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Mein Senf


Manchmal kann ich mich nicht zurückhalten: ich muss einfach meinen Senf dazugegen; auch wenn ich mich damit als Würstchen oute.
Teilweise habe ich meinen Senf in Was gibt es Neues? abgedrückt, aber nicht jeder, der wissen will, was sich an meinen Seiten geändert hat, ist heiß auf meine Kommentare zur aktuellen Lage. Daher habe ich das jetzt hierherverschoben.

21. Nov. 2021: Die Eindrittelgesellschaft

„Ab heute ist Österreich eine Diktatur“, so polterte Kickl, als der Lockdown für die vierte Coronawelle verkündet wurde – jawohl, aber eine Diktatur der Impfverweigerer, die es geschafft haben, mit ihrem egoistischen Radikalindividualismus eine ganze Nation in Geiselhaft zu nehmen. Für ihre Freiheit müssen auch alle anderen den Preis mitbezahlen. Um den Ärger der Geimpften, denen doch versprochen worden war, die Impfung werde für sie die Rückkehr zur Normalität und das Ende der meisten Einschränkungen sein, etwas hintan zu halten, wurde die Einführung einer Impfpflicht in Aussicht gestellt. Irgendwann im nächsten Jahr. Aber sobald die vierte Welle abgeebbt ist oder die Durchimpfungsrate 70 % erreicht hat, wird sich wahrscheinlich keiner mehr daran erinnern wollen. Die fünfte Welle kommt bestimmt.

Dabei hat es unfassbar lange gedauert, bis sich die Regierung endlich zum Handeln entschlossen hat, obwohl die Infektionszahlen seit Wochen durch den Plafond gehen, obwohl die 7-Tage-Inzidenz kurz davor war, vierstellig zu werden, obwohl die Salzburger Krankenanstalten einen Hilfeschrei losgelassen haben, dass sie kurz vor dem Kollaps stehen. Ein paar Tage hat man es noch mit einem schwammigen Lockdown nur für Ungeimpfte probiert – <sarcasm>der sicher ganz intensiv kontrolliert wurde</sarcasm>: bei einer Anti-Coronamaßnahmen-Demo vor einem Grazer Krankenhaus in dieser Zeit sah die Polizei keinen Grund zum Eingreifen. Und als die Regierung eingesehen hat, dass das nicht ausreicht, wurde noch um die Schulen gerangelt: der Unterricht findet zwar in Präsenz statt, aber die Schüler sollen möglichst zu Hause bleiben. (Die Bürger von Schilda hätten ihre Freude an dieser Lösung.)

31. Okt. 2021: Ein Alptraum und kein Ende

Warum kann ich nicht einfach aufwachen und feststellen, dass alles nur ein böser Traum war! Kanzler Kurz musste „zur Seite treten“, weil der begründete Verdacht besteht, dass er frisierte Umfragen veröffentlichen ließ und diese dann auch noch dem Finanzministerium in Rechnung gestellt wurden. Die ÖVP hat, so der Vorwurf, offenbar jahrelang die öffentliche Meinung zu manipulieren versucht, und das (zumindest teilweise) auf Kosten des Steuerzahlers. Den Preis für die Demontage Mitterlehners zahlen wir alle bis heute: kein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Aber der eigentliche Skandal besteht für mich darin, dass abgesehen von Günther Platter kein hochrangiger ÖVP-Politiker sich dazu durchringen konnte, dieses System zu kritisieren. Alle faseln sie wie besoffen von der Unschuldsvermutung. Von politischer Verantwortung haben sie offenbar noch nie gehört. Und statt sich von ihrem Meister zu distanzieren, attackieren Kurzens Lakaien (zu denen seinen ersten Äußerungen zufolge auch Neokanzler Schallenberg gehört) immer unverhohlener die Justiz. Unter den Türkisen ist die ÖVP zur einem ethikfreien Machtklüngel verkommen, für den der Zweck absolut jedes Mittel rechtfertigt. L'etat, c'est moi.

Und der grüne Gesundheitsminister Mückstein beharrt angesichts einer bei etwas über 60% stagnierenden Impfquote und einer 7-Tage-Inzidenz von inzwischen über 300, Tendenz rasch steigend, weiterhin darauf, dass die Impfung jedermanns persönliche Entscheidung sei, die man zu respektieren habe. Warum muss ich das respektieren? Wenn fast 30% der impfbaren Menschen in diesem Land die Impfung verweigern, dann hat das gravierende Auswirkungen auf die übrige Bevölkerung. Es sind unser aller Intensivbetten, die die ungeimpften CoViD-Patienten belegen. Ich kann nicht verstehen, warum man die Impfgegner und Maskenmuffel so billig aus ihrer Mitverantwortung für die Gesellschaft entlässt. Mückstein gehört ganz offensichtlich zu jenen Grünen, die einen radikalen Individualismus vertreten. Davon, dass die Grünen es nicht geschafft haben, der Regierung einen grünen Stempel aufzudrücken, ganz zu schweigen. 30 € für die Tonne CO2? Weniger hätten es selbst mit einem Vizekanzler Kickl kaum werden können. Ein österreichweites Öffi-Ticket? Nettes Gimick, das werden aber hauptsächlich diejenigen nutzen, die auch jetzt schon mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Wer will, dass sich in Sachen Klimaschutz etwas bewegt, muss eine neue Partei gründen. Mit diesen Grünen, denen es anscheinend genügt, dass sie endlich einmal in der Regierung sind, wird das nichts mehr.

19. Sep. 2021: Herbst = Corona

Die nächste (ich glaube, es ist die vierte) Coronawelle ist voll über uns hereingebrochen, weiterhin also Homeoffice (wohl dem, der diese Möglichkeit hat). Und wieder dieselben sinnlosen Diskussionen. Für manche Menschen (oder sind es nicht doch eher Klingonen?) ist allein die Forderung, in Geschäften eine Maske zu tragen, eine völlig unannehmbare Zumutung. Davon, sich impfen zu lassen, ganz zu schweigen. (Ich möchte nicht wissen, wieviele der Leute, die auf ihre körperliche Unversehrtheit pochen, sich tätowieren haben lassen.) Und niemand will die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren: die Handelsangestellten nicht (nachvollziehbar), die Polizei nicht (unverständlich, macht es mehr Spaß, demonstrierende Abschiebungsgegner zu verhaften?). Aber dem Handel sei gesagt: ich bin auch Kunde. Und in einem Geschäft, das auf die Einhaltung der Maskenpflicht keinen gesteigerten Wert legt, will ich nicht einkaufen.

15. Aug. 2021: Der Sommer geht, Corona kommt

Abgesehen von einer heißen Woche im Juni waren Juni, Juli und noch die erste Woche im August, zumindest am Alpennordrand, nass und unsommerlich. Da hat uns die Urlaubswoche in Griechenland gezeigt, was eine Harke ist: auf 45° C kletterte die Quecksilbersäule in der Argolis. Ich hätte gerne ein wenig österreichischen Regen gegen ein bisschen griechische Hitze getauscht. Denn angesichts der Waldbrände hätten die Hellenen etwas Regen gut gebrauchen können. Aber wie alle Dinge auf dieser Welt sind auch Regen und Hitze schlecht verteilt.

Inzwischen wurde oder wird bei uns das Getreide geerntet, der Kukuruz ist auch bald soweit. Die Tage werden merklich kürzer, der Sommer neigt sich seinem Ende zu. Und leider steigt auch die Zahl der an CoViD Erkrankten wieder. Die nächste Coronawelle beginnt zu rollen. Das war vorherzusehen, denn auch wenn die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist, so grassiert jetzt die viel infektiösere indische Variante („Delta“, aber man muss ja wohl sagen dürfen, woher diese Mutation eines ursprünglich aus China stammenden Virus kommt – und das in Europa nicht zuletzt vom tirolerischen Ischgl aus verbreitet wurde, worauf hinzuweisen unsere Nachbarn lange nicht müde wurden). Der nächste unlustige Herbst dräut.

Man sagt ja auch Spanische Grippe, obwohl selbige mit Spanien soviel zu tun hat wie ein Frankfurter Würstel mit der Stadt am Main (dieselbe Wurst heißt in Frankfurt bekanntlich Wiener Würstchen). Die Hongkong-Grippe hingegen brach offiziell wirklich in Hongkong aus (obwohl sie wahrscheinlich letztlich auch aus China kommt). Und Corona-Varianten werden plötzlich mit griechischen Buchstaben benannt? Als Klassischer Philologe möchte ich mich dagegen verwehren. Der Buchstabe Delta hat überhaupt nichts mit der Virusvariante zu tun. Benennt die Mutationen doch wie Tiefdruckgebiete! Oder benennt sie nach beliebten Staatsmännern wie Putin, Johnson, Assad oder Bolsonaro.

29. Mai 2021: Wo bleibt der Frühling?

Das war der kälteste und nasseste Mai in Österreich seit Jahrzehnten. Und das trotz Klimaerwärmung. Ein Arbeitskollege sieht allerdings erste Anzeichen für ein Ende des Winters: der Maronibrater ist nur noch vormittags da. Aber wenn das Wetter nicht rasch besser wird, ist's mit der Erdbeersaison heuer Essig.

9. Mai 2021: Leben nach dem Erststich

Heilige Corona, schau oba! (Die gibt's übrigens wirklich.) Ich habe meine erste Teilimpfung mit AstraZeneca erhalten.

2. Apr. 2021: Kein Licht am Ende des Tunnels

Nachdem die erste Märzhälfte schon ein paar frühlingshafte Tage brachte, brach Mitte März der Winter aus: neun Tage lang anhaltende Schneefälle, auch in der Stadt. Zum Glück war der Boden schon so warm, dass der Schnee nie lange liegengeblieben ist. Ende März dann plötzlich fast frühsommerlich warme Tage. Anfang April steht schon wieder Schnee ins Haus. Das Wetter ist so wechselhaft warm-kalt wie die Coronapolitik in Europa.

Als die letzten Lockerungen verkündet wurden, war von Haus aus klar, dass spätestens nach ein paar Wochen die Infektionszahlen wieder nach oben schnellen würden. Und die aggressive britische Mutation tut ein übriges, um die Intensivstationen zu füllen. Im Osten Österreichs gibt es ausgerechnet über die Osterfeiertage einen Lockdown; hier in Salzburg, trotz seit Wochen anhaltend hoher Inzidenzwerte, nicht.

Im Herbst hatte ich mich für die heurige Karwoche zu einer Studienreise nach Kreta angemeldet. Aber Ende Februar hat der Anbieter die Reise abgesagt. Denn das Virus grassiert wie eh und je, und das Impfen kommt nicht in die Gänge. Innerhalb von über drei Monaten wurden bei uns nur 1,6 Mio Impfdosen verabreicht, da sind auch die Zweitschüsse schon mitgezählt. In diesem Tempo wird es mehr als eineinhalb Jahre dauern, bis die Impfwilligen geimpft sind. Ja, ich gebe zu, ich werde langsam etwas ungeduldig.

7. Jan. 2021: Neues Jahr

Zum abgelaufenen Jahr fehlen selbst mir die Worte. Obwohl ich mich persönlich nicht beklagen kann: ich bin bisher gesund geblieben und habe immer noch einen Job. Was mich am meisten schmerzt, ist, dass sowohl die Lange Nacht der Kirchen als auch die Lange Nacht der Museen ausgefallen sind. Aber verglichen mit anderen ist das Jammern auf hohem Niveau. Hoffen wir, dass 2021 besser wird, vor allem für die, die 2020 ihren Job, ihr Engagement, ihre Auftrittsmöglichkeiten eingebüßt haben.

Der beste US-Präsident der Geschichte ist abgewählt worden, das lässt hoffen. Allerdings hat die gestrige Besetzung des Kapitols gezeigt, dass es mit dem Demokratieverständis mancher Amerikaner nicht weit her ist. Und ich fürchte, dass es hierzulande nicht viel besser ist. Der soziale Zusammenhalt ist längst passé, und die Invidualisten halten sich selbst für den Nabel der Welt.

18. Dez. 2020: Und täglich grüßt das Murmeltier

Lockerung der Beschränkungen, Teil-Lockdown, voller Lockdown, Lockerung zu Weihnachten, dann gleich wieder Lockdown. Das kommt davon, wenn man auf die Verantwortung des einzelnen setzt. Genauso gut kann man den Hund auf die Wurst aufpassen lassen. Das humanistische Menschenbild greift zu kurz.

27. Sep. 2020: Es wird Herbst

Der Sommer ist vorbei – zumindest am Alpennordrand. Ein erster Kälteeinbruch hat tw. ergiebige Schneefälle bis unter 800 m gebracht. Und wie jedes Jahr haben Berggeher und Autofahrer alle Wettervorhersagen ignoriert, und die Rettungskräfte mussten zigmal ausrücken. Gibt es wirklich intelligentes Leben auf der Erde?

Corona ist nicht vorbei. Wie uns die Experten seit Monaten prophezeit haben, beginnen mit dem Ende der warmen Jahreszeit die Infektionszahlen wieder zu steigen. Aber eigentlich haben sie schon zu steigen begonnen, als es noch warm war. Die eigentliche Ursache ist wohl: viele, vor allem junge Leute scheißen sich nichts mehr. No risk, no fun. Und was manche für haarsträubende Argumente haben, um den Mund-Nasen-Schutz nicht tragen zu müssen, ist mir unbegreiflich. Realitätsverweigerung allerorten.

Die jährliche Almabkehr ist zu Ende. Heuer wurde ausgiebiger Baumschnitt an der Uferböschung zwischen Pflegerbrücke und Obuskehre durchgeführt.

23. Aug. 2020: Ein Sommer voller Corona

Der Urlaub ist kaum vorbei und schon liegt ein Hauch von Herbst in der Luft: der Wind fegt die ersten welken Blätter durch die Gassen, kurz nach acht beginnt es zu dämmern.

13. Juni 2020: Sommer?

Nach einem eher nassen Mai und einem kühlen ersten Monatsdrittel im Juni hatten wir gestern und heute die ersten zwei Sommertage in diesem Jahr. Apropos Sommer: vielleicht findet mein Kretaurlaub (einst gebucht im Prä-CoViD-ium) doch noch statt.

21. Mai 2020: Im Irrenhaus

Die Infektionszahlen sinken, die Beschränkungen werden gelockert. Mancherorts gibt es lautstarke Demonstrationen gegen diese Beschränkungen (an die sich ohnehin immer weniger halten). Leider von den falschen Leuten: von rechten Populisten, Bullshittern und Aluhutträgern. Menschen, die wahlberechtigt sind, faseln Schwachsinn über eine Verschwörung, hinter der Angela Merkel oder Bill Gates (oder ganz originell: die Juden) stehen. Die Impfverweigerer wissen jetzt schon, dass für sie, wenn es denn dereinst einen Corona-Impfstoff gibt, Solidarität (denn darum geht es bei der Durchimpfung der Bevölkerung) nicht in Frage kommt. Ich frage mich immer öfter, warum so viele Menschen in diesem Irrenhaus noch immer nicht teilentmündigt sind.

18. April. 2020: Corona und kein Ende

Ende März, Anfang April gab es zwar schon kräftige Tageserwärmung aber noch einige frostige Nächte. Zwei Frostnächte haben gereicht, um der Magnolienblüte den Garaus zu machen.

CoViD-19 hält die Welt weiter im Würgegriff. Das eigentlich Gruselige: bürgerliche Grundrechte und Freiheiten sind plötzlich aufgehoben, ohne dass es jemanden kratzt. Versammlungsfreiheit, Demonstrationsrecht, freie Religionsausübung – alles sistiert. Das polnische Parlament nutzt die Situation, um ein paar Gesetze durchzupeitschen, gegen die es voriges Jahr noch lautstarke Protestdemos gegeben hat. (Was ja jetzt praktischerweise verboten ist.) Das ungarische Parlament hat gar Viktor Orban auf unbestimmte Zeit zum Dikator ernannt. Ich hatte gehofft, diesen Rückfall in die 1930er Jahre nicht mehr miterleben zu müssen. Und ich wage nicht daran zu denken, was bei uns passieren wird, wenn die ÖVP die absolute Mehrheit bekommt.

23. März. 2020: Corona

Ist das das Ende der Welt, wie wir sie kennen? Wohl kaum. Nach dem Ersten Weltkrieg und den vielen Millionen Opfern der Spanischen Grippe ging es auch weiter. Ich werde vielleicht etwas früher als geplant über den Jordan gehen, aber meine Kinder werden weiterleben und -wurschteln wie tausende Generationen vor ihnen. Aber lustig ist das nicht, zu Hause bleiben zu müssen, während draußen die Magnolien gerade aufblühen und die Bäume ausschlagen. Ein verpasster Frühling, das tut weh.

1. Jan. 2020: Ein gutes neues

Das nunmehr vergangene Jahr hat wieder einige Katastrophen gebracht. Die Kathedrale Notre Dame de Paris brannte. Der brasilianische Dschungel brennt. Der australische Busch brennt. Die Markusbasilika in Venedig stand hüfttief unter Wasser.

Die Türkisen haben neuerlich die Nationalratswahlen gewonnen. Eine Koalition mit den Grünen steht bevor. (Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.) Die Tories haben die Wahlen in Großbritannien gewonnen: noch ein Clown als Regierungschef.

Die Liste der Prominenten, die von uns gegangen sind, ist wieder lang: ehemalige Sportgrößen wie Niki Lauda und Matti Nykänen; Schauspieler der ersten Riege wie Rutger Hauer, Peter Fonda, Doris Day, Albert Finney, Bruno Ganz, Hannelore Elsner; aber auch weniger bekannte wie Rip Torn (Men in Black), Ron Leibman (Kaz & Co), Peter Mayhew (Darsteller des Chewbacca); Vertreter der leichten Muse wie Costa Cordalis, Karel Gott, Marie Fredriksson (Roxette), aber auch solche der E-Musik wie André Previn oder Jessye Norman; der einstige Regierungschef und dann Staatspräsident Jacques Chirac, Zeichner Guillermo Mordillo, Modedesigner Karl Lagerfeld, Schriftstellerin Rosamunde Pilcher, Unternehmer Ferdinand Piëch, Kabarettist Werner Schneyder; u.v.a.m.

„The devil never sleeps“, pflegte unser Englischlehrer Karl Plasser (angesichts unserer Fehler) zu sagen. Gott, unser Beschützer, schläft nicht, sagt Psalm 121. Seine Hilfe werden wir 2020 mehr denn je brauchen. Ich wünsche allen meinen Lesern ein gutes neues Jahr.

6. Okt. 2019: Überraschung

Unverhofft kommt oft: die Grünen sind wieder drin, die Rechtspopulisten deutlich zurückgefallen; und die Sozialdemokraten haben (für mich unverständlich) ihr schlechtestes Ergebnis ever eingefahren. Die Rede ist natürlich von den Nationalratswahlen 2019 in der Alpenrepublik. Das Kuriose dabei: ich kenne niemanden, der Sebastian Kurz gewählt hat (und es auch zugibt). Ich lebe offenbar in einer ÖVP-/FPÖ-freien Blase. Hilft mir aber nichts: Kurz wird trotzdem wieder Bundeskanzler werden und uns kleinen Leute mit seiner unternehmerfreundlichen Politik weiter plattwalzen. Warum das deutlich mehr als ein Drittel der Wähler für wünschenswert hält, ist mir schleierhaft.

8. Sept. 2019: Urlaub vorbei

Der August war in Salzburg eher herbstlich. Es gab zwar vereinzelt sonnige, heiße Tage, aber es überwogen doch Wolken und Regen. Und jetzt im September ist es unverkennbar, dass die Tage kürzer werden, die Schule wieder begonnen hat und wir immer noch dieselben liebenswerten Politiker haben wie vor Ibiza.

Vermutlich werden wir zu Weihnachten die gleiche rechtsgerichtete Regierung haben wir letzte Weihnachten (vielleicht ohne Herbert Kickl, aber wer weiß). Großbritannien wird immer noch nicht aus der EU ausgetreten sein. Italiens Regierung wird die nächste Koalitionskrise haben. Die neue Kommissionspräsidentin wird meine Sympathie für die EU nicht gerade verstärkt haben. Der US-Präsident wird einen neuen Rekord für das Verhältnis von Nonsens je 140 Zeichen aufgestellt haben. ­– Ich muss endlich aufhören, Nachrichten zu hören.

22. Juli 2019: Urlaub

Der Juni bescherte uns heuer die heißesten Tage, seit es Juni gibt. Dann war es die erste Julihälfte allerdings eher ziemlich kühl und unsommerlich. Jetzt scheint der Sommer zurückgekehrt. Warum alle von einer Hitzewelle reden, sobald sich die Quecksilbersäule der 30°-Marke nähert, verstehe ich nicht. Ich nehme an, es ist vom Wetter in Wien die Rede, wo es ja oft ein paar Grad mehr hat.

19. Mai 2019: Grüße aus Ibiza

Wer gehofft hatte, auf einen harten Winter würde ein milder Frühling folgen, sah sich getäuscht: das erste Maiwochenende bescherte uns dermaßen nasskaltes Wetter, dass es selbst in der Stadt mehrmals kurze Schneegestöber gab. Und sogar am 14. Mai fiel in Anif noch einmal für ein paar Minuten etwas Schnee.

Vizekanzler Strache musste zurücktreten. Ich habe nicht recht verstanden, warum. Auch vor dem Ibiza-Video war doch allen bekannt, wes Geistes Kind der Mann ist. Das Erschreckende daran ist ja, dass Strache kein besonderer Bösewicht ist, sondern ein durchschnittlicher Österreicher. Er hält uns doch nur den Spiegel vor. Nicht wenige Österreicher sind bereit, auf demokratische Freiheiten und soziale Errungenschaften zu verzichten, wenn dafür ordentlich auf die Ausländer gehaut wird. Auch Kanzler Kurz ist keinen Deut besser, war er doch bereit, sich mit diesem Mann politisch ins Bett zu legen, um nur ja Bundeskanzler zu werden. Und er hat zu fast allem geschwiegen, solange es irgendwie ging. Wolfi Schüssel lässt grüßen. Hat wirklich jemand geglaubt, dass sich der Herr Karl in den letzten Jahrzehnten geändert hat? Neuwahlen im Herbst. Was soll sich ändern? Wir Österreicher müssten bessere Menschen werden, dann bekämen wir vielleicht auch bessere Politiker. Oder um es in den Worten von Maurizio de Giovanni zu sagen: „Was ihn betraf, […] so interessierte Politik ihn nicht im Geringsten. Er war der Ansicht, dass die Wurzel allen Übels letztendlich die menschliche Natur war, und dagegen gab es kein Heilmittel.“ (Die Gabe des Commissario Ricciardi, Berlin: Insel-Verl., 2012, S. 74.)

15. Feb. 2019: Winter

Dieser Winter war für uns Radfahrer hart: Mit Beginn des Januar sind im Verlauf mehrerer Wochen am Alpennordrand einige Meter Schnee gefallen. Dabei hatten wir in der Stadt noch das Glück, dass uns ein Teil dieser Niederschläge als Regen ereilt hat. Inzwischen überwiegt in der Stadt wieder das Grün bzw. Braun. Doch schon ein paar Kilometer außerhalb sind die Wiesen und Felder mit bis zu einem halben Meter Schnee bedeckt.

Silvester 2018

Ich bin auf diese ORF-Seite mit den Verstorbenen des heurigen Jahres gestoßen. Hier ein kleines Florilegium von Persönlichkeiten, die nicht mehr unter uns weilen: France Gall (Poupee de cire, poupee de son), Charles Aznavour, Montserrat Caballe, Aretha Franklin, Stefan Weber (Drahdiwaberl), Heinz Petters, Burt Reynolds, Milos Forman (Hair, Amadeus), Bernardo Bertolucci (Der letzte Tango in Paris), Tom Wolfe (Fegefeuer der Eitelkeiten), Amos Oz, Christine Nöstlinger, Stephen Hawking, Gerhard Jagschitz, Billy Graham, Kofi Annan, Eva Twaroch (österr. Journalistin) u.v.a.m.

Ich wünschte, es gäbe eine Möglichkeit, auch zu sehen, wer heuer geboren wurde und später einmal ein bedeutender Künstler, Wissenschaftler oder Politiker werden wird. (Ich hab's ja leider verbockt.) Vielleicht wäre ich dann mit diesem Jahr versöhnter.

28. Dez. 2018: Es wird ruhiger

Mit einem Zitat eines deutschen Komikers (dessen Erben schon viele, die Zitate desselben im Internet verwendeten, wegen Urheberrechtsverletzung abmahnen ließen) hat unser Pfarrer in der Predigt am Heiligen Abend des Umstandes Erwähnung getan, dass für die meisten Menschen die sog. stille Zeit eigentlich eine ziemlich stressige ist und sie froh sind, wenn sie vorbei ist und das Leben wieder seinen gewohnten Gang nehmen kann. (In wenigen Tagen wird die in Deutschland gültige Schutzfrist von 70 Jahren – in Worten: siebzig! – für den Großteil der Werke besagten Komikers ausgelaufen sein. Dann darf man ihn hoffentlich zitieren, ohne teure Post vom Anwalt zu bekommen.)

16. Dez. 2018: Klimatisches

Die UN-Klimakonferenz in Katowice ist zu Ende. Ein Haufen Delegierter (wie viele eigentlich?) ist nach Polen geflogen, um einen Minimalkonsens zu beschließen, an den sich kaum ein Land halten wird (allen voran Österreich). Es hätte für das Klima mehr gebracht, wenn die Delegierten zu Hause geblieben wären. Während von der österreichischen Nachhaltigkeitsministerin (das heißt wirklich so!) Köstinger Lippenbekenntnisse zum Klimaschutz kommen, unternimmt Doch-nicht-Bundespräsident Verkehrsminister Hofer Anstrengungen, dass man auf Österreichs Autobahnen schneller fahren darf. (Wenn man weniger lange unterwegs ist, ist das sicher auch besser fürs Klima.) Und Heimatrapper Vizekanzler HC-Man (Strache) bezweifelt, ob der Mensch an der derzeitigen Klimaerwärmung schuld ist. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis der erste Regierungspolitiker behaupten wird, die Erde sei flach. Manchmal fühle ich mich wie in einem Roman von Franz Kafka.

23. Sep. 2018: Astronomischer Herbstbeginn

Es ist noch einmal spätsommerlich geworden. Pünktlich zum astronomischen Herbstbeginn kommt jetzt ein Kälteeinbruch. Das letzte Freibad in Salzburg schließt heute seine Pforten.

8. Sep. 2018: Herbst

Der August hat uns dann doch mit einer längeren hochsommerlichen Schönwetterphase beglückt. Doch mit dem Wochenende 25./26. Aug. war sie schlagartig wieder vorbei: teils ergiebige Schneefälle bis in mittlere Tallagen, 10 cm Schnee etwa in Bad Gastein. Aber nächste Woche soll es noch einmal sommerlich werden. Mal sehen…

8. Juli 2018: Sommer

Irgendwo war dies sicher der heißeste Juni seit Napoleons Russlandfeldzug. Hier in Salzburg aber nicht. Hochsommerliche Temperaturen haben wir bisher nicht gehabt. Das Schuljahr ist zu Ende, meine Lieben genießen ihre (natürlich wohlverdienten) Ferien. Ich habe noch drei Wochen zu roboten.

1. Mai 2018: Frühling

Schien es im März noch so, als wolle der Winter gar kein Ende nehmen, brach im April der Frühsommer mit Wucht über uns herein: Mitte April 30° in Freisaal (in der Stadt Salzburg). Innerhalb einer Woche blühten die Magnolien auf und verblühten wieder, und die Bäume und Sträucher schossen ins Grün. Sogar der Flieder begann zu blühen und war Ende April schon wieder am Verblühen. Ein erschreckend kurzer Frühling!

2. Apr. 2018: Winter ohne Ende /2.

Die letzte Februarwoche brachte die tiefsten Temperaturen, die bei uns jemals im Februar gemessen wurden, bis unter -25° in Ortschaften. Im letzten Märzdrittel dann noch einmal tagelang Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Und immer wieder Schneefall. Der bereits entfernte Split musste wieder auf die Radwege ausgebracht werden. Zum Heulen.

18. Feb. 2018: Winter ohne Ende

Dieser Winter hat früh begonnen: bereits in der ersten Septemberhälfte hat es mehrmals bis in Mittelgebirgslagen heruntergeschneit. Nach ein paar wärmeren Tagen im Oktober hat uns der Winter seit November mit zwar nicht extremen, aber konstanten Temperaturen im Griff (nicht einmal der gewohnte vorweihnachtliche Wärmeeinbruch hat stattgefunden). Und was in diesem Winter schon an Schnee gefallen ist, ist für uns Radfahrer echt nicht mehr lustig. Ein Dank an die Gemeindeväter von Elsbethen und Puch, die den Geh- und Radweg entlang der Salzach jetzt räumen lassen.

Darüber habe ich sogar vergessen, Rückschau zu halten auf das abgelaufene Jahr. In Österreich gab es Nationalratswahlen, bei denen die Bevölkerung für eine starken Rechtsruck votiert hat. Jetzt kommen wir doch noch in den Genuss dessen, was uns Norbert Hofer, nunmehr Infrastrukturminister, bei seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten angedroht hat.

(Ab hier ganz alter Senf)

23. Mai 2014: Das ist mir nicht Wurst

Conchita Wurst hat den Eurovisions-Songcontest gewonnen und die heimische Presse feiert Österreich als Hort der Liberalität. (Dass ich nicht lache!) Und die linke Reichshälfte nutzt die positive Stimmung, um wieder einmal das Thema der Rechte der Homosexuellen hochzukochen. Dabei merkt sie nicht, dass sie, indem sie die Abschaffung der Normalität betreibt, immer mehr Menschen den rechten Populisten in die Arme treibt. Oder bin ich der einzige, der Frauen mit Bart seltsam findet?

6. Okt. 2013: „Freiheitliche“ Partei

Die Österreicher haben gewählt und ich fasse es nicht: die FPÖ unter H. C. Strache hat mehr als zwanzig Prozent. Jene Partei, die „Nächstenliebe“ sagt, wenn sie Fremdenhass meint. Die die Verdrehung politischer Begriffe betreibt, wie sie Vaclav Havel in seinem Versuch, in der Wahrheit zu leben für die kommunistischen Machthaber der ČSSR beschreibt. Und die ÖVP versucht jetzt, den Preis für eine neue Große Koalition in die Höhe zu treiben, indem sie mit einer möglichen Koalition mit dieser FPÖ kokettiert. Mich widert das alles so an.

26. Feb. 2013: They did it again

Die Italiener haben gewählt und ich fasse es nicht: sie haben zum dritten Mal (ich wiederhole: zum dritten Mal) Silvio Bunga Bunga Berlusconi gewählt. Mir tut vom vielen Kopfschütteln schon der Nacken weh. Mario Monti, der das Vertrauen in die italienische Wirtschaft wiedergewonnen hatte, ist abgewählt worden. Mir ist schon klar, dass Sparen nicht lustig ist. Und man kann darüber streiten, ob es der beste Weg ist, die Finanzen des Staates in Ordnung zu bringen. Aber dass so viele Italiener die haltlosen Versprechungen des 76jährigen Cavaliere geglaubt haben, macht mich sprachlos. Besuchen Sie Italien – solange es noch steht.

13. Aug. 2012: Olympische Schande

Die entbehrliche, alle zwei Jahre stattfindende Sportgroßveranstaltung ist endlich zu Ende. Nachdem sich die Finanzhaie in London „gesundgestoßen“ haben, sind jetzt die Immobilienspekulanten dran. Aber die Ungerechtigkeiten im Vorfeld der Spiele (Enteignung kleiner Grundbesitzer gegen ein Butterbrot) werden ebenso schnell vergessen sein, wie der Umstand, dass die Olympiade vor vier Jahren in Peking mitnichten zu mehr Meinungsfreiheit, Demokratie oder einer Verbesserung der Menschenrechtssituation in China geführt hat. Aber seien wir ehrlich: das hat kein intelligenter Mensch wirklich geglaubt.

Jener fragwürdige Schweizer Verein, der für die Vergabe der Spiele verantwortlich ist, zeigt auf seiner eigenen Website, wie wenig er von Meinungsfreiheit hält: „You may create your own link to the Site, provided that your link is in a text-only format. You [...] agree that no such link shall portray us or any other official London 2012 organisations (or our or their activities, products or services) in a false, misleading, derogatory or otherwise objectionable manner.“ Keine Sorge, auf so einen Verein setze ich keine Links, nicht einmal abfällige!

Dass Dabeisein gar nichts ist und nur der Sieg zählt, war schon bei den Olympischen Spielen der Antike so (da gab es nicht einmal eine Silbermedaille). Mit Völkerverständigung haben die Medaillenspiegel, die ständig vorrechnen, welches Land wieviele Medaillen errungen hat, auch nichts zu tun. Und trotz negativer Dopingprobe kann ich in einigen Fällen nur schwer glauben, dass der Sportler bzw. die Sportlerin auch wirklich ungedopt war (wenn auch mit Zeug, das erst in ein paar Jahren verboten sein wird).

15. Mai 2012: Wer muss wen wovor schützen?

In einem in den Salzburger Nachrichten am 14. Mai 2012 veröffentlichten Interview sagte der renommierte Ägyptologe Jan Assmann (online einsehbar):

„Der säkulare Staat hat die Aufgabe, den in ihm wohnenden religiösen Menschen einen Entfaltungsraum gegenseitiger Respektierung zu geben. Der säkulare Staat darf nicht zulassen, dass auf seinem Rechtsgebiet Religionen verunglimpft werden.

Ich empfinde es als töricht, dass die Presse in Dänemark die Muhammad-Karikaturen begrüßt hat als Fanal, als Leuchte der Pressefreiheit. Die Muhammad-Karikaturen erfüllen den Tatbestand der Beleidigung. Der Staat muss aber darauf achten, dass niemand beleidigt wird. Da haben wir noch viel zu lernen, was den gegenseitigen Respekt angeht.“

Dem möchte ich energisch widersprechen: der säkulare Staat hat vor allem die Aufgabe, die Freiheitsrechte seiner Bürger zu schützen. Dazu gehört auch das Recht, Kritik zu üben; auch unsachliche Kritik (welcher Kritisierte wird die Kritik nicht als unsachlich empfinden?); auch Kritik in Form von Spott und Karikatur. Ich bin als Christ natürlich nicht amused, wenn sich jemand über Jesus Christus oder den christlichen Glauben lustig macht – aber das Recht dazu muss man haben. Dass Gerhard Haderer für sein Jesus-Buch in Griechenland in erster Instanz zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde, ist mehr als nur peinlich: es ist eines säkularen Rechtsstaates unwürdig. (Die älteste bildliche Darstellung Jesu ist übrigens eine Karikatur: das Spottkruzifux vom Palatin.)

Auf die Befindlichkeit radikaler Muslime Rücksicht nehmen zu müssen wäre eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Meinungsfreiheit, weil – wie Dieter Nuhr es formuliert – die immer gleich so radikal beleidigt sind. Und tatsächlich waren die vielen gewälttätigen oder gewaltandrohenden Reaktionen der Muslime in aller Welt weit überzogen. Das Traurige an den Karikaturen ist ja, dass sie mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthalten. Dabei sind Zeitungen in islamischen Ländern bekanntermaßen auch nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, Juden zu unverunglimpfen. Vergessen wir nicht die Todesfatwa gegen Salman Rushdie oder gerade eben gegen den Rapper Shahin Najafi. Der säkulare Staat hat hier die Pflicht, die Bürger gegen das Beleidigtsein der Muslime in Schutz zu nehmen.

Und der schweigenden muslimischen Mehrheit, die angeblich nicht mit den Islamisten in einen Topf geworfen werden will, sei gesagt: dann muss sie aufhören zu schweigen, denn wer schweigt, scheint zuzustimmen.

11. Sept. 2010: 9/11 und kein Ende

Die Ankündigung des fundamentalistischen christlichen Pastors Terry Jones, am Jahrestag von 9/11 Koranausgaben verbrennen zu wollen, hat unglaublich viel Staub aufgewirbelt. Ich bin dagegen, Bücher welcher Art auch immer zu verbrennen (ausgenommen alte Telefonbücher). Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir die falschen Fragen diskutieren. Wenn man sich ansieht, wie mau es um die Religionsfreiheit von Nicht-Muslimen in vielen islamischen Ländern bestellt ist, kann man die beabsichtigte Koranverbrennung nur als Nullmeldung betrachten: einfach nicht hingehen.

Wenn ein Mufti in Arabien Bibeln verbrennen wollte, würde das keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Amerikanische Fahnen werden ja am laufenden Meter abgefackelt. Hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen! Auch das Ansinnen, am Ground Zero ein islamisches Zentrum zu errichten, ist doch eine Ohrfeige ins Gesicht der Angehörigen der Opfer (so wie die geschmacklose Idee der Katholiken, im KZ Ausschwitz ein großes Kreuz zu errichten). Es fällt mir als Nicht-Muslim schwer, das anders zu deuten als: „Wir haben das Gebäude zum Einsturz gebracht, und jetzt bauen wir dort noch eine Moschee – Islam rulez.“ Aber vielleicht könnte man zum Ausgleich eine Kirche im Zentrum von Riad oder Teheran errichten?

Die Koranverbrennung hat natürlich nicht stattgefunden. Zu groß war der Druck der Politik, zu groß die Angst, dass im Gegenzug in islamischen Ländern westliche Botschaften brennen würden, Christen massakriert würden oder Ähnliches. Keine Frage: Pastor Terry Jones ist ein Idiot. Aber Tausende Muslime weltweit stehen ihm in nichts nach.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 21. Nov. 2021