14) S. 76.
Zu dem Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, noch druckfrisch.
Hainzmann, Manfred; de Bernardo Stempel, Patrizia: „Iuvavus und Verwandte. Überlieferung, linguistische Kommentierung, Gesamtbeurteilung“. Röm. Österr. 34/35 (2011/12) 51-62. Academia.edu.
Forstner, Karl: „Bemerkungen zu den Ambisontern, Alaunern und zu Iuvavum, Iuvavus und Iu(v)arus“. MGSLK 151 (2011) 111-125.

In der Antike hieß die Mozartstadt Iuvavum. Dieser Name hängt vermutl. mit dem vorröm. Namen der Salzach, Iuvavus, Iuvarus zusammen. (Beide Namen auch haplograph. Iva-/Iua- geschrieben, die Stadt auch -aum, beider Endung auch splat. -o.) Einmal (N.A. 0) wird die Salzach auch Igonta genannt. Für die Stadt ist in derselben Zeit auch der Name Petena belegt.

Der älteste Quellenbeleg ist - wahrscheinlich - Plinus d. Ältere. Die Stelle (Plin. nat. 3,146 [Kap. 24]) lautet in der Teubnerausg. v. Karl Mayhoff (Leipzig 1906, der Pliniustext bei Wikisource, bei Lacus Curtius, beim Perseus Project):

A tergo Carnorum et Iapudum, qua se fert magnus Hister, Raetis iunguntur Norici. Im Rücken der Karner (illyr.-kelt. Volk i.d. Dolomiten) und Japuden (Volk nw. v. Dalmatien), wo der große Hister (Unterlauf der Donau) fließt, schließen sich an die Räter (Volk zw. Bodensee u. Unterinntal und südl. davon) die Noriker (kelt. Volk zw. oberem Inn, Donau und Save) an.
oppida eorum Virunum, Celeia, Teurnia, Aguntum, Iuvaum, omnia Claudia, Flavium Solvense. Ihre Städte Virunum (b. Maria Saal in Kärnten), Celeia (Celje in Slowenien), Teurnia (i.d. Nähe v. Spittal a.d. Drau in Kärnten), Aguntum (i.d. Nähe v. Lienz in Osttirol), Iuvavum (sind) alle klaudisch (d.h. haben durch Kaiser Claudius das Stadtrecht erhalten), flavisch (ist) Solvense (Flavia Solva, b. Leibnitz i.d. Steiermark, hat durch Kaiser T. Flavius Vespasianus das Stadtrecht erhalten).
Noricis iunguntur lacus Pelso, deserta Boiorum; iam tamen colonia Divi Claudi Savaria et oppido Scarabantia Iulia habitantur. An die Noriker schließen sich der Plattensee an, (und) die Steppen der Boier (kelt. Volk in der ČR, Slowakei, Ungarn); sie werden aber nunmehr bevölkert durch des vergöttlichten Claudius Kolonie Savaria (Szombathely, dt. Steinamanger) und durch die Stadt Scarabantia Iulia (Sopron, dt. Ödenburg).
Zu Iuvaum teilt Mayhoff folgende Lesarten mit: iuaum, -auum, iuuam, uiuam, iuam, iuua, uiani, uiuana. Die Ausgabe von Jean Hardouin (1685, Google Books) liest Vianiomina, Claudia, (statt Iuvaum, omnia Claudia,), ebenso die Ausgabe von F. Ansart (1828, Archive.org) oder die Ausgabe von Julius Sillig (1851, Archive.org). Claudia wäre dann eine weitere norische Stadt. Ältere Ausgaben wie die von Ermolao Barbaro (1492/93) lesen Viana, Aemonia, so z.B. eine 1525 bei Froben erschienene (bereits von Sigmund Gelen verfertigt?, Google Books) oder die von Johannes Caesarius? (1524, Google Books). Viani(omina) wurde teils mit Fa-vianis (Mautern in NÖ), teils mit Vindobona (Wien, das aber zu Pannonien gehörte) gleichgesetzt. Grotefend konjizierte 1857 die heutige Lesung, der sich seither die meisten Pliniusherausgeber angeschlossen haben. Betz berichtet zudem von einer Handschrift in der Morgan Library, New York, die exakt Grotefends Lesung enthält.

Claudius Ptolemaios nennt (Ptol. geogr. 2,13,3) zwei norische Städte südlich der Donau, aber offenbar nördlich des Tauernkamms: Ἀρελάτη und Κλαυδιούιον (Text in der Ausgabe von K. F. A. Nobbe, Leipzig 1943, Archive.org). Ersteres (auch in der Tab. Peut. Arelate geschrieben) ist Ar(e)lape (h. Pöchlarn) an der Mündung der Erlauf. Ob letzteres wirklich Κλαύδιον Ἰούαον = Claudium Iu(v)aum (also Iuvavum) meint, muss wohl offen bleiben.

Im Itinerarium Antonini, einem Verzeichnis von Straßenverbindungen mit Entfernungsangaben, wohl aus dem 3. Jh., kommt Iuvavum dreimal als eine der Stationen zwischen Lauriacum (h. Lorch) und Pons Aeni (h. Rosenheim) vor (Itin. Anton. 235,2-236,2; 256,5-257,2; 258,4-8; Text nach der Ausgabe von G. Parthey und M. Pinder, Berlin 1848, Archive.org):

Ovilavis mpm XXVI – Laciaco mpm XXXII – Iovavi mpm XXVIII – Bidaio mpm XXXIII – Ponte Aeni mpm XVIII Ovilava (h. Wels) ca. 26 Meilen – Laciacum (viell. Mösendorf bei Vöcklamarkt) ca. 32 M. – Iuvavum (h. Salzburg) ca. 28 M. – Bedaium (h. Seebruck) ca. 33 M. – Pons Aeni (h. Rosenheim) 18 M.
Die Passagen unterscheiden sich nur durch die handschriftl. Varianten für Iuvavum:
235,4: iuuani, iouiana, iouani
256,7: iouani
258,6: ioliaui, iouiani, iouiaui, iuaui, iouani

Eine spätere Erwähnung finden wir bei Eugippius in der Vita Sancti Severini (13,1, Latin Library):

Item iuxta oppidum, quod Iuvao appellabatur, cum quadam die intrantes basilicam aestatis tempore sollemnitatem vespere reddituri ad accendenda luminaria ignem minime repperissent... Desgleichen nahe der Stadt, die Iuvao genannt wurde, als eines Tages die, die zur Sommerszeit die Kirche betraten, um am Abend Gottesdienst zu halten, absolut kein Feuer zum Anzünden der Kerzen fanden...
Es folgt die wunderbare Entzündung einer Kerze durch den Hl. Severin (410-482). Daran schließt sich noch die wunderbare Heilung einer todkranken Frau an. Die basilica (zusammen mit den im Text genannten spiritales „Geistliche“, vor deren Augen das Kerzenwunder geschah) verweist nach Heger (S. 161) auf eine Klosterkirche.

In den B.N. heißt es (0 und 2, 1):

... in loco, qui dicitur Juvavo, quod vulgo dicitur Salzburg, super fluvium Iuvarum... ... an dem Ort, der Juvavum genannt wird, welches in der Landessprache Salzburg genannt wird, am Fluss Juvarus...
Una cum consensu et voluntate ipsius ducis pervenit ad fluvium Juvarum, qui alio nomine dicitur Salzaha, in loco vocato Juvavo. Mit der Zustimmung und dem Willen des Fürsten selbst gelangte er (Bischof Rupert) zum Fluss Juvarus, der mit anderem Namen Salzach geheißen wird, an dem Juvavum genannten Ort.

Von den Inschriften, die Salzburgs lat. Namen nennen, sei die bekannteste angeführt: die Dankinschrift für M. Haterius Summus (EDCS), die 1957 in der Stadt Salzburg im Haus Kaigasse 21 gefunden wurde und der 1. Hälfte d. 2. Jh. zugerechnet wird (Text erstmals publ. in AE 1959,151).

M(arco) Haterio | Luci(i) fil(io) | Claud(ia tribu) Summo | dec(urioni) municipi(i) | Ivavi | II viro iur(e) d(icundo) | plebes oppidan(a) | optimo civi | ob annonam | relevatam Dem Marcus Haterius Summus, Sohn des Lucius, aus dem claudischen Wahlbezirk, dem Ratsherren des Munizipiums Iuvavum, dem Bürgermeister, die städtische Bevölkerung dem besten Bürger für die Herabsetzung der Lebensmittelpreise.
Summus wird von den Fachgelehrten als Cognomen aufgefasst. In einigen nicht-akadem. Übersetzungen (z.B. im Salzburg-Wiki-Art. Marcus Haterius, Stand 25. Jan. 2014) wird es stattdessen als Attribut zu decurioni („dem höchsten Ratsherren“) gezogen. Haterius war duumvir iure dicundo, d.i. einer von jeweils zwei für die Verwaltung und die Rechtsprechung verantwortlichen Magistraten. Er hat in dieser Funktion durch irgendeine Maßnahme (Betz vermutet durch Getreidekauf auf private Kosten) für die Linderung einer Lebensmittelknappheit bzw. wohl für die Herabsetzung der Preise gesorgt. Annona ist Getreide bzw. Lebensmittel im allgemeinen (ursprl. der jährliche – annus – Ertrag), dann ihr Preis, insbes. hoher Preis, d.h. Teuerung, Not. Wichtig ist die Inschrift, weil sie bezeugt, dass Iuvavum ein Munizipium, d.h. eine Stadt mit Selbstverwaltungsrecht war.

2008 wurde bei Grabungsarbeiten am Salzburger Residenzplatz ein Weihealtar für Juppiter und Juvavus (EDCS) gefunden, der ins späte 2. oder frühe 3. Jh. datiert wird und folgende Inschrift trägt (Foto der Inschrift bei Ubi erat lupa):

I(ovi) O(ptimo) M(aximo) | et Iuvavo | [p]ro salute | Mari Aniceti | et negotiationi(s) | eiius Dem besten, größten Juppiter und dem Juvavus, für das Wohl des Marius Anicetus und seines Handelsgeschäfts.
Die Erstbeschreiberin Christa Farka sieht in Iuvavus den Flussgott der Salzach. Forstner hält dafür, dass der Fluss nie Iuvavus geheißen hat (sondern Iuvarus, s.u.) und der Name daher den Stadtgott von Iuvavum bezeichnen muss. Nicht ganz klar ist mir, wie negotiationi zu deuten ist. Ist das fehlende Genetiv-s ein Lapsus des Steinmetzen?

Zur Bedeutung des Namens gibt es verschiedene Erklärungsversuche:

Igonta wird allgemein für eine Verschreibung für *Isonta gehalten. Brandenstein stellt es zu idg. *eis- „schnell bewegen“ (wozu nach Pokorny S. 299f auch gehören: griech. ἱερός „heilig, herrlich, kräftig“ < *isr̥os – aber die Etymol. dieses Wortes ist verwickelt; griech. οἴομαι „glauben, meinen“ < ὀ-ίσ-ι̯ομαι? – aber nach Frisk ist die Herkunft dunkel; lat. īra „Zorn“ < *eisā ) und vergleicht hierzu den ital. Isonzo v. Aesontius. Bezüglich der Zweinamigkeit des Flusses meint Brandenstein: »Isonta ist also der Name des Oberlaufs der Salzach, der den gebirgigen Teil des Landes Salzburg durchfließt; eine wilde Klause grenzt ihn scharf vom Unterlauf ab, der der Fluß einer großen Ebene ist und der einen anderen Namen trug« – nämlich Iuvavus (S. 316).

Forstner hält die Emendation zu *Isonta für unberechtigt. Igonta stammt seiner Ansicht nach aus der alaunischen (alpenkeltischen?) Sprache und bezeichnete wohl den ganzen Flusslauf. Forstner stellt es zu idg. *i̯eg „Eis“ (Pokorny S. 503, vgl. engl. icicle „Eiszapfen“ aus ice + mengl. ikil, ykle, Demin. zu protogerm. *jekô „Eisstück“), mit Suffix -nt, wie es sich z.B. auch in Tuonta, dem alten Namen des Dientenbachs, findet. Dies passe zu einem Fluss, dessen Ursprung in der Gletscherregion der Krimmler Tauern gesehen wurde.


Salzburg auf Philipp Apians Bairischen Landtafeln (1566), in Kupfer gestochen von Peter Weiner (1579), genannt Chorographia Bavariae. Man kann u.a. folgende Namen finden:
linke Hälfte: Sala fl. (Saalach), S. Maxlon (Maxglan), Wals, Gols (Gois), Glan fl., Plain (die Plainburg), Glanegk (Glanegg), auf der Gmain (Großgmain/Bayerisch Gmain), Untersperg, Weispach (Berchtesgadener Ache?); rechte H.: Inperg (Imberg, h. Kapuzinerberg), Elssenhajm (Schloss Elsenheim am Äußeren Stein), Neuhauß (Schloss Neuhaus am Kühberg), Saltzburg, Gläserpach fl. (h. Klausbach), Aign (Aigen), Weier (Leopoldskroner Weiher), Neidegk (?), Freidnsal (Schloss Freisaal), Albm fl. (Almkanal), Morztk (Morzg, unter dem Schriftzug der Tiergarten), Hani[f] (Anif, das f im Druck oder beim Scannen ausgefallen), Weier (Schloss Oberweyer, h. Schloss Anif), Greding (Grödig, mit unetymolog. -ing), Lasseregk (Schloss Lasseregg i. Niederalm), S. Leon. (St. Leonhard), Riff (Rif), Puech (Puch), Urstain (Schloss Urstein bei Puch), Gartnaw (Schloss Gartenau im Knie der Königsseeache), Kaltenperg (Schloss Kahlsperg i. Oberalm), Albm (Oberalm).
Quelle: Chorographia Bavariae bei Google Books (PDF mit S/W-Scans).- Lizenz: Gemeinfrei.- Bearb.: zwei Blätter zusammengefügt, aufgehellt.
Eine wesentlich schönere Version ist die in Holz geschnittene von Jost Amman u. Hieronymus Wolf (koloriert, Ingolstadt 1568) bei d. Bayerischen Staatsbibliothek. Eine nahtlose, zoombare Version gibt es bei bavarikon. Aber in beiden Fällen wieder: ach, das Urheberrecht.

Salzburg und Umgebung in der Generalkarte 1:200.000 der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme (1869-1887), Blatt 31° 48° (Längengrade nach dem Ferro-Meridian).
Quelle: Wikimedia.- Lizenz: Gemeinfrei.- Bearb.: Ausschnitt, verkleinert und geschärft.

Das weißliche Wasser des Almkanals (v. alb- „weiß“) nach zwei regnerischen Tagen im Juli 2014.

Salzburg, Salzach

Wikipedia-Art. Ache

Die heutigen Namen von Stadt und Fluss hängen mit der Bedeutung Salzburgs für den Salzhandel zusammen.

Salz geht auf idg. *sal(d)- zurück, vgl. griech. ἅλ-ς hal-s (Gen. ἁλ-ός hal-ós) u. jünger ἅλας hálas (Gen. ἅλατ-ος hálat-os), lat. sāl, daher it. sale, frz. sel, span. sal; aksl. solь, daher russ. соль sol', tschech. sůl, kroat. sol. In den germ. Formen erscheint das Wort mit d, vgl. got. u. engl. salt, dt. Salz, in den kelt. Formen mit n, vgl. air. salann, mkymr. halen (s. Pokorny S. 878f). Das Wort bedeutet lt. Etymologie-Duden ursprl. soviel wie „schmutzig-grau“ (weil Salz ungereinigt gehandelt wurde); es wäre also identisch mit idg. *sal(u̯o)- „schmutziggrau“ (air. sal „Schmutz“, mhd. sal, -wes „Schmutz“, viell. auch lat. salīva „Speichel“, Pokorny S. 879).
Zu dieser Wurzel gehören zahlreiche dt. Wörter: Sülze („Salzwasser“, Ablautform von Salz), Sole („salzhaltiges Quellwasser“, aus d. Westslaw.), Saline (< lat. salīnae „Salzgrube“), Salat (< it. insalata „eingesalzene [Speise]“), Soße (< frz. sauce < vlat. salsa „gesalzene [Brühe]“), Salami (< it. salame „Salzfleisch, Rohwurst“), Salmiak (< mlat. sal armoniacum „armenisches Salz“), Salpeter (< lat. sal petrae „Felssalz“?).

Burgen und Kastelle wurden häufig zum Ausgangspunkt von Siedlungen, sodass mhd. burc auch „Stadt“ bedeuten konnte, was sich in Städtenamen wie Augsburg, Regensburg, Würzburg und im Wort Bürger spiegelt. Kranzmayer hält Salzburg für eine Schrumpfform aus Salzachburg.

Eine Ache, -ach (manchmal zu -a verkürzt) ist ein nicht schiffbarer Fluss, v. ahd. aha „Fluss, Wasser“ (vgl. got. aƕa „Fluss, Gewässer“, lat. aqua „Wasser“). Davon zu unterscheiden ist ein bair. Kollektivsuffix -ach, wie es sich in Taxach (dem älteren Namen von Taxham, auch ein Ortsteil von Hallein) erhalten hat (vgl. Weidach „Weidengebüsch“, Haslach „Haselstauden“, Lindach, Steinach „steinige Gegend“, Maurach u.ä.); auch in der Form -at, -et (s. Eichet).
Slaw. Herkunft sind hingegen Namen wie Krieglach, Lesach, Zmöllach.

Hall

Steinhauser, Walter: „Was war das "Hall"?“. MGSLK 92 (1952) 147-151.
Brandenstein, Wilhelm: „Le rôle et l'importance du Vieux-Celtique en Autriche“. Ogam 12 (1960) 471 (jetzt in: Kl. namenkundl. Arbeiten, 167).
Stifter, David: „Hallstatt – In eisenzeitlicher Tradition?“. Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeitr. d. 1. Linzer Gespr. zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Hrsg. v. Raimund Karl u. Jutta Leskovar.- Linz, 2005. (Studien z. Kulturgesch. v. Oberösterr., 18). PDF, Oberösterr. Landesmuseum.
Woeste, Fr.: Wörterbuch der westfälischen Mundart.- Norden, Leizpig: Soltau, 1882. s.v. hæl. Archive.org.
Wikipedia-Art. Hall (Ortsname).

Ebenso mit dem Salzbergbau hängt vermutl. der Name Hallein zusammen. Nahm man früher meist an, der (zumeist dem Kelt. zugeschriebene) Namensbestandteil hall (a. in Hallstatt, Bad Hall, Bad Reichenhall), bedeute „Salz“, so werden heute andere Ableitungen diskutiert: etwa von ahd. halda „Abhang“ (davon nhd. Halde, s.u. zu Hallwang) im Sinn von „Bergwerk“ oder von Halle im Sinn von „Salzlagerstätte“. In den Zusammensetzungen ahd. hallhūs „Sudhaus, Saline“, mhd. halgrâve „Salinenvorsteher“, halstat „Salzsiedestätte, Saline“ bezeichnet hal das Salzsieden bzw. seinen Ort (im Tal, nicht den Berg).

Wie das Griech. hal- haben auch die britann. Formen das anlautende s- zu h- verhaucht, doch zeigen sie, wie schon gesagt, ein n im Stamm: kymr. halen, korn. haloin, bret. holen führen zusammen mit air. salann auf protokelt. *salei-no-. Doch ist bei auf das Gall. zurückgehenden Namen anlautendes s- erhalten (Sens < Senones, Seine < Sequana), was zeigt, dass es im Festlandkelt. wohl keine Anlautverhauchung gab.
Einige der Hall-Siedlungen sind erst in germ. Zeit entstanden oder haben erst später den Hall-Namen bekommen. Hallein wird 1198 als muelpach (Mühlbach) erwähnt, erst im 13. Jh. ist hallîn belegt. -lîn ist Demin.-Suffix („kleines Hall“, das große ist Bad Reichenhall), der Name wird also auf der ersten Silbe betont. Eine germ. Etymologie scheint somit wahrscheinlich.

Walter Steinhauser stellt es zu mhd. hel „schwach, matt“ (eigtl. „ausgetrocknet“), hellic „ermüdet, erschöpft“, helligen „ermüden, quälen“ (davon nhd. be-helligen „belästigen“), von idg. *(s)kel- „austrocknen, dörren“ (dazu griech. σκέλλω „trocknen, ausdörren“, σκελετός „ausgetrocknet, Mumie, Skelett“, mhd. schal „trocken, dürr“ > nhd. „fade“), und postuliert dazu mhd. *hëllen „austrocknen, verdorren“ (vgl. asächs. halôian „verbrennen“) – vom Erhitzen der Sole. Hierzu stellt er (und mit ihm Brandenstein) jedoch auch lat. calēre „heiß sein“. Doch dieses stammt v. idg. *k̑el- „warm“ (davon auch nhd. lau). Dies ist ein anderes Etymon; ist nicht gleich k!

David Stifter stellt es zu lat. callēre „eine dicke Haut haben“, nach der Salzkruste, die beim Salzsieden entsteht.


Zweimal Glan an einem Dezembernachmittag 2013, einmal bei Fürstenbrunn, knapp südl. der A10, einmal am Ende des Leopoldskroner Moores, unweit der Bergerhofstraße.

Das Dorf Maxglan auf dem restaurierten Sattlerpanorama (1825-29, Blick vom Mönchsberg): Im Vordergrund das kleine Maximilianskirchlein (vor der großen Erweiterung 1952-56), umgeben von ein paar Bauernhöfen, dahinter Felder. Im kleinen Kreis die Siezenheimer Kirche. Am rechten Rand die Kleßheimer Allee, in der kleinen Ellipse Schloss Kleßheim.
Quelle: Wikipedia.- Lizenz: Gemeinfrei.- Bearb.: leicht vergrößerter Ausschnitt.
Wesentlich besser erkennt man die Verhältnisse auf dem Ausschnitt Maxglan auf der Seite des Museum Carolino Augusteum. Hier gibt es auch sehr interessante Vergleiche von einst und jetzt.

Die Etymologie eines Namens muss auch sachlich stimmig sein: die Jakobus-Kirche von Gois (nach e. Tafel in d. Kirche erstmals erwähnt 1250, Turm u. Altarraum von 1450, renoviert 1975) auf dem namengebenden Hügel (Juni 2013).

Vorrömische/Keltische Namen

Sprachl. Spuren haben die Kelten im Namensgut Salzburgs nicht allzuviele hinterlassen.

Diese Namen wurden von den Römern übernommen und haben daher die Lautprozesse des Lat. mitgemacht (s.u.), z.B. die Lenisierung des /k/ zu /g/: Gnigl < *Glanicula, Morzg < *Mortiacum (darin auch die Spirantisierung des ti vor Vokal zu /tsi/, geschrieben z).

Lateinische Namen

„Die romanischen Ortsnamen im Lande Salzburg. M. Erkl. v. Dr. Ludwig Steub“. MGSLK 21 (1881) 98-101. ÖNB-ANNO.
Enthält einige Klingklangetymologien, die heute als überholt zu betrachten sind.
Dopsch, Heinz: „Grödig im Mittelalter und in der frühen Neuzeit“. Grödig. A.d. Geschichte e. alten Siedlungsraumes am Untersberg.- Grödig: Eigenverl. d. Gemeinde, 1990. S. 37-71.
Nazzi, Gianni; Saidero, Deborah: Friulan dictionary: Friulan-English. PDF.
Wikipedia-Artl. Morzg.

Das lat.-alpenroman. Namensgut ist im Salzburger Becken südlich der Linie Itzling - Taxham - Siezenheim so reichhaltig, dass man von einer Salzburger Romania spricht. Hier hat sich romanischsprachige Bevölkerung wohl bis zur Jahrtausendwende gehalten.

Aus dem vorhandenen Material lassen sich folgende Eigenheiten des Alpenroman. im Salzburger Becken herauslesen:

Um die Zeit der Übernahme eines lat.-roman. Namens zu bestimmen, sind u.a. zwei Fragen von Bedeutung: Hat der Name die hochdt. Lautverschiebung mitgemacht (s. meine Seite Vom Idg. zum Dt.)? Wenn nicht, muss die Übernahme nach ca. 750 erfolgt sein: z.B. Muntigl, nicht Munzigl, aber Kuchl < Cucullae. Und: hat der Name eine Verschiebung des Akzents auf die Stammsilbe erfahren? Wenn ja, muss die Übernahme vor ca. 1050 erfolgt sein: Múntigl < roman. muntíglo. (Das Umgekehrte gilt aber nicht: Endbetonung beweist keine Übernahme nach 1050.)

-ing, -heim & Co.

ORF Science: Ortsnamen mit "-ing" bezeichnen Bewohner.
Ziller, Leopold: Was nicht im Duden steht. Ein Salzbuger Mundart-Wörterbuch.- Salzburg: Selbstverl. d. Ges. f. Sbg. Landeskunde, 1979. (MGSLK, 7. Erg.-Bd.) s.v. Tāxen.
Förstemann, Ernst: Altdeutsches Namenbuch. Bd. 1: Personennamen.- Nordhausen: Ferd. Förstemann, 1856. Google Books.
S.a. meine Seite Altdeutsche Vornamen.
Wikipedia-Art. Taxham, Eugendorf, Elixhausen.

Geradezu ein Leitfossil der Ortsnamenforschung ist -ing, das Zugehörigkeit bezeichnet (vgl. dt. Zwilling, Jüngling), bei Personen Zugehörigkeit zu einer Sippe, einem Siedlungsgründer o.ä. Es wurde dann von den Bewohnern („Leute des ...“) auf den Wohnort („Ansiedlung der Leute des ...“) übertragen (sog. Insassennamen). Wesentlich seltener werden ing-Namen von Appellativen gebildet, die die Örtlichkeit beschreiben (sog. Stellennamen).

Daneben gibt es Ortsnamen, bei denen das -ing erst sekundär entstanden ist, teils aus Kollektiven auf -ach (z.B. Hasling < Haslach), teils aus -ig oder -ich (z.B. urkdl. Greding für Grödig), namentlich bei slaw. Bildungen auf -nik und -ika (z.B. Döbling < *toplika od. toplica); allerdings gibt es im Flachgau keine slaw. Namen.

Auch mit dem geringfügig jüngeren -heim, -ham werden zunächst Insassennamen gebildet. Häufiger als -ing wird es zum Ortsnamenssuffix generalisiert:

Weitere Grundwörter für Flur- und Siedlungsnamen sind:

Dorf
Tal
Berg
Gau „Gegend, Landschaft“
Haus, -hausen
Hof, -hofen
Burg
Wang
ahd. wang „Wiese, Feld, Aue“. Namen auf -wang, -weng sind ein häufiger Typus (Elsenwang, Werfenweng).
Wiese
Feld, -felden
Au
Au bedeutet „Niederung, Flusslandschaft“, hier der Wald entlang der Salzach. Namen auf -au, -feld, -berg u.ä. sind ein weiterer häufiger Typus.
Bach (nach dem Gewässer, an dem eine Flur oder Siedlung liegt)
Reut(h)
Nhd. reuten „mit der Wurzel beseitigen, roden“ (roden ist die niederdt. Lautung), mhd. riuten (auch ruoten, rutten, roten, roden), davon Reut(h), Roid, Reit, Ried „(durch Rodung geschaffenes) Neuland“. Die Form Ried ist manchmal nicht klar zu unterscheiden von „Schilf“ (s.o. Riedenburg).

Patroziniumsnamen

Ziller, Leopold: „Zur Geschichte des Ortsnamens Maxglan“. Maxglan, ein Salzburger Stadtteil. Hrsg. v. Sbg. Bildungswerk Maxglan - Walter Häufler, Guido Müller, Martin Wiedemair.- Salzburg, 1990. S. 15-18.

Landschaft und Vegetation

Nach landschaftl. Gegebenheiten benannt sind z.B.:

Vermischtes, Unklares

Sonstige Berge und Bäche

[Erben, Wilhelm]: „Das älteste Vorkommen des Namens Untersberg“. MGSKL 62 (1922) 25f. ANNO.
[Mayr, Karl Josef]: „Das älteste Vorkommen des Namens Untersberg (Nachtrag)“. MGSKL 62 (1922) 51f. ANNO.
Wikipedia-Art. Untersberg, Abschnitt Name.

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 28. Jan. 2018