Michael Neuhold Homepage
Startseite > Reisen > Streiflichter auf Korfu (2014)

Streiflichter auf Korfu (2014)


Reise nach Korfu

Enttäuschungen


Erster und für viele Jahre bleibender Eindruck von Korfu-Stadt (1988): Hier möchte ich nicht begraben sein.

Liebe auf den zweiten Blick (2014): Altstadt und Alte Festung von der Neuen Festung aus.

Als ich das erste Mal auf Korfu war (1988), hat es mir nicht gefallen. Es entsprach nicht meinem idealisierten Griechenlandbild: keine einfachen weißgetünchten Häuser im Kykladenstil, keine alten Männer, die mit ihren Komboloi spielend im Kafenio sitzen. Dafür jede Menge lilafarbener Engländer, die English Breakfast mit Eiern, gebratenem Speck und Black Pudding verzehrten. Die Erklärung für beides ist einfach: Korfu war jahrhundertelang unter venezianischer (aber nie unter osmanischer) Herrschaft. Davon zeugen u.a. die Kirchen mit Campanile. Es war 50 Jahre unter britischer Herrschaft, wovon z.B. das Cricketfeld auf der Spianada oder die Tzitzimbira (alkoholfreies Ginger Beer) Zeugnis geben. Und es wurde als eine der ersten Destinationen des heutigen Griechenland für den Fremdenverkehr entdeckt. Allerdings kann ich als Massentourist schwerlich gegen Massentourismus sein. Aber seine Folgen bedauern darf ich doch.

Auch die zweite Begegnung (2014) verlief nicht ungestört. Zwar war ich diesmal bereit, die landschaftlichen und architektonischen Schönheiten zu sehen und zu würdigen: die Insel ist grün und hat mit ihren Ölbaumen, Pinien und Zypressen fast toskanischen Charakter; die Altstadt von Korfu-Stadt mit ihren alten venezianischen Häusern steht nicht zu Unrecht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Aber es war keinen Tag wolkenlos, an drei Tagen erlebten wir Regen, an einem dieser Tage war es mehrere Stunden lang bedeckt, windig und kühl. Das kann ich in Salzburg auch haben.

Die größte Enttäuschung war aber, dass das Archäologische Museum von Korfu-Stadt wegen Renovierungsarbeiten von Mai 2012 bis Sommer 2015 geschlossen ist. Vier Jahre für ein nicht eben großes Museum! In dieser Zeit bauen die Chinesen mehrere Olympische Dörfer. Das Menekrates-Grabmal war wegen Restaurierungsarbeiten ebenfalls nicht zugänglich. Von der Seite konnte ich zwei Arbeiter beobachten, die aber nichts arbeiteten, sondern vermutlich gerade ihre wohlverdiente Pause genossen (s.u.). Die meisten anderen antiken Stätten (Artemistempel, Paleopoli) waren ebenfalls nicht zugänglich – vermutlich hat der Staat kein Geld, um das notwendige Aufsichtspersonal dafür anzustellen.

Hotel Kontokali Bay

Geflogen sind wir mit Niki/Airberlin von Salzburg nach Korfu-Stadt. Untergebracht waren wir im Hotel Kontókali Bay. Dieses liegt auf einer Halbinsel, die den südl. Abschluß der Bucht von Gouviá bildet. Das Hotel ist ein mittelgroßes Fünf-Sterne-Haus (nach griech. Standard) mit einem großen Salzwasserpool, etlichen Wellnesseinrichtungen (die wir nicht ausprobiert haben) und reichhaltigen Buffets bei Frühstück und Abendessen.

Der Sandstrand zu Füßen des Hotels besteht aus zwei eher schmalen Abschnitten. Das Wasser ist sauber und klar, an einem Tag gab es ein wenig Seegras. Die Wassertemperatur lag (Mitte Juli) bei geschätzten max. 22°C, ist also nicht kalt, aber doch erfrischend. Die Sonnenschirme und Liegen sind frei.

In zehn Minuten Fußmarsch ist man im Ort Kontókali mit seinen Tavernen und Geschäften, in einer guten Viertelstunde in der Marina von Gouviá, wo wir abends hingegangen sind und das Abendrot hinter den Segeljachten betrachtet haben.

Das Hotel fährt mit dem hoteleigenen Kleinbus zweimal täglich zwischen Hotel und Korfu-Stadt hin (9:30 und 10:00) und zurück (13:30 bzw. 13:55). Ein- und Ausstiegsstelle ist in der Alexandra-Allee (Λ. Αλεξάνδρας), gegenüber der Polizei. Man muss die Plätze aber rechtzeitig an der Rezeption reservieren. Der blaue Linienbus der KTEL (Linie 7) fährt alle 20 Minuten zwischen Dasia/Ipsos und Korfu-Stadt hin und her. Endstation ist der Theotokis-Platz (auch San Rocco genannt). Ein Fahrschein kostet 1,50 € im Vorverkauf (Kiosks, Verkaufsstelle am San Rocco), 2,00 € beim Busfahrer. Die Busse sind aber immer so vollgepfercht, dass man als Fahrgast nicht unter Klaustrophobie leiden darf. (Neben den blauen Bussen, die den Großraum Korfu-Stadt anbinden, gibt es die grünen, die die ganze Insel befahren; ihr Busbahnhof befindet sich unweit des Neuen Hafens.)

Ausflüge, Besichtigungen

Wir haben den jeden Montag durchgeführten TUI-Ausflug „Traumplätze von Sissi“ gebucht (40 €, Kinder 20 €). Das Programm: Fahrt vom Hotel zum Achilleion, Führung durch Palast und Garten; Rückfahrt zur Chalikiopoulos-Lagune, Spaziergang über den Damm, Besuch des Klosters Vlacherna; Weiterfahrt nach Korfu-Stadt, Spaziergang durch die Nikiforos-Theotokis-Str. zur Kirche des Hl. Spyridon; anschließend eine Stunde freie Zeit, bis wir wieder zum Hotel zurückgebracht wurden. Der Ausflug war sein Geld absolut wert.

Ich war an fünf Tagen in Korfu-Stadt. Besichtigt habe ich u.a. das Byzantinische Museum (2 €), das zwei Dutzend Ikonen in der zum Museum umfunktionierten Αντιβουνιώτισσα-Kirche zeigt, das Solomos-Museum (1 €), in dem ein paar Möbel aus dem Besitz des Dichters und ein paar Autographen und frühe Werkausgaben zu sehen sind, das Banknotenmuseum (Eintritt frei), das die Geschichte der Banknoten der Ionischen Inseln bis zum Ende der Drachme zeigt, und die Alte Festung (4 €, Senioren 2 €, Kinder und Studenten frei), in dem man u.a. Mosaiken aus der Paleopoli-Basilika bewundern kann. Nichts davon muss man wirklich gesehen haben, ausgenommen vielleicht die St.-Georgskirche in der Alten Festung. Empfehlen kann ich den Aufstieg auf die Neue Festung (Eintritt frei), von wo man einen wunderschönen Ausblick auf die Altstadt hat.

Ich habe es nicht geschafft, einen vernünftigen Stadtplan von Korfu aufzutreiben. Die Pläne enden alle auf Höhe des Stadions; die Halbinsel Analipsi mit dem Park von Mon Repos ist nirgends drauf. Auch die kleineren Gässchen der Altstadt sind meist nicht beschriftet.

Einige Sehens- und Merkwürdigkeiten

Liston


Die Arkaden des Liston.

Der (?) Liston (griech. το λιστόν) ist eine unter dem frz. Gouverneur Matthieu de Lesseps ab 1807, angeblich nach dem Vorbild der Pariser Rue de Rivoli, geschaffene Straße, deren Häuser mit durchgängigen Arkaden versehen sind. Heute reiht sich hier ein Café ans andere.

Der Name dürfte venezianischen Ursprungs sein: listón bezeichnet lt. Wikipedia-Art. Liston ursprl. ein lange Marmorplatte, wie sie zur Pflasterung verwendet wurde, dann einen Platz oder eine Straße, die zu diesem führt. Mehrere Städte im Veneto wie Venedig, Padua oder Verona haben einen Liston.

Gouverneurspalast


St.-Michael-und-Georg-Palast (Gouverneurspalast).

Der zweite brit. Gouverneur (Lord High Commissioner) Thomas Maitland ließ ab 1819 einen großen neoklassizistischen Bau aus maltesischem Kalkstein errichten, der (bis zum Anschluß Korfus an Griechenland 1864) als Sitz des Gouverneurs und (bis zur Errichtung des Parlamentsgebäudes in der Moustoxydos-Str. 1855) des Ionischen Parlaments diente. Das Gebäude wird oft auch St.-Michael-und-Georg-Palast genannt, nach dem brit. Order of St. Michael and St. George, der hier bis 1906 seinen Stammsitz (d.h. den Ort, an dem die Feierlichkeiten, wie z.B. Ordensverleihungen stattfinden) hatte.

1864 bis 1913 war der Palast Sommerresidenz der griech. Königsfamilie. 1993/94 wurde das Gebäude für das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU zum Ende des griech. EU-Ratsvorsitzes renoviert. Heute (2014) beherbergt der Palast u.a. die Städtische Gemäldegalerie und das Museum für Asiatische Kunst.

Während des genannten Gipfeltreffens, am Fr. 24. Juni 1994, unterzeichneten der österr. Bundeskanzler Franz Vranitzky und der Außenminister Alois Mock den Vertrag über den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. Unklar ist allerdings wo: der Wikipedia-Art. Achilleion behauptet im Achilleion. Eine ORF-Radionachrichtensendung von diesem Tag (Mitschnitt in der Österr. Mediathek) behauptet in der St.-Georgskirche (also in der Alten Festung?).

Achilleion


Die Terrassenseite des Achilleion mit ionischen Säulen und Statuen der neun Musen.

Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“, seit den kitschigen Filmen mit Romy Schneider auch „Sissi“) kam 1861 erstmals nach Korfu. 1889 kaufte sie die kleine venezianische Villa des korfiotischen Philosophen und Politikers Petros Vrailas-Armenis (gest. 1884) und baute sie in den folgenden beiden Jahren zu einem Palast um, richtete ihn ein und stattete ihn mit allerlei Plastiken aus. Sie benannte ihn nach ihrem griech. Lieblingshelden Achilleus. Doch schon 1893 scheint sie ihres als Alterssitz gedachten Palastes überdrüssig geworden zu sein. Nach ihrem Tod 1898 stand das Anwesen mehrere Jahre leer, bis es 1907 der deutsche Kaiser Wilhelm II. erwarb und bis zum Beginn des 1. Weltkriegs als Feriendomizil nutzte (aber auch, so Wikipedia, als diplomatisches Zentrum).

Interessant ist der Unterschied in der Auffassung des Gestalt des Achilleus, die sich in den beiden Achilleus-Statuen ausdrückt. Sisi ließ eine nur leicht überlebensgroße Statue des sterbenden Achill, der sich gerade den todbringenden Pfeil aus der Ferse gezogen hat, anfertigen. Achilleus fungiert hier als tragischer Held, zu dessen Schicksal auch das frühe Sterben gehört – passend für die depressive Kaiserin. Wilhelm hingegen ließ eine monumentale Statue des aufrechten Helden aufstellen. Achilleus ist der siegreiche Kämpfer, der offenbar die militärischen Tugenden des Preußentums repräsentieren soll.

In den 80er Jahren, als ich zum ersten Mal hier war, war es noch ein Spielkasino. In dieser Funktion kann man es auch im James-Bond-Film In tödlicher Mission (1981, Roger Moore als Bond) bewundern (ca. ab Minute 60 der DVD). Seit den 90er Jahren ist es ein vielbesuchtes Museum. 1994 diente es als einer der Tagungsorte des EU-Gipfeltreffens.

Das Gespräch zwischen Bond und Melina in der Abenddämmerung unmittelbar vor der Casinoszene wurde an der Brüstung einer Terrasse das Gartens des Achilleon gedreht; das Abendessen Bonds mit Kristatos danach auf der Terrasse.

Antikes Kerkyra

Das antike Kerkyra war auf der Halbinsel Analipsi (griech. Aνάληψη „Übernahme, Aufnahme, Abhebung“). Erst nachdem es im 6. Jh. von den Goten zerstört worden war, zog man sich auf den Berg der Alten Festung zurück, wo das mittelalterliche Korfu entstand. Von der Antike sind nur eine Handvoll Überreste, z.T. in Form von Spolien (antike Bauteile, die für spätere Bauten verwendet wurden), erhalten:

Neoklassizismus


St.-Georgskirche.

Unter den Briten wurden einige pseudoantike Bauwerke errichtet, u.a.

Byzantinisches Korfu


Die Kirche der Hl. Iason und Sosipatros.

Kumquat

Die Briten brachten nicht nur das Kricketspiel (der nördl. Teil der Spianada ist ein Kricketplatz) und das (alkoholfreie) Ginger Beer (τζιτζιμπίρα, eine klebrig-süße Limonade aus Ingwer, Zitronensaft und Zucker) nach Korfu, sondern auch die kaum pflaumengroße Zitrusfrucht namens Kumquat (κουμκουάτ), aus der in Korfu vor allem Likör, daneben Marmelade, Loukumia oder kandierte Früchte gemacht werden. In den Läden in der und rund um die N.-Theotokis-Str. sind die entsprechenden Flaschen und Gläser mit dem leuchtend orangen Inhalt allgegenwärtig.

Quellen:

Der Name der Insel

Korfu heißt auf Griech. Κέρκυρα (beide κ sind palatalisiert zu sprechen, also [ˈkʲɛrkʲira]). Nach gut antiker griech. Tradition tragen Hauptort und Insel denselben Namen. Altgriech. heißen sie Κέρκυρα bzw. (auf Münzen und einheimischen Inschriften) Κόρκυρα (auch lat. immer Corcyra). Ernst Meyer scheint letzteres für die ursprl. Namensform zu halten. Frisk hält dagegen ersteres für das ältere und erklärt letzteres durch Assimilation ε - υ > ο - υ. Als eine mögliche Etymologie nennt er „Eicheninsel“, vom illyr. Wort für die Eiche, vgl. lat. quercus „Eiche“, got. faírguni „Gebirge“, nhd. Föhre „Kiefer“ (< idg. *perku̯u-s, Pokorny S. 822).

Der Wikipedia-Art. Korfu, 2.2 Antike behauptet, der Name Korkyra sei bereits auf Linear-B-Täfelchen aus Pylos indirekt in der Form ko-ro-ku-ra-i-jo = Κορκυραῖοι „Kerkyräer“ (Pl.) belegt. Tatsächlich findet sich dieses Wort mehrfach auf Pylos-Täfelchen, es dürfte eine Art von Truppenkontigent bezeichnen. Da Korkyra aber nicht zum Kernbereich der mykenischen Kultur gehörte, votieren manche Forscher (z.B. Ruijgh) für die Lesung Κροκυλαῖοι „Bewohner von Krokyleia“. Κροκύλεια ist belegt im homerischen Schiffskatalog Il. 2,633, seine Krieger werden von Odysseus angeführt (zusammen mit denen von Ithaka, Zakynthos, Kephallenia, u.a.); seine genaue Lage ist unbekannt. Ventris/Chadwick bieten in einer Ortsnamenliste zunächst beide Lesungen an: „Ethnic; Ventris, Furumark: Krokulaioi (cf. Κροκύλεια); Sittig: Korkuraioi“. Im Glossar (das für die 2. Aufl. von Chadwick neu gemacht wurde) werden beide für unwahrscheinlich erklärt: „Nom. plur. masc. of ethnic adj. Attempts to relate this to Κόρκυρα = Κέρκυρα or Κροκύλεια are probably vain.“

Kerkyra wird von Homer nirgends erwähnt. Schon seit der Antike galt es als ausgemacht, dass das Land der Phäaken, Scheria (Σχερία, hom. Σχερίη), Kerkyra sei. Erst in der Neuzeit erhoben sich Stimmen, die darauf hinwiesen, dass die vielen märchenhaften Züge dieses Landes (ob es eine Insel ist, geht aus der Od. nicht eindeutig hervor) eine Lokalisierung in der realen Geographie verbieten.


Welche Gipfel waren hier wohl namengebend? Korfu-Stadt vom Norden aus.

Die Venezianer brachten den Namen Corfù, der nach Ernst Meyer die it. Version des griech. (στους) Κορφούς „(zu/auf den) Gipfeln“ (offenbar κορφός = κορ(υ)φή „Gipfel“) ist, „nach den beiden, die m[ittel]a[lterl]. und moderne Stadt überragenden Festungen“. Nicht minder plausibel erscheint mir aber Klaus Bötigs Erklärung: „Der Doppelgipfel auf dieser Halbinsel [auf der die alte Festung steht] hat dem griechischen Kérkira seinen italienischen Namen Corfu eingebracht [...].“

Korfu gehört zu den Ionischen Inseln, griech. τα Επτάνησα „Siebeninseln“ (näml. von N nach S: Korfu, Paxí, Lefkáda, Ithaka, Kefalloniá, Zákynthos, Kythera), seltener οι Ιόνιες νήσοι od. τα Ιόνια νησιά. Sie liegen im Ionischen Meer, griech. το Ιόνιο πέλαγος. Der Name Ionisch kommt angeblich von Io (Ἰώ, Ἰοῦς), einer Geliebten des Zeus. Davon zu unterscheiden ist die Landschaft Ionien, altgriech. Ἰωνία, an der kleinasiatischen Küste und der namengebende Stamm der Ionier, Ἴωνες, benannt nach einem mythischen Stammvater Ion (Ἴων, -ωνος). Im Griech. sind die beiden durch das o (ο vs. ω) unterschieden.

Quellen:

Berühmte Korfioten

Berühmt ist ein relativer Begriff. Von einigen der Personen wissen vermutlich auch viele Korfioten nicht, wer sie waren; man kennt halt ihre Namen, weil Straßen und Plätze nach ihnen benannt sind. (Hand aufs Herz: welcher Salzburger weiß, wer Hubert Sattler, Josef Preis oder Erzabt Klotz waren?)

Eugenios Voulgaris (Ευγένιος Βούλγαρης)
1716–1806, gest. in St. Petersburg, Theologe, Philosoph, Vertreter der Aufklärung, Verfechter der Katharevousa, Erzbischof von Cherson (Ukraine). Die Straße, die vom Liston am Rathaus vorbei Richtung San Rocco führt, ist nach ihm benannt.
Nikiforos Theotokis (Νικηφόρος Θεοτόκης)
1731–1800, gest. in Moskau, Theologe, Gelehrter, Erzbischof von Cherson und Astrachan (a.d. Wolga). Eine der Hauptgeschäftsstraßen der Altstadt ist nach ihm benannt.
Georgios Theotokis (Γεώργιος Θεοτόκης)
1844-1916, Jurist, Politiker, Bürgermeister von Korfu, Marineminister und schließlich zwischen 1899 und 1909 viermal griech. Premierminister. Sein Denkmal steht auf dem Platz vor der Kirche des Hl. Spyridon (Πλατεία Ηρώων Κυπριακού Αγώνα); die Verlängerung der Voulgaris-Str., die zum meist San-Rocco-Platz genannten Platz führt, ist nach ihm benannt. Beim San-Rocco-Platz (Πλατεία Σαρόκου oder Σαν Ρόκο), der heute offiziell Πλατεία Γεωργίου Θεοτόκη heißt, bin ich mir nicht sicher, manchmal wird er auch Πλ. Γ. Θεοτόκη Ιωάννη genannt.
San Rocco ist ein vor allem in Venedig verehrter Heiliger (Rochus von Montpellier, 1295-1327).
Ioannis „John“ Theotokis (Ιωάννης Θεοτόκης)
1880-1961, Sohn von G. Theotokis (daher in Athen geboren), Politiker, Landwirtschaftsminister und 1950 kurz Premierminister einer Übergangsregierung. Die Straße, die vom Neuen Hafen zum San Rocco führt, ist nach ihm benannt.
Ioannis Antonios Graf Kapodistrias (Ιωάννης Αντώνιος Καποδίστριας)
1776-1831, erster Präsident Griechenlands nach der Befreiung vom Osmanischen Reich. Sein Conterfei ziert die griech. 20-Cent-Münze; der Flughafen der Inselhauptstadt ist nach ihm benannt; sein Denkmal steht gegenüber dem Jachthafen von Korfu-Stadt, südl. der Spianada (am Beginn der Λ. Δημοκρατίας).
Kapodistrias ist entweder in dem Bergdorf Άνω Κορακιάνα geboren (nach der Webpage der Gemeinde), oder in Korfu-Stadt im Haus Ο. Καποδιστρίου 103 (?). An der Außenmauer des Hauses (in dem sich heute die Abt. für Fremdsprachen, Übersetzung und Interpretation der Ionischen Univ. befindet) besagt eine Tafel: ἐν τῇ οἰκίᾳ ταύτῃ | τῷ 1776 ἐγεννήθη | ὁ | Ἰωάννης Ἀ. Καποδίστριας | κυβερνήτης τῆς Ἑλλάδος „in diesem Haus | im (Jahr) 1776 wurde geboren | Ioannes A. Kapodistrias | Regierungschef von Griechenland“.
Dionysios Solomos (Διονύσιος Σολωμός)
1798 auf Zakynthos geb., hat aber seit 1828 auf Korfu gelebt (sein Haus beherbergt heute ein Solomos-Museum), wo er 1857 gestorben ist. Solomos war einer der ersten, der in der Dimotiki dichtete. Die ersten beiden Strophen seiner 1823 verfassten Hymne an die Freiheit bilden heute die griech. Nationalhymne.
Prince Philip, Duke of Edinburgh
Der Prinzgemahl (d.h. Ehemann) der engl. Königin Elisabeth II. wurde 1921 im Schloss Mon Repos in Kerkyra als Prinz Philip von Griechenland und Dänemark geboren. Sein Vater war der Bruder des griech. Königs Konstantin I. (1868-1923, reg. 1913-17 und 1920-22). Nach der Kleinasiatischen Katastrophe 1922 und der darauffolgenden sog. Revolution vom 11. Sept. musste die Familie aber ins Exil gehen.
Vicky Leandros (Βίκυ Λέανδρος, eigtl. Βασιλική Παπαθανασίου)
Geb. 1949? 1952? (die Angaben über ihr Geburtsjahr schwanken) in Paleokastritsa. Hat 1972 den Eurovision Song Contest für Luxemburg gewonnen (Après toi).

Quellen:

Inschrift des Menekratesgrabmals


Zeichung der Inschrift vom Grabmal des Menekrates, Archäolog. Zeitung, 4. Jahrgang 1846, Tafel xlviii (bei Archive.org), digital bearbeitet, um die Lesbarkeit zu erhöhen, daher die orange Farbe.

Restaurierungsarbeiten am Grabmal des Menekrates im Juli 2014. Na ja...

Das Grabmal wurde 1843 entdeckt, es befindet sich an der Ο. Κύπρου gegenüber von Haus Nr. 2 (unweit des Gefängnisses). Viel zu sehen gibt es da allerdings nicht.

hυιοῦ Τλασίαϝο Μενεκράτεος τόδε σᾶμα, Dies ist das Grabmal des Menekrates, des Sohnes des Tlasias,
Οἰανθέος γενεάν· τόδε δ' αὐτο͂ι δᾶμος ἐποίει· der Herkunft nach ein Oiantheier; dies hat ihm die Gemeinde errichtet;
ἐ͂ς γὰρ πρόξενϝος δάμου φίλος· ἀλλ' ἐνὶ πόντο̄ι er war nämlich ein lieber Staatsgastfreund der Gemeinde; aber auf dem Meer
ὄ̄λετο, δαμόσιον δὲ καϟὸν ῥο[░░░░░░░]. kam er um, das Unglück für die Gemeinde [░░░░░░░].
Πραξιμένε̄ς δ' αὐτο͂ι γ[αία]ς ἀπὸ πατρίδος ἐνθὸ̄ν Praximenes aber, ihm aus heimatlichem Land gekommen,
σὺν δάμο̄ι τόδε σᾶμα κασιγνέ̄τοιο πονέ̄θε̄. erarbeitete mit der Gemeinde dieses Grabmal des Bruders.

Das korinth. Alphabet Korkyras verwendet San (das wie ein M aussieht, aber beim My ist der zweite senkrechte Balken kürzer) anstelle von Sigma, es wird hier aber wie üblich mit σ wiedergegeben; das Iota sieht fast wie ein Z aus, das Epsilon wie ein eckiges B. Es schreibt langes und kurzes e und o beide mit ε bzw. ο (daher ο͂ι = ῷ, ἐ͂ = ἦ usw.); η wird als h verwendet, hier mit h wiedergegeben (hυιοῦ = υἱοῦ). Für k vor dunklem Vokal wird Koppa (ϟ oder ϙ) geschrieben, Digamma (ϝ) ist noch erhalten. (S. meine Seite Altgriech. Alphabet.) Die Formen σᾶμα = σῆμα, δᾶμος = δῆμος, ἐ͂ς = ἦν, ἐνθό̄ν = ἐλθών weisen den Dialekt als dem Dorischen zugehörig aus (aber: κασιγνέ̄τοιο statt des zu erwartenden κασιγνάτοιο, nach Buck epische Form wie ἐνί oder das augmentlose πονέθε).

Die vierte Zeile kann nicht wiederhergestellt werden. Buck hat Frisks Ergänzung καϟὸν ῥό[θιον πόρε κῦμα] „eine rauschende Woge brachte Unglück für die Gemeinde“, die IG haben καϟὸ[ν πένθησαν hάπαντες] „das Unglück für die Gemeinde betrauerten alle“. Beides erscheint mir als haltlose Vermutung. Das letzte Wort der Inschrift (πονέθε) interpretiert Buck als πονήθη und schreibt „transitive sense as in Homer“. Franz akzentuiert πόνηθε, d.i. πόνησε (spirant. θ an Stelle von σ?).

Franz erklärt (Sp. 383): „Also Menekrates, der Sohn eines Tlasias, aus Oeanthe in Lokris, war Proxenos der Korkyräer. Derselbe hatte, wie es scheint, auf einer Reise in der Nähe der Insel Schiffbruch gelitten. Die Korkyräer bestatteten seinen Leichnam und setzten ihm ein Denkmal, wobei sich auch der Bruder des Verstorbenen, Praximenes, der auf die traurige Nachricht herbeigeeilt war, betheiligte.“ (Proxenos der Korkyräer bedeutete, dass Menekrates ähnlich einem Honorarkonsul die Interessen der korkyräischen Bürger und Händler in seiner Heimat Oianthe vertreten hat.)

Quellen:

Der Name des Vlacherna-Klosters


Vlacherna-Kloster vom Damm über die Lagune aus.

Das kleine Kloster mit den blendendweißen Mauern ist eines der meistfotografierten Motive auf Korfu. Es wurde um 1700 erbaut. Der genaue Name des Klosters lautet Μονή Παναγίας Βλαχερνών „Kloster der Madonna von Blachernai“. (Αἱ) Βλαχέρναι war der Name eines Stadtteils von Konstantinopel, in dem sich von 452 bis 1434 die Kirche Θεομήτωρ oder Θεοτόκος τῶν Βλαχερνῶν „Muttergottes der Blachernen“ befand, die die zweitwichtigste Kirche Konstantinopels war. Offenbar in Erinnerung an sie und ihr zu Ehren wurde das Kloster benannt. Heute leben dort keine Mönche mehr, die Kirche wird aber noch gelegentlich für Trauungen verwendet.

Nicolò Alemanni (it. Altertumsforscher und Bibliothekar, 1583-1626) teilt in den Anmerkungen seiner Ausgabe der sog. Geheimgeschichte des Prokopios von Caesarea (6. Jh.) einige gängige Etymologien des Namens mit (der Text allerdings nach Wilhelm Dindorfs Prokopios-Ausg., die heutigen typographischen Gewohnheiten eher entspricht):

Apud omnes fere Graecos scriptores ecclesiasticos, et in concilio Nicaeno secundo mentio est templi in Blachernis; de quo nomine inter Graecos minime convenit: Bei fast allen griechischen Kirchenschriftstellern und im zweiten Nizänischen Konzil wird die Kirche in den Blachernen erwähnt; über diesen Namen gab es unter den Griechen keinerlei Übereinstimmung;
alii dictum crediderunt a Blacherno Sytha ibi interfecto: die einen glaubten, er sei gesagt von dem Skythen Blachernos, der dort getötet worden ist;
alii quasi Βλάχου κέρμα, Blachi caedes: andere gleichsam die Ermordung des Blachos (?);
alii quod ibi lacunae aliquando fuerint. andere weil dort einmal Sümpfe gewesen seien.
A lacerna Beatae virginis, de qua modo dicebam, loco nomen fuisse alii crediderunt; Dass der Ort den Namen vom Mantel der seligen Jungfrau, von dem ich eben sprach, gehabt habe, glaubten andere;
verum Blacherniani vocem reperimus apud Dionysium Byzantium longe antiquiorem Pulcheria Augusta, quae templum illud excitavit. aber das Wort Blacherniani finden wir bei Dionysios von Byzanz, der bei weitem älter ist als Pulcheria Augusta, die jene Kirche errichtet hat.

Diese Etymologien berichtet auch Σκαρλάτος Βυζάντιος (griech. Gelehrter, 1798-1878) in seinem Buch Η Κωνσταντινούπολις und fügt noch weitere hinzu. Die Passage ist ein schönes Stück spätbyzantinischer Katharevousa:

Αἱ Βλαχέρναι Die Blachernen
Τοῦ ὀνόματος τούτου, ὑπὸ τὸ ὁποῖον ἐγνωρίζετο ὅλον τὸ δυτικοβόρειον ἄκρον τῆς πόλεως, τὸ μεταξὺ τῶν τοῦ Ἕκτου λόφου ὑπωρειῶν καὶ τοῦ Κερατίου κόλπου, ἀμφιγνοεῖται ἡ ἐτυμολογία. Die Etymologie dieses Namens, unter welchem man das ganze nordwestliche Ende der Stadt (=Konstantinopel) verstand, den Raum zwischen dem Fuß des Sechsten Hügels und dem Goldenen Horn, ist unsicher.
Διότι τινὲς μὲν παράγουσι τοῦτο »ἀπὸ τῶν βλάχνων (1), ἃ ἦσαν ἐν τῷ τόπῳ ἐκείνῳ, καὶ ἔκοψαν αὐτὰ, καὶ οὕτως ἐκτίσθη«· Denn manche leiten diesen ab »von den Farnen (1), die an jenem Ort waren, und man haute sie ab und so wurde er besiedelt«;
ἕτεροι δὲ, ἐν οἷς καὶ ὁ Διονύσιος, ἀπὸ Βλαχέρνα Σκύθου τινὸς ἐνταῦθα φονευθέντος· andere aber, unter ihnen auch Dionysios, von Blachernas, einem Skythen, der dort umgebracht worden war;
οἱ δὲ ἀπὸ τοῦ Λατινικοῦ Lacunæ, διὰ τὰ ἐνταῦθα τέλματα· die einen vom lateinischen Lacunae, wegen der Sümpfe dort;
ἔνιοι δὲ, καὶ ἀπὸ τὸ Βλάχου κέρμα. einige aber auch von Blachos' Münze (?).
Τὸ πιθανώτερον ὅμως φαίνεται, κατὰ τὸν Θεοφύλακτον τὸν Ἀντιγραφέα, ὅς τις 'τὰς ὀνομάζει Λακέρνας, »ὅτι Λακέρναι Ῥωμαϊστὶ αἱ θύνναι, καὶ ἐν τῷ μέρει ἐκείνῳ ἐπιάσθησαν πολλαὶ τοιαῦται«. Am überzeugendsten jedoch scheint, nach Theophylaktos Antigrapheus, der sie (=die Blachernen) Lakernen nennt, »weil Lakernai auf Lateinisch die Thunfische (sind), und in jener Gegend wurden viele solche gefangen«.
Καὶ τῷ ὄντι, ὅταν παρατηρήσῃ τις τὶ λέγει ὁ Διονύσιος καὶ ἄλλοι τῶν ἀρχαίων περὶ τῆς ἐν τῷ μυχῷ τοῦ Κερατίου κόλπου ἁλιείας τῶν πηλαμύδων (2), 'δὲν πρέπει ἴσως νὰ ζητῇ ἄλλην τοῦ ὀνόματος ἑρμηνείαν. Und in der Tat, wenn man genau beachtet, was Dionysios sagt und andere der Alten über den Fang der Jungthunfische im Innersten des Goldenen Horns, muss man vielleicht nicht nach einer anderen Erklärung des Namens suchen.
(1) Πτερίδων, fougeres. (1) (von) Farnen, fougères.
(2) Ἴσως δὲν θέλει νομισθῇ ἄκαιρον, ἐὰν προσθέσωμεν ὅτι, κατὰ σύμπτωσιν πάντως μόνην, καὶ σήμερον ἀκόμην ἡ καλλιώτερα Λακέρδα περὶ τὴν τοῦ Παλατᾶ πύλην καὶ παστόνεται [sic!] καὶ πωλεῖται. Vielleicht will es nicht für unpassend gehalten werden, wenn wir hinzufügen, dass, jedoch nur zufällig, auch heute noch der beste Thunfisch um das Tor des Palatas (?) gepökelt und verkauft wird.

Quellen:

Kardaki


Kardakitempel im Park von Mon Repos.

Kardakiquelle, von einem nicht sonderlich begabten Sprayer verunziert.

Auf der Halbinsel Analipsi befindet sich nur wenige Schritte vom Meer entfernt eine gefasste Quelle: eine Mauer mit dem (allerdings erst auf den zweiten Blick erkennbaren) Relief eines geflügelten Löwen, aus dessen Maul ein kurzes Rohrstück ragt, aus dem das Quellwasser in eine schmalen Rinne fließt.

Vom dorischen Tempel, der ganz in der Nähe liegt, führt nur ein irregulärer Weg zur Quelle: man muss die Absperrung übersteigen, zum meerseitigen Ende des Tempels gehen und von dort einen nur wenig gebahnten Weg durch das Unterholz nehmen, bis man auf das Mäuerchen stößt, das die Stufen hinunter zur Quelle begrenzt.

An der Mauer befindet sich eine Inschrift, die besagt, dass die Quelle 1898 unter Bürgermeister A(ngelos) Psoroulas repariert worden ist (επισκευάσθη το έτος 1898 υπό δημάρχου Α. Ψωρούλα). Daneben ist eine Tafel mit den letzten beiden Zeilen eines Sonetts von Lorentzos Mavilis (Λορέντζος Μαβίλης, 1860-1912), das den Namen der Quelle als Titel trägt: Καρδάκι.

Τ’ άγνωρα ρεποθέμελα του αρχαίου Die unkenntlichen Trümmer des antiken
ναού στο έρμο ακροθαλάσσιο πλάι Tempels auf der einsamen Küstenseite
χορταριασμένα κοίτονται. Γελάει liegen von Gras überwachsen. Es lacht
γύρου ομορφάδα κόσμου πάντα νέου. ringsum Schönheit einer immer neuen Welt.
 
Και λέω που ακόμα απ’ την κορφή του ωραίου Und ich sage, dass noch vom Gipfel des schönen
βουνού στ’ άσπρα ντυμένη ροβολάει Hügels, in Weiß gekleidet, hinunterrollt
η αρχαία ζωή κι αυτού φεγγοβολάει das antike Leben und ihm leuchtet
λαμπρός ναός τεχνίτη Κερκυραίου. ein strahlender Tempel eines Meisters von Kerkyra.
 
Χρυσόνειρο, σε βλέπω γιατί μ’ έχει Goldtraum, ich sehe dich, denn mich hat
μαγέψει το νερό στην κρύα βρύση, bezaubert das Wasser in der kalten Quelle,
που μέσαθε από τ’ άγιο χώμα τρέχει. das aus der heiligen Erde läuft.
 
Έτσι κάποιος θεός θα το ’χει ορίσει. So wird irgendein Gott es bestimmt haben.
Κι όποιος ξένος εκεί το χείλι βρέχει Und welcher Fremde hier die Lippe netzt,
στα γονικά του πλια δε θα γυρίσει. wird nicht mehr zu seiner Familie zurückkehren.

Ich muss gestehen, dass ich mir an zwei, drei Stellen über die Bedeutung nicht sicher bin und beim Übersetzen geraten habe – caveat lector!

Ich habe das Wasser nicht getrunken, da ich nicht wusste, ob es wirklich genießbar ist, und Angst hatte, mir Cholera oder Ruhr zu holen und tatsächlich nicht mehr heimzukehren. Der Name der Quelle ist angeblich eine Verballhornung von it. guardia „Wache“ (zur Bewachung der Quelle, die für die Wasserversorgung wichtig war und die durch ihre Nähe zum Strand exponiert lag).

Quellen:


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2016