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Was ist ein Mager?


Vermutlich waren meine Auslassungen zu den Heiligen Drei Königen und zum Stern von Bethlehem der Grund für Helmut Diedrichs, mich darum zu bitten, dass ich mich mit seinem Aufsatz Die Weisen aus dem Osten und der Stern von Bethlehem (Version 7.9.2020) auseinandersetze. Ich war vor allem überrascht, wie genau H. Diedrichs bzw. seine Quellen zu wissen scheinen, wer diese „Weisen“ waren und woher sie kamen. Ich habe daher begonnen, der Frage nachzugehen, was wir überhaupt über die griech. Magoi wissen, und die einschlägigen Textpassagen zu übersetzen.

Die Weisen vom Morgenland


Maria mit dem Jesusknaben (Mitte), die Weisen aus dem Morgenland. Die Mager tragen anscheinend rund ausgestopfte Phrygische Mützen, ähnlich der, die Dareios auf dem berühmten Alexandermosaik aus Pompeji trägt. Fresko in den Domitilla-Katakomben (2.-4. Jh. n.Chr.), Rom.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Giovanni Battista, 2011.– Lizenz: CC BY-SA 4.0.– Bearbeitung: beschnitten, verkleinert, Gradation bearbeitet, unscharf maskiert.

Die Anbetung der Mager. Die Mager tragen möglicherweise Phrygische Mützen, aber tief in den Nacken gezogen. Relief auf einem römischen Sarkophag (4. Jh.), heute im Museo Pio Cristiano, Vatikan.– Quelle: Wikimedia.– Urheber: Jastrow, 2006.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinert, unscharf maskiert.

Die Weisen aus dem Morgenland, inzwischen avanciert zu den drei Heiligen Balthassar, Melchior und Gaspar, dargestellt als Perser mit enganliegenden gemusterten Hosen und roten Phrygischen Mützen. Mosaik in der Basilica di Sant'Apollinare Nuovo in Ravenna (6. Jh.).

Mt 2,1f heißt es:

1 Τοῦ δὲ Ἰησοῦ γεννηθέντος ἐν Βηθλέεμ τῆς Ἰουδαίας ἐν ἡμέραις Ἡρῴδου τοῦ βασιλέως, ἰδοὺ μάγοι ἀπὸ ἀνατολῶν παρεγένοντο εἰς Ἱεροσόλυμα 2 λέγοντες· 1 Nachdem Jesus geboren worden war in Bethlehem in Judäa in den Tagen des Königs Herodes, siehe: Mager aus dem Osten kamen nach Jerusalem, 2 die sagten:
ποῦ ἐστιν ὁ τεχθεὶς βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων; εἴδομεν γὰρ αὐτοῦ τὸν ἀστέρα ἐν τῇ ἀνατολῇ καὶ ἤλθομεν προσκυνῆσαι αὐτῷ. Wo ist der (neu)geborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten [od. beim Aufgang] gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.

Luther gibt Mager aus dem Osten in der Ausgabe letzter Hand wieder mit „die Weisen vom Morgenland“ und erklärt in der Fußnote: „Die S. Mattheus Magos nennet / sind Naturkündige vnd Priester gewesen“. Ohne Artikel hat es die Elberfelder 2001: „Weise vom Morgenland“. Ähnlich übersetzt die King James „wise men from the east“. Gute Nachricht 1992 und Einheitsübersetzung 2006 haben „Sterndeuter aus dem Osten“. Die Volxbibel Version 3.0 hat „so Astrologen aus Vorderasien“. Weise? Naturkündige? So Astrologen?

Das Wörterbuch

Das Greek-English Lexicon von Lidell/Scott/Jones (9. Aufl. 1940) unter dem Stichwort Μάγος unterscheidet drei Bedeutungen:

  1. Angehöriger eines medischen Stammes
  2. einer der Priester und weisen Männer in Persien, die Träume deuteten
  3. Beschwörer, Zauberer, bes. in negativem Sinn, Hochstapler, Scharlatan

Die erste Bedeutung kommt in der urchristlichen Literatur nicht vor; das Wörterbuch zum Neuen Testament von Walter Bauer (5. Aufl. 1958) kennt daher nur die zweite und dritte Bedeutung, die es mit „Magier“ bzw. „Zauberer, Gaukler“ wiedergibt.

Ähnlich das Griechisch-deutsche Handwörterbuch von Wilhelm Pape (3. Aufl. 1914) s.v. μάγος: „so hießen die Priester u. Weisen der Perser, die sich auf Astrologie, Traumdeuterei u. andere geheime, zauberische Künste verstanden […] Dah. übh. Zauberer, Gaukler, Betrüger, als Scheltwort“.

A. D. Nock bietet anlässlich der Erzählung vom Mager Bar-Jesus/Elymas in Apg 13 eine ausführliche Darlegung der Wortgeschichte und fasst die Bedeutung des Wortes so zusammen: „it can mean one of two things: (1) a Persian fire-priest; (2) a magician or quack“ (S. 164; quack bedeutet „Quacksalber, Scharlatan“). Das ist, wie sich zeigen wird, ein bisschen kurz gegriffen, aber im Kern richtig.

Ich habe im folgenden die Stellenbelege der drei genannten Wörterbücher übersetzt. Darüber hinaus habe ich Quellenverweise aus dem Aufsatz von A. D. Nock ausgewertet. Nicht im Blick sind die Stellen der Kirchenväterliteratur, die über die Mager aus dem Osten handeln. Ich habe mich bemüht, ziemlich wörtlich zu übersetzen, was eine hölzerne Sprache zur Folge hat. Daher biete ich fast überall Links zu dt. oder engl. Übersetzungen, die zu konsultieren ich empfehle. Ich schreibe in meinen Übersetzungen immer Mager (nicht Magier!) und gebe meist im jeweils anschließenden Kommentar eine Beurteilung.

Zum Μάγος mágos gibt es die Adjektive μαγικός magikós „magisch, die Mager betreffend, in Magie bewandt“, das Verbum μαγεύω mageúō „als Mager auftreten, Magie treiben, bezaubern“, das Substantiv μαγεία mageía „Magie, Zauberei“ u.a.m. Doch würde eine Untersuchung der ganzen Wortfamilie den hier gesetzten Rahmen sprengen. Nur vereinzelt sind daher Stellen mit einem dieser Wörter berücksichtigt.

Das folgende ist eine durchaus langatmige und detailbefrachtete Übersetzung aller möglichen Texte. Wer sich die Details ersparen möchte, dem empfehle ich, noch die Zusammenfassung der Bedeutungsmöglichkeiten des griech. Wortes zu lesen und die Schlussfolgerung zu den Magern in Mt 2.

Ein bisschen Off-topic, aber weil wir schon dabei sind: die dt. und engl. Wörter zu diesem Thema, soweit sie nicht von griech. mágos/mageía abgeleitet sind:

Persische Quellen

Die wichtigste persische Quelle zu diesem Thema ist das Awesta, die heilige Schrift des Zoroastrismus. Dieses besteht wie die Bibel aus unterschiedlichen Schriften. Ich zitiere vor allem aus:

dem Yasna
(awest. yasna- „Verehrung, Gebet, Gottesdienst“, Abk. Y.),
einer Sammlung liturgischer Texte;
dem Vendīdād
(oder Vīdēvdāt, < awest. vī-daēva-dāta „Gesetz gegen die Daēva“, Daēva sind falsche Götter, Dämonen, Abk. V.),
das neben einigen Sagen vor allem gesetzliche Bestimmungen enthält;
den Yašts
(mpers. yašt „Verehrung“ < awest. yaz- „verehren“, Abk. Yt.),
einer Sammlung von Hymnen an verschiedene Gottheiten.

Behistun-Inschrift


Der Mager Gaumata wird von Dareios zu Boden getreten. Detail aus dem Relief der Behistun-Inschrift.– Quelle: Wikimedia.– Urheber: Leen van Dorp, 2019.– Lizenz: CC0 1.0 (gemeinfrei).– Bearbeitung: beschnitten, Gradation bearbeitet, verkleinert, unscharf maskiert.

Meder (mit abgerundeten Tiaren) und Perser (mit kronenartigen Kopf­bedeckungen), die Perser haben Bogenfutterale umgehängt. Relief an der Oststiege des Apadana (Säulensaal des Palastes) in Persepolis.– Quelle: Wikimedia.– Urheber: Bontenbal, 2011.– Lizenz: GFDL 1.2, CC BY-SA 3.0.– Bearbeitung: perspektivisch entzerrt, beschnitten, Gradation bearbeitet, verkleinert, unscharf maskiert.

Das griech. μάγος mágos stammt zweifellos vom apers. maguš (Bartholomae s.v. magav- Sp. 1111), das bisher anscheinend nur in der Inschrift von Behistun (Bīsotūn) belegt ist. Diese Inschrift wurde vom persischen König Dareios I. (reg. 522-486 v.Chr.) errichtet (daher Kürzel DB = Dareios Behistun). Das Wort maguš kommt dort mehrmals im Zusammenhang mit der Rebellion des Magers Gaumata vor. Diese wird folgendermaßen beschrieben (DB I,35-58 = § 11-13):

35 […] θātiy Dārayavauš xšayaθiya: pa- 36 [-sāva] I martiya Maguš āha Gaumāta nāma, hauv udapatatā hačā Paiši- 37 [-yā]uvādāyā, Arakadriš nāma kaufa, hačā avadaša, Viyaxnahya māh- 38 [-yā] XIV raučabiš θakatā āha, yadiy udapatatā König Dareios verkündet: Dann war ein (einzelner) Mann, ein Mager namens Gaumata; der lehnte sich von Paišiyauvada aus auf, ein Berg namens Arakadri, von dort; vom Monat Viyaxna waren 14 Tage vergangen, als er sich auflehnte.
hauv kārahyā avaθā 39 [a]duruǰiya: adam Bardiya amiy, hya Kūrauš puθʳa, Ka(m)buǰiyahyā br- 40 [-ā]tā, pasāva kāra haruva hamiθʳiya abava hacā Kam(b)ūǰiyā, abiy avam 41 [a]šiyava, utā Pārsa utā Māda utā aniyā dahyāva, xšaθʳam hauv 42 agarbāyatā […] Der belog das Volk folgendermaßen: Ich bin Bardiya, der Sohn des Kyros, Bruder des Kambyses. Da wurde das ganze Volk dem Kambyses abtrünnig, zu jenem lief es über, sowohl Persien als auch Medien als auch die anderen Provinzen. Die Herrschaft riss jener an sich. […]
43 […] θātiy 44 Dārayavauš xšayaθiya: aita xšaθʳam, tya Gaumāta hya Maguš adin- 45 K(a)mbuǰiyam, aita xšaθʳam hačā paruviyata amāxam taumāyā ā- 46 -ha, pasāva Gaumāta hya Maguš adinā Ka(m)buǰiyam utā Pārsam utā 47 Mādam utā aniyā dahyāva, hauv āyasatā, uvāipašiyam akutā, hau- 48 -v xšāyaθiya abava […] König Dareios verkündet: Diese Herrschaft, welche Gaumata, der Mager, dem Kambyses entzog, diese Herrschaft gehörte von Alters her unserem Geschlecht. Dann entzog Gaumata, der Mager, dem Kambyses sowohl Persien als auch Medien als auch die anderen Provinzen. Jener brachte (sie) an sich, zum Eigentum machte er (sie) sich, jener wurde König.
θātiy Dārayavauš xšayaθiya: naiy āha martiya 49 naiy Pārsa naiy Māda naiy amāxam taumāyā kaščiy, hya avam Gau- 50 -mātam tyam Magum xšaθʳam dītam čaxriyā […] König Dareios verkündet: Es gab keinen Mann, weder Perser noch Meder noch jemand von unserem Geschlecht, der jenem Gaumata, dem Mager, die Herrschaft entziehen mochte [wörtl: den Mager um die Herrschaft gebracht machen mochte]. […]
53 […] kašči naiy adaršnauš čiščiy θastana- 54 -iy pariy Gaumātam tyam Magum, yātā adam ārasam, pasāva adam Aura- 55 -maz[d]ām patiyāvahyaiy, Auramazdā-maiy upastām abara, Bāgayādaiš 56 māhyā X raučabiš θakatā āha, avaθā adam hadā kamnaibiš martiyaibi- 57 avam Gaumātam tyam Magum avāǰanam utā tyai-šaiy fratamā mar- 58 -tiyā anušiyā āha(n)tā […] Niemand wagte, etwas zu äußern über Gaumata, den Mager, bis ich kam. Dann bat ich Ahuramazda um Hilfe. Ahuramazda brachte mir Hilfe. Vom Monat Bagayadi waren 10 Tage vergangen, da tötete ich mit wenigen Männern jenen Gaumata, den Mager, und die seine größten Anhänger waren.

Die Rechtschreibung des persischen Textes ist eine Mischung aus King/Thompson, Schmitt, Kent und Bartholomae. Insbes. schreibe ich č, ǰ, θʳ, -iy, wo Schmitt c, j, ç, -i hat. Die Segmentierung des Satzes Z. 37f ist unklar, die Interpunktion folgt Schmitts Vorschlag. Wir kennen weder den Ort (oder die Region) noch den Berg, wo die Rebellion ihren Ausgang nahm.

Und so heißt es noch einige Male stereotyp „Gaumata, der Mager“, ohne dass dadurch für uns klar würde, was ein Mager ist. Nach Kent bedeutet das Wort „member of a priestly order of Media […] Uncertain material on meaning and etymology“. In der Anmerkung zu I,36 verweist Schmitt darauf, dass Gaumata in der babylon. Textfassung als Meder bezeichnet wird. Doch kann ich einen solchen Text in der Ausgabe von King/Thompson nicht finden. (Voigtlanders Ausgabe des babylon. Textes war mir nicht zugänglich.) Unstreitig ist, dass Gaumata sich in eine medische Festung zurückzog, wo er von Dareios besiegt wurde.

In der Inschrift erweist sich Dareios als Mazdayasnier (mazda-yasna- „der den Mazdāh verehrt, anbetet; Anhänger der Mazdāh-Religion“, Barth. Sp. 1160), d.h. als Verehrer des Himmelsgottes Ahuramazda, als dessen irdischen Repräsentanten der König sich sieht. Die Beziehung zu den Göttern war in der Antike immer auch Herrschaftslegitimation. Aber sind er und die anderen Achaimeniden Zoroastrier? Diese Frage wird von der Forschung ganz verschieden beurteilt. Nyberg verneint die Frage, er findet, dass es den achaimenidischen Inschriften an typisch zoroastrischer Terminologie fehlt. Doch könnte es sein, dass diese Terminologie erst in den post-achaimenidischen Jahrhunderten entstanden ist. Anders sieht das z.B. Skjærvø, der im Kampf des Dareios gegen drauga (Barth. Sp. 768) „Lug, Falschheit“ (z.B. DB I,34f; IV,33-40) durchaus zoroastrisches Denken ausgedrückt findet. (Doch versteht Dareios darunter keine moralische Kategorie, sondern Rebellion gegen seine Herrschaft.) Nyberg verweist auch darauf, dass die zoroastrische Tradition keinerlei Erinnerung an die Achaimenidenkönige enthält. Der Anhänger und Beschützer Zarathustras, der Naotaride Vištāspa (Yt. 5,98), der Sohn des Aurvat-aspa (Yt. 5,105), ist wohl kaum identisch mit dem Achaimeniden Hystaspes, dem Sohn des Arsames (pers. Aršāma) und Vater des Dareios.

Die Historizität Zarathustras wird von kaum jemandem bestritten. Doch wann und wo er gelebt hat, ist völlig ungewiss. Die Datierungen schwanken zwischen 1500 und 500 v.Chr.

Awesta


Zwei goldene Statuetten persischer Priester, mutmaßlich aus achaimenidischer Zeit, aus dem sog. Oxus-Schatz (vermutlich von einem Tempel in Baktrien). Was sie in Händen halten, ist ein Zweigbündel, awest. barəsman (Barth. Sp. 947f), Pahlavi barsm genannt.– Quelle: Wikimedia.– Urheber: Nickmard Khoey, 2008.– Lizenz: CC BY-SA 2.0.– Bearbeitung: Hintergrund retouchiert, verkleinert, beschnitten, unscharf maskiert.

Im Awesta kommt das Wort nur einmal als Teil des Kompositums moγu.t̰biš (Barth. Sp. 1176: „der die Magier, die Angehörigen des magischen Stammes, aus dem die Priester hervorgehen, befeindet“) in Yasna 65 vor. Y. 65 ist ein Gebet an die Wassergöttin Arədvī sūra anāhita. Eigentlich ist arədvī der Eigenname (der etwa soviel wie „Feuchtigkeit“ bedeutet), sūra „stark, gewaltig“ und an-āhita „makellos, unbefleckt“ sind Epitheta; doch ist letzteres zum Namen der Göttin im Griech. geworden: Ἀναῗτις Anaḯtis. In der 7. Strophe heißt es:

āpō […] haši.t̰biše, moγu.t̰biše, varəzānō.t̰biše […] frāδāiti gebt uns, (ihr) Wasser, nicht preis […] dem, der den Genossen feind ist, nicht dem, der den Magern feind ist, nicht dem, der den Gemeindeangehörigen feind ist […]

So nach Bartholomae s.v. frā-δāiti (Sp. 1015); Mills (S. 318) versteht: „Let not our waters be […] for the offender of a friend, not for an insulter of a Magian nor for one who harms the workmen […]“.

Bei der Datierung religiöser Texte begibt man sich in das Minenfeld des Konflikts mit religiösen Traditionen über die Entstehung der Texte. Doch ist die Sprache von Y. 65 m. E. jünger als das Altpers. der Achaimenidenzeit. Das Awesta wurde in der Sassanidenzeit verschriftet und kanonisiert. Natürlich greift der Yasna auf lange mündliche Traditionen zurück. Aber darüber, wie alt diese sind, lässt sich nichts Verlässliches sagen. Meines Erachtens ist die Inschrift von Behistun älter als der sog. Jüngere Yasna. Aber ich bin kein Iranologe.

Es ist unklar, welche Bedeutung das pers. maguš genau hat. Kents Angabe ist aus dem Griech. herübergenommen.

Ob das Wort mit gathisch maga- (Barth. Sp. 1109) „Bund“ (d.h. die zoroastrische Religionsgemeinschaft), Adj. dazu magavan- (Barth. Sp. 1111) „zum Bund gehörend“, zusammenhängt, ist ganz unklar. Gesenius16 (S. 395b) erwägt Herkunft von ass. maḫḫû (Delitzsch S. 397b) (Gesenius: „Bez. f. einen Priester“, Delitzsch: „Prophet, Wahrsager“, CAD: „ecstatic“). Pokorny (S. 695) stellt es zur idg. Wurzel *magh- „können, vermögen, helfen“, zu der z.B. auch nhd. Macht und (ich) ver-mag „kann“ gehören. Der Wiktionary-Artikel 𐎶𐎦𐎢𐏁 sagt lediglich, es sei ein med. Lehnwort (aber von welcher Wurzel?). Die ursprüngliche Bedeutung ist umstritten. Der Titel רַב־מָג rab-māg (Gesenius16 S. 395b) des chaldäischen Heerführers Nergal Sar-Ezer in Jer 39,3.13 dürfte mit den Magoi nichts zu tun haben.

Die Inschriften Kartirs


Hoherpriester Kartir, Relief in Naqš-e Raǧab.–
Quelle: Wikimedia.– Urheber: درفش کاویانی, 2014 (Darafš Kawiyani).– Lizenz: GFDL, CC BY 3.0.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt, Kontrast erhöht, nachgeschärft.

Kartir war ein persischer Priester, der Hofpriester Schapurs I. (reg. 240-270) wurde und zum obersten Priester im Sassanidenreich aufstieg. Er wurde in den Adelsstand erhoben und erhielt sogar das Recht, Inschriften aufzustellen. Er gilt als Reformator des Zoroastrismus und Begründer der zoroastrischen Orthodoxie. Von den vier erhaltenen Inschriften sind drei inhaltlich recht ähnlich, sie beschreiben Kartirs Loyalität zum Königshaus (auch unter Schapurs Nachfolgern), seinen Einsatz für die Religion und seinen Aufstieg zum zoroastrischen Hohenpriester. Im folgenden sind die ersten zwei Zeilen aus der Inschrift an dem Kaʿba-ye Zartušt „Kaaba des Zarathustra“ genannten Turm wiedergegeben.

Das Mittelpers. wird in einer vom aram. Alphabet abgeleiteten Schrift geschrieben, die viele Laute nicht unterscheidet. Ob L oder R, B oder W, P oder F, ist nur im Kontext zu sagen. Viele Wörter werden mit Aramäogrammen geschrieben (die in Transskriptionen überlicherweise in Großbuchstaben gesetzt sind), eine Praxis, die unter der Bezeichnung Huzwāreš bekannt ist. Dadurch ist es manchmal unklar, wie das Wort in sassanidischer Zeit ausgesprochen wurde (z.B. ʾNH ~ aram. אֲנָא/אֲנָה, parth. ʾz, mutmaßliche Aussprache az). Außerdem gibt die Schreibung einen viel älteren Lautstand wieder, ähnlich wie im Engl. bei light, daughter, Worcester, halfpenny usw.

Der Text ist eine vereinfachte Form der etwas eigenwilligen Transliteration von Sprenglings Ausgabe, die aber dankenswerterweise auf Archive.org verfügbar ist. Leider sind die Standardausgaben allesamt im Netz nicht erreichbar. Die Lemmata, die beim Überfahren mit der Maus angezeigt werden, sind nach MacKenzies Pahlavi-Wörterbuch gegeben, das wunderbarerweise aus dem Netz heruntergeladen werden kann. Nybergs Manual of Pahlavi ist leider nur über Schattenbibliotheken erhältlich.

(1) WʾNH Krtyr ZY mgwpt yzdan WŠhpwhry MLKʾn MLKʾ hwprstay Whwkamky HWYTNn apm PWN ZK spasy ZYm PWN yzdan WŠhpwxry MLKʾn MLKʾ krty HWYTNt ZKm W? (erased) ʿBYDWN Šhpwhry MLKʾn MLKʾ PWN krtkan ZY yzdan PWN BBʾ Wštry ʿL štry gyvak ʿL gyvak hamštry PWN mgwstn kamkaly Wpatxšay Und ich, Kartir, der Obermager, bin den Göttern und Schapur, dem König der Könige gut dienend und gutwillig [loyal] gewesen; und (ich), für diesen Dienst, den ich für die Götter und Schapur, den König der Könige, geleistet habe, machte meine Stellung [wörtl. dieses meine] Schapur, der König der Könige, für die Gottesdienste im Palast und von Land zu Land (und) von Ort zu Ort, (im) ganzen Land, in der Magerschaft, unabhängig und bevollmächtigt.
WPWN plman ZY Šhpwhry (2) MLKʾn MLKʾ Wprwrty (or pwšty?) ZY yzdan WMLKʾn MLKʾ štry ʿL štry gyvak ʿL gyvak KBYR krtkan yzdan apzadyhy WKBYR atwry ZY Wrhran YTYBWNd WKBYR mgwGBRʾ ʾwrwaxmy Wptyxwy YHWWNt WKBYR atwran Wmgwny patxštry XTYMWNd Wʾwhwrmzdy Wyzdan LBʾ swty YHMTWN WAhrmny WŠDYʾ(a?)n LBʾ mhykary YHWWNt Auf Befehl (2) Schapurs, des Königs der Könige, und (mit) Unterstützung der Götter und des Königs der Könige wurden von Land zu Land (und) von Ort zu Ort, viele Gottesdienste wurden vermehrt und viele Wahram-Feuer [=höchster Grad der Sakralität] wurden eingerichtet, und viele Mager-Männer wurden glücklich und gedeihend, und (für) viele Feuer und Mager wurde ein königlicher Erlass gesiegelt. Und Ahuramazda und die Götter erlangten großen Nutzen, und Ahriman und den Daevas wurde großer Schaden (zuteil).

Sprenglings afzādīh („in abundance, sumptuousness, magnificence“, S. 56) finde ich in keinem Wörterbuch. Doch hat auch avesta.org es so übersetzt („in magnificence“). Boyces Übersetzung versteht es offenbar als Form von abzūdan („were multiplied“), dem habe ich mich angeschlossen.

Das mpers. mgwpt (magu-pat, wörtlich wohl „Mager-Aufseher“, vgl. awest. paiti- [Barth. Sp. 827] „Bewacher“) bedeutet hier „Obermager, Oberpriester“; die tatsächliche Lautung war nach MacKenzie vermutlich mowbed. Daraus wurde npers. موبد mōbad, die moderne Bezeichnung für einen zoroastrischen Priester.
Die Form mgwny versteht Nyberg als magūnē, d.i. Pl. rectus und obliquus von magū. So hat es offenbar auch Sprengling aufgefasst. Der Unterschied zwischen einem magu-mart „Mager-Mann“ und einem magū „Mager“ besteht nach Sprenglings Einschätzung darin, dass ersterer – in katholischer Terminologie – für „Hochämter“ („high masses“) zuständig war, letzter für „Lesemessen“ („low masses“). Boyce übersetzt mgwny hingegen mit „priestly *colleges“ (also Schulen zur Ausbildung von Magern), kennzeichnet das aber durch einen Asterisk als unsicher.
Ob mgwstn wirklich magu-stān, wörtl. „Mager-Land“, hier wohl eher „Magerschaft“, bedeuten kann, weiß ich nicht. Das Suffix -(e/i)stān wird normalerweise -stʾn geschrieben. Ein solches Wort ist auch nicht in Maciuszaks Aufsatz enthalten.
Aber unzweifelhaft bedeutete mgw (magū-, mow-, moγ-) in sassanidischer Zeit als Simplex und in Komposita „zoroastrischer Priester“.

Kartir wird auch in der Paikuli-Inschrift genannt. Diese zweisprachige (parthisch und mittelpersisch) Inschrift berichtet vom Sturz des sassanidischen Königs Bahram III. durch seinen Großonkel Narseh, jüngster Sohn Schapurs I. im Jahr 293 n.Chr. In der Aufzählung der Adligen, die Narseh unterstützten, wird auch genannt: W krtyr ʾhwrmzd mgw[pty] „und Kartir, der Magu[pat] des Ahuramazda“ (§32, Z. 14 des parth. Textes). Kartir stand zu diesem Zeitpunkt allerdings am Ende seiner Karriere.

Elami(ti)sche Quellen


Ausschnitt aus der Karte Persian Empire about 500 B.C.
Quelle: University of Texas Libraries, Perry-Castañeda Library Map Collection.– Urheber: William R. Shepherd, The Historical Atlas, 1923.– Lizenz: vermutlich gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt, Beschriftungen eingefärbt.

Warum es sich eingebürgert hat, dass die Iranisten Elamer/elamisch sagen statt Elamiter/elamitisch, weiß ich nicht. Für mich hört es sich so falsch an wie Kanaaner/kanaanisch, Edomer/edomisch, Moaber/moabisch. Vielleicht hat Sumerer/sumerisch sprachlich Pate gestanden.

In 1930er Jahren wurden bei den Ausgrabungen des Palastes von Persepolis im Schutt der Terrassen-Umwallung etliche tausend Keilschrifttäfelchen oder Fragmente davon in elamischer Sprache gefunden. Es handelt sich um Akten und Dokumente der achaimenidischen Verwaltung des persischen Kernlandes aus der Zeit des Königs Dareios. Denn diese Verwaltung geschah bis in die Mitte des 5. Jh. in elamischer Sprache. Unter diesen sog. fortification tablets („Walltäfelchen“) sind auch welche, in denen die Zuteilung von Getreide, Mehl, Wein, Bier und Früchten zu Kulthandlungen verzeichnet ist.

Es sollte an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass wir viele elam. Wörter (noch) nicht genau verstehen. Nur wo das Elamische in einem mehrsprachigen Text wie z.B. der Behistun-Inschrift auftaucht, sind die Wortbedeutungen einigermaßen gesichert.

In der Gruppe K1 der Ausgabe der Täfelchen von Hallock ist der am häufigsten genannte Zweck die Zuteilung an elam. lan, geschrieben d.la-an (Hinz/Koch II S. 802). Das Determinativ verweist auf eine Kulthandlung, das Wort bedeutet vielleicht „(göttliche) Gegenwart = religiöser Kult“. Wir wissen nicht, worum es sich dabei handelt. Es ist keine Gottheit genannt, für die die Kulthandlung bestimmt ist. Da aber die Zuteilung einmal als „Ration des Königs“ bezeichnet wird (PF 753) und der König ja ein Mazdayasnier ist, schließt Koch, es handle sich immer um ein Opfer für Ahuramazda. Razmjou hingegen schließt aus dem Umstand, dass die Kulthandlung nicht mit einem pers. Lehnwort, sondern mit einem elam. Wort bezeichnet ist, dass es sich um einen elamischen Kult handeln müsse; vielleicht gehe es dabei in der Regel gar nicht um eine Handlung, die eine bestimmte Gottheit betreffe. Öfter ist vom „dauša des Lan“ die Rede (da-u-šá-um, Hinz/Koch I S. 302), was Hallock mit „Trankopfer“ wiedergibt, Hinz/Koch aber nur mit „Opferspende“ (PF 757-760, 763, 764). In einigen Täfelchen wird „tamšiyam des Lan“ genannt (tam5-ši-ya-um, Hinz/Koch I S. 280), was aber nach Hinz/Koch im Grunde dasselbe pers. Wort ist (PF 761, 762, 765).

Die Empfänger der Zuteilung werden zumeist nur mit Namen genannt. Unter den Titeln, die gelegentlich dem Empfängernamen beigestellt sind, sind:

Manchmal trägt der Empfänger auch zwei dieser Titel. Da makuš auch im elamischen Text der Behistun-Inschrift vorkommt, ist gesichert, dass es sich um das pers. maguš handelt. Der Kontext legt nahe, in ihm einen Angehörigen des Kultpersonals zu sehen.

Im folgenden sind zwei Täfelchen nach der Ausgabe von Hallock wiedergegeben (PF 769, S. 229 und PF 757, S. 226f). Ich habe bei der Übersetzung die von Hallock vermutete elam. Lautung der eigentlich pers. Eigen- und Ortsnamen übernommen.

12 w.pi-ut kur-min m.Na-ri-e-iz-za-na m.Pir-ša-mar-da hi-še m.Ma-ku-iš du-ša da-u-ša-um d.la-an-na h.Na-ri-e-za-iš 12 (bar, d.i. ca. 116,4 l) Feigen, ausgehändigt von Narezza, der Mager namens Piršamarda hat (sie) erhalten (als/zur) dauša (Trankopfer?) der lan-Zeremonie (von/in) Narezzas.
Rückseite: h.be-ul 24-um-me-man-na Rückseite: 24. Jahr

Die Einheit zur Menge 12 ist nicht genannt, aber aus dem Vergleich mit ähnlichen Täfelchen kann man schließen, dass bar gemeint sind (1 bar = 10 qa, 1 qa ~ 0,97 l). 12 bar ~ 116,4 l, das entspricht einem Würfel mit ca. 49 cm Kantenlänge. Zufällig heißen der ausgebende Beamte und der Ort, wo das Lan stattfinden soll, fast gleich. Da Feigen kein Getränk sind, kann dauša nicht buchstäblich „Trankopfer“ heißen. Aber was passiert mit den Feigen? Werden sie verbrannt? Oder gegessen? Oder macht man ein Getränk daraus? Dann wäre „Trankopfer“ schon möglich.

12 mar-ri-iš W.GEŠTIN.lg kur-min m.Par-ni-iz-za-na m.Kur-ka hi-še m.Ma-ku-iš d.la-an li-ri-ra h.Mar-sa-iš-kaš da-u-ša-um d.la-an-na du-iš 12 marriš (ca. 116,4 l) Wein, ausgehändigt von Parnizza, der Mager namens Kurka, der Lan-Durchführende (in) Marsaškaš, hat (ihn) (als/zur) dauša (Trankopfer?) der lan-Zeremonie erhalten.
Rückseite: d.ITU.lg d.Ka-ir-ba-ši-ya-ik-ki-mar ku-iš d.ITU.lg d.Tur-na-ba-zi-iš PAP 12 d.ITU.lg-na be-ul 17-na Rückseite: Vom Monat Karbašiyaš bis zum Monat Turnabaziš, insgesamt 12 Monate, (im) 17. Jahr.

Die über 100 l Wein sind also die Zuteilung für ein ganzes Jahr für eine bestimmte Kultstätte, rund 10 l pro Monat. Die Jahreszahlen beziehen sich offenbar auf die Regierungsjahre des Dareios.

In der Gruppe E sind etliche Zuteilungen an bestimmte Gottheiten wie Ahuramazda, Mišduši, Šimut, Humban (elam. Gott), Adad (akkad. Wettergott), d.mi-iš-še-ba-qa (= pers. visai bagā) „alle Götter“, d.na-pír ir-šá-ir-ra „der große Gott“, und verschiedene Flussgottheiten. Hier ist in einigen Texten der Empfänger ein elam. šatin (šá-tin, Hinz/Koch II S. 1142, auch d.šá-tan) „Priester“. Worin der Unterschied zum makuš besteht, wissen wir wiederum nicht.

Der Mager der elam. Texte gehörte wohl zum Kultpersonal, er hat irgendeine Form von religiöser Zeremonie durchgeführt. Ob er schon ein zoroastrischer Priester war wie in sassanidischer Zeit, ist nicht zu sagen. Dass es bereits in dieser Zeit einen „Feuerschürer“ gab, wie er später im Awesta genannt wird, könnte ein Hinweis auf Zoroastrismus sein. Andererseits brauchte man auch für Brandopfer anderer Kulte jemand, der sich um das Feuer kümmerte.

Griechische Quellen


Persisches Opfer. Relief aus dem antiken Daskyleion. Bild eingebunden von der Webseite der Archäologischen Abteilung der Universität von Nevşehir, das die Stele als Mezar Steli „Grabstele“ ausweist. (Nach anderen ist es eine Votivstele.)
Theodor Makridi beschreibt die zwei Gestalten im Relief so: „Sie stehen, genau im Profil von links; sie tragen persische Tracht: kurzärmelige Tuniken, gehalten von einem Gürtel, dessen Enden herabhängen, Hosen (anaxyrides) und ein über die Schultern geworfener Mantel (kandys). Sie sind mit einer Tiara bedeckt, deren Binden sie gemäß dem Ritual über den Mund und die Nasenspitze gelegt haben. Derjenige in der ersten Ebene, der Mager, trägt einen langen Bart, dessen wellige Strähnen auf die Brust hinabreichen. Seine Haare sind gelockt. Der andere, jüngere, ist bartlos. Seine glatten Haare sind von hinten nach vorn auf der Stirn gekämmt.“ (Macridy[-Bey], Th[eodore]: „Reliefs gréco-perses de la région de Dascylion“, Bulletin de Correspondance Hellénique 37 (1913), S. 350) S.a. Cumont, Franz: Die orientalischen Religionen im römischen Heidentum. Nach d. 4. frz. Aufl. […]. 3. Aufl.– Leipzig, Berlin: Teubner, 1931. S. 133, Fußn. 29 (S. 282) u. Tafel V, Abb. 5.

Heraklit

Der älteste griech. Text, in dem die Magoi genannt werden, stammt von Heraklit (6./5. Jh.), einem Zeitgenossen der Perserkriege (frg. B14 Diels, überliefert in Clem. Protr. 22):

τίσι δὴ μαντεύεται Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος; »νυκτιπόλοις, Μάγοις, βάκχοις, λήναις, μύσταις·« τούτοις ἀπειλεῖ τὰ μετὰ θάνατον, τούτοις μαντεύεται τὸ πῦρ· »τὰ γὰρ νομιζόμενα κατ’ ἀνθρώπους μυστήρια ἀνιερωστὶ μυεῦνται.« Welchen nun weissagt Heraklit aus Ephesos? „Nachtschwärmern, Magern, Bakchanten, Bakchantinnen, Mysten [in Mysterienkulte Eingeweihte].“ Diesen droht er die Dinge nach dem Tod an, diesen weissagt er das Feuer; „denn in unheiliger Weise wird in das, was bei Menschen als Mysterien gilt, eingeweiht.“

Heraklit kritisiert die religiösen Praktiken der Geheimkulte, der Anhänger des Dionysoskultes, der Mager und sonstiger Ausüber nächtlicher Riten. Man könnte vermuten, dass es um ekstatische Praktiken ging, die Heraklit für unheilig hält. Wenn das Zitat genuin ist, dann ist schon von Beginn an der Begriff des Magers im Griech. negativ konnotiert. Das mag zu dieser Zeit der schlechten Post geschuldet sein, die die Perser insgesamt zur Zeit der Perserkriege hatten.

Aischylos

Aischylos lässt in seinem Drama Perser (aufgeführt 472 v.Chr.) einen persischen Boten einen Bericht vom Untergang der Flotte des Xerxes in der Schlacht von Salamis geben. Dabei zählt er auch die gefallenen Edlen auf (Aischyl. Pers. 318-322):

καὶ Μᾶγος Ἄραβος, Ἀρτάβης τε Βάκτριος, Und der Mager Arabos, und Artabes, der Baktrier,
σκληρᾶς μέτοικος γῆς, ἐκεῖ κατέφθιτο. (jetzt) Anwohner eines rauhen Landes, ist dort umgekommen.
320 Ἄμιστρις Ἀμφιστρεύς τε πολύπονον δόρυ Amistris und Amphistreus, der den mühevollen Speer
νωμῶν, ὅ τ’ ἐσθλὸς Ἀριόμαρδος Σάρδεσι schwingt, und der edle Ariomardos, der Sardes
πένθος παρασχών, Σεισάμης θ’ ὁ Μύσιος. Kummer bereitet, und Seisames der Mysier.

Μᾶγος mā́gos hat hier aus metrischen Gründen langes a, kann aber nichts anderes heißen als „Mager“ und ist meines Erachtens wie der „Baktrier“, „der Mysier“ als Ethnonym (Volkssbezeichnung) zu verstehen.

Herodot

Herodot (ca. 485-425 v.Chr.) berichtet in seinen Historien (die wohl erst in seinem letzten Lebensdrittel vollendet wurden), die Mágoi seien einer der sechs medischen Stämme (Hdt. 1,101):

Δηιόκης μέν νυν τὸ Μηδικὸν ἔθνος συνέστρεψε μοῦνον καὶ τοῦτον ἦρξε. ἔστι δὲ Μήδων τοσάδε γένεα, Βοῦσαι, Παρητακηνοί, Στρούχατες, Ἀριζαντοί, Βούδιοι Μάγοι. γένεα μὲν δὴ Μήδων ἐστὶ τοσάδε. Deïokes nun vereinigte nur das medische Volk und herrschte über dieses. So viel sind die Stämme der Meder: Buser, Paretakener, Struchaten, Arizanter, Budier, Mager; die Stämme der Meder also sind so viel.

Deïokes wird meist mit dem in den Annalen Sargons II. genannten Dajaukku gleichgesetzt, einem Stammesfürsten der Mannäer, der sich mit den Urartäern verbündet, von Sargon 715 gefangengenommen und deportiert wird. Doch außer dem Namen passt hier nichts zusammen.

Die Namen der medischen Stämme sagen uns nichts mehr.

Später erzählt Herodot vom Aufstand der beiden Mager Pathizeites und Smerdis (3,61ff), in dem man ein Aufbegehren der Meder gegen die Herrschaft der persischen Achaimeniden sehen mag. Smerdis gab sich erfolgreich längere Zeit als der gleichnamige Bruder des Kambyses aus (der in der Behistun-Inschrift Bardiya genannt wird), den dieser jedoch hatte heimlich töten lassen. Doch einige persische Adelige unter Führung des Dareios schöpfen schließlich Verdacht, dringen zu siebt in den Palast ein und töten die beiden Usurpatoren. Dann hebt ein Mager-Pogrom an (3,79):

ἀποκτείναντες δὲ τοὺς Μάγους καὶ ἀποταμόντες αὐτῶν τὰς κεφαλάς, τοὺς μὲν τρωματίας ἑωυτῶν αὐτοῦ λείπουσι καὶ ἀδυνασίης εἵνεκεν καὶ φυλακῆς τῆς ἀκροπόλιος, Nachdem sie die Mager getötet und ihre Köpfe abgeschnitten hatten, ließen sie ihre Verwundeten dort zurück, wegen ihrer Schwäche und zur Bewachung der Burg.
οἱ δὲ πέντε αὐτῶν ἔχοντες τῶν Μάγων τὰς κεφαλὰς ἔθεον (ἔξω), βοῇ τε καὶ πατάγῳ χρεώμενοι, καὶ Πέρσας τοὺς ἄλλους ἐπεκαλέοντο ἐξηγεόμενοί τε τὸ πρῆγμα καὶ δεικνύοντες τὰς κεφαλάς· καὶ ἅμα ἔκτεινον πάντα τινὰ τῶν Μάγων τὸν ἐν ποσὶ γινόμενον. Die fünf von ihnen aber liefen mit den Köpfen der Mager unter Geschrei und Lärmen (nach draußen), und sie riefen die übrigen Perser herbei, erklärten die Sache und zeigten die Köpfe; und zugleich töteten sie jeden von den Magern, der ihnen über den Weg lief.
οἱ δὲ Πέρσαι μαθόντες τὸ γεγονὸς ἐκ τῶν ἑπτὰ καὶ τῶν Μάγων τὴν ἀπάτην, ἐδικαίευν καὶ αὐτοὶ ἕτερα τοιαῦτα ποιέειν, σπασάμενοι δὲ τὰ ἐγχειρίδια ἔκτεινον ὅκου τινὰ Μάγον εὕρισκον· εἰ δὲ μὴ νὺξ ἐπελθοῦσα ἔσχε, ἔλιπον ἂν οὐδένα Μάγον. Als die Perser von den sieben das Geschehene und den Betrug der Mager erfuhren, hielten sie es für recht, auch selbst weiteres Derartiges zu tun, sie zogen die Dolche und töteten, wo sie irgendeinen Mager fanden. Wenn aber die hereinbrechende Nacht sie nicht abgehalten hätte, hätten sie keinen Mager am Leben gelassen.
ταύτην τὴν ἡμέρην θεραπεύουσι Πέρσαι κοινῇ μάλιστα τῶν ἡμερέων, καὶ ἐν αὐτῇ ὁρτὴν μεγάλην ἀνάγουσι, ἣ κέκληται ὑπὸ Περσέων μαγοφόνια· ἐν τῇ Μάγον οὐδένα ἔξεστι φανῆναι ἐς τὸ φῶς, ἀλλὰ κατ’ οἴκους ἑωυτοὺς οἱ Μάγοι ἔχουσι τὴν ἡμέρην ταύτην. Diesen Tag ehren die Perser gemeinsam am meisten von den Tagen, und an ihm feiern sie ein großes Fest, das von den Persern Magergemetzel genannt ist. An ihm darf sich kein Mager im Freien zeigen, sondern die Mager verbringen diesen Tag in ihren Häusern.

Mein Eindruck ist, dass hier von Angehörigen eines Volksstammes die Rede ist.

In 1,140 teilt Herodot zwei ihrer Sitten mit. Die eine ist: sie überlassen die Leichname ihrer Verstorbenen den wilden Tieren. Das ist zwar kein Alleinstellungsmerkmal des Zoroastrismus, aber es ist auch für die Zoroastrier bezeugt (V. 6,44-46; s.a. Ablehnung von Beerdigung V. 1,12; V. 3,36 und – so das Verständnis von Nyberg ­– der Kremierung V. 1,16). Die andere:

Μάγοι δὲ κεχωρίδαται πολλὸν τῶν τε ἄλλων ἀνθρώπων καὶ τῶν ἐν Αἰγύπτῳ ἱρέων. οἱ μὲν γὰρ ἁγνεύουσι ἔμψυχον μηδὲν κτείνειν, εἰ μὴ ὅσα θύουσι· οἱ δὲ δὴ Μάγοι αὐτοχειρίῃ πάντα πλὴν κυνὸς καὶ ἀνθρώπου κτείνουσι, καὶ ἀγώνισμα μέγα τοῦτο ποιεῦνται, κτείνοντες ὁμοίως μύρμηκάς τε καὶ ὄφις καὶ τἆλλα ἑρπετὰ καὶ πετεινά. Mager sind sehr verschieden sowohl von den übrigen Menschen als auch von den Priestern in Ägypten. Diese nämlich halten es für rein, nichts Beseeltes zu töten, außer was sie opfern; die Mager nun aber töten mit eigener Hand alles außer Hund und Mensch und machen sich das zu einem großen Wettkampf [oder: sie erachten das als große Heldentat], indem sie gleichermaßen Ameisen und Schlangen und das übrige kriechende und fliegende (Getier) töten.

Nyberg erklärt das mit der Strafbestimmung in V. 14,5f (Strafe für die Tötung eines Fischotters). Aber welcher Mager würde angesichts solch drakonischer Strafen einen Fischotter töten und wozu? Tatsächlich könnte aber die zoroastrische Unterscheidung zwischen guten Geschöpfen (Nutztiere) und schlechten Geschöpfen (Giftschlangen, Mäuse, Ungeziefer) dahinterstehen.

In der Beschreibung des Ablaufs einer typischen persischen Opferzeremonie heißt es, nachdem der Opfernde das Tier zerteilt und das Fleisch auf dem Grasboden ausgebreitet hat (1,132,3):

διαθέντος δὲ αὐτοῦ Μάγος ἀνὴρ παρεστεὼς ἐπαείδει θεογονίην, οἵην δὴ ἐκεῖνοι λέγουσι εἶναι τὴν ἐπαοιδήν· ἄνευ γὰρ δὴ Μάγου οὔ σφι νόμος ἐστὶ θυσίας ποιέεσθαι. Nachdem er (es) angeordnet hat, tritt ein Mager daneben und singt dazu die Theogonie [Götterentstehung], wie jene sagen, dass der Zaubergesang beschaffen sei; denn es ist bei ihnen Brauch [od. Gesetz], keine Opfer ohne Mager darzubringen.

Nock nimmt das wörtlich: „one of them had to […] sing a chant narrating the birth of the gods“. Die Erläuterung von Hans Wilhelm Haussig in der Herodotübersetzung von August Horneffer (Kröner 1971) sagt: „Der Mager übernahm während des Opfers den Vortrag der awestischen Liturgie; er psalmodierte eine Gatha, eigentlich ein Lied des Awesta. Herodot, dem natürlich der Inhalt dieser Liturgien unbekannt war, setzte sie völlig unzutreffend mit der hellenischen Theogonie gleich.“ Das setzt voraus, dass hier von einem zoroastrischen Opferritual die Rede ist. Wie Haussig das wissen will, bleibt unklar.

Als der Heereszug des Xerxes am Fluss Strymon und der Stadt Eïon ankommt, bringen die Mager vor dem (gefährlichen) Flussübergang ein Opfer dar (7,113f):

ἐς τὸν οἱ Μάγοι ἐκαλλιερέοντο σφάζοντες ἵππους λευκούς. φαρμακεύσαντες δὲ ταῦτα ἐς τὸν ποταμὸν καὶ ἄλλα πολλὰ πρὸς τούτοισι […] ἐπορεύοντο κατὰ τὰς γεφύρας […] An ihn [den Strymon] opferten die Mager unter günstigen Vorzeichen, indem sie weiße Pferde schlachteten. Nachdem sie diesen Zauber an den Fluss angewendet hatten und vieles andere dazu, […] zogen sie über die Brücken […]

Pferde zu opfern ist nichts spezifisch Persisches, sondern vermutlich Teil des indogermanischen Erbes; auch die Griechen kannten das Pferdeopfer (z.B. Hom. Il. 23,171f: Achill opfert vier Pferde am Scheiterhaufen des Patroklos; Hom. Il. 21,132: Troer versenken Pferde lebendig im Fluss Skamandros). Wenn Nyberg mit seiner Deutung recht hat, dass Zarathustras Reform in einer Ablehnung des blutigen Stieropfers (awest. aēš(ə)ma, eigtl. „Raserei, Mordlust“) bestand, ist es aber fraglich, ob hier von zoroastrischen Priestern die Rede ist. Andere Ausleger meinen offenbar, dass zu dieser Zeit viele der Lehren des Religionsstifters von der normativen Kraft des Faktischen schon wieder verdrängt waren.

Der Mederkönig Astyages hat einen seltsamen Traum betreffend seine Tochter (1,107,1):

ὑπερθέμενος δὲ τῶν Μάγων τοῖσι ὀνειροπόλοισι τὸ ἐνύπνιον, ἐφοβήθη παρ’ αὐτῶν αὐτὰ ἕκαστα μαθών. Er legte seinen Traum denjenigen der Mager vor, die sich mit Träumen [d.h. Traumdeutung] beschäftigen, und nachdem er es von ihnen im einzelnen erfahren hatte, füchtete er sich.

Also nicht alle Mager, aber einige unter ihnen betreiben Oneiromantik. Vielleicht muss man umgekehrt formulieren: Herodot rechnet persische Traumdeuter zu den Magern.

Mager sind offenbar auch als Zeichendeuter im Heer des gegen Griechenland marschierenden Perserkönigs Xerxes dabei. Als im Frühling des Jahres 480 das Heer von Sardis aufbricht, ereignet sich eine Sonnenfinsternis (7,37,2f):

ἰδόντι δὲ καὶ μαθόντι τοῦτο τῷ Ξέρξῃ ἐπιμελὲς ἐγένετο, καὶ εἴρετο τοὺς Μάγους τὸ θέλει προφαίνειν τὸ φάσμα. οἱ δὲ ἔφασαν ὡς Ἕλλησι προδεικνύει ὁ θεὸς ἔκλειψιν τῶν πολίων […] Als Xerxes das sah und erfuhr, wurde er besorgt und fragte die Mager, was die Erscheinung vorherbedeuten will. Die aber sagten, dass der Gott den Griechen den Verlust der Städte ankündige […]

Die das Heer begleitende Flotte des Xerxes gerät an der thessalischen Küste in einen schweren Sturm, der viele Schiffe zerstört (7,190f):

ἐν τούτῳ τῷ πόνῳ νέας οἳ ἐλαχίστας λέγουσι διαφθαρῆναι τετρακοσιέων οὐκ ἐλάσσονας, ἄνδρας τε ἀναριθμήτους χρημάτων τε πλῆθος ἄφθονον. […] σιταγωγῶν δὲ ὁλκάδων καὶ τῶν ἄλλων πλοίων διαφθειρομένων οὐκ ἐπῆν ἀριθμός. […] ἡμέρας γὰρ δὴ ἐχείμαζε τρεῖς. τέλος δὲ ἔντομά τε ποιεῦντες καὶ καταείδοντες γόησι οἱ Μάγοι τῷ ἀνέμῳ, πρός τε τούτοισι καὶ τῇ Θέτι καὶ τῇσι Νηρηίσι θύοντες, ἔπαυσαν τετάρτῃ ἡμέρῃ, ἢ ἄλλως κως αὐτὸς ἐθέλων ἐκόπασε. Die am wenigsten (sagen) [d.h. die die niedrigsten Zahlen nennen], sagen, dass in dieser Mühsal nicht weniger als vierhundert Schiffe vernichtet wurden und zahllose Männer und eine reichliche Menge an Gütern. […] Die Zahl getreideführender Lastschiffe und der anderen Fahrzeuge, die vernichtet wurden, war nicht verfügbar. […] Denn es stürmte nun drei Tage lang. Schließlich, indem die Mager Schlachtopfer darbrachten und den Sturm mit Zauberern (?) beschworen und zusätzlich auch der Thetis und den Nereïden opferten, beendeten sie (ihn) am vierten Tag, oder er legte sich ohnehin von selbst [wörtl.: (es) selbst wollend].

Die Hss. lesen γόησι „mit Zauberern“, doch das klingt seltsam. Man würde etwas wie „mit Zaubergesängen“ erwarten. Godley übersetzt γόησι denn auch mit „wizards' spells“. Das haben auch die meisten dt. Übersetzungen: Horneffer 1955 „durch Zaubergesänge“, Adolf Schöll 1831 „mit Zaubersängen“, Friedrich Lange 1824 „durch Zaubersprüche“. Manche (z.B. die Teubner-Ausg. von H. R. Dietsch, 1860) lesen aber stattdessen γοῇσι „mit Klagegesängen“. Ἡ γοή wäre dann eine Nebenform von ὁ γόος. Man findet dieses ἡ γοή auch in den Schulwörterbüchern (Gemoll, Menge), aber nicht bei Lidell/Scott/Jones oder Pape. Wessel konjizierte daher γόοισι. Madvig konjizierte βοῇσι „mit Schreien“; das hat auch Hudes Oxford-Ausg. übernommen.

Bei Herodot sind die Mager iranische Opferpriester, Traum- und Omendeuter. Nichts davon ist typisch zoroastrisch. Wenn es zu Herodots Zeit schon in größerem Umfang medische Zoroastrier gegeben hat, dann werden ihre Priester in der Bezeichnung Mágos mit inbegriffen sein.

Dass Mágoi einerseits einen Volksstamm und andererseits iranische Priester bezeichnet, wird meist so gedeutet, dass die Mager eine Priester- oder Schamanenkaste aus jenem Stamm waren. Ähnlich wie Levit einerseits ein Angehöriger des Stammes Levi ist, aber dann vor allem einen israelitischen Tempeldiener bezeichnet (der aus dem Stamm Levi kommen musste). Oder wie eine mgriech. Bezeichnung für das Volk der Slawen zum Wort für Sklave wurde (Details s. Slawen, Wenden, Serben). Oder wie das dt. Wort Zigeuner ursprünglich einen Angehörigen einer Volksgruppe bezeichnete, dann aber auch zum Appellativ für einen Menschen mit unstetem Lebenswandel wurde (weil man diesen den Angehörigen der Volksgruppe unterstellte).

Sophokles

In Sophokles' berühmtem Drama König Ödipus (aufgeführt bald nach 430 v.Chr.) lässt Ödipus den blinden Seher Teiresias holen. Als der ihm auf den Kopf zusagt, dass er, Ödipus, der gesuchte Mörder des Laios ist, vermutet Ödipus eine Thronintrige seines Schwagers Kreon und wirft Teiresias vor, er sei von diesem gedungen (Soph. Oid.T. 385-389):

385 ταύτης Κρέων ὁ πιστός, οὑξ ἀρχῆς φίλος, Aus dieser [der Herrschaft] sehnt Kreon sich, der treue, der Freund von Anfang an,
λάθρᾳ μ’ ὑπελθὼν ἐκβαλεῖν ἱμείρεται, insgeheim sich einschleichend, mich zu vertreiben,
ὑφεὶς Μάγον τοιόνδε μηχανορράφον, indem er heimlich sendet [od. anstiftet] diesen Ränke schmiedenden Mager,
δόλιον ἀγύρτην, ὅστις ἐν τοῖς κέρδεσιν listigen Bettler, welcher bei den Gewinnen
μόνον δέδορκε, τὴν τέχνην δ’ ἔφυ τυφλός. nur sieht, hinsichtlich der (Seher-)Kunst aber blind geboren ist.

Der Mager erscheint hier als das negative Gegenbild zum μάντις mántis „Seher“ (V. 298): er „sieht“ nur, was zu seinem Vorteil ist.

Euripides

In Euripides' Drama Orestes (aufgeführt 408 v.Chr.) beschließen Orest, Pylades und Elektra, vor ihrem von der Volksversammlung verhängten Tod Rache zu nehmen an Menelaos, der sie schmählich im Stich gelassen hat, indem sie seine Frau Helena, die sich im Palast (von Mykene?) aufhält, töten. Das schlägt allerdings fehl, weil, wie man am Schluss erfährt, Apollon die Helena entrückt hat. Der phrygische Diener Helenas berichtet das in einer lyrischen Textpartie so (Eur. Or. 1493-97):

πάλιν δὲ τὰν Διὸς κόραν Sie [Orest und Pylades] wollten wieder auf die Zeustochter [Helena]
ἐπὶ σφαγὰν ἔτεινον· ἃ δ’ zur Abschlachtung losgehen. Die aber
ἐκ θαλάμων war aus den Gemächern
1495 ἐγένετο διαπρὸ δωμάτων durch den Palast ganz hindurch
ἄφαντος, ὦ Ζεῦ καὶ γᾶ verschwunden, o Zeus und Erde
καὶ φῶς καὶ νύξ, und Licht und Nacht,
ἤτοι φαρμάκοισιν ἢ entweder durch Zaubermittel oder
Μάγων τέχναις ἢ θεῶν κλοπαῖς. durch Magerkünste oder durch heimliche Wegnahme von Göttern.
τὰ δ’ ὕστερ’ οὐκέτ’ οἶδα· Das Spätere weiß ich nicht mehr.

Text und Versgliederung nach der Oxford-Ausgabe von Gilbert Murray.

Die „Künste von Magern“ (Μάγων τέχναι) liegen hier zwischen „Zaubertränken, -mitteln“ (φάρμακα) und göttlichem Eingreifen. Man hat vielleicht an die Beschwörung unsichtbarer Mächte, Geister o.ä. zu denken.

Gorgias

Gorgias von Leontinoi (Sizilien) war, wenn seine vermuteten Lebensdaten (ca. 485-375 v.Chr.) stimmen, ein außergewöhnlich langlebiger Mann. Er war Redner und Rhetoriklehrer und hat zu diesem Thema auch Werke verfasst. Unter dem wenigen, was erhalten ist, ist auch ein Enkomion (Lobrede) auf Helena, deren Name, wie Gorgias sagt, zur Erinnerung an Unglücksfälle geworden ist und den er mit dieser Rede reinwaschen möchte. Unter den vier möglichen Gründen, warum Helena nach Troja gegangen ist, ist der dritte λόγοις πεισθεῖσα „mit Worten überredet“. Sollte das der Grund gewesen sein, so lautet die Verteidigung Helenas folgendermaßen (Kap. 8ff):

8 Λόγος δυνάστης μέγας ἐστίν, ὃς σμικροτάτῳ σώματι καὶ ἀφανεστάτῳ θειότατα ἔργα ἀποτελεῖ· δύναται γὰρ καὶ φόβον παῦσαι καὶ λύπην ἀφελεῖν καὶ χαρὰν ἐνεργάσασθαι καὶ ἔλεον ἐπαυξῆσαι. ταῦτα δὲ ὡς οὕτως ἔχει δείξω· Das Wort ist ein großer Machthaber, der mit dem kleinsten und unsichtbarsten Körper die göttlichsten Werke vollbringt; denn es kann Furcht beenden und Trauer fortnehmen und Freude hervorbringen und Mitleid vergrößern. Dass sich dies so verhält, werde ich zeigen:
9 δεῖ δὲ καὶ δόξῃ δεῖξαι τοῖς ἀκούουσι· τὴν ποίησιν ἅπασαν καὶ νομίζω καὶ ὀνομάζω λόγον ἔχοντα μέτρον· ἧς τοὺς ἀκούοντας εἰσῆλθε καὶ φρίκη περίφοβος καὶ ἔλεος πολύδακρυς καὶ πόθος φιλοπενθής, ἐπ’ ἀλλοτρίων τε πραγμάτων καὶ σωμάτων εὐτυχίαις καὶ δυσπραγίαις ἴδιόν τι πάθημα διὰ τῶν λόγων ἔπαθεν ἡ ψυχή. φέρε δὴ πρὸς ἄλλον ἀπ’ ἄλλου μεταστῶ λόγον. Man muss (es) auch mit einer Meinung den Hörern darlegen: die ganze Dichtung erachte ich als und nenne ich Wort, das Versmaß hat; die sie hören, ergreift erschrockenes Grausen und tränenreiches Mitleid und sehnsüchtiges Verlangen, und über Glück und Missgeschicke fremder Angelegenheiten und Körper erleidet die Seele durch die Worte eine eigenartige Gemütsbewegung. Wohlan nun, ich will von einem Argument zum anderen weitergehen.
10 αἱ γὰρ ἔνθεοι διὰ λόγων ἐπῳδαὶ ἐπαγωγοὶ ἡδονῆς, ἀπαγωγοὶ λύπης γίνονται· συγγινομένη γὰρ τῇ δόξῃ τῆς ψυχῆς ἡ δύναμις τῆς ἐπῳδῆς ἔθελξε καὶ ἔπεισε καὶ μετέστησεν αὐτὴν γοητείᾳ. γοητείας δὲ καὶ μαγείας δισσαὶ τέχναι εὕρηνται, αἵ εἰσι ψυχῆς ἁμαρτήματα καὶ δόξης ἀπατήματα. Denn die begeisterten Beschwörungen durch Worte werden zu Herbringern von Freude und zu Wegbringern von Leid. Denn die Macht der Beschwörung, die mit der Meinung der Seele sich unterhält [od. vereinigt], bezaubert und überredet und stimmt sie um durch Zauberei. Zwei Kunstgriffe von Zauberei und Magie werden gefunden, welche da sind: Verfehlungen der Seele und Täuschungen der Meinung.
12 […] λόγος γὰρ ψυχὴν ὁ πείσας, ἣν ἔπεισεν, ἠνάγκασε καὶ πιθέσθαι τοῖς λεγομένοις καὶ συναινέσαι τοῖς ποιουμένοις. ὁ μὲν οὖν πείσας ὡς ἀναγκάσας ἀδικεῖ, ἡ δὲ πεισθεῖσα ὡς ἀναγκασθεῖσα τῷ λόγῳ μάτην ἀκούει κακῶς. […] Denn das Wort, das die Seele überredete, hat, welche es überredete, genötigt, dem Gesagten zu folgen und dem Getanen zuzustimmen. Der nun überredet hat, ist als der, der genötigt hat, im Unrecht, die aber überredet worden ist, hat als die, die genötigt worden ist durch das Wort, zu Unrecht einen schlechten Ruf.

Wenn es um die Macht des Wortes geht, ist der Rhetoriker Gorgias natürlich in seinem Element. Aber diese Macht ist janusköpfig: sie kann Menschen dazu bringen, das Falsche zu tun. Die Wirkung des beschwörenden Wortes bezeichnet Gorgias mit den beiden offenbar halbwegs synonymen Begriffen γοητεία goēteía „Zauberei; Täuschung“ und μαγεία mageía „Zauberei, Magie“.

Hippokrates

Auf Hippokrates von Kos (ca. 460-370 v.Chr.) wird ein ganzes Corpus von Schriften zurückgeführt, die im letzten Viertel des 5. Jh. und der ersten Hälfte des 4. Jh. entstanden sein dürften. Die Abhandlung Über die heilige Krankheit (d.i. bekanntlich die Epilepsie) gehört zu denen, bei denen Hippokrates tatsächlich der Autor sein könnte. In Kap. 2, 3 und 4 heißt es (auszugsweise):

2 Ἐμοὶ δὲ δοκέουσιν οἱ πρῶτοι τοῦτο τὸ νόσημα ἱερώσαντες τοιοῦτοι εἶναι ἄνθρωποι οἷοι καὶ νῦν εἰσι Μάγοι τε καὶ καθάρται καὶ ἀγύρται καὶ ἀλαζόνες, οὗτοι δὲ καὶ προσποιέονται σφόδρα θεοσεβέες εἶναι καὶ πλέον τι εἰδέναι. Mir scheinen die ersten, die diese Krankheit für heilig erklärt haben, solche Menschen zu sein, wie auch jetzt Mager und Entsühner und Schwindler und Scharlatane sind, auch diese geben vor, sehr gottesfürchtig zu sein und mehr zu wissen.
οὗτοι τοίνυν παραμπεχόμενοι καὶ προβαλλόμενοι τὸ θεῖον τῆς ἀμηχανίης τοῦ μὴ ἔχειν ὅ τι προσενέγκαντες ὠφελήσουσι, καὶ ὡς μὴ κατάδηλοι ἔωσιν οὐδὲν ἐπιστάμενοι, ἱερὸν ἐνόμισαν τοῦτο τὸ πάθος εἶναι· καὶ λόγους ἐπιλέξαντες ἐπιτηδείους τὴν ἴησιν κατεστήσαντο ἐς τὸ ἀσφαλὲς σφίσιν αὐτοῖσι, καθαρμοὺς προσφέροντες καὶ ἐπαοιδάς, λουτρῶν τε ἀπέχεσθαι κελεύοντες καὶ ἐδεσμάτων πολλῶν καὶ ἀνεπιτηδείων ἀνθρώποισι νοσέουσιν ἐσθίειν· […] Diese also gebrauchten das Göttliche [d.h. die Religion] zum Deckmantel und schützten sie vor für ihre Ratlosigkeit, dass sie nichts haben, durch dessen Anwendung sie nützen werden; und damit nicht ganz offenkundig ist, dass sie nichts wissen, meinten sie, dieses Leiden sei heilig. Und indem sie geeignete Geschichten anführten, richteten sie die Behandlung zur Sicherheit für sich selbst ein, wobei sie Reinigungen anwendeten und Beschwörungen, und befahlen, sich der Bäder zu enthalten und (es zu vermeiden), viele Speisen, die für kranke Menschen ungeeignet sind, zu essen: [es folgt eine Aufzählung von allerlei Fisch-, Fleisch-, Geflügel- und Gemüsesorten].
3 Οὕτως οὖν ἔμοιγε δοκέουσιν οἵτινες τῷ τρόπῳ τούτῳ ἐγχειρέουσιν ἰῆσθαι ταῦτα τὰ νοσήματα οὔτε ἱερὰ νομίζειν εἶναι οὔτε θεῖα. […] ὅστις γὰρ οἷός τε περικαθαίρων ἐστὶ καὶ μαγεύων ἀπάγειν τοιοῦτον πάθος, οὗτος κἂν ἐπάγοι ἕτερα τεχνησάμενος, καὶ ἐν τούτῳ τῷ λόγῳ τὸ θεῖον ἀπόλλυται. […] So scheinen mir nun diejenigen, die auf diese Weise diese Krankheiten zu heilen versuchen, sie [diese Krankheiten] weder für heilig noch göttlich zu halten. […] Denn wer imstande ist, indem er vollständig reinigt und zaubert, ein derartiges Leiden wegzubringen, der mag (es) wohl auch, indem er anderes listig ausübt, herbeiführen; und bei dieser Überlegung wird das Göttliche vernichtet [d.h. göttliches Wirken als Krankheitsursache widerlegt].
4 […] εἰ γὰρ ἄνθρωπος μαγεύων καὶ θύων σελήνην καθαιρήσει καὶ ἥλιον ἀφανιεῖ καὶ χειμῶνα καὶ εὐδίην ποιήσει, οὐκ ἂν ἔγωγέ τι θεῖον νομίσαιμι τούτων εἶναι οὐδέν, ἀλλ’ ἀνθρώπινον, εἰ δὴ τοῦ θείου ἡ δύναμις ὑπὸ ἀνθρώπου γνώμης κρατεῖται καὶ δεδούλωται. ἴσως δὲ οὐχ οὕτως ἔχει ταῦτα […] […] Denn wenn ein Mensch, indem er zaubert und opfert, den Mond herunterziehen [wegnehmen] wird und die Sonne verdunkeln [verschwinden lassen] wird und Sturm und Schönwetter machen wird, würde ich wohl nichts davon für etwas Göttliches halten, sondern für menschlich, wenn denn die Macht des Göttlichen von eines Menschen Einsicht überwunden wird und (ihr) unterworfen ist. Vielleicht aber verhält sich dies nicht so […]

Die Mager werden in einem Atemzug genannt mit Schwindlern und Scharlatanen (wir würden heute Quacksalber, Kurpfuscher sagen), die sich hinter dem göttlichen Walten verschanzen. Erstaunlich sind die Behauptungen der Zauberer, sie könnten Sonne und Mond verschwinden lassen und das Wetter beeinflussen. Hippokrates argumentiert aber gar nicht gegen diesen Anspruch, sondern nur dagegen, dass die epileptischen Anfälle Göttern zugeschrieben werden.

Platon

Platon lässt am Anfang des 9. Buches seines Staates (oft mit dem griech. Titel Politeia zitiert, entstanden im ersten Drittel des 4. Jh. v.Chr.) den Sokrates darlegen, wie durch Verführung der Sohn des oligarchischen Menschen ein „volksfreundlicher“ (d.h. wohl demokratischer) wird, dessen Sohn wiederum auf gleiche Weise ein tyrannischer (Plat. rep. 572d-573a):

Τίθει τοίνυν καὶ τὰ αὐτὰ ἐκεῖνα περὶ αὐτὸν γιγνόμενα ἅπερ καὶ περὶ τὸν πατέρα αὐτοῦ, ἀγόμενόν τε εἰς πᾶσαν παρανομίαν, ὀνομαζομένην δ’ ὑπὸ τῶν ἀγόντων ἐλευθερίαν ἅπασαν, βοηθοῦντά τε ταῖς ἐν μέσῳ ταύταις ἐπιθυμίαις πατέρα τε καὶ τοὺς ἄλλους οἰκείους, τοὺς δ’ αὖ παραβοηθοῦντας· ὅταν δ’ ἐλπίσωσιν οἱ δεινοὶ Μάγοι τε καὶ τυραννοποιοὶ οὗτοι μὴ ἄλλως τὸν νέον καθέξειν, ἔρωτά τινα αὐτῷ μηχανωμένους ἐμποιῆσαι προστάτην τῶν ἀργῶν καὶ τὰ ἕτοιμα διανεμομένων ἐπιθυμιῶν, ὑπόπτερον καὶ μέγαν κηφῆνά τινα – ἢ τί ἄλλο οἴει εἶναι τὸν τῶν τοιούτων ἔρωτα; Nimm ferner an, dass auch jenes selbe mit ihm geschieht, was auch mit seinem Vater geschehen ist, und er in alle Gesetzwidrigkeit geführt wird, die von denen, die (ihn) führen, ganze Freiheit genannt wird, und der Vater und die übrigen Angehörigen diesen Begierden in der Mitte helfen, die aber wiederum dagegen helfen; dass, wenn aber die schrecklichen Mager und diese Tyrannenmacher den Jüngling nicht anders in Besitz zu nehmen glauben, sie es bewerkstelligen, ihm irgendeine Liebe [Sehnsucht, Verlangen] einzuflößen, Anführer der müßigen und das Verfügbare verteilenden Begierden, eine Art geflügelter, großer Drohne – oder was anderes, glaubst du, ist die Liebe solcher Leute?“

Der tyrannische Mensch wird nicht nur von mittleren Begierden beherrscht (das sind wohl solche, die zumindest nicht gesetzwidrig sind) wie sein demokratischer Vater, sondern auch von niederen, müßigen, kostspieligen, das verfügbare Hab und Gut aufbrauchenden. Verführt wird er von Magern und Tyrannenmachern. Was man sich da vorzustellen hat, weiß ich nicht. Schleiermacher und Vretska übersetzen „Zauberer“, Wiegand „Verzauberer“. Das Wort hat sich von seiner ursprünglichen religiösen Bedeutung gelöst und bezeichnet einen manipulativen Verführer („clever deceivers“ sagt Nock).

Umstritten ist die Echtheit des Dialogs Alkibiades; die Schrift ist vielleicht aus der Feder eines Schülers der Akademie geflossen. Sokrates vergleicht im Gespräch mit dem noch jugendlichen Alkibiades an einer Stelle dessen Erziehung mit der der persischen Thronfolger (Alk.1 121e-122b):

Ἐπειδὰν δὲ ἑπτέτεις γένωνται οἱ παῖδες, ἐπὶ τοὺς ἵππους καὶ ἐπὶ τοὺς τούτων διδασκάλους φοιτῶσιν, καὶ ἐπὶ τὰς θήρας ἄρχονται ἰέναι. δὶς ἑπτὰ δὲ γενόμενον ἐτῶν τὸν παῖδα παραλαμβάνουσιν οὓς ἐκεῖνοι βασιλείους παιδαγωγοὺς ὀνομάζουσιν· εἰσὶ δὲ ἐξειλεγμένοι Περσῶν οἱ ἄριστοι δόξαντες ἐν ἡλικίᾳ τέτταρες, ὅ τε σοφώτατος καὶ ὁ δικαιότατος καὶ ὁ σωφρονέστατος καὶ ὁ ἀνδρειότατος. Wenn die Knaben aber siebenjährig geworden sind, besuchen sie die Pferde und deren Lehrer [d.h. Lehrer der Reitkunst] und sie beginnen, auf Jagden zu gehen. Den zweimal sieben Jahre gewordenen Knaben übernehmen die, welche jene königliche Erzieher nennen: es sind Ausgewählte der Perser, die als die besten vier in der Blüte des Lebens erscheinen: der Weiseste und der Gerechteste und der Sittsamste und der Tapferste.
ὧν ὁ μὲν μαγείαν τε διδάσκει τὴν Ζωροάστρου τοῦ Ὡρομάζου – ἔστι δὲ τοῦτο θεῶν θεραπεία – διδάσκει δὲ καὶ τὰ βασιλικά, ὁ δὲ δικαιότατος ἀληθεύειν διὰ παντὸς τοῦ βίου, ὁ δὲ σωφρονέστατος μηδ’ ὑπὸ μιᾶς ἄρχεσθαι τῶν ἡδονῶν, ἵνα ἐλεύθερος εἶναι ἐθίζηται καὶ ὄντως βασιλεύς, ἄρχων πρῶτον τῶν ἐν αὑτῷ ἀλλὰ μὴ δουλεύων, ὁ δὲ ἀνδρειότατος ἄφοβον καὶ ἀδεᾶ παρασκευάζων, ὡς ὅταν δείσῃ δοῦλον ὄντα· σοὶ δ’, ὦ Ἀλκιβιάδη, Περικλῆς ἐπέστησε παιδαγωγὸν τῶν οἰκετῶν τὸν ἀχρειότατον ὑπὸ γήρως, Ζώπυρον τὸν Θρᾷκα. Von ihnen lehrt der eine die Lehre [wörtl. Magie] des Zoroastres, des Sohnes des Horomazes ­– das ist Verehrung der Götter –, er lehrt aber auch die königlichen Dinge [d.h. das Regierungsgeschäft?]; der Gerechteste aber (lehrt), das ganze Leben hindurch die Wahrheit zu sagen; der Sittsamste, auch nicht von einer der Lüste sich beherrschen zu lassen, damit er sich daran gewöhnt, frei zu sein und wahrhaft König, indem er zuerst beherrscht, was in ihm selbst ist, aber nicht dient; der Tapferste aber, indem er (ihn) furchtlos und unverzagt macht, weil er, wenn er sich fürchtet, Sklave ist. Dir aber, o Alkibiades, hat Perikles als Erzieher den vor Alter unbrauchbarsten der Sklaven beigestellt, den Thraker Zopyros.

Μαγεία mageía kann hier nicht platterdings „Zauberei“ bedeuten, eher ist es wohl – wie ja auch der Einschub in Gedankenstrichen besagt – als die zoroastrische Lehre und Ethik zu verstehen. Doch ist diese Bedeutung eher singulär und (worauf Nock hinweist) der Autor muss sie mit einem Einschub erklären.

In dem kurzen Dialog Axiochos, der zwar Platon zugeschrieben, aber schon von der Antike als unecht erachtet wurde und der irgendwann in hellenistischer Zeit entstanden ist, gibt Sokrates eine Geschichte wieder, die ihm „Gobryes, ein Mager-Mann“ (Γωβρύης, ἀνὴρ Μάγος), über seinen Großvater aus der Zeit des Feldzugs des Xerxes erzählt hat (Ax. 371a).

Xenophon

Der Athener Xenophon berichtet in seiner wohl bald nach 360 entstandenen Schrift Kyros' Erziehung über das Auftreten Kyros' des Großen (reg. 559-530 v.Chr.) in der Öffentlichkeit in einer prächtigen, wohlorganisierten Opferprozession (Xen. Kyr. 8,3,11.24):

Ἐπεὶ δ’ ἀνεπετάννυντο αἱ τοῦ βασιλείου πύλαι, πρῶτον μὲν ἤγοντο τῷ Διὶ ταῦροι πάγκαλοι εἰς τέτταρας καὶ οἷς τῶν ἄλλων θεῶν οἱ Μάγοι ἐξηγοῦντο· πολὺ γὰρ οἴονται Πέρσαι χρῆναι τοῖς περὶ τοὺς θεοὺς μᾶλλον τεχνίταις χρῆσθαι ἢ περὶ τἆλλα. […] Als die Tore des Palastes geöffnet wurden, wurden zuerst für Zeus wunderschöne Stiere zu viert (heraus)geführt und für welche der übrigen Götter die Mager es anordneten. Denn die Perser glauben sehr, dass man in den die Götter betreffenden Angelegenheiten mehr als in anderen von Fachleuten Gebrauch machen soll. […]
Ἐπεὶ δὲ ἀφίκοντο πρὸς τὰ τεμένη, ἔθυσαν τῷ Διὶ καὶ ὡλοκαύτησαν τοὺς ταύρους· ἔπειτα τῷ Ἡλίῳ καὶ ὡλοκαύτησαν τοὺς ἵππους· ἔπειτα Γῇ σφάξαντες ὡς ἐξηγήσαντο οἱ Μάγοι ἐποίησαν· ἔπειτα δὲ ἥρωσι τοῖς Συρίαν ἔχουσι. Als sie aber bei den heiligen Bezirken angekommen waren, opferten sie dem Zeus und brachten die Stiere als Brandopfer dar; dann dem Sonnengott, und sie brachten die Pferde als Brandopfer dar; dann schlachteten sie der Erdgöttin und taten, wie die Mager angeordnet hatten; dann den Heroen, die Syrien innehaben.

In der Frage, welchen Göttern wie zu opfern ist, sind die Mager offenbar die Fachmänner (um τεχνίτης „Künstler, Handwerker, Sachverständiger“ einmal so wiederzugeben).

Aischines

Der Athener Redner Aischines sagt in seiner Rede gegen Ktesiphon, einer um 330 v.Chr. gehaltenen Invektive gegen die Politik des Demosthenes (Aischin. 3,137):

Ἀλλ’, οἶμαι, οὔτε Φρυνώνδας οὔτε Εὐρύβατος οὔτ’ ἄλλος οὐδεὶς πώποτε τῶν πάλαι πονηρῶν τοιοῦτος Μάγος καὶ γόης ἐγένετο, ὅς, ὦ γῆ καὶ θεοὶ καὶ δαίμονες καὶ ἄνθρωποι, ὅσοι βούλεσθε ἀκούειν τἀληθῆ, τολμᾷ λέγειν βλέπων εἰς τὰ πρόσωπα τὰ ὑμέτερα, ὡς ἄρα Θηβαῖοι τὴν συμμαχίαν ὑμῖν ἐποιήσαντο οὐ διὰ τὸν καιρόν, οὐ διὰ τὸν φόβον τὸν περιστάντα αὐτούς, οὐ διὰ τὴν ὑμετέραν δόξαν, ἀλλὰ διὰ τὰς Δημοσθένους δημηγορίας. Aber ich glaube, weder Phrynondas noch Eurybatos noch ein anderer der einstigen Bösewichte wurde jemals ein derartiger Mager und Betrüger, dass er, o Erde und Götter und Dämonen und Menschen, wieviele die Wahrheit hören wollen, wagt, in eure Gesichter blickend zu sagen, dass die Thebaner das Bündnis mit euch geschlossen haben nicht wegen der Umstände, nicht aus Furcht, die sie rings umgibt, nicht wegen eures Ruhmes, sondern wegen der Reden des Demosthenes.

Eurybatos (oder -bates) und Phrynondas sind auch anderweitig meist zusammen genannte Betrüger (z.B. Plat. Prot. 327d, Lukian. Alexander 4, Apul. apol. 81). Ersterer könnte jener Ephesier sein, der mit der Kriegskasse des Kroisos zu Kyros übergelaufen ist (s. Wikipedia-Art. Krösus). Nach anderen soll einer der Kerkopen (diebische Kobolde aus der Heraklessage) gemeint sein.

Mager hat hier den Sinn von „Lügner, Schwindler“. Es steht neben γόης góēs, das eigentlich „Zauberer“ bedeutet. Das diesem zugrundeliegende Verbum hat im Griech. die Bedeutung „jammern, klagen“ angenommen, bedeutete aber ursprünglich wohl „rufen, sich laut äußern, beschwören“. Und wie mágos hat góēs dann auch die Zweitbedeutung „Schwindler, Betrüger“ bekommen.

Theophrast

Theophrastos von Eresos (ca. 371-287 v.Chr.) war Schüler des Aristoteles und sein Nachfolger als Leiter des Peripatos (der von Aristoteles gegründeten philosophischen Schule). Für uns ist er vor allem als antiker Botaniker bedeutsam. Über eine Pflanze namens Moly schreibt er in seiner Pflanzenkunde (h.plant. 9,15,7):

Ἡ δὲ πανάκεια γίνεται κατὰ τὸ πετραῖον περὶ Ψωφίδα καὶ πλείστη καὶ ἀρίστη. τὸ δὲ μῶλυ περὶ Φενεὸν καὶ ἐν τῇ Κυλλήνῃ. φασὶ δ’ εἶναι καὶ ὅμοιον ᾧ ὁ Ὅμηρος εἴρηκε, τὴν μὲν ῥίζαν ἔχον στρογγύλην προσεμφερῆ κρομύῳ, τὸ δὲ φύλλον ὅμοιον σκίλλῃ· χρῆσθαι δὲ αὐτῷ πρός τε τὰ ἀλεξιφάρμακα καὶ τὰς μαγείας· οὐ μὴν ὀρύττειν γ’ εἶναι χαλεπόν, ὡς Ὅμηρός φησι. Die Panazee wächst am meisten und besten auf Felsigem um Psophis. Das Moly aber um Pheneos und auf der Kyllene [Bergmassiv im Norden der Peloponnes]. Man sagt aber, es sei ähnlich [od. gleich] dem, was Homer sagte, mit der runden Wurzel ähnlich einem Lauch, dem Blatt aber gleich einer Meerzwiebel; man benutze es zu [od. gegen?] Gegengiften und Zaubereien; es sei aber nicht schwer auszugraben, wie Homer sagt.

Bei Homer gibt Hermes dem Odysseus das Moly, damit er gegen die Zauberkraft der Kirke immun ist (Od. 10,302-306). Von daher würde man erwarten, dass πρός hier „gegen“ bedeutet; und so hat es Theodorus Gaza ins Lat. (contra veneficia summa), Arthur Hort ins Engl. (against spells and magic arts) übersetzt. Aber dann muss ἀλεξιφάρμακον etwas anderes heißen als „Gegengift“; vielleicht „(Abwehr-)Zauber“ o.ä. Welche Pflanze Moly genau ist, ist umstritten: Hexenlauch, Schwarzlauch, Schneeglöckchen, Steppenraute, Siegwurz, und andere mehr wurden als Identifikationen vorgeschlagen.

Phoinix von Kolophon

Phoinix von Kolophon, ein Jambograph des 3. Jh. v.Chr., schreibt in einem Gedicht über den mythischen Gründer Ninives, Ninos (überliefert bei Athen. 12,530e [Kap. 40]), dass er unermesslich reich gewesen sei, aber sein Lebtag nichts getan habe als essen, trinken, „lieben“:

ὃς οὐκ ἴδ’ ἀστέρ’ οὐ †διζων† ἐδίζητο, der die Sterne nicht sah, noch es erstrebte,
5 οὐ παρ’ Μάγοισι πῦρ ἱερὸν ἀνέστησεν, nicht bei Magern heiliges Feuer erweckte,
ὥσπερ νόμος, ῥάβδοισι τοῦ θεοῦ ψαύων· wie es Gesetz [ist], mit Stäben den Gott berührend;

Der Vers 4 ist korrupt. Kaibel vermutet im Apparat etwa folgenden Sinn: „der weder Schild noch Lanze suchte“ oder „weder Krieg noch Kriegsruhm“.

Heiliges Feuer deutet auf Zoroastrier hin. Allerdings kannten auch andere Religionen ein solches Feuer, etwa der Kult der griechischen Hestia bzw. der römischen Vesta.

Daniel

In der griech. Übersetzung der LXX des Buches Daniel kommen die Mager in einer Aufzählung chaldäischer religiöser Dienstleister vor, die König Nebukadnezar ruft, um sich von ihnen seinen Traum, an dessen Details er sich nicht mehr erinnern kann, erzählen zu lassen (Dan 2,2):

καὶ ἐπέταξεν ὁ βασιλεὺς εἰσενεχθῆναι τοὺς ἐπαοιδοὺς καὶ τοὺς μάγους καὶ τοὺς φαρμάκους τῶν Χαλδαίων ἀναγγεῖλαι τῷ βασιλεῖ τὰ ἐνύπνια αὐτοῦ, καὶ παραγενόμενοι ἔστησαν παρὰ τῷ βασιλεῖ. Und der König ordnete an, dass herbeigebracht werden die Beschwörer und die Mager und die Zaubertrankmischer der Chaldäer, dem König seinen Traum zu berichten.

Die Übersetzung Theodotions (die beim Buch Daniel die LXX im kirchlichen Gebrauch weitgehend verdrängt hat) hat:

καὶ εἶπεν ὁ βασιλεὺς καλέσαι τοὺς ἐπαοιδοὺς καὶ τοὺς Μάγους καὶ τοὺς φαρμακοὺς καὶ τοὺς Χαλδαίους τοῦ ἀναγγεῖλαι τῷ βασιλεῖ τὰ ἐνύπνια αὐτοῦ, Und der König sagte, zu rufen die Beschwörer und die Mager und die Zaubertrankmischer und die Chaldäer, um dem König seine Träume zu berichten.

In V. 10 antworten „die Chaldäer“ dem König, dass seine Forderung unerfüllbar sei (Dan 2,10):

Οὐδεὶς τῶν ἐπὶ τῆς γῆς δυνήσεται εἰπεῖν τῷ βασιλεῖ ὃ ἑώρακε, καθάπερ σὺ ἐρωτᾷς, καὶ πᾶς βασιλεὺς καὶ πᾶς δυνάστης τοιοῦτο πρᾶγμα οὐκ ἐπερωτᾷ πάντα σοφὸν καὶ μάγον καὶ Χαλδαῖον· Niemand auf Erden wird dem König sagen können, was er gesehen hat, wie du fragst, und jeder König und jeder Machthaber befragt nicht um eine derartige Sache jeden Weisen und Mager und Chaldäer. [Auf gut Dt.: kein König befragt in einer solchen Sache irgendeinen Weisen.]

Im hebr. (bzw. in V. 10 aram.) Original stehen:

Ich glaube nicht, dass sich eine 1:1-Entsprechung der hebr. zu den griech. Wörtern herstellen lässt. Was genau ist der Unterschied zwischen ḥarṭummîm und mekaššepîm? Beides bedeutet im Dt. soviel wie „Zauberer“. Daher ist der griech. Text wohl als Aufzählung ähnlicher einschlägiger Begriffe zu werten. Diese Männer haben zum Personal der chaldäischen Religionsausübung gehört.

Diodorus Siculus

Diodor von Sizilien (ca. 90-30 v.Chr., ein etwas jüngerer Zeitgenosse Cäsars und Ciceros) beschreibt in seiner sog. Historischen Bibliothek im 5. Buch die sagenhaften Ureinwohner der Insel Rhodos, die Telchinen (5,55,3):

λέγονται δ’ οὗτοι καὶ γόητες γεγονέναι καὶ παράγειν ὅτε βούλοιντο νέφη τε καὶ ὄμβρους καὶ χαλάζας, ὁμοίως δὲ καὶ χιόνα ἐφέλκεσθαι· ταῦτα δὲ καθάπερ καὶ τοὺς Μάγους ποιεῖν ἱστοροῦσιν. ἀλλάττεσθαι δὲ καὶ τὰς ἰδίας μορφάς, καὶ εἶναι φθονεροὺς ἐν τῇ διδασκαλίᾳ τῶν τεχνῶν. Man sagt von diesen auch, dass sie Zauberer gewesen sind und, sooft sie wollten, Wolken, Regen und Hagel herbeiführten [od. vorbeiführten], gleicherweise aber auch Schnee heranzogen. Man berichtet, dass sie dies ebenso wie die Mager taten. Sie hätten auch ihre eigenen Gestalten geändert, und sie seien neidisch bei der Unterweisung der Künste gewesen.

Wie bei Aischines steht der mágos neben dem góēs, hier beide Wörter aber in neutraler Bedeutung. Diodor impliziert, dass man den Magern nachsagte, dass sie das Wetter beeinflussen können. (In den Alpenländern schrieb man Gewitter und Hagel bis in die Neuzeit gern einem Wetterzauber zu.)

In Photions Exzerpten aus dem nicht mehr erhaltenen 34. Buch von Diodors Geschichtswerk wird von den Anfängen des Sklavenaufstandes auf Sizilien berichtet (34, frg. 2):

ἦν δέ τις οἰκέτης Σύρος Ἀντιγένους Ἐνναίου τὸ γένος ἐκ τῆς Ἀπαμείας, ἄνθρωπος Μάγος καὶ τερατουργὸς τὸν τρόπον. οὗτος προσεποιεῖτο θεῶν ἐπιτάγμασι καθ’ ὕπνον προλέγειν τὰ μέλλοντα, καὶ πολλοὺς διὰ τὴν εἰς τοῦτο τὸ μέρος εὐφυΐαν ἐξηπάτα. Es gab aber einen syrischen Sklaven des Antigenes aus Enna, der Herkunft nach aus Apameia, ein Mager und Wundertäter dem Charakter nach (?). Dieser gab vor, durch die Anordnungen von Göttern im Schlaf die Zukunft vorherzusagen, und er täuschte viele wegen der Begabung in diese Richtung.
ἐντεῦθεν προϊὼν οὐ μόνον ἐξ ὀνείρων ἐμαντεύετο, ἀλλὰ καὶ ἐγρηγορότως θεοὺς ὁρᾶν ὑπεκρίνετο καὶ ἐξ αὐτῶν ἀκούειν τὰ μέλλοντα. πολλῶν δ’ ὑπ’ αὐτοῦ σχεδιαζομένων ἀπὸ τυχῆς ἔνια πρὸς ἀλήθειαν ἐξέβαινε· καὶ τῶν μὲν μὴ γινομένων ὑπ’ οὐδενὸς ἐλεγχομένων, τῶν δὲ συντελουμένων ἐπισημασίας τυγχανόντων, προκοπὴν ἐλάμβανεν ἡ περὶ αὐτὸν δόξα. Dann ging er weiter und weissagte nicht nur aus Träumen, sondern tat so, als sähe er auch im Wachzustand Götter und höre von ihnen die Zukunft. Während vieles von ihm auf gut Glück erfunden wurde, ereignete sich manches tatsächlich. Und weil das, was nicht passierte, von niemandem getadelt wurde, das aber, was sich erfüllte, Beifall erlangte, wuchs sein Ruf.
τελευταῖον διά τινος μηχανῆς πῦρ μετά τινος ἐνθουσιασμοῦ καὶ φλόγα διὰ τοῦ στόματος ἠφίει, καὶ οὕτω τὰ μέλλοντα ἀπεφοίβαζεν. εἰς γὰρ κάρυον ἤ τι τοιοῦτο τετρημένον ἐξ ἑκατέρου μέρους ἐνετίθει πῦρ καὶ τὴν συνέχειν αὐτὸ δυναμένην ὕλην· εἶτα ἐντιθεὶς τῷ στόματι καὶ προσπνέων ποτὲ μὲν σπινθῆρας ποτὲ δὲ φλόγα ἐξέκαεν. οὗτος πρὸ τῆς ἀποστάσεως ἔλεγε τὴν Συρίαν θεὸν ἐπιφαινομένην αὐτῷ λέγειν ὅτι βασιλεύσει. Schließlich stieß er durch eine Vorrichtung Feuer unter einer gewissen Verzückung und Glut mit dem Mund aus, und so sagte er die Zukunft voraus. Denn in eine Nuss oder etwas derartiges, die auf beiden Seiten durchbohrt war gab er Feuer hinein und den Stoff, der es unterhalten konnte [d.h. den Brennstoff]. Indem er (es) dann in den Mund nahm und daraufblies, entfachte er bald Funken, bald eine Flamme. Dieser sagte vor dem Aufstand, dass die syrische Göttin ihm erscheinen ist und gesagt hat, dass er König sein wird.

Die hier als Mager bezeichnete Person gibt vor, die Zukunft vorherzusagen. Diodor stellt ihn als Schwindler dar, der einen Trick gefunden hat, um Funken speien und so mehr Eindruck machen zu können. Und da manche Vorhersagen ja wirklich eintreffen, lassen sich Leichtgläubige täuschen (Astro-TV lässt grüßen).

Strabon

Strabon (ca. 63 v.Chr.-23 n.Chr.) berichtet in seiner Beschreibung der Persis (15,3,1):

φῦλα δὲ οἰκεῖ τὴν χώραν οἵ τε Πατεισχορεῖς λεγόμενοι καὶ οἱ Ἀχαιμενίδαι καὶ οἱ Μάγοι· οὗτοι μὲν οὖν σεμνοῦ τινός εἰσι βίου ζηλωταί, Κύρτιοι δὲ καὶ Μάρδοι λῃστρικοί, ἄλλοι δὲ γεωργικοί. Die Stämme, die das Land bewohnen, sind die sog. Pateischorer und die Achaimeniden und die Mager. Diese nun sind Verehrer eines ehrbaren Lebens, Kurtier und Marder (sind) räuberisch, andere bäuerlich.

Wir begegnen also den Magern jetzt als Bewohner der Persis. Strabon ist 400 Jahre jünger als Herodot. Vielleicht haben sich die Mager in den Süden ausgebreitet. Vielleicht wurde der Name aber auch auf nicht-medische Völkerschaften übertragen. Man vgl. dazu, dass in sassanidischen Texten die Griechen als Römer bezeichnet werden (z.B. Denkard 4,16). Oder dass die mittelalterlichen Griechen auch Venezianer und Genueser gerne als Franken bezeichneten. Oder dass in unserem Text mit den Achaimeniden doch wohl nicht nur dieser Clan gemeint ist, sondern der ganze Stamm, der bei Herodot Pasargaden heißt (Hdt. 1,125,3).

In 15,3,7 berichtet Strabon vom Grab des Kyros in Pasargadai, über das Aristobulos schreibe, es sei offenbar geplündert worden:

συμβῆναι δὲ ταῦτα, καίπερ φυλακῆς περικειμένης Μάγων, σίτισιν λαμβανόντων καθ’ ἡμέραν πρόβατον, διὰ μηνὸς δ’ ἵππον. dies sei geschehen, obwohl eine Wache von Magern es umgab, die als Speisung täglich ein Schaf bekamen, pro Monat aber ein Pferd.

Die Herausgeber der Loeb-Ausgabe merken an, das Pferd sei dazu gedacht, dem Kyros geopfert zu werden.

In 15,3,13 erfahren wir Details über die persischen Opfergebräuche:

μελίσαντος δὲ τοῦ Μάγου τὰ κρέα τοῦ ὑφηγουμένου τὴν ἱερουργίαν ἀπίασι διελόμενοι, τοῖς θεοῖς οὐδὲν ἀπονείμαντες μέρος· Nachdem der Mager, der die Opferhandlung leitet, das Fleisch in Stücke geschnitten hat, teilen sie es sich auf und gehen weg, ohne den Göttern einen Anteil zugeteilt zu haben.

Im folgenden Kapitel (15,3,14) geht es um das Opfer an das Wasser:

εἶτ’ ἐπὶ μυρρίνην ἢ δάφνην διαθέντες τὰ κρέα, ῥάβδοις λεπτοῖς ἐφάπτονται οἱ Μάγοι καὶ ἐπᾴδουσιν, ἀποσπένδοντες ἔλαιον ὁμοῦ γάλακτι καὶ μέλιτι κεκραμένον οὐκ εἰς πῦρ, οὐδ’ ὕδωρ, ἀλλ’ εἰς τοὔδαφος· τὰς δ’ ἐπῳδὰς ποιοῦνται πολὺν χρόνον ῥάβδων μυρικίνων λεπτῶν δέσμην κατέχοντες. Nachdem sie dann die Fleischstücke auf Myrte oder Lorbeer angeordnet haben, berühren die Mager sie mit dünnen Stäben und singen dazu, wobei sie Öl, zugleich mit Milch und Honig vermischt, ausgießen, nicht ins Feuer noch ins Wasser, sondern auf den Erdboden; sie singen eine lange Zeit, wobei sie ein Bündel dünner Tamariskenruten halten.

Hier sind die Mager Opferpriester, ob speziell zoroastrische, kann ich nicht beurteilen. Wie stark der Zoroastrismus in Persien während der Arsakidenzeit war, wird offenbar unterschiedlich beurteilt.

Noch ein Kapitel später (15,3,15) wird von Opferbräuchen in Kappadokien berichtet:

[…] πολὺ γὰρ ἐκεῖ ἐστι τὸ τῶν Μάγων φῦλον, οἳ καὶ Πύραιθοι καλοῦνται· […] ἔστι δὲ καὶ Πυραιθεῖα, σηκοί τινες ἀξιόλογοι· ἐν δὲ τούτοις μέσοις βωμός, ἐν ᾧ πολλή τε σποδός, καὶ πῦρ ἄσβεστον φυλάττουσιν οἱ Μάγοι· […] Denn zahlreich ist dort der Stamm der Mager, die auch Pyraithoi [Feueranzünder] genannt werden[…]. Es gibt auch Pyraitheia [Heiligtümer der Pyraithoi], gewisse erwähnenswerte [od. bedeutende] Umfriedungen; in diesen ist in der Mitte ein Altar, auf dem viel Asche ist und die Mager ein unauslöschliches Feuer hüten.
καὶ καθ’ ἡμέραν δὲ εἰσιόντες, ἐπᾴδουσιν ὥραν σχεδόν τι, πρὸ τοῦ πυρὸς τὴν δέσμην τῶν ῥάβδων ἔχοντες, τιάρας περικείμενοι πιλωτάς, καθεικυίας ἑκατέρωθεν μέχρι τοῦ καλύπτειν τὰ χείλη τὰς παραγναθίδας. Und sie gehen täglich hinein und singen beinahe eine Stunde, wobei sie das Bündel von Ruten vor das Feuer halten, mit Filztiaras bekleidet, die sich auf beiden Seiten herabsenken, sodass die Wangenklappen die Lippen bedecken.
ταὐτὰ δ’ ἐν τοῖς τῆς Ἀναΐτιδος καὶ τοῦ Ὠμάνου ἱεροῖς νενόμισται· τούτων δὲ καὶ σηκοί εἰσι, καὶ ξόανον τοῦ Ὠμάνου πομπεύει. ταῦτα μὲν οὖν ἡμεῖς ἑωράκαμεν, ἐκεῖνα δ’ ἐν ταῖς ἱστορίαις λέγεται καὶ τὰ ἐφεξῆς. Dieselben Gebräuche wurden in den Heiligtümern der Anaïtis [Anāhita] und des Omanos [Vohu Manah] angenommen. Auch diese haben Umfriedungen, und ein Kultbild des Omanos nimmt am Festzug teil. Das nun haben wir (selbst) gesehen, jenes aber und das folgende wird in den Historien gesagt.

Das klingt stark zoroastrisch, denn Anahita und Vohu Manah „guter Sinn“ sind im Awasta prominente Gottheiten.

Etwas später spricht Strabon vom hohen Ansehen der Orakel und der Menschen, die in direktem Verkehr mit den Göttern standen, wie z.B. Minos, oder die regelmäßig deren Anweisung einholten, wie z.B. Lykurg (16,2,39):

καὶ διὰ τοῦτο καὶ οἱ μάντεις ἐτιμῶντο, ὥστε καὶ βασιλείας ἀξιοῦσθαι, ὡς τὰ παρὰ τῶν θεῶν ἡμῖν ἐκφέροντες παραγγέλματα καὶ ἐπανορθώματα καὶ ζῶντες καὶ ἀποθανόντες· […] Und deshalb wurden auch die Seher geehrt, sodass sie auch der Königsherrschaft für würdig gehalten wurden, weil sie die Gebote und Zurechtweisungen von den Göttern mitteilen, sowohl wenn sie leben als auch nachdem sie gestorben sind. […]
τοιοῦτος δὲ καὶ ὁ Ἀμφιάρεως καὶ ὁ Τροφώνιος καὶ ὁ Ὀρφεὺς καὶ ὁ Μουσαῖος καὶ ὁ παρὰ τοῖς Γέταις θεός, τὸ μὲν παλαιὸν Ζάμολξις, Πυθαγόρειός τις, καθ’ ἡμᾶς δὲ ὁ τῷ Βυρεβίστᾳ θεσπίζων, Δεκαίνεος· παρὰ δὲ τοῖς Βοσπορηνοῖς Ἀχαΐκαρος, παρὰ δὲ τοῖς Ἰνδοῖς οἱ γυμνοσοφισταί, παρὰ δὲ τοῖς Πέρσαις οἱ Μάγοι καὶ νεκυομάντεις καὶ ἔτι οἱ λεγόμενοι λεκανομάντεις καὶ ὑδρομάντεις, παρὰ δὲ τοῖς Ἀσσυρίοις οἱ Χαλδαῖοι, παρὰ δὲ τοῖς Ῥωμαίοις οἱ Τυρρηνικοὶ ὡροσκόποι [A. Corais coni. οἰωνοσκόποι]. τοιοῦτος δέ τις ἦν καὶ ὁ Μωσῆς […] Ein solcher (war) auch Amphiareos, und Trophonios und Orpheus und Musaios und der Gott bei den Geten, früher Zalmoxis, ein Pythagoräer, zu unserer Zeit der dem Byrebistas weissagt, Dekaineos; bei den Anwohnern des Bosporos Achaïkaros, bei den Indern die Gymnosophisten [indische Asketen der Alexanderzeit], bei den Persern die Mager und die Totenbefrager und (dazu) noch die sogenannten Schüsselseher und Wasserseher, bei den Assyrern die Chaldäer, bei den Römern die etruskischen (Geburts-)Stundenbeobachter [d.h. Horoskopersteller; A. Corais vermutete: Vogelschauer, Auguren]. Ein solcher war in gewisser Weise auch Moses […]

Amphiaraos ist ein mythischer Seher und Teilnehmer am Zug der Sieben gegen Theben. Trophonios ist ein Orakel-Heros. Orpheus ist der bekannte mythischer Sänger (der mit der Eurydike). Musaios ist ein Orakeldichter, dessen Historizität ungeklärt ist. Zalmoxis ist ein getischer Gott, nach anderen Quellen aber ein Mensch. Burebista war der König der getischen und dakischen Stämme (1. Jh. v.Chr.). Achaïkaros könnte der assyrische Weise des 7. Jh. Aḥiqar sein, dem eine Sammlung von Weisheitssprüchen zugeschrieben wurde.

Hier werden die Mager in einen Topf geworfen mit allen möglichen Arten von Wahrsagern. Inwieweit das für iranische Priester im allgemeinen und zoroastrische im besonderen in der Arsakidenzeit zutraf, vermag ich nicht zu sagen. Doch die indischen Gymnosophisten hatten in Wahrheit mit Mantik gar nichts am Hut. Dasselbe gilt für Mose. Ich vermute, dass das bei den persischen Priestern ähnlich war.

Philon

Der jüdische Philosoph und Schriftsteller Philon von Alexandria (ca. 15 v.- 45 n.Chr.) gibt in seiner Schrift Über besondere Gesetze eine Erklärung bestimmter jüdischer Gesetze, im 3. Buch geht es u.a. um Mord (spec. leg. 3,93f):

εἰσὶ δὲ ἕτεροι πονηρότατοι, χερσὶ καὶ γνώμαις ἐναγεῖς, οἱ Μάγοι καὶ φαρμακευταί, σχολὴν καὶ ἀναχώρησιν ἐνδιδόντες αὑτοῖς πρὸς καιρίους ἐπιθέσεις, καὶ τέχνας καὶ μηχανὰς πολυτρόπους ἀνευρίσκοντες ἐπὶ ταῖς τῶν πλησίον συμφοραῖς. ὅθεν κελεύει φαρμακευτὰς καὶ φαρμακίδας μηδεμίαν ἡμέραν ἀλλὰ μηδ’ ὥραν ἐπιβιοῦν, ἀλλ’ ἅμα τῷ ἁλῶναι τεθνάναι, μηδεμιᾶς ἐγγινομένης προφάσεως εἰς ἀναβολὴν καὶ ὑπέρθεσιν τῆς τιμωρίας· Es gibt aber andere sehr Böse, fluchbeladen an Händen und Absichten, die Mager und Giftmischer, die sich Muße und Rückzug gönnen für tödliche Anschläge und die mannigfaltige Künste und Vorrichtungen zum Unglück der Nächsten erfinden. Deshalb befiehlt er [Mose/das Gesetz], dass Giftmischer und Giftmischerinnen nicht einen Tag, aber auch nicht eine Stunde länger leben, sondern zugleich mit dem Ertapptwerden sterben, da es keine Ausrede dabei gibt zu Aufschub und Verzögerung der Strafe.

Philon bezieht sich auf die Bestimmungen von Ex 22,17 und Dtn 18,10, wo im griech. Text der LXX φάρμακος phármakos (= φαρμακεύς = φαρμακεύτης) „Giftmischer, Zauberer“ steht. Nun bedeutet griech. φάρμακον phármakon nicht nur „Droge, Gift“, sondern auch „Zaubertrank, Zaubermittel“. Doch wie die weitere Erklärung zeigt, versteht Philon darunter Menschen, die durch vergiftetes Essen bei anderen Tod oder schwere Krankheit herbeiführen. Mager scheinen nur ein Synonym für dasselbe zu sein.

Kurz darauf trifft Philon eine Unterscheidung, die meines Erachtens das AT nicht hergibt (3,100f):

τὴν μὲν οὖν ἀληθῆ μαγικήν, ὀπτικὴν ἐπιστήμην οὖσαν, ᾗ τὰ τῆς φύσεως ἔργα τρανοτέραις φαντασίαις αὐγάζεται, σεμνὴν καὶ περιμάχητον δοκοῦσαν εἶναι, οὐκ ἰδιῶται μόνον ἀλλὰ καὶ βασιλεῖς καὶ βασιλέων οἱ μέγιστοι καὶ μάλιστα οἱ Περσῶν διαπονοῦσιν οὕτως, ὥστ’ οὐδένα φασὶν ἐπὶ βασιλείαν δύνασθαι παραπεμφθῆναι παρ’ αὐτοῖς, εἰ μὴ πρότερον τοῦ Μάγων γένους κεκοινωνηκὼς τυγχάνοι. Die echte Magie nun, die eine optische Wissenschaft ist, durch die die Werke der Natur mit deutlicheren Vorstellungen erhellt werden, die ehrwürdig und umkämpft zu sein scheint, betreiben nicht nur gewöhnliche Menschen eifrig, sondern auch Könige und die größten der Könige und am meisten die der Perser so, dass man sagt, dass keiner zur Königsherrschaft bei ihnen geleitet werden kann, wenn er sich nicht vorher dem Stamm der Mager angeschlossen hat.
ἔστι δέ τι παράκομμα ταύτης, κυριώτατα φάναι κακοτεχνία, ἣν μηναγύρται καὶ βωμολόχοι μετίασι καὶ γυναίων καὶ ἀνδραπόδων τὰ φαυλότατα, περιμάττειν καὶ καθαίρειν κατεπαγγελλόμενα καὶ στέργοντας μὲν εἰς ἀνήκεστον ἔχθραν, μισοῦντας δὲ εἰς ὑπερβάλλουσαν εὔνοιαν ἄξειν ὑπισχνούμενα φίλτροις καὶ ἐπῳδαῖς τισιν, εἶτα τοὺς ἀπλάστοις καὶ ἀκακωτάτοις ἤθεσι κεχρημένους ἀπατᾷ τε καὶ ἀγκιστρεύεται, μέχρις ἂν τὰς μεγίστας προσλάβωσι συμφοράς, δι’ ἃς οἰκείων καὶ συγγενῶν ὅμιλοι μεγάλοι καὶ πολυάνθρωποι κατὰ μικρὸν ὑπορρέοντες ἀψοφητὶ ταχέως ἐξεφθάρησαν. Es gibt aber eine Fälschung von dieser, eine Unheilskunst [od. Pseudokunst?], um es ganz genau zu sagen, die Bettelpriester und Altardiebe betreiben und das Wertloseste an Weibern und Sklaven, die zu entsühnen und zu reinigen verheißen und Liebende zu unerbittlicher Feindschaft, Hassende aber zu überschäumender Zuneigung zu führen versprechen mit gewissen Liebeszaubern und Beschwörungen; dann betrügen und ködern sie die, die einfache und argloseste Charaktere haben, bis sie die größten Unglücke dazubekommen, derentwegen große und volkreiche Menschenmengen von Vertrauten und Verwandten allmählich dahinschwinden und geräuschlos rasch ganz zugrunde gehen.

Was uns Philon hier als echte Magie verkaufen will, ist mir schleierhaft. Ebenso eigenartig erscheint mir, dass die sofortige Todesstrafe offenbar nur auf den Betrüger, den Scharlatan, der die Zauberei nur vortäuscht, Anwendung finden soll. Ist das eine Konzession an heidnische Vorstellungen von weißer Magie?

In seiner Schrift Darüber, dass jeder Rechtschaffene frei ist (auf lat. Quod omnis probus liber sit) sagt Philon (74):

κατὰ δὲ τὴν βάρβαρον, ἐν ᾗ πρεσβευταὶ λόγων καὶ ἔργων, πολυανθρωπότατα στίφη καλῶν καὶ ἀγαθῶν ἐστιν ἀνδρῶν· ἐν Πέρσαις μὲν τὸ Μάγων, οἳ τὰ φύσεως ἔργα διερευνώμενοι πρὸς ἐπίγνωσιν τῆς ἀληθείας καθ’ ἡσυχίαν τὰς θείας ἀρετὰς τρανοτέραις ἐμφάσεσιν ἱεροφαντοῦνταί τε καὶ ἱεροφαντοῦσιν· ἐν Ἰνδοῖς δὲ τὸ γυμνοσοφιστῶν, οἳ πρὸς τῇ φυσικῇ καὶ τὴν ἠθικὴν φιλοσοφίαν διαπονοῦντες ὅλον ἐπίδειξιν ἀρετῆς πεποίηνται τὸν βίον. Im (nichtgriechischen) Ausland, in dem die Botschafter von Worten auch (solche) von Taten (sind), gibt es äußerst große Gruppen von schönen und guten [d.h. dem aristokratischen Menschenideal entsprechenden] Männern; unter den Persern die der Mager, die, indem sie die Werke der Natur zur Erkenntnis der Wahrheit durchforschen, durch deutlichere Eindrücke in Muße in die göttlichen Tugenden eingeweiht werden und einweihen; bei den Indern die der Gymnosophisten, die, indem sie (zusätzlich) zur Naturphilosophie auch die Moralphilosophie eifrig betreiben, das ganze Leben zu einer Demonstration der Tugend gemacht haben.

Der erste Satz ist schwankend überliefert und sein Sinn ist nicht sicher. Colson (dessen Ausgabe mir nicht auffindbar war) konjiziert daher πρεσβεύεται λόγων ἔργα „(in dem) Taten mehr als Worte geehrt werden“.

Wie zuvor bei Strabon werden die Mager mit den Gymnosophisten auf eine Stufe gestellt. Aber hier nicht als Exponenten der Wahrsagekunst, sondern der ernsthaften Naturforschung und theologischer Erkenntnis. Die Vorstellungen davon, was ein Mager (oder auch ein Gymnosophist) wirklich tut, waren offenbar so verschwommen, dass Philon den Begriff in alle Richtungen dehnen konnte. Wer vermochte, ihn zu widerlegen?

Apostelgeschichte

In der Apostelgeschichte (die von der heutigen Theologie in die Zeit zwischen 80 und 90 n.Chr. datiert wird) wird in Kap. 8 berichtet, wie in Samaria/Sebaste durch die Mission des Philippus die Menschen zum Glauben kommen. Das ist umso erstaunlicher, als die Stadt eine religiöse Vorgeschichte hat (Apg 8,9-11):

9 Ἀνὴρ δέ τις ὀνόματι Σίμων προϋπῆρχεν ἐν τῇ πόλει μαγεύων καὶ ἐξιστάνων τὸ ἔθνος τῆς Σαμαρείας, λέγων εἶναί τινα ἑαυτὸν μέγαν, 10 ᾧ προσεῖχον πάντες ἀπὸ μικροῦ ἕως μεγάλου λέγοντες· οὗτός ἐστιν ἡ δύναμις τοῦ θεοῦ ἡ καλουμένη μεγάλη. 11 προσεῖχον δὲ αὐτῷ διὰ τὸ ἱκανῷ χρόνῳ ταῖς μαγείαις ἐξεστακέναι αὐτούς. 9 Ein Mann namens Simon war vorher in der Stadt da, der Magie trieb und das Volk Samariens aus der Fassung brachte, indem er sagte, dass er selbst jemand Besonderer [wörtl. Großer] sei. 10 Auf den achteten alle [od. dem hingen alle an] von klein bis groß, wobei sie sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die groß genannt wird. 11 Sie achteten auf ihn [od. hingen ihm an], weil er sie beträchtliche Zeit mit den Zaubereien aus der Fassung gebracht hatte.

Simon (von der späteren Tradition mit dem Beinamen Magus versehen) wird nicht als mágos bezeichnet, sondern mit dem Partizip Präsens des Verbums als μαγεύων mageúōn „die Tätigkeit eines Magers ausübend, Zauberei treibend“, seine Tätigkeit als μαγεία mageía „Zauberei, Magie“. Hier wird ein samaritanischer Esoteriker beschrieben, der mit anscheinend aufsehenerregendem Brimborium und einem fast messianischen Anspruch die Menschen in seinen Bann schlägt.

Unklar ist der genaue Sinn des Beinamens: gibt es denn auch eine kleine Kraft Gottes? Oder sollte es heißen τοῦ θεοῦ τοῦ καλουμένου μεγάλου „des Gottes, der groß genannt wird“? Oder ist gar, wie Klostermann gemutmaßt hat, aram. מְגַלֵּי/מְגַלֵּא megallê (Part. Paʿel von גלא) „offenbarend, Offenbarer“ zu verstehen?

Auf der ersten Missionsreise fahren Paulus und Barnabas zuallerst nach Zypern. Zunächst missionieren sie in Salamis. Dann ziehen sie nach Paphos, wo sie auf Widerstand stoßen (Apg 13,6-8):

6 Διελθόντες δὲ ὅλην τὴν νῆσον ἄχρι Πάφου εὗρον ἄνδρα τινὰ Μάγον ψευδοπροφήτην Ἰουδαῖον, ᾧ ὄνομα Βαριησοῦ, 7 ὃς ἦν σὺν τῷ ἀνθυπάτῳ Σεργίῳ Παύλῳ, ἀνδρὶ συνετῷ. οὗτος προσκαλεσάμενος Βαρναβᾶν καὶ Σαῦλον ἐπεζήτησεν ἀκοῦσαι τὸν λόγον τοῦ θεοῦ. 8 ἀνθίστατο δὲ αὐτοῖς Ἐλύμας ὁ Μάγος, οὕτως γὰρ μεθερμηνεύεται τὸ ὄνομα αὐτοῦ, ζητῶν διαστρέψαι τὸν ἀνθύπατον ἀπὸ τῆς πίστεως. 6 Als sie die ganze Insel bis Paphos durchwandert hatten, fanden sie einen Mann, einen Mager, einen jüdischen Pseudopropheten, der den Namen Bar-Jesus hatte, 7 der beim Prokonsol Sergius Paulus war, einem verständigen Mann. Dieser rief Barnabas und Saulus zu sich und begehrte, das Wort Gottes zu hören. 8 Es trat ihnen aber der Mager Elymas entgegen – so nämlich wird sein Name übersetzt–, weil er danach trachtete, den Prokonsul vom Glauben abzuhalten.

Der Prokonsul in Paphos, Statthalter der konsularischen Provinz, hält sich anscheinend eine Art Hofzauberer, einen Juden. Ein Pseudoprophet ist er aus christlicher Sicht, weil sein Wissen und sein Handeln nicht von Gott stammen.

Elymas ist nicht die Übersetzung seines aram. Namens Bar-Jesus „Sohn des Ješua“, sondern wohl aram. Übersetzung des griech. Wortes mágos: חָֽלְמָא ḥāle „Träumer, Traumdeuter“. (Delitzsch denkt an aram. אַלִּימָא ʾallîmâ „stark, mächtig“; dann wäre es ein Beiname, keine Übersetzung. Wendt sagt: von arab. عَليِم ʿalîm „gelehrt, wissend, weise“; aber wieso arabisch? Dalman behauptet: von Ἐλυμαῖος Elymaíos (= ass. elamû) „elamitisch“; auch dann wäre es ein Beiname, keine Übersetzung.)

Flavius Josephus

Flavius Josephus gibt in seinen sog. Jüdischen Altertümern (die um 93/94 n.Chr. erschienen sind) eine Nacherzählung der im Buch Daniel berichteten Ereignisse (Ios. ant.Iud. 10,216f [10,10,6]):

Ὀλίγῳ δ’ ὕστερον χρόνῳ πάλιν ὁρᾷ κατὰ τοὺς ὕπνους ὁ βασιλεὺς ὄψιν ἑτέραν, ὡς ἐκπεσὼν τῆς ἀρχῆς μετὰ θηρίων ἕξει τὴν δίαιταν καὶ διαζήσας οὕτως ἐπὶ τῆς ἐρημίας ἔτεσιν ἑπτὰ αὖθις τὴν ἀρχὴν ἀπολήψεται. τοῦτο θεασάμενος τοὖναρ πάλιν τοὺς Μάγους συγκαλέσας ἀνέκρινεν αὐτοὺς περὶ αὐτοῦ καὶ τί σημαίνοι λέγειν ἠξίου. τῶν μὲν οὖν ἄλλων οὐθεὶς ἠδυνήθη τὴν τοῦ ἐνυπνίου διάνοιαν εὑρεῖν οὐδ’ ἐμφανίσαι τῷ βασιλεῖ, Δανίηλος δὲ μόνος καὶ τοῦτ’ ἔκρινε, καὶ καθὼς οὗτος αὐτῷ προεῖπεν ἀπέβη. Wenige Zeit später sah der König wieder im Schlaf ein anderes Traumgesicht, dass er die Herrschaft verlieren und mit Tieren die Nahrung haben wird, und nachdem er so sieben Jahre in der Einöde gefristet hat, wieder die Herrschaft zurückerhalten wird. Nachdem er diesen Traum geschaut hatte, rief er wieder die Mager zusammen und befragte sie darüber und forderte, (ihm) zu sagen, was er bedeute. Von den anderen nun konnte keiner den Sinn des Traumes finden noch dem König erklären. Allein Daniel deutete diesen, und wie dieser ihm vorhersagte, geschah es.

Das ist eine Kurzfassung von Dan 4. Die Verse 6-9 (3-6 in der Zählung des masoret. Textes) sind in der LXX nicht erhalten, in der Übersetzung Theodotions heißt Dan 4,7 (4,4 masoret. Text):

καὶ εἰσεπορεύοντο οἱ ἐπαοιδοί, Μάγοι, γαζαρηνοί, Χαλδαῖοι, καὶ τὸ ἐνύπνιον εἶπα ἐγὼ ἐνώπιον αὐτῶν, καὶ τὴν σύγκρισιν αὐτοῦ οὐκ ἐγνώρισάν μοι, […] Und es gingen hinein die Beschwörer, Mager, Astrologen, Chaldäer, und ich sagte den Traum vor ihnen, und seine Auslegung machten sie mir nicht bekannt, […]

Kaiser Claudius ernennt 52 n.Chr. den M. Antonius Felix zum Prokurator von Judäa. Drusilla, die Tochter des Herodes Agrippa I., wird 53 n.Chr. mit Azizus von Emesa verheiratet. Aber die Ehe hält nicht lange. Wieso, das beschreibt Josephus so (Ios. ant.Iud. 20,141f [20,7,2]):

Διαλύονται δὲ τῇ Δρουσίλλῃ πρὸς τὸν Ἄζιζον οἱ γάμοι μετ’ οὐ πολὺν χρόνον τοιαύτης ἐμπεσούσης αἰτίας· καθ’ ὃν χρόνον τῆς Ἰουδαίας ἐπετρόπευε Φῆλιξ, θεασάμενος ταύτην (καὶ γὰρ ἦν κάλλει πασῶν διαφέρουσα) λαμβάνει τῆς γυναικὸς ἐπιθυμίαν, καὶ Ἄτομον ὀνόματι, τῶν ἑαυτοῦ φίλων, Ἰουδαῖον, Κύπριον δὲ τὸ γένος, Μάγον εἶναι σκηπτόμενον, πέμπων πρὸς αὐτὴν ἔπειθεν τὸν ἄνδρα καταλιποῦσαν αὐτῷ γήμασθαι, μακαρίαν ποιήσειν ἐπαγγελλόμενος μὴ ὑπερηφανήσασαν αὐτόν. Nach nicht langer Zeit wurde die Ehe Drusillas mit Azizus aus einem solchen sich ereignenden Grund aufgelöst: Zu der Zeit, als Felix Statthalter von Judäa war, sah er diese (und sie zeichnete sich nämlich an Schönheit vor allen aus) und er fasste Verlangen nach der Frau; und er schickte den Atomos mit Namen, (einen) von seinen Freunden, einen Juden, der Herkunft nach ein Zypriot, der vorgab, ein Mager zu sein, zu ihr und suchte sie zu überreden, ihren Mann zu verlassen und sich mit ihm zu vermählen, wobei er versprach, sie glücklich zu machen, wenn sie ihn nicht verächtlich behandle.

Nach anderen Handschriften heißt der vorgebliche Mager Simon – das klingt natürlich nicht so geheimnisvoll. (Vielleicht ist der Gedanke an den Simon Magus aus der Apg für diese Textvariante Pate gestanden.) Er wird sich nicht als Zoroastrier ausgegeben haben, sondern so getan haben, als verfüge er über übersinnliche Kräfte.

Apollonios von Tyana

Apollonios von Tyana war ein neupythagoreischer Philosoph des 1. Jh. n.Chr. Sein Biograph Philostratos (s.u.) schildert ihn als umherziehenden philosophischen Lehrer und Wundertäter, um nicht zu sagen als Zauberer. Ob die dem Apollonios zugeschriebenen Briefe echt sind, ist schwer zu sagen. Zumindest ein Teil mag es sein. Die ganz kurzen Briefe Nr. 16 und 17, gerichtet an seinen philosophischen Konkurrenten, den Stoiker Euphrates, lauten:

16 Μάγους οἴει δεῖν ὀνομάζειν τοὺς ἀπὸ Πυθαγόρου φιλοσόφους, ὧδέ που καὶ τοὺς ἀπὸ Ὀρφέως. ἐγὼ δὲ καὶ τοὺς ἀπὸ τοῦ δεῖνος οἶμαι δεῖν ὀνομάζεσθαι Μάγους, εἰ μέλλουσιν εἶναι θεῖοι τε καὶ δίκαιοι. Du glaubst, die Philosophen von Pythagoras her Mager nennen zu müssen, und so wohl auch die von Orpheus her. Ich glaube, dass auch die von So-und-so her Mager genannt werden müssen, wenn sie beabsichtigen, heilig [wörtl. göttlich] und gerecht zu sein.
17 Μάγους ὀνομάζουσι τοὺς θείους οἱ Πέρσαι. Μάγος οὖν ὁ θεραπευτὴς τῶν θεῶν ἢ ὁ τὴν φύσιν θεῖος, σὺ δ’ οὐ Μάγος, ἀλλ’ ἄθεος. Als Mager bezeichnen die Perser die Heiligen [wörtl. Göttlichen]. Ein Mager (ist) also der Verehrer der Götter oder der von Natur aus Heilige [wörtl. Göttliche]; du aber bist kein Mager, sondern gottfern.

Der Text spielt mit der mehrfachen Bedeutung des Wortes Mager. Aus dem Munde des Euphrates ist es ein Tadel. Dahinter steckt wohl der Vorwurf an Apollonios, seine Wundertaten seien Zauberei, etwas, was als eines Philosophen unwürdig galt. Der Briefschreiber aber bezieht sich auf die Priesterfunktion der persischen Mager und nennt sie daher göttlich, d.h. hier wohl den Göttern nahestehend, im Gegensatz zu átheos „gottlos, gottfern“.

Als Pythagoreer lehnte Apollonios tierische Nahrung, aber auch Tieropfer ab. Darin liegt eine Parallele zum (frühen) Zoroastrismus.

Plutarch

Plutarch (ca. 45-125 n.Chr.), der selber Priester am Apollontempel in Delphi war, schreibt in seinem Werk Über Isis und Osiris (46 = Moralia 369d-e; 47 = Moralia 370b-c):

Καὶ δοκεῖ τοῦτο τοῖς πλείστοις καὶ σοφωτάτοις· νομίζουσι γὰρ οἱ μὲν θεοὺς εἶναι δύο καθάπερ ἀντιτέχνους, τὸν μὲν ἀγαθῶν, τὸν δὲ φαύλων δημιουργόν. οἱ δὲ τὸν μὲν ἀμείνονα θεόν, τὸν δ’ ἕτερον δαίμονα καλοῦσιν· ὥσπερ Ζωροάστρης ὁ Μάγος, ὃν πεντακισχιλίοις ἔτεσι τῶν Τρωικῶν γεγονέναι πρεσβύτερον ἱστοροῦσιν. οὗτος οὖν ἐκάλει τὸν μὲν Ὡρομάζην, τὸν δ’ Ἀρειμάνιον· […] Und dies ist die Ansicht der meisten und weisesten; die einen glauben nämlich, dass es zwei gleichsam rivalisierende Götter gibt, der eine Schöpfer des Guten, der andere des Schlechten. Die anderen nennen den besseren Gott, den anderen aber Dämon; wie z.B. Zoroaster, der Mager, von dem man erzählt, dass er um 5000 Jahre älter gewesen ist als die Zeit Trojas. Dieser nun nannte den einen Horomazes, den anderen Areimanios; […]
Θεόπομπος δέ φησι κατὰ τοὺς Μάγους ἀνὰ μέρος τρισχίλια ἔτη τὸν μὲν κρατεῖν τὸν δὲ κρατεῖσθαι τῶν θεῶν, ἄλλα δὲ τρισχίλια μάχεσθαι καὶ πολεμεῖν καὶ ἀναλύειν τὰ τοῦ ἑτέρου τὸν ἕτερον· τέλος δ’ ἀπολείπεσθαι τὸν Ἅιδην, καὶ τοὺς μὲν ἀνθρώπους εὐδαίμονας ἔσεσθαι […] ἡ μὲν οὖν Μάγων μυθολογία τοιοῦτον ἔχει τρόπον. Theopompos aber sagt, dass nach den Magern abwechselnd 3000 Jahre der eine von den Göttern herrscht, der andere beherrscht wird, (dass sie) weitere 3000 (Jahre) kämpfen und Krieg führen und einer des anderen Dinge auflöst; dass schließlich Hades übrig bleibt, und dass die Menschen glücklich sein werden […] Die Mythologie nun der Mager hat eine solche Beschaffenheit.

Der Text sagt nach meinem Verständnis, „dass Hades übrig bleibt (zurückbleibt)“ o.ä. Doch die zwei von mir konsultierten Übersetzungen übersetzen Marklands Emendation ἀπολεῖσθαι „dass Hades zugrunde gehen (untergehen, verschwinden) wird“.

Hier ist eindeutig von Zoroastriern die Rede. Horomazes und Areimanios sind mpers. ōhrmazd, awest. ahura mazdāh „wissender Herr“ (Barth. Sp. 286 u. 1162) und npers. ahrīman, awest. angra mainyū „feindlicher Geist“ (Barth. Sp. 104 u. 1138). Babbitt übersetzt Magos hier interessanterweise mit „sage“ („weise“) und sagt in der Fußnote: „That is, one of the Persian Magi or Wise Men“. Wieso Mager weise Männer sein sollen, wird nicht erklärt.

Ähnlich im Dialog Über die nachgelassenen Orakel (10 = Moralia 415a):

ἐμοὶ δὲ δοκοῦσι πλείονας λῦσαι καὶ μείζονας ἀπορίας οἱ τὸ τῶν δαιμόνων γένος ἐν μέσῳ θέντες θεῶν καὶ ἀνθρώπων καὶ τρόπον τινὰ τὴν κοινωνίαν ἡμῶν συνάγον εἰς ταὐτὸ καὶ συνάπτον ἐξευρόντες, εἴτε Μάγων τῶν περὶ Ζωροάστρην ὁ λόγος οὗτός ἐστιν, εἴτε Θρᾴκιος ἀπ’ Ὀρφέως εἴτ’ Αἰγύπτιος ἢ Φρύγιος […] Mir scheinen aber mehr und größere Schwierigkeiten die gelöst zu haben, die das Geschlecht der Daimones in die Mitte zwischen Göttern und Menschen gesetzt und auf irgendeine Art (etwas, das) unsere Gemeinschaft zu demselben zusammenführt und verbindet, herausgefunden haben, ob diese Lehre nun von den Magern um Zoroaster ist, oder thrakisch von Orpheus oder ägyptisch oder phrygisch […]

Definitiv ist von zoroastrischen Theologen die Rede, die möglicherweise die Daimones als eine Art halb-göttlicher Wesen definiert haben. („Dämonen“ sind im Dt. böse Geistwesen, das ist hier nicht gemeint.) Babitt gibt die Mager um Zoroaster mit „the wise men of the cult of Zoroaster“ wieder.

Vettius Valens

Der Astrologe Vettius Valens beschreibt in seinen Anthologiae, die zwischen 150 und 175 n.Chr. datiert werden, welchen Charakter Menschen, abhängig von der Sternenkonstellation zur Zeit der Geburt, haben werden. Eine bestimmte Konstellation von Merkus, Mars und Jupiter bringt einen bestimmten Menschenschlag hervor (2,16):

ποιεῖ γὰρ Μάγους, πλάνους, θύτας, ἰατρούς, ἀστρολόγους, ὀχλαγωγούς, τραπεζίτας, παραχαρακτάς, ὁμοιογράφους, διά τε πανουργίας καὶ ἐπιθέσεως καὶ δόλου τὰς πράξεις διοικοῦντας· Es bringt nämlich hervor Mager, Betrüger, Opferpriester, Ärzte, Astrologen, Scharlatane, Geldwechsler, Falschmünzer, Urkundenfälscher, und die durch Verschlagenheit und Überfall und Hinterlist ihre Umtriebe besorgen.

Die Liste geht noch weiter, aber es ist klar, dass Mager zu einem negativen Menschenschlag gehören. Die Ärzte sind wohl als Quacksalber zu verstehen, die Opferpriester als betrügerische Haruspices. Interessant ist, dass auch Astrologen genannt sind. Vettius hat sich selbst also wohl nicht als solcher verstanden.

Pausanias

Pausanias (ca. 110-180 n.Chr.) war ein griechischer Geograph und Reiseschriftsteller der Antoninenzeit. Seine Beschreibung Griechenlands, die gern als antiker Baedeker bezeichnet wird, ist in der Regierungszeit des Kaisers Mark Aurel entstanden. In seiner Darstellung der Sehenswürdigkeiten Olympias beschreibt er auch die diversen Weihegeschenke, darunter auch zwei Bronzepferde samt Wagenlenkern, gestiftet von Phormis aus Mainalos (5,27,3):

3 Οὗτός ἐστιν ὁ ἵππος ὅτῳ καὶ τὸ ἱππομανὲς λόγῳ τῷ Ἠλείων ἔγκειται· δῆλα δὲ καὶ ἄλλως ἐστὶν ἀνδρὸς Μάγου σοφίᾳ γενέσθαι τὰ συμβαίνοντα τῷ ἵππῳ. μέγεθος μὲν ἢ εἶδος ἵππων ἀποδεῖ πολλῷ, ὅσοι τῆς Ἄλτεως ἐντὸς ἑστήκασι, πρὸς δὲ ἀποκέκοπταί τε τὴν οὐρὰν καὶ ἔστιν ἐπὶ τῷ τοιῷδε ἔτι αἰσχίων· οἱ δὲ ἵπποι οἱ ἄρσενες οὔτι που τοῦ ἦρος μόνον ἀλλὰ καὶ ἀνὰ πᾶσαν ἐπ’ αὐτὸν ὀργῶσιν ἡμέραν. Das ist das Pferd, in dem sich nach dem Wort der Eleier auch das Pferdetoll befindet; es ist aber auch sonst offenbar, dass durch die Weisheit eines Mager-Mannes (das) geschieht, was dem Pferd widerfährt. An Größe oder Gestalt steht es um vieles allen Pferden nach, die innerhalb der Altis [dem heiligen Hain] stehen; dazu ist der Schwanz abgeschlagen und es ist dadurch [wörtl. wegen dem Derartigen] noch hässlicher. Die männlichen Pferde aber sind keineswegs etwa nur im Frühling, sondern an jedem Tag nach ihm brünstig.
4 καὶ γὰρ ἐσθέουσιν ἐς τὴν Ἄλτιν ἀπορρηγνύοντες τὰ δεσμὰ ἢ καὶ ἐκφεύγοντες τοὺς ἄγοντας καὶ ἐπιπηδῶσιν αὐτῷ πολλῷ δή τι ἐμμανέστερον ἢ ἐπὶ τὴν καλλίστην ἵππον ζῶσάν τε καὶ ἠθάδα ἀναβαίνεσθαι· ἀπολισθάνουσί τε δὴ αὐτοῖς αἱ ὁπλαὶ καὶ ὅμως οὐκ ἀπαγορεύουσι χρεμετίζοντές τε μᾶλλον καὶ ἐπιπηδῶντες μετὰ βιαιοτέρας τῆς ὁρμῆς, πρὶν ἂν ὑπὸ μαστίγων καὶ ἀνάγκης ἰσχυρᾶς ἀφελκυσθῶσι· πρότερον δὲ οὐκ ἔστιν ἀπαλλαγή σφισιν οὐδεμία ἀπὸ τοῦ χαλκοῦ. Denn sie laufen in die Altis, zerreißen die Fesseln oder entfliehen denen, die (sie) führen, und springen auf es um vieles nun rasender als auf das schönste lebendige Pferd, und das gewohnt ist, besprungen zu werden. Und es gleiten ihnen die Hufe ab, und dennoch werden sie es nicht müde, (noch) mehr zu wiehern und mit heftigerer Begierde hinzuzuspringen, bis sie von Peitschenhieben und starker Gewalt weggezogen werden. Eher gibt es für sie keine Trennung von dem Erz.
5 καὶ ἄλλο ἐν Λυδίᾳ θεασάμενος οἶδα διάφορον μὲν θαῦμα ἢ κατὰ τὸν ἵππον τὸν Φόρμιδος, Μάγων μέντοι σοφίας οὐδὲ αὐτὸ ἀπηλλαγμένον. ἔστι γὰρ Λυδοῖς ἐπίκλησιν Περσικοῖς ἱερὰ ἔν τε Ἱεροκαισαρείᾳ καλουμένῃ πόλει καὶ ἐν Ὑπαίποις, ἐν ἑκατέρῳ δὲ τῶν ἱερῶν οἴκημά τε καὶ ἐν τῷ οἰκήματί ἐστιν ἐπὶ βωμοῦ τέφρα· χρόα δὲ οὐ κατὰ τέφραν ἐστὶν αὐτῇ τὴν ἄλλην. Ich weiß ein anderes Wunder, das ich in Lydien gesehen habe, verschieden von dem hinsichtlich des Pferdes des Phormis, freilich auch dieses nicht ohne [wörtl. frei von] Weisheit von Magern. Die Lyder nämlich mit dem Beinamen Persische haben Heiligtümer in der Hierokaisareia genannten Stadt und in Hypaipa; in jedem der beiden Heiligtümer ist eine Kapelle und in der Kapelle auf einem Altar Asche. Sie hat aber nicht die Farbe entsprechend der übrigen Asche.
6 ἐσελθὼν δὲ ἐς τὸ οἴκημα ἀνὴρ Μάγος καὶ ξύλα ἐπιφορήσας αὖα ἐπὶ τὸν βωμὸν πρῶτα μὲν τιάραν ἐπέθετο ἐπὶ τῇ κεφαλῇ, δεύτερα δὲ ἐπίκλησιν ὅτου δὴ θεῶν ἐπᾴδει βάρβαρα καὶ οὐδαμῶς συνετὰ Ἕλλησιν· ἐπᾴδει δὲ ἐπιλεγόμενος ἐκ βιβλίου· ἄνευ τε δὴ πυρὸς ἀνάγκη πᾶσα ἁφθῆναι τὰ ξύλα καὶ περιφανῆ φλόγα ἐξ αὐτῶν ἐκλάμψαι. Nachdem ein Mager-Mann in die Kapelle hineingegangen ist und dürres Holz auf den Altar daraufgeworfen hat, setzt er zuerst eine Tiara auf den Kopf, dann singt er eine Anrufung von welchem der Götter auch immer, in fremder Sprache und für Griechen durchaus nicht verstehbar; er singt aber, indem er aus einem Buch liest. Und ohne Feuer nun muss das Holz in Brand geraten und eine rings sichtbare Flamme aus ihm hervorleuchten.

Zwei Begebenheiten, bei denen es nicht mit rechten Dingen zugehen kann, die sich nur vermöge Zauberei („Mager-Weisheit“) ereignen können. Wobei mir nicht klar ist, ob Pausanias wirklich an übersinnliche Kräfte oder doch eher an Zaubertricks denkt. Beim ersten Fall kann es sich wohl nur um eine urban legend handeln. Beim zweiten Fall, den Pausanias selbst beobachtet haben will, wird der Mager wohl auch Priester, welchen Gottes auch immer, sein. Die Selbstentzündung des Holzes auf dem Altar ist vielleicht ein Zaubertrick wie ihn Hippolytus von Rom (2./3. Jh.) in seiner Widerlegung aller Irrlehren beschreibt (4,33,3):

ἀνάπτεται δὲ δι’ αὐτοῦ τοῦ Μάγου σπένδοντος ἡ πυρὰ τίτανον ὑποκαιομένην ἔχουσα ἀντὶ σποδιᾶς καὶ λιβανωτὸν λεπτὸν καὶ πολύν. Wenn der Mager (ein Trankopfer) ausgießt, entzündet sich dadurch der Opferherd, der Kalk, der darunter brennt [oder: angezündet wird], statt Asche hat und viel feinen Weihrauch.

Hier hat vermutlich ein bekehrter Mager aus dem Nähkästchen geplaudert: ein Zaubertrick aus dem Chemiebaukasten. Vielleicht gebrannter Kalk, der durch das Wasser des Trankopfers gelöscht wird, sich dabei erhitzt und den Weihrauch (und Schwefel oder Öl) zur Entzündung bringt?

Numenios von Apameia

Numenios war ein Philosoph aus dem syrischen Apameia und lebte im 2. Jh. n.Chr. Seine Werke sind nur in Zitaten bei anderen Autoren überliefert, namentlich bei Eusebios. In dessen Vorbereitung auf das Evangelium (lat. Praeparatio evangelica), die etwa zwischen 313 und 323 n.Chr. entstanden ist, zitiert er aus dem ersten Buch von Numenios' Über das Gute (Praep. evang. 9,7):

Εἰς δὲ τοῦτο δεήσει εἰπόντα καὶ σημηνάμενον ταῖς μαρτυρίαις ταῖς Πλάτωνος ἀναχωρήσασθαι καὶ ξυνδήσασθαι τοῖς λόγοις τοῦ Πυθαγόρου, ἐπικαλέσασθαι δὲ τὰ ἔθνη τὰ εὐδοκιμοῦντα, προσφερόμενον αὐτῶν τὰς τελετὰς καὶ τὰ δόγματα τάς τε ἱδρύσεις συντελουμένας Πλάτωνι ὁμολογουμένως, ὁπόσας Βραχμᾶνες καὶ Ἰουδαῖοι καὶ Μάγοι καὶ Αἰγύπτιοι διέθεντο. Wenn man dazu gesprochen hat und (es) durch die Zeugnisse Platons gekennzeichnet [oder: erschlossen?] hat, wird es nötig sein, zurückzugehen und (es) mit den Lehren des Pythagoras zu verbinden, die Völker aber, die ein gutes Ansehen haben, herbeizurufen, sich ihren Festen und Verordnungen und Einrichtungen anschließend, die in Übereinstimmung mit Platon vollendet werden, soviele die Brahmanen und Juden und Mager und Ägypter eingerichtet haben.

Mager und Gymnosophisten oder Mager und Brahmanen: diese Zusammenstellung begegnet uns öfter in der antiken Literatur. Sie soll wohl auf die religiös-sittliche Komponente des Magertums hinweisen. Eher wird man also an persische Priester denken müssen als an griechische Wetterzauberer. (Brahmanen sind Angehörige der obersten indischen Kaste, die die Priester stellt.)

Gleich anschließend zitiert Eusebios aus dem dritten Buch desselben Werks (Praep. evang. 9,8):

Τὰ δ’ ἑξῆς Ἰαννῆς καὶ Ἰαμβρῆς Αἰγύπτιοι ἱερογραμματεῖς, ἄνδρες οὐδενὸς ἥττους μαγεῦσαι κριθέντες εἶναι, ἐπὶ Ἰουδαίων ἐξελαυνομένων ἐξ Αἰγύπτου. Als nächstes Jannes und Jambres, ägyptische Schriftgelehrte, Männer, von denen man urteilte, dass sie beim Zaubern niemandem nachstanden zu der Zeit, als die Juden aus Ägypten vertrieben wurden.

Jannes und Jambres waren der späteren jüdischen Überlieferung zufolge die Namen der ägyptischen Zauberer, die Mose entgegentraten. (Ihre Namen werden im NT in 2Tim 3,8 genannt.) In der LXX werden die ägyptischen Zauberer als φαρμακοί und ἐπαοιδοί bezeichnet, ihre Zauberei als φαρμακείαι (Ex 7,11.22; 8,3.14f).

Lukian

Unter den Werken, die Lukian von Samosata (römische Provinz Syrien) (ca. 120-180 n.Chr.) zugeschrieben werden, findet sich auch eines, das Lucius oder der Esel betitelt ist. Hierbei handelt es sich wohl um die Kurzfassung eines antiken Romans. Ein junger Grieche kommt zu einem Geschäftsfreund seines Vaters nach Hypata in Thessalien. Weil Thessalien für seine Zauberinnen bekannt ist, hofft er, dort etwas Zauberei zu Gesicht zu bekommen (Luc. asin. 4):

ἐπεθύμουν δὲ σφόδρα μείνας ἐνταῦθα ἐξευρεῖν τινα τῶν μαγεύειν ἐπισταμένων γυναικῶν καὶ θεάσασθαί τι παράδοξον, ἢ πετόμενον ἄνθρωπον ἢ λιθούμενον. Ich begehrte sehr, dort zu bleiben und eine von den Frauen, die sich darauf verstehen, Magie zu treiben, ausfindig zu machen und etwas Wundersames anzuschauen, einen fliegenden Menschen oder einen, der sich in Stein verwandelt.

Auf seiner Suche trifft er eine Frau, die ihn warnt, sobald sie erfährt, wer sein Gastgeber ist (4):

Φυλάττου μοι, ἔφη, τὴν Ἱππάρχου γυναῖκα πάσῃ μηχανῇ· Μάγος γάρ ἐστι δεινὴ καὶ μάχλος καὶ πᾶσι τοῖς νέοις ἐπιβάλλει τὸν ὀφθαλμόν· καὶ εἰ μή τις ὑπακούσει αὐτῇ, τοῦτον τῇ τέχνῃ ἀμύνεται, καὶ πολλοὺς μετεμόρφωσεν εἰς ζῷα, τοὺς δὲ τέλεον ἀπώλεσε· Nimm dich auf jede Weise in acht vor der Frau des Hipparchos. Denn sie ist eine mächtige und lüsterne Magerin und wirft ihr Auge auf alle jungen Männer. Und wenn ihr einer nicht gehorcht, an dem rächt sie sich mit ihrer Kunst, und viele hat sie in Tiere verwandelt, andere aber hat sie völlig vernichtet.

Lucius beobachtet, wie sich die Magerin (das Wort hier also feminin!) in einen Raben verwandelt und davonfliegt. Er möchte es ihr gleichtun, wird aber durch die unautorisierte und unsachgemäße Anwendung des Zaubermittels in einen Esel verwandelt und muss etliches Leid über sich ergehen lassen, bis er seine menschliche Gestalt zurückgewinnt. Die Magerin ist hier also eine Zauberin, um nicht zu sagen eine Hexe.

In seiner Schrift Alexander oder falscher Seher beschreibt Lukian den Werdegang des Alexander von Abonoteichos, des Begründers eines Mysterienkultes in Kleinasien. In Kap. 6 heißt es:

[…] ἀλλὰ κοινωνήσας Βυζαντίῳ τινὶ χορογράφῳ τῶν καθιέντων εἰς τοὺς ἀγῶνας, πολὺ καταρατοτέρῳ τὴν φύσιν – Κοκκωνᾶς δέ, οἶμαι, ἐπεκαλεῖτο – περιῄεσαν γοητεύοντες καὶ μαγγανεύοντες καὶ τοὺς παχεῖς τῶν ἀνθρώπων – οὕτως γὰρ αὐτοὶ τῇ πατρίῳ τῶν Μάγων φωνῇ τοὺς πολλοὺς ὀνομάζουσιν – ἀποκείροντες. […] aber nachdem er sich einem Chorlieddichter aus Byzanz angeschlossen hatte, (einem) von denen, die sich zu den Wettkämpfen begeben, einem seiner Natur nach (noch) viel Verruchterem – Kokkonas, glaube ich, wurde er genannt –, zogen sie herum, zaubernd und betrügend und die Dicken der Menschen – denn so nennen sie selber die Menge in der heimatlichen Sprache der Mager – abscherend.

Die „heimatliche Sprache der Mager“ scheint dem zu entsprechen, was wir im Dt. als Rotwelsch oder Argot bezeichnen, d.h. als Gaunersprache.

In der Satire Menippos oder die Totenbefragung beschließt der Titelheld Menippos, in den Hades hinabzusteigen, um Teiresias zu befragen. Doch wie kommt man da hin? In Babylon findet Menippus den Chaldäer Mithrobarzanes, der ihn in das Totenreich bringt (Men. 6ff):

6 καί μοί ποτε διαγρυπνοῦντι τούτων ἕνεκα ἔδοξεν εἰς Βαβυλῶνα ἐλθόντα δεηθῆναί τινος τῶν Μάγων τῶν Ζωροάστρου μαθητῶν καὶ διαδόχων· ἤκουον δ’ αὐτοὺς ἐπῳδαῖς τε καὶ τελεταῖς τισιν ἀνοίγειν τοῦ Ἅιδου τὰς πύλας καὶ κατάγειν ὃν ἂν βούλωνται ἀσφαλῶς καὶ ὀπίσω αὖθις ἀναπέμπειν. […] Und als ich deswegen einmal die ganze Nacht wach lag, beschloss ich, nach Babylon zu kommen und einen von den Magern, den Schülern und Nachfolgern des Zoroaster, zu bitten. Ich hatte gehört, dass sie mit Beschwörungen und irgendwelchen Zeremonien die Pforten des Hades öffnen und sicher hinabführen, wen sie wollen, und hinterher wieder hinaufschicken. […]
7 εἶτά με ὅλον καταμαγεύσας καὶ περιελθών, ἵνα μὴ βλαπτοίμην ὑπὸ τῶν φασμάτων, ἐπανάγει εἰς τὴν οἰκίαν, ὡς εἶχον, ἀναποδίζοντα, καὶ τὸ λοιπὸν ἀμφὶ πλοῦν εἴχομεν. Dann, nachdem er mich zur Gänze bezaubert und umrundet hatte, damit ich von den Geistern keine Schaden erleide, führt er (mich) zurück ins Haus, wie ich war (d.h. unverzüglich?), zurücktretend (=rückwärts gehend?); und hierauf waren wir mit der Fahrt beschäftigt.
8 αὐτὸς μὲν οὖν μαγικήν τινα ἐνέδυ στολὴν τὰ πολλὰ ἐοικυῖαν τῇ Μηδικῇ, ἐμὲ δὲ τουτοισὶ φέρων ἐνεσκεύασε, τῷ πίλῳ καὶ τῇ λεοντῇ καὶ προσέτι τῇ λύρᾳ […]. Er selbst nun zog irgendein magisches Gewand an, das zum Großteil einem medischen (Gewand) ähnelte, mich aber staffierte er eilends mit diesem hier aus, dem Filzhut und der Löwenhaut und dazu der Leier […].
9 περαιωθέντες δὲ καὶ ταύτην ἀφικνούμεθα εἰς τι χωρίον ἔρημον καὶ ὑλῶδες καὶ ἀνήλιον, εἰς ὃ καὶ δὴ ἀποβάντες – ἡγεῖτο δὲ ὁ Μιθροβαρζάνης – βόθρον τε ὠρυξάμεθα καὶ τὰ μῆλα κατεσφάξαμεν καὶ τὸ αἷμα περὶ αὐτὸν ἐσπείσαμεν. ὁ δὲ Μάγος ἐν τοσούτῳ δᾷδα καιομένην ἔχων οὐκέτ’ ἠρεμαίᾳ τῇ φωνῇ, παμμέγεθες δέ, ὡς οἷός τε ἦν, ἀνακραγὼν δαίμονάς τε ὁμοῦ πάντας ἐπεβοᾶτο καὶ Ποινὰς καὶ Ἐρινύας
  καὶ νυχίαν Ἑκάτην καὶ ἐπαινὴν Περσεφόνειαν,
παραμιγνὺς ἅμα βαρβαρικά τινα καὶ ἄσημα ὀνόματα καὶ πολυσύλλαβα.
Nachdem wir auch diesen [See] überquert hatten, gelangten wir an einen einsamen und waldigen und sonnenlosen Ort, an dem wir nunmehr auch landeten – Mithrobarzanes aber ging voran – und uns eine Grube aushoben und die Schafe abschlachteten und das Blut um sie [die Grube] herum ausgossen. Der Mager unterdessen, eine brennende Fackel haltend, rief nicht mehr mit ruhiger Stimme, sehr laut aber, wie er es vermochte, aufschreiend, alle Daimones zusammen herbei und Rachegeister und Erinyen
„und die nächtliche Hekate und die schreckliche Persephone“,
wobei er zugleich irgendwelche barbarische [nicht-griechische, persische?] unverständliche und vielsilbige Namen beimischte.

Hekate ist eine aus Kleinasien stammende Göttin der Magie und Nekromantie. Persephone ist die Gattin des Hades und somit Königin des Totenreichs.

Ein Chaldäer, der ein Mager ist, der Nekromantie betreibt und sich dazu als Meder kleidet. Diese Art Mager ist nur noch im allerweitesten Sinn Schüler und Nachfolger des Zoroaster. Natürlich überzeichnet die Satire. Sie zeigt, wie ein Rationalist und Skeptiker die Dinge wahrnahm oder empfand. Aber es dürfte durchaus der Realität entsprochen haben, dass sich Zauberer gern mit der Aura des Persischen umgeben haben: persische Kleidung, persisch klingende Wörter.

Testamente der Patriarchen

Die Testamente der Patriarchen sind eine apokryphe Schrift, von der umstritten ist, ob sie eine jüdische Grundschrift mit späteren christlichen Interpolationen ist oder ein von Haus aus christliches Erzeugnis (evt. mit einer jüdischen Vorlage). In seiner gegenwärtigen Form stammt sie wohl aus dem 2. Jh. Im Testament Rubens wird vor Unzucht gewarnt und als leuchtendes Beispiel Joseph vor Augen gestellt, der den Avancen der Frau des Potiphar widerstanden hat (Rub. 4,9):

Καὶ γὰρ πολλὰ ἐποίησεν αὐτῷ ἡ Αἰγυπτία, καὶ Μάγους προσεκάλεσεν καὶ φάρμακα αὐτῷ προσήνεγκε· καὶ οὐκ ἐδέξατο τὸ διαβούλιον τῆς ψυχής αὐτοῦ ἐπιθυμίαν πονηράν. Denn viel tat ihm die Ägypterin, und sie rief Mager herbei und sie bot ihm Zaubertränke dar; und der Entschluss seiner Seele ertrug keine böse Begierde.

Es ist klar, dass hier ägyptische Beschwörer oder Zauberer gemeint sind.

Clemens von Alexandria

Clemens von Alexandria (ca. 150 - ca. 215) war ein Kirchenschriftsteller, der versuchte, heidnische Philosophie mit christlichem Offenbarungsglauben zu verbinden. In seinem Hauptwerk, das den Titel Stromateís oder Strómata „(Flicken-)Teppiche“ (im Sinne von „buntes Allerlei“) trägt, schreibt er (Strom. 6,3,31,1-2):

Λέγουσι δ’ οὖν τινες λοιμούς τε καὶ χαλάζας καὶ θυέλλας καὶ τὰ παραπλήσια οὐκ ἀπὸ τῆς ἀταξίας τῆς ὑλικῆς μόνης, ἀλλὰ καὶ κατά τινα δαιμόνων ἢ καὶ ἀγγέλων οὐκ ἀγαθῶν ὀργὴν φιλεῖν γίνεσθαι. αὐτίκα φασὶ τοὺς ἐν Κλεωναῖς Μάγους φυλάττοντας τὰ μετέωρα τῶν χαλαζοβολήσειν μελλόντων νεφῶν παράγειν ᾠδαῖς τε καὶ θύμασι τῆς ὀργής τὴν ἀπειλήν. ἀμέλει καὶ εἴ ποτε ἀπορία ζῴου καταλάβοι, τὸν σφέτερον αἱμάξαντες δάκτυλον ἀρκοῦνται τῷ θύματι. Manche nun sagen, dass Seuchen und Hagel und Stürme und Ähnliches nicht allein von der stofflichen Unordnung, sondern auch infolge eines Zorns von Dämonen oder auch nicht guter Engel zu entstehen pflegen. So zum Beispiel sagt man, dass die Mager in Kleonai [Stadt in der Peloponnes], die die Himmelserscheinungen der Wolken, die im Begriff sind zu hageln, beobachten, die Drohung des Zornes durch Gesänge und Opfer vorbeiführen. Und wenn einmal Mangel an einem [Opfer-]Tier eintrete, begnügen sie sich mit dem Opfer, indem sie ihren eigenen Finger blutig machen.

Der Mager erscheint hier als Medizinmann, der, ähnlich einem Regenmacher, Wetterzauber ausübt (Nock: „hail-watchers“).

Aber natürlich kannte Clemens auch den Mager im Sinne des persischen Priesters und Theologen. Das zeigt sich, wenn er von den Vorläufern, um nicht zu sagen Vorbildern, der griechischen Philosophie bei den „Barbaren“ (Nichtgriechen) spricht (Strom. 1,71,4):

προέστησαν δ’ αὐτῆς Αἰγυπτίων τε οἱ προφῆται καὶ Ἀσσυρίων οἱ Χαλδαῖοι καὶ Γαλατῶν οἱ Δρυΐδαι καὶ Σαμαναῖοι Βάκτρων καὶ Κελτῶν οἱ φιλοσοφήσαντες καὶ Περσῶν οἱ Μάγοι (οἳ μαγείᾳ καὶ τοῦ σωτῆρος προεμήνυσαν τὴν γένεσιν, ἀστέρος αὐτοῖς καθηγουμένου εἰς τὴν Ἰουδαίαν ἀφικνούμενοι γῆν) Ἰνδῶν τε οἱ γυμνοσοφισταί, ἄλλοι γε φιλόσοφοι βάρβαροι. An ihre [der Philosophie] Spitze traten bei Ägyptern die Wahrsager und bei Assyrern die Chaldäer und bei Galatern die Druiden und Samanäer bei Baktrern und bei Kelten, die Weisheit lieben, und bei Persern die Mager (die mit Magie auch die Geburt des Erlösers vorher mitteilten, wobei, als sie ins judäische Land gelangten, ein Stern ihnen den Weg zeigte) und bei Indern die Gymnosophisten, andere barbarische Philosophen.

Galater sind kleinasiatische Gallier, Chaldäer sind Astrologen, Samanäer wahrscheinlich buddhistische Bettelmönche (im Pali: samaṇa).

Wie andere Autoren auch stellt Clemens die persischen Mager auf eine Stufe mit Gymnosophisten, aber auch mit Astrologen, Druiden, Wahrsagern. Clemens sieht die „Philosophie“ dieser Gruppen positiv, als Vorläuferin der griechischen Philosophie und damit als Vorstufe der christlichen Erkenntnis.

Philostratos

Philostratos (ca. 170-250) ist vor allem bekannt als Biograph des Apollonios von Tyana (s.o.). Er stellt Apollonios als Wundertäter und Zauberer dar, muss ihn aber gleichzeitig gegen den Vorwurf der (gewerbsmäßigen, gewinnorientierten) Zauberei in Schutz nehmen (z.B. 5,12, vgl. 8,7,3). Dabei gebraucht er meist die Begriffe góēs „Zauberer“ und goēteúō „(be)zaubern“. Ziemlich zu Beginn der Lebensbeschreibung ist es aber der Begriff mágos, um den es geht:

[…] Ἀπολλώνιον […] καὶ γενόμενον κατὰ χρόνους οὔτ’ ἀρχαίους οὔτ’ αὖ νέους οὔπω οἱ ἄνθρωποι γιγνώσκουσιν ἀπὸ τῆς ἀληθινῆς σοφίας, ἣν φιλοσόφως τε καὶ ὑγιῶς ἐπήσκησεν, ἀλλ’ ὁ μὲν τό, ὁ δὲ τὸ ἐπαινεῖ τοῦ ἀνδρός, οἱ δέ, ἐπειδὴ Μάγοις Βαβυλωνίων καὶ Ἰνδῶν Βραχμᾶσι καὶ τοῖς ἐν Αἰγύπτῳ Γυμνοῖς συνεγένετο, Μάγον ἡγοῦνται αὐτὸν καὶ διαβάλλουσιν ὡς βιαίως σοφόν, κακῶς γιγνώσκοντες· Ἐμπεδοκλῆς τε γὰρ καὶ Πυθαγόρας αὐτὸς καὶ Δημόκριτος, ὁμιλήσαντες Μάγοις καὶ πολλὰ δαιμόνια εἰπόντες, οὔπω ὑπήχθησαν τῇ τέχνῃ. Und obwohl Apollonios weder in alten Zeiten gelebt hat, noch hinwiederum in (ganz) neuen, kennen ihn die Menschen noch nicht wegen der wahren Weisheit, die er in philosophischer und vernünftiger Weise ausgeübt hat, sondern der eine lobt dies, der andere das an dem Mann, manche aber, weil er mit Magern der Babylonier und Brahmanen der Inder und den Nackten [d.h. Asketen?] in Ägypten zusammengetroffen ist, halten ihn für einen Mager und verleumden ihn als einen gewaltsam Weisen, womit sie ihn übel beurteilen. Denn Empedokles und Pythagoras selbst und Demokrit wurden, obwohl sie mit Magern verkehrt und viel Übernatürliches gesagt hatten, nicht zur [Zauber-]Kunst verführt.
[…] καὶ σοφίᾳ ταῦτα τοῦ Ἀναξαγόρου προστιθέντες ἀφαιροῦνται τὸν Ἀπολλώνιον τὸ κατὰ σοφίαν προγιγνώσκειν καί φασιν, ὡς Μάγῳ τέχνῃ τοῦτ’ ἔπραττεν. […] Und während sie dies [die in Erfüllung gegangenen Verhersagen des Anaxagoras] der Weisheit des Anaxagoras zuschreiben, rauben sie dem Apollonius das Vorauswissen gemäß der Weisheit und sagen, dass er dies durch magische Kunst getan hat.

Die Mager der Babylonier sind wohl kaum (zoroastrische) Priester. Mager ist hier synonym zu góēs.

Cassius Dio

Cassius Dio, ein nur wenige Jahre jüngerer Zeitgenosse des Philostratos, schätzt Apollonios in seiner auf Griechisch verfassten Römischen Geschichte ebenfalls als Zauberer ein (78,18,4):

Τοῖς δὲ Μάγοις καὶ γόησιν οὕτως ἔχαιρεν ὡς καὶ Ἀπολλώνιον τὸν Καππαδόκην τὸν ἐπὶ τοῦ Δομιτιανοῦ ἀνθήσαντα ἐπαινεῖν καὶ τιμᾶν, ὅστις καὶ γόης καὶ Μάγος ἀκριβὴς ἐγένετο, καὶ ἡρῷον αὐτῷ κατασκευάσαι. An Magern und Zauberern hatte er [Kaiser Caracalla] solche Freude, dass er auch Apollonios, den Kappadokier, der zur Zeit Domitians geblüht hatte und der ein rechter Zauberer und Mager war, lobte und ehrte und ihm einen Heroentempel erbaute.

Auch hier stehen mágos und góēs synonym nebeneinander.

Herodian

Herodian (ca. 175-250 n.Chr.) war ein Griechisch schreibender römischer Historiker, der eine Geschichte des Kaisertums nach Mark Aurel verfasst hat. Über Kaiser Caracalla, den er nach seinem offiziellen Kaisernamen Antoninus nennt, schreibt er (4,12,3f:)

περιεργότατος γὰρ ὢν οὐ μόνον τὰ ἀνθρώπων πάντα εἰδέναι ἤθελεν, ἀλλὰ καὶ τὰ θεῖά τε καὶ δαιμόνια πολυπραγμονεῖν. ἀεί τε πάντας ὑπώπτευεν ὡς ἐπιβουλεύοντας, χρηστηρίων τε πάντων ἐνεφορεῖτο τούς τε πανταχόθεν Μάγους τε καὶ ἀστρονόμους καὶ θύτας μετεπέμπετο· καὶ οὐδεὶς αὐτὸν ἐλάνθανε τῶν τὴν γοητείαν ταύτην ὑπισχνουμένων. Da er nämlich sehr neugierig war, wollte er nicht nur alle menschlichen Dinge wissen, sondern auch die Göttlichen und Daimonischen ausforschen. Und da er immer alle verdächtigte, dass sie Böses vorhaben, bediente er sich im Übermaß aller Orakel und ließ die Mager von überall her und Sterndeuter und Opferpriester holen. Und niemand derer, die diese Zauberei versprachen, blieb ihm verborgen.
[…] κελεύει τε αὐτῷ Μάγων τοὺς ἀρίστους ζητήσαντι νεκυίᾳ τε χρησαμένῳ μαθεῖν περὶ τοῦ τέλους τοῦ βίου αὐτοῦ, καὶ μή τις ἄρα ἐπιβουλεύοι τῇ ἀρχῇ. […] Und er [der Kaiser] befiehlt ihm [dem Maternianus], nachdem er die besten der Mager gesucht und ein Totenopfer durchgeführt hat, (etwas) über sein Lebensende zu erfahren, und ob etwa jemand also nach der Herrschaft trachte.

Mager, Astronomen, Haruspices, Orakel – Caracalla benutzt hier das ganze antike Arsenal der Wahrsagekunst. Die νέκυια nékyia ist das bekannte Totenopfer im 11. Gesang der Odyssee, durch das die Seelen der Toten heraufbeschworen werden, um sie zu befragen.

Diogenes Laertios

Die ausführlichste Darstellung zum Thema ist eine Passage aus Diogenes Laertios, einem Doxographen vermutlich der Severerzeit (3. Jh. n.Chr.). Er schreibt dort über die Frage, ob die Philosophie ihren Ursprung bei den Griechen oder bei Nichtgriechen hat (1,6-9):

6 Οἱ δὲ φάσκοντες ἀπὸ βαρβάρων ἄρξαι φιλοσοφίαν καὶ τὸν τρόπον παρ’ ἑκάστοις αὐτῆς ἐκτίθενται· καί φασι τοὺς μὲν γυμνοσοφιστὰς καὶ δρυΐδας αἰνιγματωδῶς ἀποφθεγγομένους φιλοσοφῆσαι, σέβειν θεοὺς καὶ μηδὲν κακὸν δρᾶν καὶ ἀνδρείαν ἀσκεῖν. Die aber sagen, Philosophie habe bei Nichtgriechen begonnen, setzen auch die Art und Weise bei den einzelnen von ihr auseinander; und sie sagen, dass die Gymnosophisten [indische Asketen der Alexanderzeit] und Druiden philosophiert haben, indem sie auf rätselhafte Weise Aussprüche taten, Götter zu verehren und nichts Böses zu tun und Tapferkeit zu üben.
τοὺς γοῦν γυμνοσοφιστὰς καὶ θανάτου καταφρονεῖν φησι Κλείταρχος ἐν τῇ δωδεκάτῃ· τοὺς δὲ Χαλδαίους περὶ ἀστρονομίαν καὶ πρόρρησιν ἀσχολεῖσθαι· τοὺς δὲ Μάγους περί τε θεραπείας θεῶν διατρίβειν καὶ θυσίας καὶ εὐχάς, ὡς αὐτοὺς μόνους ἀκουομένους. Dass jedenfalls die Gymnosophisten auch den Tod verachteten, sagt Kleitarchos im 12. Buch; dass die Chaldäer sich mit Sternenkunde und Vorhersage beschäftigen; dass die Mager sich mit Götterverehrung und Opfern und Gebeten befassen, weil sie allein gehört werden würden.
ἀποφαίνεσθαί τε περί τε οὐσίας θεῶν καὶ γενέσεως, οὓς καὶ πῦρ εἶναι καὶ γῆν καὶ ὕδωρ· τῶν δὲ ξοάνων καταγινώσκειν, καὶ μάλιστα τῶν λεγόντων ἄρρενας εἶναι θεοὺς καὶ θηλείας. Und sie würden sich über das Wesen und Werden von Göttern äußern, die Feuer seien und Erde und Wasser; die Götterbilder würden sie verurteilen und am meisten die, die sagen, Götter seien männlich und weiblich.
7 περί τε δικαιοσύνης λόγους ποιεῖσθαι, καὶ ἀνόσιον ἡγεῖσθαι πυρὶ θάπτειν· καὶ ὅσιον νομίζειν μητρὶ ἢ θυγατρὶ μίγνυσθαι, ὡς ἐν τῷ εἰκοστῷ τρίτῳ φησὶν ὁ Σωτίων· ἀσκεῖν τε μαντικὴν καὶ πρόρρησιν, καὶ θεοὺς αὑτοῖς ἐμφανίζεσθαι λέγοντας. Und über Gerechtigkeit würden sie reden, und sie würden es für gottlos halten, mit Feuer zu bestatten; und sie würden es für gottwohlgefällig halten, sich mit Mutter oder Tochter zu vereinigen, wie Sotion im 23. Buch sagt. Und sie würden Seherkunst und Vorhersage ausüben, wobei sie sagen, dass sich die Götter ihnen auch zeigen.
ἀλλὰ καὶ εἰδώλων πλήρη εἶναι τὸν ἀέρα, κατ’ ἀπόρροιαν ὑπ’ ἀναθυμιάσεως εἰσκρινομένων ταῖς ὄψεσι τῶν ὀξυδερκῶν· προκοσμήματά τε καὶ χρυσοφορίας ἀπαγορεύειν. Aber es sei die Luft auch voll von Bildern, die entsprechend dem Abfluss vom Aufdampfen in die Augen der Scharfsichtigen hineingebracht werden. Auffallenden Schmuck und Tragen von Gold würden sie verbieten.
τούτων δὲ ἐσθὴς μὲν λευκή, στιβὰς δὲ εὐνή, καὶ λάχανον τροφή, τυρός τε καὶ ἄρτος εὐτελής, καὶ κάλαμος ἡ βακτηρία, ᾧ κεντοῦντες, φασί, τοῦ τυροῦ ἀνῃροῦντο καὶ ἀπήσθιον. Deren Kleidung war weiß, Streu das Lager, und Gemüse die Nahrung, Käse und schlichtes Brot, und Schilfrohr der Stock, mit dem sie, sagt man, hineinstachen und vom Käse aufhoben und abbissen.
8 Τὴν δὲ γοητικὴν μαγείαν οὐδ’ ἔγνωσαν, φησὶν Ἀριστοτέλης ἐν τῷ Μαγικῷ καὶ Δείνων ἐν τῇ πέμπτῃ τῶν Ἱστοριῶν· ὃς καὶ μεθερμηνευόμενόν φησι τὸν Ζωροάστρην ἀστροθύτην εἶναι· φησὶ δὲ τοῦτο καὶ ὁ Ἑρμόδωρος. Die gauklerische Zauberei kannten sie nicht, sagt Aristoteles im Magikos und Deinon im 5. Buch der Historien; der sagt auch, dass Zoroastres übersetzt ein Sternanbeter sei; dies sagt auch Hermodoros.
Ἀριστοτέλης δ’ ἐν πρώτῳ Περὶ φιλοσοφίας καὶ πρεσβυτέρους εἶναι τῶν Αἰγυπτίων· καὶ δύο κατ’ αὐτοὺς εἶναι ἀρχάς, ἀγαθὸν δαίμονα καὶ κακὸν δαίμονα· καὶ τῷ μὲν ὄνομα εἶναι Ζεὺς καὶ Ὠρομάσδης, τῷ δὲ Ἅιδης καὶ Ἀρειμάνιος. φησὶ δὲ τοῦτο καὶ Ἕρμιππος ἐν τῷ πρώτῳ Περὶ Μάγων καὶ Εὔδοξος ἐν τῇ Περιόδῳ καὶ Θεόπομπος ἐν τῇ ὀγδόῃ τῶν Φιλιππικῶν· Aristoteles im ersten Buch Über Philosophie, dass sie auch älter sind als die Ägypter; und dass es ihnen zufolge zwei Prinzipien gebe, eine gute Gottheit und eine böse Gottheit; der eine heiße Zeus und Oromasdes, der andere Hades und Areimanios. Dies sagt auch Hermippos im 3. Buch Über Mager, und Eudoxos im Periodos [Umrundung], und Theopomp im 8. Buch der Philippika.
9 ὃς καὶ ἀναβιώσεσθαι κατὰ τοὺς Μάγους φησὶ τοὺς ἀνθρώπους καὶ ἔσεσθαι ἀθανάτους, καὶ τὰ ὄντα ταῖς αὐτῶν ἐπικλήσεσι διαμενεῖν. ταῦτα δὲ καὶ Εὔδημος ὁ Ῥόδιος ἱστορεῖ. Der sagt auch, dass den Magern zufolge die Menschen ins Leben zurückgerufen werden und unsterblich sein werden und dass das Seiende fortdauern wird in seinen Benennungen [od. durch ihre Anrufungen]. Das berichtet auch Eudemos von Rhodos.
Ἑκαταῖος δὲ καὶ γενητοὺς τοὺς θεοὺς εἶναι κατ’ αὐτούς. Κλέαρχος δὲ ὁ Σολεὺς ἐν τῷ Περὶ παιδείας καὶ τοὺς γυμνοσοφιστὰς ἀπογόνους εἶναι τῶν Μάγων φησίν· ἔνιοι δὲ καὶ τοὺς Ἰουδαίους ἐκ τούτων εἶναι. Hekataios (berichtet), dass ihnen zufolge auch die Götter geworden sind. Klearchos von Soloi sagt in seinem Über Erziehung, dass auch die Gymnosophisten Abkömmlinge der Mager sind. Einige aber (sagen), dass auch die Juden von diesen her sind [d.h. abstammen].
πρὸς τούτοις καταγινώσκουσιν Ἡροδότου οἱ τὰ περὶ Μάγων γράψαντες· μὴ γὰρ ἂν εἰς τὸν ἥλιον βέλη Ξέρξην ἀκοντίσαι, μηδ’ εἰς τὴν θάλασσαν πέδας καθεῖναι, θεοὺς ὑπὸ τῶν Μάγων παραδεδομένους. τὰ μέντοι ἀγάλματα εἰκότως καθαιρεῖν. Außerdem aber verurteilen den Herodot die über Mager Schreibenden; denn Xerxes hätte weder Geschosse in die Sonne geschleudert noch Fesseln ins Meer hinabgesandt, die von den Magern als Götter tradiert sind; die Standbilder würde er natürlich niederreißen.

Man kann darüber streiten ob alle Einzelheiten stimmen, aber unzweifelhaft ist hier von Zoroastriern die Rede: Oromasdes und Areimanios sind Ahuramazda und Ahriman (s.o.). Definitiv falsch ist die Etymologie von Ζωροάστρης Zōroástrēs, das zu griech. ἀστήρ astēr „Stern“ gestellt ist. In Wirklichkeit ist awest. zaraθ-uštra aus *zarant- (vgl. aind. járant-, gr. γέροντ-) „alt“ und uštra- „Kamel“, nach Bartholomae (Sp. 1676): „des Kamele alt sind“ (ausführliche Diskussion der Etymologie bei Schmitt, Encycl. Iran.). Die am Schluss geäußerte Kritik an Herodot setzt voraus, dass Xerxes Zoroastrier war, was aber keineswegs unumstritten ist. (Die inkriminierten Berichte sind Hdt. 5,105 und 7,35.)

Am Ende der Antike erscheint hier für uns ein einigermaßen ausführlicher Text, der eindeutig von den Zoroastriern handelt. Diogenes lässt fast ein Dutzend hellenistischer Autoren vorbeidefilieren. Keines der genannten Werke (mit Ausnahme Herodots) ist, soweit ich sehen kann, in der Primärüberlieferung erhalten.

Interessant für uns ist eine Passage über Sokrates (2,45):

φησὶ δ’ Ἀριστοτέλης Μάγον τινὰ ἐλθόντα ἐκ Συρίας εἰς Ἀθήνας τά τε ἄλλα καταγνῶναι τοῦ Σωκράτους καὶ δὴ καὶ βίαιον ἔσεσθαι τὴν τελευτὴν αὐτῷ. Aristoteles sagt, dass ein Mager, der aus Syrien nach Athen gekommen war, an Sokrates unter anderem besonders auch bemerkte, dass sein Ende gewaltsam sein wird.

Ein Mager aus dem Osten macht eine Vorhersage. (Die Alten haben oft zwischen Syrien und dem Zweistromland – Assyrien – nicht unterscheiden können.) Hier geht es um einen Wahrsager.

Anthologia Graeca

Marcus Argentarius („Geldwechsler, Bankier“) war ein Epigrammdichter der römischen Kaiserzeit („VI A. D.“ behauptet das Lexikon von Liddell/Scott/Jones). Eines seiner Gedichte geht so (Anthologia Graeca 5,15 = 5,16 in der Zählung der Loeb-Ausgabe):

Μήνη χρυσόκερως, δέρκευ τάδε, καὶ περιλαμπεῖς Goldgehörnter Mond, blicke auf dies, und ringsum leuchtende
ἀστέρες, οὓς κόλποις Ὠκεανὸς δέχεται, Sterne, die der Ozean in (seinem) Schoß empfängt,
ὥς με μόνον προλιποῦσα μυρόπνοος ᾤχετ’ Ἀρίστη· wie mich allein zurückgelassen hat die salbenduftende Ariste und weggegangen ist;
ἑκταίην δ’ εὑρεῖν τὴν Μάγον οὐ δύναμαι. und den sechsten Tag kann ich die Magerin nicht finden.
ἀλλ’ ἔμπης αὐτὴν ζωγρήσομεν, ἢν ἐπιπέμψω Aber wir werden sie trotzdem fangen, wenn ich nachschicke
Κύπριδος ἰχνευτὰς ἀργυρέους σκύλακας. die silbernen Spürhunde der Kypris [d.h. der Aphrodite].

Ich war stark versucht, mágos hier mit „Hexe“ zu übersetzen. Aber das dt. Wort bezeichnet eher ein bösartiges Weib, während hier wohl gesagt werden soll, dass Ariste es auf unerklärliche Weise geschafft hat, zu verschwinden und unauffindbar zu bleiben.

Confessio Cypriani

Die Confessio Cypriani gibt sich als Lebensbeichte eines bekehrten Zauberers, der in die Geheimnisse des Mithraskultes und die Mysterien von Eleusis ebenso eingeweiht ist wie in die okkulten Wissenschaften der Ägypter und Chaldäer. Es handelt sich um eine fiktive Autobiographie, die um 350 n.Chr. entstanden ist und deren Autor wir nicht kennen. In Kap. 9,1 berichtet der Ich-Erzähler:

ὡς γὰρ παρῄειν ἀπὸ τῆς Χαλδαίας γῆς, τὴν Ἀντιόχειαν κατέλαβον καὶ θαυματουργῶν ἤμην ὡς εἷς τῶν ἀρχαίων, καὶ πεῖραν ἐδίδουν τῆς γοητείας, καὶ ὀνομαστὸς ἤμην Μάγος φιλόσοφος, πολλὴν τῶν ἀοράτων ἔχων κατάληψιν. Als ich nämlich vom chaldäischen Land weiterzog(?), erreichte ich Antiochia, und ich tat Wunder wie einer der Alten, und ich gab Probe der Zauberei, und ich war bekannt als Mager-Philosoph, da ich viel Begreifen des Unsichtbaren hatte.

Basilius

Basilius von Cäsarea in Kappadokien (um 330-379) schreibt in seinem 258. Brief über den Stamm der Magusäer (Μαγουσαῖοι), der sich laut Basilius, von Babylonien kommend, über ganz Kappadokien zerstreut hat. Nach der Beschreibung dürfte es sich um eine zoroastrische Volksgruppe handeln (sie lehnen es ab, Tiere zu schlachten, sie halten das Feuer für Gott). Zuletzt heißt es dann (ep. 258,4):

Τὰς δὲ ἐκ τοῦ Ἀβραὰμ γενεαλογίας οὐδεὶς ἡμῖν μέχρι τοῦ παρόντος τῶν Μάγων ἐμυθολόγησεν· ἀλλὰ Ζαρνοῦάν τινα ἑαυτοῖς ἀρχηγὸν τοῦ γένους ἐπιφημίζουσι. Die Stammbäume von Abraham an hat uns bis zur Gegenwart niemand von den Magern (Mythen) erzählt; sondern sie schreiben sich einen gewissen Zarnuas als Gründer des Geschlechts zu.

Der Akzent bei Ζαρνοῦάν τινα setzt voraus, dass die Akk.-Endung -αν kurzes a hat. Aber von mask. Kurz-a-Stämmen habe ich noch nie etwas gehört und finde ich auch nichts bei Kühner/Blass. Müsste es also nicht richtiger Ζαρνούαν τινὰ ἑαυτοῖς heißen? So wie es ja auch Ἐπαμεινώνδας heißt, und nicht etwa -ῶνδας, weil das a der Mask. im Nom. und Akk. immer lang ist.

Alle drei von mir konsultierten Übersetzungen (Stegmann, Bibl. d. Kirchenväter, 1925; Deferrari, Loeb-Ausg., 1934; B. Jackson, Nicene and Post-Nicene Fathers, 1894?) verweisen für den Namen der Magusäer auf Plin. nat. 6,32 (§ 160), wo ein Magusum (oder -sa) in Arabien genannt wird (heute wohl Maǧzı̄r im Jemen). Plausibler erscheint mir ein Zusammenhang mit aram. מָגוֺשָׁא māgôšâ (= griech. magos) „Zauberer, Magier“.

Epiphanios

Eine ähnlich Auflistung wie bei Strabon findet sich auch bei Epiphanios im Schlusskapitel seines umfangreichen Werks Gegen die Irrlehren (Adversus haereses), auch Panarion „Brotkorb“ genannt, das ca. zwischen 374 und 377 entstanden ist. Das Kapitel selbst wird auch unter dem Titel Darlegung des Glaubens der katholischen und apostolischen Kirche (Expositio fidei catholicae et apostolicae ecclesiae) geführt (manchmal auch nur kurz De fide). Dort heißt es (Exp. fid. cath. 12,5-13,1 [1094]):

Ἑτέρων δὲ πάλιν μυστηρίων πολλῶν, καὶ αἱρεσιαρχῶν καὶ σχισματοποιῶν, ὧν μὲν ἀρχηγοὶ παρὰ Πέρσαις Μαγουσαῖοι, παρὰ δὲ Αἰγυπτίοις προφῆται καλούμενοι, τῶν ἀδύτων τε καὶ ἱερῶν ἀρχηγοί, καὶ Μάγων Βαβυλωνίων δὲ οἵ τε καλούμενοι Γαζαρηνοί, σοφοί τε καὶ ἐπαοιδοί, Ἰνδῶν δὲ οἱ Εὐίλεοι καλούμενοι καὶ Βραχμᾶνες, Ἑλλήνων δὲ ἱεροφάνται τε καὶ νεωκόροι, Κυνικῶν 〈τε〉 πλῆθος, καὶ ἄλλων ἀμυθήτων φιλοσόφων ἀρχηγοί. Vieler anderer Mysterienkulte wiederum und Urheber von Irrlehren und von Spaltungen [?fehlt hier ein Verbum?], deren Führer bei den Persern Magusäer, bei den Ägyptern Propheten genannt werden, Führer von Heiligtümern und Tempeln, und babylonischer Mager, und die Gazarener [Astrologen] genannt werden und Weise und Beschwörer, die sogenannten Euileer und Brahmanen der Inder, und Mysterienpriester und Tempelwärter der Griechen, 〈und〉 eine Menge von Kynikern, und Führer unsäglich vieler anderer Philosophen.
Τοίνυν, ὡς προεῖπον, παρὰ Πέρσαις Μαγουσαῖοι καλούμενοι, οἱ εἴδωλα μὲν βδελυττόμενοι, εἰδώλοις δὲ προσκυνοῦντες, πυρὶ καὶ σελήνῃ καὶ ἡλίῳ. Nun [gibt es], wie ich zuvor gesagt habe, bei den Persern sogenannte Magusäer, die zwar (Götter-)Bilder verabscheuen, aber (Götter-)Bilder anbeten: Feuer und Mond und Sonne.

Pétau, der Herausgeber der Migne-Ausg., tilgt die Worte καὶ Μάγων. Hat er Recht, ist die Textstelle für uns gegenstandslos. Aber ohnedies ist der Text entweder in schlechtem Zustand oder grammatikalisch eine Anhäufung von Anakoluthen.
Das Wort Gazarener findet sich auch in der LXX Dan 2,27;5,7.11. Es ist die griech. Form des aram. גָּזְרִין gāzerîn „Bestimmer, Wahrsager, Astrologen“. Was Euileer sind, weiß ich nicht.

Es gibt nach Epiphanios also persische Magusäer und babylonische Mager. Erstere sind wohl Zoroastrier, letzte vielleicht „Zauberer“ oder Vertreter irgendwelcher mesopotamischer Kulte.

Ein paar Absätze zuvor spricht Epiphanios von den Magern im Mt-Evangelium. Dort nimmt er Bezug auf Gen 25,1-6, wo von den Kindern berichtet wird, die Abraham mit seiner zweiten Frau Ketura hatte, die er aber (die Kinder) noch zu seinen Lebzeiten mit Geschenken wegschickte. Hinter diesen Geschenken vermutet Epiphanios die Beute aus Abrahams Kampf gegen Kedor-Laomer und seine Verbündeten (Gen 14,13-16), darunter auch Weihrauch, Myrrhe und Gold. Weiter heißt es (Exp. fid. cath. 8,1 [1085]):

Ἐν δὲ τῇ τοῦ Χριστοῦ παρουσίᾳ τῶν αὐτῶν τέκνων τοῦ Ἀβραὰμ τῶν ἀπὸ Χεττούρας ἐκβληθέντων ἀπὸ τοῦ Ἀβραὰμ καὶ ἀπελθόντων, καὶ κατοικησάντων εἰς τὰ μέρη τὰ Ἀραβικὰ τῆς Μαγωδίας χώρας, τῶν ἐλθόντων Μάγων ἀπὸ τῆς διαδοχῆς τῶν σπερμάτων ἐκείνων, προσενηνεγμένα δόματά τε καὶ δῶρα εἰς συμμετοχὴν τῆς αὐτῆς ἐλπίδος τῷ Χριστῷ ἐν Βηθλεὲμ, τὰ αὐτὰ δῶρα, ὅτε τὸν ἀστέρα θεασάμενοι ἦλθον. Bei der Ankunft Christi haben dieselben Kinder Abrahams von der Ketura, die von Abraham weg vertrieben worden waren und weggegangen waren und sich niedergelassen hatten im arabischen Gebiet des Landes Magodia, die Mager, die von der Nachfolge des Samens von jenen kamen, [?] Gaben und Geschenke wurden zur Teilhabe an derselben Hoffnung Christus in Bethlehem dargebracht, dieselben Geschenke, als sie kamen, nachdem sie den Stern geschaut hatten.

Entweder ist τὰ αὐτὰ δῶρα eine versehentliche Verdoppelung oder es ist eine Verbalform ausgefallen. Die Textausgabe bei der Ruslan-Charzar-Bibliothek liest statt des passiven Pt. Perf. προσενηνεγμένα ein aktives Pt. Aor. προσενεγκάντων („die Gaben und Geschenke dargebracht haben“) und fügt vor τῷ Χριστῷ ein προσηνέχθησαν ein („wurden Christus in Bethlehem dieselben Geschenke dargebracht“).

Epiphanios vermutet die Herkunft der Mager von Mt 2 in Arabien. Das ist zwar nicht unmöglich, aber doch nicht sonderlich wahrscheinlich.

Proklos

Proklos, genannt diádochos „Nachfolger“ (412-485), war 48 Jahre lang Leiter der 410 gegründeten neuplatonischen Akademie in Athen. In dieser Eigenschaft kommentierte er die Werke Platons. Im teilweise erhaltenen Kommentar zum Timaios schreibt er über die Bedeutung des Gebetes, wobei er sich auf Porphyrios, einen Neuplatoniker des 3. Jh., beruft (Comm. in Tim. 2, 64b-c):

καὶ δὴ καὶ προστίθησιν, […] ὅτι ὡς παῖδας πατέρων ἀποσπασθέντας εὔχεσθαι προσήκει περὶ τῆς πρὸς τοὺς ἀληθινοὺς ἡμῶν πατέρας, τοὺς θεούς, ἐπανόδου, καὶ ὅτι ἀπάτορές τινες ἄρα καὶ ἀμήτορες ἐοίκασιν εἶναι οἱ μὴ ἀξιοῦντες εὔχεσθαι μηδὲ ἐπιστρέφειν εἰς τοὺς κρείττονας, καὶ ὅτι καὶ ἐν πᾶσι τοῖς ἔθνεσιν οἱ σοφίᾳ διενεγκόντες περὶ εὐχὰς ἐσπούδασαν, Ἰνδῶν μὲν Βραχμᾶνες, Μάγοι δὲ Περσῶν, Ἑλλήνων δὲ οἱ θεολογικώτατοι, οἳ καὶ τελετὰς κατεστήσαντο καὶ μυστήρια. Und er [Porphyrios] fügt nun auch hinzu, […] dass es sich als Kinder, die den Vätern entrissen worden sind, gebührt, zu beten um die Rückkehr zu unseren wahren Vätern, den Göttern; und dass also gewissermaßen vaterlos und mutterlos zu sein scheinen, die es nicht für angemessen halten, zu beten und sich zu den Mächtigeren hinzuwenden; und dass auch bei allen Völkern diejenigen, die sich durch Weisheit auszeichnen, sich eifrig mit Gebeten beschäftigen, von den Indern Brahmanen, Mager von den Persern, von den Griechen die, die am meisten über das Göttliche wissen [wörtl. die Theologischsten], die auch Einweihungen und Mysterienkulte eingeführt haben.

Als Gegner des Christentums, der die religiösen Traditionen anderer Völker positiv beurteilt, stellt Proklos Brahmanen und Mager, anders als Basilius und Epiphanios, als weise und fromm dar.

Epigrammata Graeca

Eine Inschrift im lydischen Hypaipa (28 km südlich von Sardes), datiert auf das 3. oder 4. Jh. n.Chr. (Kaibel Nr. 903 b):

Ἀγαθῇ τύχῃ. Viel Glück.
Ἀσίδος ἀνθύπατον, μεγαλήτορος υἱὸν ὑπάρχου Den Prokonsul von Kleinasien, den Sohn des hochherzigen Präfekten,
Ἀνθεμίδην Ἰσίδωρον ἐν ἰκόσιν μαρμαρέῃσιν Anthemides Isidoros haben in glänzenden Bildern
Ὑπαίπων ναετῆρες ἐτίσαμεν εἵνεκεν ἀρχῆς, wir Einwohner von Hypaipa geehrt um der Herrschaft willen,
προνοησαμένου τ[ῆς ἀναστάσεως] Ἀπολλωνίου ἀρχιμάγου. nachdem der Obermager Apollonios für die Errichtung gesorgt hat.

Bei Pausanias haben wir schon von den sog. persischen Lydern und ihren Heiligtümern in Hierokaisareia und Hypaipa gehört. In Hypaipa gab es offensichtlich mehrere Mager und daher einen Ober- oder Erzmager, also wohl einen obersten Priester. Man vgl. den magu-pat in den Inschriften Kartirs, die aus dem 3. Jh. stammen.

Zusammenfassung

Das griech. Wort mágos bezeichnet nach Herodot ursprünglich einen medischen Stamm. In diesem Sinn ist es wohl in seiner Erzählung von den magophónia zu verstehen, in diesem Sinn verwendet es vermutlich Aischylos einmal, in diesem Sinne findet es sich um die Zeitenwende auch bei Strabon einmal.

Als Appellativ bezeichnet es einen iranischen Priester. Dieser ist offenbar auch für Zeichen- und Traumdeutung zuständig. Seit die Perser Zoroastrier sind, ist der mágos (auch) ein zoroastrischer Priester: unter den mir bekannten Texten zu ersten Mal möglicherweise bei Phoinix von Kolophon, ziemlich sicher bei Strabon, fraglos bei Plutarch und Pausanias.

Fast vom ersten Moment seines Vorkommens an hat das Wort auch die negative Bedeutung „Scharlatan, Schwindler, Quacksalber, Manipulierer“. Spätestens seit Euripides ist auch die Bedeutung „Zauberer, Magier“ bezeugt. Das Wort wird dann nicht selten synonym mit oder neben góēs „Zauberer, Betrüger“ verwendet.

Was ist Zauberei eigentlich? Nock lehnt zunächst die religionswissenschaftliche Unterscheidung zwischen Religion und Magie als für die Antike nicht zutreffend ab. Er beantwortet die Frage dann folgendermaßen (S. 171):

What then do the ancients mean by magia ? Broadly speaking three things : the profession by private individuals of the possession of technical ability enabling them to supply recipes or perform rites to help their clients and damage their clients enemies ; the use by such clients or by others of such proceedings to damage enemies ; and corresponding to the vague modern use already mentioned the religions belonging to aliens or on any general ground disapproved.

(Was verstehen die Menschen der Antike dann unter magia? Grob gesagt drei Dinge: den Beruf von Privatpersonen, die im Besitz der technischen Fähigkeit sind, die es ihnen ermöglicht, Rezepte zu liefern oder Riten auszuführen, um ihren Kunden zu helfen und den Feinden ihrer Kunden zu schaden; die Verwendung solcher Verfahren durch solche Kunden oder andere, um Feinden zu schaden; und entsprechend dem bereits erwähnten vagen modernen Gebrauch die Religionen, die Fremden gehören oder die aus irgendeinem allgemeinen Grund missbilligt werden.)

Ein paar Seiten weiter führt Nock dazu aus (S. 174):

We may explain the selection of μάγος as a typical name, and the formation of the noun μαγεία from it as due to the impression made on unfriendly Ionian spectators by Persian priests, with their queer garments and tiaras and mouth masks–as we see them on the relief from Dascylium–performing uncomprehended rites, uttering unintelligible prayers, and indispensable at sacrifice.

(Wir können die Wahl von μάγος als typischer Name und die Bildung des Nomens μαγεία daraus mit dem Eindruck erklären, den persische Priester auf unfreundliche ionische Beobachter machten, mit ihren seltsamen Gewändern und Tiaren und Mundbinden – wie wir sie auf dem Relief aus Daskylium sehen –, die unverstandene Riten ausführten, unverständliche Gebete von sich gaben und beim Opfern unentbehrlich waren.)

Ich zögere, mich Nocks dritter Bedeutungsangabe (Magie = Religion fremder Völker) anzuschließen. Denn die Religion anderer Völker wurden von den Griechen, bei allen Vorbehalten, die sie gehabt haben mögen, nicht grundsätzlich negativ oder missbilligend beurteilt. Es muss schon ein besonderer Grund bestanden haben, warum gerade die medopersischen Priester zum Synonym von Zauberern und Scharlatanen wurden. Die Perserkriege mögen eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.

Lateinische Quellen

Obwohl die lat. Quellen für das Verständnis von Mt 2 ohne Belang sind, sollen die Texte, die Nock für seine Darstellung und Argumentation heranzieht, hier angeführt und übersetzt werden.

Cicero

Cicero wurde 53 v.Chr. ins Kollegium der Auguren bestellt. Diese hatten aus dem Vogelflug den Willen der Götter zu erkunden. Damit war er durchaus prädestiniert, über das Wesen der Mantik zu schreiben. So verfasste er im Jahre 44 (nach Cäsars Ermordung) den Dialog Über die Sehergabe (De divinatione). Darin schreibt er (1,46):

Quid ego, quae magi Cyro illi principi interpretati sint, ex Dinonis Persicis proferam? Nam cum dormienti ei sol ad pedes visus esset, ter eum scribit frustra appetivisse manibus, cum se convolvens sol elaberetur et abiret; ei magos dixisse, quod genus sapientium et doctorum habebatur in Persis, ex triplici appetitione solis triginta annos Cyrum regnaturum esse portendi. Quod ita contigit; nam ad septuagesimum pervenit, cum quadraginta natus annos regnare coepisset. Wozu soll ich, was die Mager dem Kyros, jenem berühmten Fürsten, gedeutet haben, aus Dinons Persica [Persische Geschichte] vorbringen? Denn er [Dinon] schreibt, dass er [Kyros], als ihm, während er schlief, die Sonne an den Füßen erschienen war, dreimal vergebens mit den Händen nach ihr gegriffen habe, weil die Sonne rollend entglitt und verschwand; die Mager, die unter Persern für ein Geschlecht von Weisen und Gelehrten galten, hätten ihm gesagt, mit dem dreifachen Greifen nach der Sonne werde angezeigt, dass Kyros dreißig Jahre herrschen wird. Was so passiert ist; denn er gelangte bis zum siebzigsten (Jahr), nachdem er mit vierzig Jahren zu herrschen begonnen hatte.

Zum Thema der Wahrsagekunst bei den barbarae gentes, also Völkern außerhalb der griech.-röm. Kultur, führt er zunächst die gallischen Druiden an, um dann erneut auf die Perser zu sprechen zu kommen (1,90f):

Et in Persis augurantur et divinant Magi, qui congregantur in fano commentandi causa atque inter se conloquendi, quod etiam idem vos quondam facere Nonis solebatis. Nec quisquam rex Persarum potest esse, qui non ante Magorum disciplinam scientiamque perceperit. Und bei den Persern weissagen und prophezeien die Mager, die sich in einem Heiligtum zusammenscharen, um sich einzuüben und sich untereinander zu besprechen, was ebenso auch ihr (Auguren) einstmals an den Nonen [5. bzw. 7. Tag des Monats] zu tun pflegtet. Und niemand kann König der Perser sein, der sich nicht zuvor die Lehre und das Wissen der Mager angeeignet hat.

Vergil

Vergils Eklogen sind in den Jahren um 40 v.Chr. entstanden. In der 8. Ekloge lässt der Dichter den Hirten Alphesiboeus einen Liebeszauber beschreiben, mit dem der geliebte Daphnis, den es in die Großstadt gezogen hat, zurückgeholt werden soll (ecl. 8,64-71):

Effer aquam et molli cinge haec altaria vitta, Bring Wasser heraus und mit weicher Binde umwinde diesen Altar;
65 verbenasque adole pinguis et mascula tura, und fette Zweige verbrenne und kräftigen Weihrauch,
coniugis ut magicis sanos avertere sacris damit ich mit magischen Opfern abzubringen (= zu verwirren?) des Geliebten gesunde
experiar sensus; nihil hic nisi carmina desunt. Sinne versuche; nichts fehlt hier außer Beschwörungen.
ducite ab urbe domum, mea carmina, ducite Daphnim. Führt von der Stadt nach Hause, meine Beschwörungen, führt den Daphnis.
carmina vel caelo possunt deducere lunam, Beschwörungen können sogar vom Himmel herabführen den Mond,
70 caminibus Circe socios mutavit Ulixi, durch Beschwörungen hat Kirke dem Odysseus die Gefährten verwandelt,
frigidus in pratis cantando rumpitur anguis. die kalte Schlange in den Wiesen birst durch Beschwören.

Da die Hirten im Pindusgebirge gedacht sind, ist mir nicht klar, von welcher urbs Daphnis zurückgebracht werden soll. Lat. carmen (von mir nach Vossens Vorbild mit „Beschwörung“ übersetzt) ist alles, was in gebundener Sprache gehalten ist: Orakel, Zauberspruch, Inschrift, Gedicht, Lied, Drama.

Die weiteren Details des Rituals sind für unser Thema ohne Belang. Ausführlicher noch wird ein solches bei Theokrit im 2. Eidyllion geschildert. Doch ist dort nur von φίλτρα „Liebeszauber“ und φάρμακα „Gifte, Zauber-, Heilmittel“ die Rede, nicht von Μάγος, μαγικός oder μαγεύειν.

Die Zauberin Kirke, die Odysseus' Gefährten in Schweine verwandelt, wird meines Wissens bei Homer nie als Zauberin bezeichnet. Wenn sie ein Epitethon trägt, dann ist es θεά „Göttin“, πότνια „Herrin“, εὐπλόκαμος, καλλιπλόκαμος „schöngelockt, mit schönen Flechten“, einmal πολυφάρμακος „reich an Heil-/Zaubermitteln“ (Hom. Od. 10,276). Homer beschreibt einfach, was sie tut: sie mischt ihren Opfern Gift(e) (φάρμακον, meist Pl. -α) ins Essen und schlägt sie dann mit ihrem Stab (ῥάβδος), was die Verwandlung in Tiere auslöst (Hom. Od. 10,233-243). Der erste Zauberstab in der abendländischen Literatur?

Tibull

Tibull war einer der drei großen augusteischen Elegiker (Ovid und Properz waren die beiden anderen) (ca. 55-19 v.Chr.). In einer Elegie stellt das lyrische Ich Überlegungen an, wie man fremdgehen kann, ohne dass der Ehegatte etwas merkt. Die Lösung heißt: Magie (1,2,41-62 bzw. 43-64):

nec tamen huic credet coniunx tuus, ut mihi verax Und dennoch wird dein Gatte diesem nicht glauben, wie mir die wahrredende
pollicita est magico saga ministerio. Zauberin versprochen hat mit magischem Dienst.
45 hanc ego de caelo ducentem sidera vidi; Diese sah ich vom Himmel die Sterne führen;
fluminis haec rapidi carmine vertit iter. diese kehrt mit einer Beschwörung den Lauf des reißenden Flusses um.
45 haec cantu finditque solum manesque sepulcris Diese spaltet mit einem Zauberspruch den Boden und die Totengeister entlockt sie den Gräbern
elicit et tepido devocat ossa rogo; und ruft vom warmen Scheiterhaufen die Gebeine herab.
iam tenet infernas magico stridore catervas, Bald hält sie die Scharen der Unterwelt mit magischem Zischen fest,
50 iam iubet aspersas lacte referre pedem. bald befiehlt sie ihnen, mit Milch besprengt, zurückzukehren.
cum libet, haec tristi depellit nubila caelo: Wenn es (ihr) beliebt, vertreibt diese vom trüben Himmel das Gewölk.
50 cum libet, aestivo convocat orbe nives. Wenn es (ihr) beliebt, ruft sie am sommerlichen Firmament Schnee zusammen.
sola tenere malas Medeae dicitur herbas, Sie allein soll Medeas üblen Kräuter besitzen,
sola feros Hecatae perdomuisse canes. sie allein (soll) Hekates wilde Hunde gezähmt haben.
55 haec mihi composuit cantus, quis fallere posses: Diese hat mir Zaubersprüche verfasst, mit denen du täuschen könntest:
ter cane, ter dictis despue carminibus. sag dreimal auf, dreimal spuck aus, wenn die Beschwörungen gesagt sind.
55 ille nihil poterit de nobis credere cuiquam, Jener wird niemandem etwas über uns glauben,
non sibi, si in molli viderit ipse toro. nicht sich (selbst), wenn er selbst selbst (uns) gesehen hat auf weichem Lager.
tu tamen abstineas aliis: nam cetera cernet Du jedoch halte dich von anderen fern: denn das übrige wird er wahrnehmen
60 omnia: de me uno sentiet ille nihil. alles: nur was mich betrifft, wird jener nichts merken.
"quid? credam?" nempe haec eadem se dixit amores „Was? Soll ich (es) glauben?“ Allerdings hat eben dieselbe gesagt, dass sie meine Liebe
60 cantibus aut herbis solvere posse meos, mit Zaubersprüchen oder Kräutern auflösen kann,
et me lustravit taedis, et nocte serena und hat mich mit Fackeln entsühnt, und in klarer Nacht
concidit ad magicos hostia pulla deos. fiel ein schwärzliches Opfer(tier) an die magischen Götter.

Wegen eines Überlieferungsproblems nach V. 25 gibt es zwei unterschiedliche Verszählungen. Die Loeb-Ausgabe und Eduard Hiller zählen den ersten Vers der obigen Stelle als 41. (linke Spalte), Voss, Emil Baehrens und Rudolf Helm zählen ihn als 43. (rechte Spalte).
Medea ist die mythische zauberkundige Königstochter aus Kolchis. Zu Hekate s.o. bei Lukian.

Erstaunlich, was so eine Zauberin (das lat. Wort ist sāga) alles vermag. Wenn ein Unsinn nur oft genug wiederholt wird (vgl. die ähnlichen Aussagen aus dem Munde der Medea in Ov. met. 7,199-207), gilt er offenbar als ausgemacht.

Plinius der Ältere

Plinius ist bekanntlich beim Vesuvausbruch 79 n.Chr. ums Leben gekommen. Seine umfangreiche Naturgeschichte hat er wohl zwei Jahre zuvor zu einem vorläufigen Abschluss gebracht. Im 30. Buch derselben unterbricht Plinius seine Auflistung (volks)medizinischer Rezepte, um von der Zauberei zu handeln (Plin. nat. 30,1ff):

1 Magicas vanitates saepius quidem antecedente operis parte, ubicumque causae locusque poscebant, coarguimus detegemusque etiamnum. […] Die magischen Lügenhaftigkeiten [d.h. die der Mager] habe ich zwar öfter im vorhergehenden Teil des Werkes, wo immer Gründe und Ort es erforderten, dargetan und werde (sie) auch jetzt aufdecken. […]
2 natam primum e medicina nemo dubitabit ac specie salutari inrepsisse velut altiorem sanctioremque medicinam, ita blandissimis desideratissimisque promissis addidisse vires religionis, ad quas maxime etiamnunc caligat humanum genus, atque, ut hoc quoque successerit, miscuisse artes mathematicas, nullo non avido futura de sese sciendi atque ea e caelo verissime peti credente. ita possessis hominum sensibus triplici vinculo in tantum fastigii adolevit, ut hodieque etiam in magna parte gentium praevaleat et in oriente regum regibus imperet. Dass sie zuerst aus der Medizin hervorgegangen ist, wird niemand bezweifeln, und dass sie sich unter dem Anschein der Heilsamkeit eingeschlichen hat wie eine höhere und heiligere Medizin, dass sie so den lockendsten und begehrtesten Versprechen die Kräfte der Religion hinzugefügt hat, denen gegenüber das Menschengeschlecht noch immer am meisten im Dunkeln tappt, und dass, sobald auch dies gelungen war, sie astrologische Künste beigemischt hat, weil jeder [wörtl. niemand nicht] begierig ist, die Zukunft über sich zu wissen, und glaubt, dass sie aus dem Himmel [d.h. seiner Beobachtung] am wahrsten hergeholt wird. Nachdem so die Sinne der Menschen durch ein dreifaches Band in Besitz genommen worden waren, ist sie zu so großer Höhe aufgewachsen, dass sie auch heute noch bei einem großen Teil der Völker sehr stark ist und im Osten den Königen der Könige befiehlt.

Wenn Plinius den Ursprung der Magie in der Medizin sieht, dann ist klar, dass mit Magie Zauberei gemeint ist, nicht die zoroastrische Religion, und mit Medizin offenbar schamanistische Heilungsrituale. Ob Plinius mit diesem Dreischritt (Schamanismus - religiöse Zeremonien - Astrologie) die Entstehung der Zauberei historisch korrekt darstellt, mögen Berufenere beurteilen.

3 Sine dubio illic orta in Perside a Zoroastre, ut inter auctores convenit. sed unus hic fuerit an postea et alius, non satis constat. Eudoxus, qui inter sapientiae sectas clarissimam utilissimamque eam intellegi voluit, Zoroastrem hunc sex milibus annorum ante Platonis mortem fuisse prodidit, sic et Aristoteles. Ohne Zweifel hat sie dort in der Persis mit Zoroaster angefangen, wie unter den Schriftstellern Einigkeit herrscht. Aber ob dieser einer gewesen ist oder ob nachher noch ein anderer (war), steht nicht hinreichend fest. Eudoxus, der sie unter den Schulen der Weisheit als die berühmteste und nützlichste erkannt wissen wollte, berichtete, dass dieser Zoroaster 6000 Jahre vor dem Tod Platons gewesen sei [d.h. gelebt hat]; so [sagt] auch Aristoteles.
4 Hermippus, qui de tota ea arte diligentissime scripsit et viciens centum milia versuum a Zoroastre condita indicibus quoque voluminum eius positis explanavit, praeceptorem, a quo institutum diceret, tradidit Agonacen, ipsum vero quinque milibus annorum ante Troianum bellum fuisse. Hermippus, der über diese ganze Kunst am sorgfältigsten geschrieben hat und dargelegt hat, dass 2 Millionen Verse von Zoroaster verfasst wurden, da er auch die Aufschriften seiner Schriftrollen (zusammen-, dazu-?)gestellt hat, überlieferte als Lehrer, von dem er sagte, dass er unterwiesen worden sei, Agonakes, dass er selber aber 5000 Jahre vor dem Trojanischen Krieg gewesen sei.

Als Urheber der Magie wird Zoroaster genannt. Dass z.B. Ägypten in diesem Zusammenhang unerwähnt bleibt, könnte nach Nock an Plinius' Quellen liegen. Was man in der Antike über Zoroaster zu wissen glaubte, basierte alles auf maßloser Übertreibung. 6000 Jahre vor Platon oder 5000 Jahre vor dem Trojanischen Krieg führt uns in die Jungsteinzeit, gut 3000 Jahre vor der Entstehung der Schrift. Zoroaster hat, nach allem was wir heute wissen, auch nichts Schriftliches hinterlassen, sondern seine Lehre mündlich weitergegeben. 2 Millionen Verse wären etwa 127mal soviele wie die Ilias hat.

Nero hätte angeblich gerne die Magie erlernt, „er begehrte, den Göttern zu befehlen“ (Plin. nat. 30,16f):

16 Magus ad eum Tiridates venerat Armeniacum de se triumphum adferens et ideo provinciis gravis. Der Mager Tiridates war zu ihm [Nero] gekommen, wobei er einen armenischen Triumphzug über sich (selbst) heranführte und deshalb beschwerlich für die Provinzen (war).
17 navigare noluerat, quoniam expuere in maria aliisque mortalium necessitatibus violare naturam eam fas non putant. Magos secum adduxerat, magicis etiam cenis eum initiaverat, non tamen, cum regnum ei daret, hanc ab eo artem accipere valuit. Er hatte nicht mit dem Schiff fahren wollen, denn sie glauben, ins Meer zu spucken oder mit anderen Notwendigkeiten der Sterblichen diese Natur [= das Meer?] zu verletzen, sei nicht erlaubt. Er hatte Mager mit sich hergeführt, ihn sogar in magische Gastmähler eingeführt, dennoch war er nicht imstande, obwohl er ihm das Königreich gab, diese Kunst von ihm zu lernen.

Armenien war Zankapfel zwischen Römern und Parthern. Tiridates, Sohn des Partherkönigs Vonones II, wurde 52/53 n.Chr. König von Armenien. Er wurde 58 von einem römischen Heer vertrieben. Nach weiteren Kämpfen reiste er mit einer riesigen Entourage nach Rom und wurde dort 66 n.Chr. als Vasallenkönig wieder eingesetzt.

Offenbar war Tiridates, wie seine Scheu, das Meer durch eine Seereise zu verunreinigen, zeigt, auch zoroastrischer Priester. Bei der Rückreise allerdings, so berichtet Cassius Dio (62,7,1), hat er dann doch ein Schiff bestiegen. Diese Geschichte wird gern als Argument gegen die Historizität der Magererzählung des Mt ins Treffen geführt: der Evangelist habe seinen Bericht als Gegenerzählung zum Besuch eines Magers beim römischen Kaiser angelegt. Wie Tiridates dem Nero huldigt (προσκυνήσων, Cass. Dio 62,5,2), so die Mager bei Mt dem König Israels (προσεκύνησαν, Mt 2,11). Wie Tiridates auf einem anderen Weg nach Hause zurückkehrt, so auch die Mager bei Mt.

Nock verweist darauf, dass Plinius öfter die Mager als Gewährsleute anführt; z.B. in 29,138, wo es im Zusammenhang mit Rezepten gegen Ohrenleiden heißt:

[…] aranei sanies cum rosaceo aut per se in lana vel cum croco, gryllus cum sua terra effossus et inlitus. magnam auctoritatem huic animali perhibet Nigidius, maiorem Magi, quoniam retro ambulet terramque terebret, stridat noctibus. […] Spinnensaft mit Rosenöl entweder für sich auf Wolle oder mit Safran; eine mit ihrer Erde ausgegrabene und aufgestrichene Grille. Großen Einfluß legt diesem Tier Nigidius bei, größeren die Mager, weil es rückwärts gehe und die Erde durchbohre und nachts zirpe.

Bei den Heilmitteln, die gegen das viertägige Fieber (eine Form der Malaria) helfen sollen, nennt Plinius solche, die man anbinden muss (quae adalligari iubent), nach Jones' Übersetzung sind das Amulette. Dazu gehören u.a. (30,99f):

[…] lacertae vivae dextrum oculum effossum, muscam capite suo deciso in pellicula caprina, scarabaeum qui pilulas volvit. […] sed et alios adalligant Magi: cui sunt cornicula reflexa, sinistra manu collectum […] […] das ausgestochene rechte Auge einer lebendigen Eidechse; eine Fliege mit abgeschnittenem Kopf in einem Ziegenhäutchen; einen Mistkäfer, der Kügelchen wälzt. […] Aber die Mager binden auch andere [Käfer?] an: (einen) der zurückgebogene Hörnchen hat, mit der linken Hand gefangen […]

Die große Zahl an kuriosen und nutzlosen Heilmitteln zeigt das ungeheure Bedürfnis der Antike nach Heilung von Krankheiten und körperlichen Gebrechen, aber auch, dass man so gut wie keine Ahnung von den Ursachen der allermeisten Krankheiten hatte.

Nach Nock verweisen solche Stellen auf die Existenz einer umfangreichen, in hellenistischer Zeit entstandenen magischen Literatur. Kenntnisse des persischen Magertums werden diese Schriften aber nur in Spurenelementen enthalten haben. Nock ist etwas optimistischer, wenn er meint, dass diese Werke vermutlich eine persische Atmosphäre hatten und zumindest in Teilen auf persischen Ansichten, ja vielleicht sogar Büchern beruhten (S. 180). Jedenfalls waren es seiner Meinung nach diese Schriften, die mithalfen, die Ansicht, Magie sei etwas Persisches, entstehen zu lassen (S. 181: „they helped to crystallize the idea of magic as a Persian thing“).

Angelegentlich der Frage, wer zuerst im Abendland über Pflanzen geschrieben hat, nennt Plinius als ersten den Orpheus, dann Musaios und Hesiod. Weiter sagt er dann (25,12f):

Homerus et alias nominatim herbas celebrat, quas suis locis dicemus. ab eo Pythagoras clarus sapientia primus volumen de effectu earum composuit, Apollini, Aesculapio et in totum dis immortalibus inventione et origine adsignata; composuit et Democritus, ambo peragratis Persidis, Arabiae, Aethiopiae, Aegypti Magis, adeoque ad haec attonita antiquitas fuit ut adfirmaverit etiam incredibilia dictu. Homer rühmt auch andere Pflanzen mit Namen, die wir an ihrem (jeweiligen) Ort besprechen werden. Nach ihm verfasste der durch seine Weisheit berühmte Pythagoras als erster einen Band über ihre Wirkung, wobei Entdeckung und Ursprung dem Apollon, Äskulap und überhaupt den unsterblichen Göttern zugeschrieben wurden. Auch Demokrit verfasste (ein Werk), wobei beide die Mager Persiens, Arabiens, Äthiopiens und Ägyptens bereist hatten; und so sehr war das Altertum verblüfft über diese Dinge, dass es auch Dinge bekräftigte, die unglaublich zu sagen sind.

Pythagoras (ca. 570-495 v.Chr.) und Demokrit (ca. 460-370 v.Chr.) sollen laut Plinius Mager besucht haben, nicht nur in Persien, sondern auch in Arabien, Ägypten und Nubien. Dass es sie dort überall gab, zeigt, dass es sich dabei nicht um Priester eines iranischen Kultes handelte, sondern um „Kräuterkundler“.

Apuleius

Apuleius von Madaura (ca. 123-170) war Redner und Philosoph, der nach ausgedehnten Reisen und einem zeitweiligen Aufenthalt in Rom die zweite Lebenshälfte in seiner nordafrikanischen Heimat verbrachte. Nachdem er eine äußerst reiche Witwe geheiratet hatte, wurde er von seinem Stiefsohn und dessen Onkel angeklagt, er habe die Liebe dieser Frau mit Zauberei erwirkt. Der Prozess fand 158/59 statt, die Verteidigungsrede ist unter dem Titel Apologia erhalten. Die Vorwürfe waren haltlos, die Beweise lächerlich, und Apuleius zerpflückt denn auch genüsslich die Anschuldigungen.

25 Quae quidem omnis Aemiliano fuit in isto uno destinata, me magum esse, et ideo mihi libet quaerere ab eruditissimis eius advocatis, quid sit magus. Nam si, quod ego apud plurimos lego, Persarum lingua magus est qui nostra sacerdos, quod tandem est crimen, sacerdotem esse et rite nosse atque scire atque callere leges caerimoniarum, fas sacrorum, ius religionum? Diese [die Anklage] ist freilich zur Gänze von Aemilianus zu diesem einen bestimmt worden: dass ich ein Mager sei. Deswegen beliebt es mir, seine hochgelehrten Anwälte zu fragen, was ein Mager ist. Denn wenn, was ich bei den meisten lese, in der Sprache der Perser ein Mager (das) ist, was in unserer (Sprache) ein Priester, was ist es denn für ein Verbrechen, ein Priester zu sein und nach rechter Weise die Gesetze der heiligen Handlungen, das Rechte der Gottesdienste, das Recht des Kultus zu kennen und zu wissen und zu verstehen?
si quidem magia id est quod Plato interpretatur, cum commemorat, quibusnam disciplinis puerum regno adulescentem Persae imbuant – verba ipsa divini viri memini, quae tu mecum, Maxime, recognosce: […] Wenn freilich das Magie ist, was Plato erklärt, wenn er erwähnt, mit welchen Unterrichtsfächern denn die Perser den zur Königsherrschaft heranwachsenden Knaben vertraut machen – ich erinnere mich an die Worte selbst des göttlichen Mannes, die du, Maximus mit mir, durchgehen mögest: [es folgt obige Passage aus dem Alkibiades]
26 auditisne magian, qui eam temere accusatis, artem esse dis immortalibus acceptam, colendi eos ac venerandi pergnaram, piam scilicet et divini scientem, iam inde a Zoroastre et Oromaze auctoribus suis nobilem, caelitum antistitam, quippe qui inter prima regalia docetur nec ulli temere inter Persas concessum est magum esse, haud magis quam regnare? […] Hört ihr, die ihr sie aufs Geratewohl zur Anklage macht, dass die Magie eine den unsterblichen Göttern willkommene Kunst ist, kundig, sie zu verehren und anzubeten, fromm natürlich und das Göttliche wissend, schon von ihren Urhebern Zoroaster und Oromazes an berühmt, Oberpriesterin der Himmlischen, da sie ja unter den ersten königlichen Dingen gelehrt wird und es nicht leicht jemandem unter den Persern gestattet wurde, Mager zu sein, nicht mehr als zu herrschen? […]
sin vero more vulgari eum isti proprie magum existimant, qui communione loquendi cum deis immortalibus ad omnia quae velit incredibili quadam vi cantaminum polleat, oppido miror, cur accusare non timuerint quem posse tantum fatentur. Wenn aber diese da [die Ankläger] nach gewöhnlicher Weise den für einen Mager im eigentlichen Sinn halten, der durch die Gemeinschaft das Sprechens mit den unsterblichen Göttern auf alles, was er will, durch die gleichsam unglaubliche Kraft von Zaubersprüchen Einfluss hat, wundere ich mich sehr, warum sie sich nicht gescheut haben, (jemanden) anzuklagen, von dem sie bekennen, dass er so viel vermag.

(Sicinius) Aemilianus war der Hauptkläger, (Claudius) Maximus war Prokonsul von Africa und daher der Richter.

Apuleius verweist darauf, dass bei den Persern ein Mager ursprünglich ein Priester ist. Aber das herkömmliche Verständnis des Wortes ist zu seiner Zeit ein Zauberer: jemand, der auf übernatürliche Weise Einfluss nehmen kann. Diese Einflussnahme, so sie zum Nachteil anderer geschieht (Schadenzauber), war bei den Römern von alters verboten.

Acta disputationis S. Achatii

Die Gesprächsprotokolle des hl. Achatius geben sich als Protokolle eines Verhörs während der Christenverfolgung des römischen Kaisers Decius (reg. 249-251). Vertreter des Staates ist der Präfekt Martianus, ein Christenfeind, wie es heißt, Verhörter ist ein Achatius, „von dem er [Martianus] gehört hatte, er [Achatius] sei gewissermaßen Schild und Zufluchtsort jener Religion“ (quem scutum quoddam ac refugium illius religionis audierat). Kap. 5:

Martianus ait: Omnium trade mihi nomina. Martianus sagt: Überliefere mir die Namen aller.
respondit Achatius: Nomina eorum caelesti libro et divinis paginis sunt annotata. quomodo ergo oculi mortales aspicient quod immortalis virtus dei et invisibilis annotavit? Achatius antwortet: Ihre Namen sind im himmlischen Buch und auf göttlichen Seiten notiert. Wie also werden sterbliche Augen erblicken, was die Kraft des unsterblichen und unsichtbaren Gottes notiert hat?
Martianus ait: Ubi sunt Magi, socii artis tuae vel doctores huius artificiosae fallaciae? Martianus sagt: Wo sind die Mager, die Genossen deiner Kunst oder die Lehrer dieses kunstvollen Betrugs?
respondit Achatius: Nos omnia meruimus a deo et meremur, sectam vero magicae artis horremus. Achatius antwortet: Wir haben alles von Gott gewonnen und wir werden gewonnen, aber vor der Sekte der Zauberkunst schaudern wir zurück.
Martianus ait: Ideo Magi estis quia novum nescio quod genus religionis inducitis. Martianus sagt: Ihr seid deshalb Mager, weil ihr irgendeine neue Art von Religion einführt.
respondit Achatius: Illos destruimus quos vos prius facitis et a vobis factos ipsi timetis. deficient enim vobis dii, si artifex saxo, aut saxum non abundaret artifici. timemus enim nos illum, non quem fabricamus, sed a quo fabricati sumus; qui nos creavit ut dominus, amavit ut pater, et aeternae morti, quasi bonus patronus, eripuit. Martianus antwortet: Wir richten jene zugrunde, die ihr zuvor macht und die ihr selbst, nachdem sie von euch gemacht worden sind, fürchtet. Denn die Götter werden euch ausgehen, wenn der Künstler am Stein oder der Stein am Künstler nicht Überfluss hätte. Denn wir fürchten jenen, den wir nicht verfertigt haben, sondern von dem wir verfertigt worden sind; der uns erschaffen hat wie ein Herr, geliebt hat wie ein Vater, und dem ewigen Tod, gleichsam wie ein guter Beschützer, entrissen hat.

Mit den Magern meint Martianus hier wohl die Bischöfe, Ältesten und Gemeindeleiter der Christengemeinde.

Codex Theodosianus

Der Codex Theodosianus ist eine Sammlung von Gesetzestexten, die vom oströmischen Kaiser Theodosius II. in Auftrag gegeben worden war und die 438 n.Chr. veröffentlicht wurde. Dieser Codex war Vorläufer und Quelle des späteren Codex Iustinianus, der ein Teil jener Sammlung von Gesetzestexten ist, die im Auftrag des oströmischen Kaisers Justinian in den Jahren 528/9-534 n.Chr. durchgeführt wurde und die seit dem Humanismus unter dem Namen Corpus iuris civilis bekannt ist. Eine Gesetzesbestimmung des Kaisers Konstantin, die unterschiedlich datiert wird, aber jedenfalls aus der Zeit um 320 stammt, lautet (Cod. Theod. 9,16,3 = Cod. Iustin. 9,18,4):

Eorum est scientia punienda et severissimis merito legibus vindicanda, qui magicis adcincti artibus aut contra hominum moliti salutem aut pudicos ad libidinem deflexisse animos detegentur. Nullis vero criminationibus inplicanda sunt remedia humanis quaesita corporibus aut in agrestibus locis, ne maturis vindemiis metuerentur imbres aut ruentis grandinis lapidatione quaterentur, innocenter adhibita suffragia, quibus non cuiusque salus aut existimatio laederetur, sed quorum proficerent actus, ne divina munera et labores hominum sternerentur. Die Wissenschaft derer muss bestraft und zu Recht mit strengsten Gesetzen geahndet werden, die aufgedeckt werden, mit Zauberkünsten versehen entweder gegen die Gesundheit der Menschen sich bemüht oder sittsame Geister zur Begierde abgewendet zu haben. In keine Beschuldigungen aber dürfen verwickelt werden Heilmittel, die für menschliche Leiber gesucht wurden, oder Hilfen, die auf Feldern unschuldig angewandt wurden, damit nicht für reife Trauben Unwetter befürchtet werden oder (sie) durch den Steinhagel herabstürzender Schloßen zerschmettert werden, durch die niemandes Heil oder guter Ruf verletzt wird, sondern deren Ausführungen helfen (sollen), dass nicht die göttlichen Gaben und die Mühen der Menschen niedergestreckt werden.

Dieses Reskript erlaubt also Heilungszauber und Wetterzauber zum Schutz der Feldfrüchte, verbietet aber Schadenzauber und Liebeszauber.

Eine Bestimmung des Kaisers Constantius II. (357 n.Chr.) lautet (Cod. Theod. 9,16,5 = Cod. Iustin. 9,18,6):

Multi magicis artibus ausi elementa turbare, vitas insontium labefactare non dubitant et manibus accitis audent ventilare, ut quisque suos conficiat malis artibus inimicos. Hos, quoniam naturae peregrini sunt, feralis pestis absumat. Viele, die es gewagt haben, mit Zauberkünsten die Elemente zu stören, zögern nicht, das Leben von Unschuldigen zu erschüttern, und sie wagen, indem sie die Totenseelen herbeigerufen haben, (es?) zu beunruhigen, dass jeder seinen Feinden durch böse Künste den Garaus macht. Diese soll, weil sie der Natur fremd sind, eine tödliche Seuche hinwegraffen.

Es ist nicht klar, war hier eigentlich verboten werden soll. Wetterzauber? Die Beschwörung der Manen? Und es gibt auch keine Strafbestimmung, sondern nur eine Verfluchung.

Eine weitere Bestimmung aus derselben Zeit (Cod. Theod. 9,16,6 = Cod. Iustin. 9,18,7):

Etsi excepta tormentis sunt corpora honoribus praeditorum, praeter illa videlicet crimina, quae legibus demonstrantur, etsi omnes Magi, in quacumque sint parte terrarum, humani generis inimici credendi sunt, tamen quoniam qui in comitatu nostro sunt ipsam pulsant propemodum maiestatem, si quis Magus vel magicis contaminibus adsuetus, qui maleficus vulgi consuetudine nuncupatur, aut haruspex aut hariolus aut certe augur vel etiam mathematicus aut narrandis somniis occultans artem aliquam divinandi aut certe aliquid horum simile exercens in comitatu meo vel Caesaris fuerit deprehensus, praesidio dignitatis cruciatus et tormenta non fugiat. Si convictus ad proprium facinus detegentibus repugnaverit pernegando, sit eculeo deditus ungulisque sulcantibus latera perferat poenas proprio dignas facinore. Wenn auch die Körper derer, die mit Ehren(ämtern) versehen sind, von Foltern ausgenommen sind, außer natürlich jene Verbrechen, die durch Gesetze bezeichnet werden, [und] wenn auch alle Mager, in welchem Teil der Länder sie auch sind, [ohnedies] für Feinde des Menschengeschlechtes gehalten werden müssen, so soll dennoch, weil die, die in unserem Gefolge sind, beinahe an die Majestät selbst anstoßen, wenn irgendein Mager oder ein an magische Berührungen Gewohnter, der nach Gewohnheit des Volkes Hexer genannt wird, oder ein Eingeweideschauer oder Wahrsager oder sicherlich Augur oder auch Astrologe oder der durch Erzählen von Träumen irgendeine Seherkunst verbirgt oder der sicherlich etwas diesem Ähnliches ausübt, in meinem oder des Cäsars Gefolge (dabei) ertappt worden ist, er nicht durch den Schutz der Würde den Qualen und Foltern entrinnen. Wenn er, der besonderen Untat überführt, sich denen, die (sie) aufdecken, durch entschiedenes Leugnen widersetzt hat, soll er dem Folterpferd preisgegeben werden und, indem die Krallen seine Seiten durchfurchen, soll er die der besonderen Untat angemessenen Strafen erdulden.

Langer Rede kurzer Sinn: am Kaiserhof ist jede Form von Zauberei und Wahrsagerei verboten. Das gilt auch für Würdenträger, die in diesem Fall auch nicht den Schutz vor Folter geltend machen können, der ihnen sonst zusteht. Mager wird hier erklärt mit maleficus „Böses tuend; Zauberer, Hexer“.

Zusammenfassung

Die Gebildeten wussten um die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Da wo von den Persern die Rede ist, wird das Wort auch auch in dieser Bedeutung gebraucht (Cicero, Apuleius, tw. Plinius). Ansonsten ist magus einfach der Zauberer. Mit der Ablehnung aller Magie durch das Christentum (s. Esoterik in der Bibel) wird der Zauberer zum maleficus „Böses-tuer“.

Sonstige Quellen

Bardesanes

Unter dem Namen des Bardesanes (Bar-Daiṣān, 154-222 n.Chr.) läuft die Schrift Buch der Gesetze der Länder um. Bardesanes war ein syrischer christlicher Gnostiker. Als spezifisch persisches Gesetz wird genannt, dass die Perser ihre Schwestern, Töchter, ja sogar Mütter heiraten dürfen. Und dann wird hinzugefügt (Kap. 29 Patrol. Syr.):

ܡܶܢܗܘܽܢ ܡܶܢ ܗܳܠܶܝܢ ܦܘܽܪܣܳܝܶܐ ܐܶܬܒܰܕܰܪܘ ܘܰܗܘܰܘ ܒܡܳܕܰܝ ܘܰܒܐܰܬܰܪ ܦܪܳܬܝܺܢ ܘܰܒܦܰܪܬܘܽ܂ ܘܰܒܐܶܓܺܦܛܳܘܣ ܘܰܒܦܪܘܽܓܺܝܰܐ܂ ܘܡܶܬܩܪܝܢ ܡ̈ܓܘܽܫܶܐ܂ […] Einige von diesen Persern sind zerstreut und sie befinden sich in Medien und im Land Pratin (Parthien? Atropatene?) und in Partu (Parthien?) und in Ägypten und in Phrygien. Sie werden Mager genannt. […]
ܘܠܳܐ ܡܶܫܟܚܝܺܢܰܢ ܠܡܺܐܡܰܪ ܕܰܠܟܽܘܠܗܘܽܢ ܡܓܘܽܫܶܐ ܘܰܠܫܰܪܟܳܐ ܕܦܳܪ̈ܣܳܝܶܐ܃ ܒܶܠܰܬܝ ܣܝܺܡܳܐ ܥܰܡ ܣܰܗܪܳܐ܃ ܘܥܰܡ ܟܶܘܳܢ ܒܒܰܝܬܳܐ ܕܟܶܘܳܢ ܒܰܡ̈ܢܰܘܳܬܶܗ܂ ܟܰܕ ܣܳܗܶܕ ܠܗܶܝܢ ܐܰܪܶܣ܂ Und wir können nicht sagen, dass für alle Mager und für den Rest der Perser Venus gestellt war mit dem Mond und mit Saturn im Haus des Saturn in seinen Teilen, als Mars ihnen Zeuge war (?).

Cureton, Roberts/Donaldson und Merx fassen ܐܬܪ ܦܪܬܝܢ ʾtr prtjn als „Land (von) Prtjn“, d.h. Parthien. Die beiden englischen Übersetzungen streichen das folgende ܦܪܬܘ Prtw als Dublette. Die Patrol. Syr. und die lexikalische Analyse des CAL betrachten ʾtrprtjn als einen Ortsnamen Atar-Pratin, erstere übersetzt es mit „Adorbidian“, das Prtw dagegen mit „Parthia“. Im Apparat heißt es dazu: „lies ܒܐܬܪܦܬܩܢ [b-ʾtrptqn, d.i. mpers. Āturpātakān] (franz.: Atrapatène oder Adorbigan)“. Auch Nock liest „Atropatene“, das ist die Region um den Urmiasee und zwischen Urmiasee und Kaspischem Meer, heute der nordwestliche Abschnitt des Iran.

Die Mager werden als ein Teil der Perser betrachtet, und sie sind zerstreut über die Länder des Iran und Kleinasiens und bis nach Ägypten. Was die astrologische Aussage über die Perser im Endeffekt bedeutet, kann ich nicht sagen.

Bilingue von Faraša

Diese zweisprachige Inschrift (griechisch und aramäisch) wurde (Anfang 20. Jh.?) an einem (zumindest damals) ziemlich abgelegenen Ort in Kappadokien gefunden. Sie wird von Grégoire auf Grund epigraphischer Indizien (halbmondförmiges Epsilon ϵ und Sigma ϲ, Theta mit durchgehendem Querbalken ϴ) auf das 1. Jh. n.Chr. datiert.

Σαγάριος Μαγ̣[αφά]ρ̣νου στρατηγ[ὸ]ς Ἀριαραμνε̣ί̣(ας) ἐμάγευσε Μίθρῃ Sagarios, Sohn des Magapharnes, Gouverneur von Ariaramneia, war/wurde Mager [oder: zauberte] für Mithras
זגר בר מהגפרן רב חגא̣ מגגש [למ]תרה Zagar, Sohn des Megapharn, führte als Oberster [wörtl. Großer] der Festversammlung magische Riten aus für Mitra

Ein Verbum מגשׁ mgš ist sonst im Aram. nicht belegt. Das syr. Paʿel ܡܰܓܶܫ maggeš (auf das Grégoire verweist) bedeutet nach Payne-Smith „magische Riten zelebrieren, magische Künste ausüben, Zaubersprüche benutzen“ (z.B. Apg 8,9).

Bei aller Unsicherheit der Lesung ist klar, dass es im griech. Text darum geht, dass ein gewisser Sagarios, der das Amt des Strategen bekleidete (eigentlich ein Heerführer, aber hier wohl jemand, der auch bzw. überwiegend zivile Agenden hatte), eine Tätigkeit oder Funktion im Mithraskult ausübte. Nock bringt es so auf den Punkt: „D.h. Sagarios wurde ein Mager des Mithras [so übersetzt Cumont] oder fungierte als Mager für Mithras [so Grégoire].“ (S. 177) Grégoire sagt so: „Eine Person namens Sagarios war in in seiner Eigenschaft als Mager bei einer religiösen Zeremonie zu Ehren des Mitithra tätig.“ (S. 439f) Mithras ist zunächst ein iranischer Gott, der auch von Zoroastriern verehrt wurde. Im 1. Jh. n.Chr. stand er dann im Mittelpunkt eines Mysterienkultes, der sich im Römischen Reich ausbreitete. Heute ist umstritten, ob der Mithras des Mithraskultes mit dem iranischen Gott identisch ist. Denn dieser Kult enthält viele Elemente, die dem Zoroastrismus ganz fremd sind.

Talmud, Traktat Šabbat

Shab 74a

אמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב המותח חוט שׁל תפירה בשׁבת חייב חטאת Rab Ṣûṭrâ bar Ṭôbijâ sagte: Rab sagte: wer einen Faden einer Naht spannt am Šabbat, ist ein Sündopfer schuldig.
והלומד דבר אחד מן המגושׁ חייב מיתה Und wer eine Sache [oder: Wort] lernt vom Mager, ist des Todes schuldig.
והיודע לחשׁב תקופות ומזלות ואינו חושׁב אסור לספר הימנו Und wer weiß, Sonnenwenden und Planeten zu berechnen, und berechnet (sie) nicht: verboten (ist es), von ihm zu erzählen.
מגושׁתא רב ושמואל חד אמר חרשׁי וחד אמר גדופי (Betreffs) Magie Rab und Šemuʾel: der eine sagte, (sie sei) Zauberei, der andere sagte, Blasphemie.
תסתיים דרב דאמר גדופי Es kann geschlossen werden, dass Rab (es ist), der sagte, Blasphemie.

Hebr. רַב Rab ist einerseits Ehrentitel der Rabbinen der Amoräerzeit, andererseits wird es fast wie ein Eigenname für Abba Aricha (gest. 247 n.Chr.) verwendet. Sein theologischer Widerpart war der im obigen Text erwähnte Samuel aus Nehardea (gest. 254).

Dass Magie im AT verboten ist, habe ich oben schon kurz angerissen. Ausführlicher dazu auf meiner Seite über Religion vs. Esoterik, im Abschnitt Esoterik in der Bibel. Auch im Talmud wird Magie von Rab als todeswürdiges Verbrechen gesehen, das auf einer Stufe mit Gotteslästerung steht.

Schlussfolgerung


Babylonische Zuordnung von Gestirnen zu Göttern: der König (Mitte) bringt seine Tochter (rechts) zur Göttin Nanaja (links), darüber die astralen Symbole der Gottheiten Ištar (achtzackiger [Morgen-]Stern), Sin (Mondsichel), Šamaš (Sonnenscheibe). Relief auf einem Kudurru (Grenzstein) des babylonischen Königs Meli-Šipak (reg. 1186-1171 v.Chr.), heute im Louvre:
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Jastrow, 2005.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinert, aufgehellt, unscharf maskiert.

Die Bedeutung „Scharlatan, Betrüger“ kommt für die Mager aus dem Osten nicht in Betracht, denn der Evangelist schildert sie sehr positiv: Gott erteilt ihnen im Traum Anweisungen, und sie befolgen sie. Sie sind offenbar Sternbeobachter und -deuter („wir haben seinen Stern gesehen“). Das passt auch schlecht auf zoroastrische Priester, denn diese haben, soweit ich aus den Quellen erkennen kann, keine Astrologie betrieben. Es lässt am ehesten auf chaldäische Astrologen schließen. Aber wieso bezeichnet Mt sie dann als Mager, und nicht als Chaldäer, Astrologen o.ä.? Der gleiche Einwand gilt auch für die Vermutung, es habe sich um parthische Gesandte des Arsakidenreichs gehandelt. Die wären wohl kaum als Mager bezeichnet worden.

Und wieso hätten sich persische Priester oder chaldäische Astrologen für den neugeborenen König der Juden interessieren sollen? Eines Königs, der ihnen so wichtig war, dass sie eine weite Reise auf sich nahmen, um ihm zu huldigen. Der König der Juden wurde zu dieser Zeit von den Römern eingesetzt, und seine weltpolitische Bedeutung war marginal. Wozu einem präsumtiven zukünftigen Vasallenkönig huldigen? Könnte es sein, dass die Mager Juden mit einer messianischen Hoffnung waren, wie Werner Gitt glaubt? Dagegen spricht, dass fromme Juden keine „Sternkunde“ betrieben haben. Dagegen spricht nach Zahn auch die Formulierung der Frage „wo ist der geborene König der Juden?“ (S. 93) (so immer aus dem Munde von Römern: Mt 27,11.29.37 u. par.; dagegen aus jüdischem Mund „der König Israels“: Mt 27,42 u. par.; Joh 1,49;12,13).

Die Magoi von Ekbatana

Andere wissen es dagegen umso genauer: die Mager waren persische Zoroastrier aus der Mederstadt Ekbatana, die sich in Kenntnis von Vorhersagen des Propheten Daniel auf den Weg nach Jerusalem gemacht haben. So steht es in dem Artikel Die Magoi von Ekbatana auf jesus.ch. Dieser Artikel ist eine Ansammlung von unkritisch wiedergegebenen Zitaten, deren Behauptungen vielfach einem Faktencheck nicht standhalten, und er mündet aus in freihändige Behauptungen ohne jeden Anhalt an Quellen. Hier eine Auswahl solcher Aussagen:

"Auch Philo von Alexandria, ein Zeitgenosse Jesu von Nazareth, unterscheidet die echten Magier, die sich der Wissenschaft widmeten, von solchen Magiern, die Zauberei trieben." (Zitat Papke)
Wo soll das stehen? Philon behauptet, „echte Magie“ sei eine optische Wissenschaft. Aber das ist eine Ad-hoc-Behauptung, und sie ist Unsinn. Von Magiern, die sich der Wissenschaft widmeten, habe ich in den antiken Texten bisher nichts finden können. Die persischen Mager waren Priester, nicht Wissenschaftler. (Wissenschaftler in unserem Sinn hat es in der Antike überhaupt nicht gegeben.)
"[…] die frühen christlichen Schriftsteller, die jedenfalls darin übereinstimmen, dass die Magier Anhänger des aus Persien stammenden Zoroaster waren." (Zitat Papke)
Keineswegs alle. Manche frühchristliche Autoren haben dazu andere Theorien, z.B. Epiphanios. Aber das beweist ohnedies nichts. Sie könnten alle falsch liegen.
"Auf den frühen Wandgemälden in den Katakomben werden die Weisen auch immer mit der persischen Kopfbedeckung Pileus gezeigt.“ (Zitat Schneider)
Der Pileus war eine rund Filzkappe der Griechen und Römer. Sie wurde z.B. römischen Sklaven bei der Freilassungszeremonie aufgesetzt, und sie wurde auch von einigen römischen Priestern getragen. Was Schneider wohl meint, ist die Phrygische Mütze (s.o. das Mosaik in Ravenna), die aber namentlich von französischen Autoren gern als Pileus bezeichnet wird. Aber das beweist so wenig wie der Umstand, dass die Mager meist zu dritt abgebildet sind. Es handelt sich um künstlerische Darstellungskonventionen. Die Maler wussten nicht, woher die Mager stammten, wie sie gekleidet waren und wieviele sie waren.
Der Jerusalemer Journalist Ludwig Schneider schreibt in einem Bericht über den Davidstern in dem aus dem 4. Jahrhundert stammenden Goldmosaik der Geburtskirche von Bethlehem: "Diesem Stern und Goldmosaik ist es auch zu verdanken, dass die Perser im Jahr 614 diese Basilika nicht zerstörten, denn sie sahen in den dort dargestellten Weisen, die diesem Stern gefolgt sind und hier dem Jesuskind ihre Huldigung darbrachten, Personen, die wie Perser aussahen". (Zitat Schneider)
Da ich Schneiders Artikel nicht einsehen kann, ist mir nicht recht klar, wovon hier die Rede ist. Die Bodenmosaike der konstantinischen Kirche unter dem Mittelschiff zeigen nur geometrische Ornamente und florale Motive. Die in den letzten Jahren restaurierten goldgrundigen Mosaike an den Fenstergaden stammen aus der Kreuzfahrerzeit (12. Jh.), enthalten jedoch keine Darstellung der Mager. Der Grund dafür, dass die Perser die Kirche verschont haben, soll nach Vincent/Abel bzw. Bayet ein (nicht mehr erhaltenes) Mosaik der Mager an der westlichen Außenmauer der Kirche gewesen sein. (Hat Schneider dieses Mosaik gemeint?) So steht es in einem Brief, den drei melkitische Patriarchen nach einem 836 in Jerusalem abgehaltenen Konzil an den byzantinischen Kaiser Theophilos (der ein strikter Gegner der Bilderverehrung war) geschrieben haben (Kap. 7.8 in der Ausg. v. Munitiz et al.). Die Textgeschichte dieses Briefes ist verwickelt, seine Authentizität nicht restlos geklärt. Wie auch immer: auch dieses Mosaik wäre nur ein weiterer Zeuge für die Art, wie spätantike und frühmittelalterliche Künstler die Mager darzustellen pflegten, und es beweist nichts für den MtText.
"Magier, altpersisch magu, sind ein Stamm oder eine Kaste der Meder mit Priesterfunktion […]" (Zitat Reimbold)
Das ist zwar richtig. Aber Herodot (auf den diese Angabe zurückgeht) beschreibt hiermit die Situation im späten 8. Jh. v.Chr. Um die Zeitenwende gab es Mager oder Männer, die sich als solche bezeichneten, in der ganzen Oikumene.
"[…] sodaß Magier im lateinischen Sprachgebrauch schlechthin Priester bedeutet (Apuleius)." (Forts. Zitat Reimbold)
Hier hat Reimbold m.E. den Apuleiustext missverstanden. Im landläufigen lat. Sprachgebrauch bezeichnet es einen Zauberer. Warum sonst wäre Apuleius angeklagt worden, ein magus zu sein? Einen persischen Priester bezeichnet es dort, wo die Autoren von einem solchen reden. Übrigens zitiert Reimbold unmittelbar anschließend eine Evangelienkritik, die die Geschichte der Mager komplett ins Reich der Legende verweist.
Philo von Alexandria verglich die Magoi mit den Essenern.
Gemeint ist wohl Quod omnis probus liber sit 74-87, wo Philon von „Gruppen von schönen und guten Männern“ in nicht-griechischen Ländern spricht und namentlich persische Mager und indische Gymnosophisten nennt. Das dient als Sprungbrett zu einer längeren Beschreibung der Essener. Aber was beweist das für die Mager aus Mt 2?
Mit Zauberei haben nämlich diese Männer absolut nichts zu tun. Sie gehörten vielmehr der höchsten Bildungsschicht des iranisch-persischen Landes an. Sie waren Priester, Mediziner, Philosophen in einem und überhaupt Gelehrte im Dienst des Volkes.
Das ist wishful thinking. Die persischen Priester zur Zeit Jesu haben sich vermutlich mit (zoroastrischer) Theologie beschäftigt. Alles andere ist reine Spekulation. Aber wir wissen eben nicht, ob die Mager in Mt 2 überhaupt persische Priester waren.
Das Buch Esther bestätigt, welche Planeten die Geburt Jesu an- bzw. verkündigten, denn "Esther" ist gleich "Venus"; "Mardochai" ist gleich "Jupiter"!
Was haben Esther und Mardochai mit Venus und Jupiter zu tun? In Wahrheit bestätigt das Buch Esther zu diesem Thema überhaupt nichts.
"Die Kenntnis einer persischen Tradition zum 'Stern der Weisen' verrät mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bemerkung des Klemens von Alexandrien in Strom. I 71,4 […]" (Zitat Strobel S. 1100)
Das halte ich allerdings für ziemlich unwahrscheinlich. Die genannte Clemens-Stelle lässt keinerlei über Mt 2 hinausgehende Kenntnisse der Mager (die Clemens für Perser hält) erkennen.
"[…] das 'Opus imperfectum in Matthaeum', ein […] Kommentar zum Mt-Evangelium in lateinischer Sprache […] Es heißt darin, daß man auf einem fernen Bergheiligtum bei den Persern schon immer das Kommen des Erlösers mit dem Aufscheinen eines Sternes erwartet habe." (Zitat Strobel S. 1121)
Die Geschichte von den Magern, die jedes Jahr nach dem Getreidedrusch auf einem Berg drei Tage lang betend auf den Aufgang eines Sternes warteten, ist nach Herzfelds Ansicht die christliche Interpretation einer zoroastrischen Prophezeiung über den Saošjant (saošyant- „Retter, Heiland“, wörtl. „der Nutzen, Vorteil schafft“, Barth. Sp. 1551; mpers. sōšāns). Die frühchristlichen und mittelalterlichen Autoren tappten bezüglich der Herkunft der Mager genauso im Dunkeln wie wir. Wenn sie also Spekulationen oder Behauptungen vorbrachten, waren es eben genau dies: Spekulationen und unbewiesene Behauptungen. Man darf sie glauben, wenn man möchte. Aber ein wissenschaftlich valides Argument stellen sie nicht dar.
"Die Geschichte der Weissagung vom künftigen Stern, wie sie sich mit dem Seher Bileam verbindet […]" (Zitat Weisensee)
Was hier offenbar übersehen wird: die in diesem Zusammenhang oft zitierte Weissagung Bileams דָּרַךְ כֹּוכָב מִיַּעֲקֹב „auftreten wird ein Stern aus Jakob“ (Num 24,17) kündigt keinen Stern im buchstäblichen astronomischen Sinn an, sondern einen königlichen Star aus dem Zwölf-Stämme-Volk. (Das zeigt recht klar das parallele Glied וְקָם שֵׁבֶט מִיִּשְׂרָאֵל „und aufstehen wird ein Zepter aus Israel“.) Man kann darin einen Hinweis auf Jesus sehen (Offb 22,16: ἐγώ εἰμι […] ὁ ἀστὴρ ὁ λαμπρὸς ὁ πρωϊνός „ich bin […] der helle Morgenstern“; obwohl Jesus die Schläfen der Moabiter nicht zerschmettert hat), aber schwerlich auf den Stern von Bethlehem. Freilich haben christliche Schriftsteller von Beginn an bis heute genau das getan, ungeachtet der Tatsache, dass Mt gerade hier kein Erfüllungszitat anführt.
"Im Übrigen sind altpersische Erlöser-Texte bekannt, die mit der Erwartung einer ungewöhnlichen Sternerscheinung verbunden sind" (Zitat Weisensee)
Auf Altpersisch sind nur ein paar Inschriften der Achaimenidenzeit erhalten, z.B. die Behistun-Inschrift. Gemeint sind vielleicht die mpers. Texte über den Saošjant, einen endzeitlichen Retter, die aber hauptsächlich aus islamischer Zeit stammen (Dēnkard, Bundahišn, Bahman Yašt). Strobel z.B. zitiert Bahman Yašt 3,15; Bahman Yašt ist eine Offenbarung (Apokalypse) Ahuramazdas an Zarathustra über den zukünftigen Geschichtsverlauf, in die immer wieder Erklärungen und Kommentare eingeschoben sind. Aus welcher Zeit der Offenbarungstext bzw. seinen Vorlagen stammt, ist umstritten. Aber selbst, wenn man annimmt, dass eine solche Erwartung bereits zur Zeit Jesu bestanden hat: sie bezog sich auf die endzeitliche Erlösung des Iran und der Zoroastrier, nicht Israels und der Juden.
"Als Daniel so den Gipfel seines Ruhmes erstiegen hatte, erbaute er, der besondere Liebling Gottes, in der medischen Stadt Ekbatana einen prachtvollen und wunderbar anzuschauenden Turm, der noch heute steht. […] In diesem Turm wurden die Könige der Meder, der Perser und Parther bestattet, und die Obhut über ihn ist noch heute einem jüdischen Priester anvertraut." (Zitat Ios. ant. 10,264f [10,11,7])
Flavius Josephus gibt hier eine jüdische Tradition wieder, die wohl voraussetzt, dass Daniel Erbe des persischen Großkönigs war (der [Adoptiv-]Sohn kümmert sich um das Grabmal des Vaters) – was historisch ganz unwahrscheinlich ist.
Das Bauwerk wird βάρις (bei LSJ βᾶρις) báris genannt, ein spätes Wort unklarer Herkunft und Bedeutung. In LXX Ps 44,9 (= 45,9 masoret. Text) wird es als Übersetzung von hebr. הֵיכָל hêkāl „Palast, Tempel“ verwendet. In Theodotions Übersetzung von Dan 8,2 wird es zur Wiedergabe von hebr. בִּירָה bîrâ „Burg, Festung“ gebraucht. Dass es sich um einen Turm gehandelt hat, ist eine Vermutung des dt. Übersetzers Heinrich Clementz (1899). Ralph Marcus, der Hrsg. der Loeb-Ausg. (1937), übersetzt mit „fortress“.
Medische Könige gab es seit der Zeit Kyros' des Großen (der in Dan 6 und hier bei Ios. mit „Dareios“ vermutlich gemeint ist) keine mehr, Medien war eine Satrapie. Die Achaimenidenkönige sind seit Dareios in Persepolis bzw. Naqš-e Rostam bestattet (Kyros und Kambyses noch in Pasargadae). Für die parthischen Könige habe ich keine Quellen gefunden, gehe aber davon aus, dass sie im Bereich ihrer Hauptstadt Ktesiphon bestattet wurden. (Ekbatana ist über 400 km Luftlinie entfernt.)
Übrigens hätte ein Jude, zumal ein Priester, so ein Gebäude nicht bewacht, sondern einen großen Bogen darum gemacht. Denn der Kontakt mit Toten und Gräbern macht unrein.
Der vom jüdischen Geschichtsschreiber gepriesene Turm diente mit Sicherheit nicht nur der Bestattung der medischen, persischen und parthischen Könige! Angesichts der ausgezeichneten Höhenlage von Ekbatana war er geradezu für die Beobachtung des Sternenhimmels prädestiniert. Dies dürfte dann auch der ursprüngliche Verwendungszweck gewesen sein […]
Ein Observatorium, das zur königlichen Grablege umfunktioniert wurde? Könige waren üblicherweise anspruchsvoller, was ihre letzte Ruhestätte anbelangte. Aber in Ekbatana sind m.E. ohnehin keine persischen Könige bestattet worden.
Aber mit einiger Wahrscheinlichkeit […] diente [der Turm] als Archiv. In diesem Sinne bestand die Aufgabe des jüdischen Priesters […] in nichts anderem als der Verwahrung des schriftlichen Vermächtnisses des grossen Propheten Daniel!
Das sind reine Mutmaßungen, wir wissen nichts von den schriftlichen Vermächtnissen Daniels. Das nach ihm benannte Buch ist in seiner jetzigen Form, mit seiner seltsamen Mischung aus hebr. und aram. Partien (die noch dazu allerhand pers. und griech. Lehnwörter enthält) aller Wahrscheinlichkeit nach während des Makkabäeraufstandes in Judäa entstanden. Wieviel von dem Buch also wirklich auf Überlieferungen aus der Achaimenidenzeit zurückgeht, kann nicht einmal vermutet werden.
Das Buch enthält historische Fehler, die dem Daniel des 6. Jh. wohl nicht unterlaufen wären: Belsazar wird Dan 5,2.11.13.18.22 als Sohn Nebukadnezars bezeichnet. In Wahrheit war Belsalzar (bzw. sein leiblicher Vater Nabonid) mit Nebukadnezar nicht verwandt. Dan 5,30-6,1 zufolge übernimmt nach Belsazar anscheinend „Dareios, der Meder“ die Herrschaft (über Babylonien?). Abgesehen davon, dass nicht Belsazar, sondern Nabonid der letzte chaldäische König war: mit „Dareios“ (der erst seit 522 v.Chr. Großkönig war) kann doch wohl nur Kyros gemeint sein (dessen Heer 539 v.Chr. kampflos in Babylon einzog). Wie sich der Verfasser des Danielbuches das Verhältnis zwischen dem „Königreich des Dareios“ und dem „Königreich des Kyros, des Persers“ (Dan 6,29) vorstellte, ist nicht zu eruieren. In Dan 9,1 wird Dareios als Sohn des Ahasveros = pers. Xšaya-ṛšā = griech. Xerxes bezeichnet. Xerxes war der Sohn des Dareios, nicht sein Vater. Dass Dareios nicht Meder war, sondern Perser, mag man hingehen lassen. Mit dieser Unterscheidung haben es auch die Griechen nicht immer genau genommen.
Übrigens war Daniel kein Prophet im Sinne des hebr. Wortes, auch wenn Josephus in ant. 10,266 von Daniel als „einem der größten Propheten“ spricht. Daniel hatte „private“ Visionen, aber keine Sendung, keine Botschaft. (Er hatte das donum propheticum, aber nicht das munus propheticum.) Deshalb wird das Buch Daniel im Tanach zu den „Schriften“ gerechnet, so wie Esra, Nehemia, Ester u.a.
Das Vermächtnis Daniels beinhaltet astronomisches Wissen, aufgrund dessen die Sternerscheinung längst vorausberechnet war.
Im Buch Daniel finde ich davon nichts. Soll hier die Existenz nicht mehr erhaltener astronomischer Schriften Daniels behauptet werden? Davon gibt es nicht die Spur eines Beweises. Und das ist angesichts der Ablehnung von Astronomie durch das Judentum auch ganz unglaubhaft.
Seine Vorhersagen und Schriften bildeten das Bindeglied zwischen den Magoi des 6. Jahrhunderts v. Chr. als Zeitgenossen Daniels und ihren Nachfolgern, die um die Zeitenwende wirkten.
Eine Verbindung zwischen dem Buch Daniel und den Magern in Mt 2 wäre nur dann plausibel, wenn letztere Juden waren. Denn persische Zoroastrier haben sich nicht für jüdische Apokalyptik, d.h. die zukünftige Geschichte und die Endzeit Israels, interessiert. Zumindest lassen die erhaltenen Schriften nichts in dieser Richtung erkennen.

Ich empfinde es als befremdlich, dass ausgerechnet eine Website, der es um die Verbreitung des christlichen Glaubens geht, einen so leichtfertigen Umgang mit Fakten betreibt. Gerade wir Christen, die wir uns doch der Wahrheit verpflichtet wissen, sollten uns der Faktenwahrheit nicht zur vermeintlich höheren Ehre Gottes entschlagen. Auch fromme fake news sind fake. So verlockend es ist, über Details, die uns der Evangelist vorenthält, zu spekulieren: welchen Sinn hat es, etwas „mit Sicherheit“ zu behaupten, wo es überhaupt keine Sicherheit gibt? Und irgendwelche Mutmaßungen kurzerhand als Fakten hinzustellen? Wie so viele evangelikale Erklärungsversuche scheitert auch dieser an Ockhams Rasiermesser: er geht von zu vielen Annahmen aus und setzt zu viele unbeweisbare Dinge voraus.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2021