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Kultur


Ich kann nicht erklären, was das Spezifikum der tschech. Kultur ist. Aber Böhmen und Mähren waren immer Teil der europ. Kultur. Erst der Eiserne Vorhang bewirkte, dass wir sie als Teil des „Ostens“ betrachteten. Allerdings war manches, was in dieser Zeit hervorgebracht wurde, für unseren westlichen Geschmack zu artifiziell, z.B. die Fernsehserie Pan Tau („Herr Tau“). (Ich hielt auch Lolek und Bolek lange Zeit für tschech., aber die sind poln. Provenienz.)

Film

Der bekannteste tschech. Filmemacher ist Miloš Forman (*1932). Seine erfolgreichsten Filme waren „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975), „Hair“ (1979), „Amadeus“ (1984) und „Larry Flynt - Die nackte Wahrheit“ (1996).

Sport

Am erfolgreichsten ist Tschechien im Eishockey. Doch die erfolgreichsten Einzelsportler sind Tennispieler: Martina Navrátilová (*1956) und Ivan Lendl (*1960).

Religion

Mit der Verbrennung des Theologen Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz 1415 begann in Böhmen eine Bewegung mit reformatorischen, ja tw. revolutionären Zielen (Calixtiner oder Utraquisten bzw. Taboriten genannt), die man heute zusammenfassend als Hussiten bezeichnet. Viele böhmische Adelige wollten nach dem Tode Wenzels IV. seinen Bruder Sigismund von Luxemburg 1419 nicht als König anerkennen (unter seiner Herrschaft fand Hus' Hinrichtung statt). Es kam zum Krieg zwischen den katholischen Luxemburgern und den Hussiten (Hussitenkriege), in deren Verlauf sich schließlich auch Utraquisten und Taboriten blutig bekämpften. Der Laienkelch wurde den Utraquisten in den Prager Kompaktaten 1436 zugestanden. Die Taboriten wurden vernichtet.

Der hussitische Wahlspruch veritas vincit „die Wahrheit siegt“ ist in seiner tschech. Übers. pravda vítězí heute auch der Wahlspruch der Tschech. Republik.

Petr Chelčický war ein Anhänger von Jan Hus. Doch von den gewalttätigen Kämpfen der Hussiten und Katholiken abgestoßen, entwickelte er eine pazifistische Vision des Christentums, die Machtausübung und Besitz ablehnte. Auf ihn gehen die Böhmischen Brüder (tschech. Jednota bratrská „brüderliche Einheit“, dt. Brüder-Unität) zurück. Diese wurden natürlich verfolgt (wer Gewalt und Besitz ablehnt, ist ja eine Gefahr für die Gesellschaft) und näherten sich, um geduldet zu werden, den Lutheranern und Reformierten an (z.B. Confessio Bohemica 1575). Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 setzte die Verfolgung der nichtkatholischen Konfessionen in Böhmen ein, was z.B. auch Comenius, der Pfarrer einer Brüdergemeinde war, zu spüren bekam, er musste 1628 nach Polen emigrieren.

Die Nachkommen von nach Mähren ausgewichenen Böhmischen Brüdern fanden ab 1722 Aufnahme auf dem von Graf von Zinzendorf erworbenen Gut in der Oberlausitz. Hier nahm die Herrnhuter Brüdergemeinde (bekannt vor allem durch die jährlich herausgegebenen Losungen) ihren Anfang.

Dank der kommunist. Herrschaft ist Tschechien eines der säkularsten Länder Europas geworden: von den nicht ganz 55%, die bei der Volkszählung 2011 die Frage nach ihrer Religion beantworteten, bekannten sich 62,4% als konfessionslos, 18,8% als Katholiken, 1,5% als Protestanten und 17,2% zu einer sonstigen Konfession oder Religion (Zahlen nach dem engl. Wikipedia-Art. Czech Republic#Religion).

S.a. Bibelübersetzungen.

Geld


Prager Groschen.- Quelle: Wikimedia (Avers, Revers).- Autor/Urheber: Wikipedia-User Mzopw.- Lizenz: GNU FDL und CC BY-SA 3.0.- Bearbeitung: Verkleinert und unscharf maskiert.

Joachimsthaler, Prägejahr 1525.- Quelle: Wikipedia (Vorschaubild von Joachimsthaler 1525.jpg).- Autor/Urheber: Classical Numismatic Group, Inc. (http://www.cngcoins.com).- Lizenz: GNU FDL 1.2 und CC BY-SA 3.0.

Einkronenstück, Prägejahr 1993.- Quelle: Wikipedia (Avers, Revers).- Autor/Urheber: Prométhée33.- Lizenz: CC BY-SA 3.0.- Bearbeitung: Verkleinert, Helligkeit und Kontrast erhöht, unscharf maskiert.

Das Wort Groschen kam über böhmische Vermittlung ins Dt. Es beruht auf lat. (denarius) grossus „dicker (Pfennig)“. Das -ss- wurde im Tschech. als š ausgesprochen. Der sog. Prager Groschen (pražský groš) wurde ab etwa 1300 in Kuttenberg (Kutná Hora) geprägt, wo man zuvor ein großes Silbervorkommen entdeckt hatte. (Kutná Hora war im 14. Jh. die zweitgrößte Stadt Böhmens, seine Altstadt ist heute UNESCO-Weltkulturerbe.)

Auch der Taler ist eine böhmische Errungenschaft. Ab etwa 1519 begann man in Joachimsthal (heute Jáchymov), wo man ebenfalls reiche Silbervorkommen entdeckt hatte, schwere Silbermünzen im Wert eines Goldguldens zu prägen, die Joachimsthaler Guldengroschen oder kurz Taler (s. Kurze Geschichte des Münzgeldes). Aus dem Taler wiederum wurde der Dollar.

Nach der Teilung der Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei mit Beginn des Jahres 1993, hat Tschechien neues Geld ausgegeben. Die 10- und 20-Hellermünzen wurden 2003 eingezogen, die 50-Hellermünzen 2008. Damit ist der Heller nur noch eine verrechnungstechnische Einheit. Münzen gibt es bis 50 Kronen. Die 20-Kronenscheine wurden 2008 eingezogen, die 50er 2011. Geldscheine gibt es somit von 100 bis 5000 Kronen. (Stand Nov. 2012)

Was ist auf den Münzen und Geldscheinen eigentlich abgebildet? Die Münzen haben auf der Bildseite immer den böhmischen Löwen (mit Krone und Doppelschwanz) - nach dem Vorbild des Prager Groschens und des Joachimsthalers - und die Umschrift ČESKÁ REPUBLIKA „Tschechische Republik“. Auf der Wertseite steht neben/unter der Wertangabe (Koruna česká, Pl. Koruny české bzw. Korun českých „tschechische Krone(n)“)

Nom. Wertseite
1 Wenzelskrone (böhmische Königskrone, 1347 im Auftrag Karls IV. angefertigt) wie auf dem Prager Groschen
2 Medallion mit Vogelmotiv (großmährische Zeit, 9. Jh.)
5 stilisierte Darstellung der Moldau (Vltava) und der Prager Karlsbrücke (Karlův most), ein Lindenblatt
10 Kathedrale St. Peter und Paul von Brünn (Brno)
Gedenkmünze 2000: Uhrwerk, Umschrift ROK 2000 ANNO MM „(im) Jahr 2000“ (einmal auf Tschech., einmal auf Lat.)
20 Wenzelsstatue auf dem Prager Wenzelsplatz (Václavské náměstí), Inschrift SVATÝ VÁCLAVE, NEDEJ ZAHYNOUT NÁM I BUDOUCÍM „heiliger Wenzel, lass uns und die Künftigen nicht umkommen“
Gedenkmünze 2000: Astrolabium, Umschrift achtmal ROK 2000
50 Blick auf Prag (mit Karlsbrücke im Vordergrund), Umschrift PRAGA MATER URBIUM „Prag, Mutter der Städte“

Die Banknoten haben auf der Vorderseite immer links das Gesicht einer bedeutenden Persönlichkeit, rechts und auf der Rückseite eine dazu passende symbolische Abb., auf der Rückseite immer auch das tschech. Wappen.

Nom. Vorderseite rechts Vorderseite links Rückseite
100 Karl IV. (1316-1378), seit 1347 König von Böhmen, seit 1355 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Gotisches Kreuzrippengewölbe, unten in Rot Avers und Revers des Prager Groschens (1300-1547 geprägte Silbermünze) Siegel der Prager Karls-Universität (Univerzita Karlova), Umschrift SIGILLUM UNIVERSITATIS SCOLARIUM STUDII PRAGENSIS „Siegel der Gesamtheit (Universität) der Studenten des Prager Studiums“. Das Siegel ist umrahmt von gotischen Fenstern; links die Initiale K.
200 Jan Amos Komenský (s.o. Comenius) Ein aufgeschlagenes Buch vor dem Grundriss der niederländ. Stadt Naarden, in der Comenius beerdigt wurde Eine Erwachsenenhand greift nach einer Kinderhand, dahinter auf einem Blatt Papier die Worte ORBIS PICTUS (Titel eines mit Holzschnitten illustrierten Jugendbuches von Comenius, zuerst auf lat., bald auf lat.-dt. erschienen), überlagert und umgeben von Blättern
500 Božena Němcová, tschech. Schriftstellerin (1820-1862, in Wien als Tochter e. Niederösterreichers u. e. Tschechin geboren) rote Rose Links von Blumen, rechts von Dornen und Disteln umranktes Mädchengesicht
1000 František Palacký (1798-1876), tschech. Historiker und Politiker Baum mit Zweigen und Wurzeln, farblich herausgehoben ein Lindenblatt?, über dem Baum ein Bogen Papier Adler mit ausgebreiteten Schwingen (das Wappentier von Mähren und Schlesien), Schloss Kroměříž
2000 Ema Destinnová (a. Emmy Destinn, 1878-1930), tschech. Opernsängerin Lorbeerzweige, stilisierte Lyra Von Lorbeerzweigen und -beeren umrankter Musenkopf (Euterpe), zwei Geigen, alles umgeben vom Buchstaben D
5000 Tomáš Garrigue Masaryk (1850-1937), tschech. Philosoph und Politiker, Mitbegründer und erster Präsident der Tschechoslowakei (1918-1935) Blüten und Früchte der Linde (nationaler Symbolbaum), unten rotweißes Band (Flagge Böhmens) Gotische und barocke Gebäude in Prag, im Zentrum der Veitsdom; in Rot die Wappen von Prag und Böhmen

Quellen: Wikipedia-Art. Coins of the Czech koruna und Wikipedia-Art. Banknotes of the Czech koruna. Zu den Banknoten ausführlich: Bankovky a mince („Geldscheine und Münzen“), ein PDF der Tschech. Nationalbank (Česká Národní Banka).

Bier

Budweiser oder Bud?


Das Etikett der Budweiser Marke Samson, Ende 2012.

Um den Namen Budweiser wurde jahrzehntelang gestritten. 1795 gründeten dt. Bürger der böhmischen Stadt Budweis (České Budějovice) eine Brauerei, die später unter dem Namen Budweiser Bürgerbräu firmierte und Bier auch nach Amerika exportierte. Dort hatten inzwischen Brauereien begonnen, ebenfalls Bier unter dem Namen Budweiser zu verkaufen, insbes. der Hersteller Anheuser-Busch. Und 1895 gründeten tschech. Brauer in Budweis ein Konkurrenzunternehmen zum Bürgerbräu und boten ihr Bier ebenfalls unter dem Namen Budweiser an. In der Zeit des Kommunismus musste das Bürgerbräu seinen dt. Namen aufgeben (nach dem Weltkrieg war alles Deutsche schlecht gelitten) und verkaufte fortan seinen Gerstensaft unter den Marken Crystal und Samson, während die 1895 gegründete Brauerei unter der Bezeichung Budějovický Budvar verkaufte. Nach der samtenen Revolution bemühten sich die Tschechen wieder um die Rechte am Namen Budweiser. Als Folge des Namensstreits am Anfang des 20. Jh. vertrieb Anheuser-Busch sein Bier in einigen europäischen Ländern unter dem Namen Bud. Wer gerade wo seine Produkte unter welchem Namen verkaufen darf, ist eine Wissenschaft für sich. Aus Budweis kommen jedenfalls Budweiser Budvar und Samson.

Pilsener Bier

1842 wurde in Pilsen (Plzeň) erstmals jenes Bier gebraut, das rasch zum Appellativ für diese Art Bier wurde: ein untergäriges Vollbier (das bei kühlen Temperaturen gebraut wird und reift) mit einem hohen Hopfengehalt (dadurch also bitterer als andere Lagerbiere). Es wird bis heute unter dem Namen Pilsner Urquell (Plzeňský Prazdroj) verkauft.

Landesgliederung Tschechiens

Tschechien (Česko, amtl. Česká republika) ist ein Staat, die Einwohner heißen Tschechen (Sg. Čech), ihre Sprache ist tschechisch (český, die Sprache čeština).

Böhmen (Čechy f Pl.) ist ein histor. Land, das ungefähr zwei Drittel des tschech. Staatsgebietes umfasst; Böhmen heißen auch die Einwohner und böhmisch ist ihre Kultur und nicht zuletzt ihre Küche. Für „Böhme“ und „böhmisch“ gibt es im Tschech. kein eigenes Wort, man sagt Čech und český. Manchmal ist auch von der böhm. Sprache die Rede, meint damit aber das Tschech.

Das restliche Drittel Tschechiens wird hauptsächlich vom histor. Land Mähren (Morava, das ist zugleich der tschech. Name der March) eingenommen, die Einwohner sind Mährer (Sg. Moravan), ihre Kultur ist mährisch (moravský). Ihre Sprache ist allerdings tschech., denn die histor. Mährer wurden nach dem Ende des Großmähr. Reiches 906 zwischen Böhmen und Ungarn aufgeteilt. Die Mährer im Herrschaftsbereich der Böhm. Krone wurden zu Tschechen, die unter ungar. Herrschaft zu den heutigen Slowaken.

Schlesien (Slezsko) ist eine histor. Region, die heute im Südwesten Polens liegt. Nur ein schmaler Streifen gehört zu Tschechien. Die tschech. Schlesier sprechen natürlich Tschech., daneben auch poln. Schlesisch (auch Schlonsakisch genannt, ein poln. Dialekt) oder Dt. (genauer einen ostmitteldt. Dialekt, der ebenfalls meist als Schlesisch bezeichnet wird).

Die heutige Verwaltungsgliederung ist von dieser historischen Dreiteilung völlig unabhängig. Das Land ist in 14 Regionen (kraj „Rand, Gebiet, Land(strich)“) unterteilt. Böhmen kann man sich als ein auf die Spitze gestelltes Quadrat vorstellen, das in drei mal drei Felder unterteilt ist. Prag liegt als 10. im Zentrum des mittleren Feldes. Mähren schließt sich rechts an (allerdings gehört auch ein Teil der links angrenzenden Regionen zu Mähren). Schlesien zieht sich als schmaler Streifen durch den oberen Rand der beiden nordmähr. Regionen. Dies soll nur die ungefähre Lage verdeutlichen.

     N
  NW   NO
W    Z    O  3  4 
  SW   SO  1  2
     S
Region Hauptstadt B(öhmen), M(ähren), S(chlesien) Lage
Hlavní město Praha (Hauptstadt Prag) Praha (Prag) B im Zentrum von Z
Středočeský kraj (Mittelböhmische Region) Praha (Prag) B Z
Liberecký kraj (Reichenberger Region) Liberec (Reichenberg) B N
Královéhradecký kraj (Königgrätzer Region) Hradec Králové (Königgrätz) B NO
Pardubický kraj (Pardubitzer Region) Pardubice (Pardubitz) B, östl. Fünftel M O
Kraj Vysočina (Region Hochland) Jihlava (Iglau) B, M SO
Jihočeský kraj (Südböhmische Region) České Budějovice (Budweis) B, östl. Zipfel M S
Plzeňský kraj (Pilsener Region) Plzeň (Pilsen) B SW
Karlovarský kraj (Karlsbader Region) Karlovy Vary (Karlsbad) B W
Ústecký kraj (Aussiger Region) Ústí nad Labem (Aussig) B NW
Jihomoravský kraj (Südmährische Region) Brno (Brünn) M 1
Zlínský kraj (Zliner Region) Zlín (Zlin) M 2
Olomoucký kraj (Olmützer Region) Olomouc (Olmütz) M, nördl. Fünftel S 3
Moravskoslezský kraj (Mährisch-Schlesische Region) Ostrava (Ostrau) M, S 4

Nachbarländer sind:

Quelle: Wikipedia-Art. Verwaltungsgliederung Tschechiens

Streiflichter auf die böhmisch-tschechische Geschichte

Die Bronzezeit beginnt in Böhmen und Mähren um 1800 v.Chr. Man nimmt an, dass die Bewohner bereits indogermanische Stämme waren. Die Eisenzeit beginnt mit der Hallstattkultur 700-400 v.Chr.

Kelten

Seit der Latènezeit, d.h. ab 400 v.Chr., siedeln sich neben anderen kelt. Stämmen die Boier in Böhmen (wohl aus dem Rhein-Main-Donau-Gebiet kommend) an. Sie ziehen um 60 v.Chr. nach Pannonien und Noricum. Dennoch bleibt der Name der Boier am Landesnamen haften: er wird latinisiert zu Boi(o)haemum „Boierheim“, splat. Bohemia.

igitur inter Hercyniam silvam Rhenumque et Moenum amnes Helvetii, ulteriora Boii, Gallica utraque gens, tenuere: manet adhuc Boihaemi nomen signatque loci veterem memoriam quamvis mutatis cultoribus. Also bewohnten (das Gebiet) zwischen dem Herkynischen Wald und den Flüssen Rhein und Main die Helvetier, das weiter entfernte die Boier, beides gallische (keltische) Stämme: bis heute dauert der Name Boihaemum (Böhmen) fort und bezeichnet die alte Geschichte des Ortes, wenn auch die Bewohner gewechselt haben.

Tac.Germ. 28. Das beschriebene Gebiet ist Süddeutschland nördl. der Donau (nördl. Baden-Württemberg, Mittelfranken, Oberpfalz), Tschechien, Slowakei. Vgl. auch Plin.nat. 3,146: Noricis iunguntur lacus Pelso, deserta Boiorum „an die Noriker schließen sich der Plattensee an, (und) die Steppen der Boier“. Dies beschreibt wohl die Situation nach 60 v.Chr.

Die Boier schlossen sich z.T. dem Zug der Helvetier an (Caes.Gall 1,5) und wurden nach dessen Scheitern im Gebiet der Haeduer angesiedelt (Caes.Gall. 1,28,5). Die an der Donau verbliebenen Boier wurden vom Dakerkönig Burebista vernichtet (Strab. 7,11 [C.304]). Tac.Germ. 42 sagt, die Markomannen hätten ihre Wohnsitze in Böhmen durch Vertreibung der Boier erlangt. Nach M. Ihm kann das nicht stimmen, da die Markomannen erst 9 v.Chr. ins Land gekommen sind. Hanslik hingegen scheint anzunehmen, dass die Daker mit Unterstützung der Markomannen die Boier aus Böhmen vertrieben haben.

Germanen

Wie Grabfunde nahelegen, sickern seit dem 2. Jh. v.Chr. immer wieder Germanen nach Nordböhmen ein. 9/8 v.Chr. kommen, dem röm. Expansionsdruck ausweichend, die Markomannen unter Führung ihres Königs Marbod aus dem Maingebiet nach Böhmen, die Quaden nach Mähren. Marbod unterwirft die benachbarten Germanenstämme (Quaden, Hermunduren, Semnonen, Lugier, Langobarden), doch sein Reich bricht in der Auseinandersetzung mit dem Cherusker Arminius bald wieder auseinander. Er wird gestürzt und die Römer setzen schließlich den Quaden Vannius als König ein. Das böhm.-mähr. Gebiet ist von da an ein röm. Klientelkönigreich, das Hilfstruppen stellen muss.

Unter dem Druck der Goten überschreiten die Markomannen 168 die Donau. Es kommt zu den Markomannenkriegen 166-180, in denen Kaiser Mark Aurel die andrängenden Germanen zurückschlägt und Commodus die Donaugrenze sichert und das Klientelverhältnis wiederherstellt.

Dieses hört aber Mitte des 3. Jh. auf zu existieren. Immer wieder dringen seit dem 3. Jh. Markomannen und Quaden (im Verbund mit Sarmaten) in die röm. Provinzen ein und überfallen Siedlungen und Städte. Immer wieder werden sie von den Römern zurückgeschlagen. Ein beträchtlicher Teil der Markomannen wird Ende des 4. Jh. in Pannonien und Norikum angesiedelt. Diese geraten im 5. Jh. unter hunnische Herrschaft.

Die Mehrheit der Quaden schließt sich Anfang des 5. Jh. dem Zug der Vandalen und Alanen an. Der zurückgebliebene Stammesrest kommt ebenso wie die Markomannen unter die Herrschaft der Hunnen. Die Quaden schließen sich später den Ostgoten an und gehen dann vermutl. in den Langobarden auf.

Wohl seit dem 4. Jh. kommen Langobarden von der nördl. Elbe ins Land. Doch Anfang des 6. Jh. ziehen sie nach Pannonien weiter, 568 schließlich ziehen sie nach Italien. Die in Böhmen verbliebenen Germanen siedeln vermutl. zum großen Teil nach Bayern ab. Sie nehmen den Namen ihres Herkunftslandes mit und werden in ihrer neuen Heimat Baiovarii „Boiermänner“ = Bajuwaren = Bayern genannt.

Slawen

Seit der Mitte 6. Jh. kommen Slawen aus dem Gebiet nördl. und östl. der Karpaten (Südpolen, Westukraine), wahrscheinl. unter dem Druck der Awaren, nach Böhmen. Diese Einwanderung wird von der tschech. Sage so beschrieben: Zwei Brüder, Lech und Čech, kommen auf der Suche nach einer neuen Heimat nach Böhmen. Čech besteigt den nordböhm. Berg Říp, besieht sich das umgebende Land und beschließt zu bleiben. In der lat. Version heißt Čech Boemus und das Land daher Boemia. Diese Erzählung geht auf die Chronica Boemorum des Cosmas von Prag (12. Jh.) zurück und wurde in Böhmen durch Alois Jiráseks Staré pověsti české „Altböhmische Sagen“ Allgemeingut (s. Alois Jirásek, Praotec Čech).

Tunc senior, quem alii quasi dominum comitabantur, inter cetera suos sequaces sic affatur: Dann redete der Alte, den die anderen gleichsam als ihren Herrn begleiteten, unter anderem seine Anhänger so an:
„O socii, non semel mecum graves labores per devia nemorum perpessi, sistite gradum, vestris penatibus litate libamen gratum, quorum opem per mirificam hanc vobis olim fato predestinatam tandem venistis ad patriam. Gefährten, die ihr nicht (nur?) einmal mit mir schwere Mühen über ungebahnte Waldwege ertragen habt, haltet den Schritt an, bringt euren Hausgöttern eine angenehme Opfergabe dar, durch deren wunderbaren Beistand ihr endlich zu dieser einst durchs Schicksal vorherbestimmten Heimat gekommen seid.
Hec est illa, hec est illa terra, quam sepe me vobis promisisse memini, terra obnoxia nemini, feris et volatilibus referta, nectare mellis et lactis humida, et, ut ipsi perspicitis, ad habitandum aere iocunda. Dies ist jenes, dies ist jenes Land, das ich euch, wie ich mich erinnere, oft versprochen habe, ein Land, das niemand untertan ist, voll von Wild und Geflügel, überquellend von süßem Honig und Milch, und, wie ihr selbst seht, durch das Erz (?) zum Bewohnen angenehm.
Aque ex omni parte copiose et ultra modum piscose. Hic vobis nihil deerit, quia nullus vobis oberit. Wasser ist überall reichlich vorhanden und über die Maßen fischreich. Hier wird es euch an nichts fehlen, weil euch keiner schaden wird.
Sed cum hec talis, tam pulchra ac tanta regio in manibus vestris sit, cogitate, aptum terre nomen quod sit.“ Aber da dieses, so beschaffene, so schöne und so große Gebiet in euren Händen ist, überlegt, was ein passender Name für das Land ist.
Qui mox quasi ex divino commoniti oraculo: „Et unde“, inquiunt, „melius vel aptius nomen inveniemus, quam, quia tu, o pater, diceris Boemus, dicatur et terra Boemia?“ Diese sagten hierauf, gleichsam durch göttliche Weissagung daran erinnert: „Und wo werden wir einen besseren und passenderen Namen finden, als dass, da du, Vater, Boemus genannt wirst, auch das Land Boemia genannt wird?“

Lat. Text nach: Cosmas von Prag: Chronica Boemorum. (Die Chronik der Böhmen des Cosmas von Prag). Hrsg. v. Bertold Bretholz, u. Mitarb. v. W. Weinberger.- Berlin: Weidmann, 1923. (Monumenta Germaniae Historica, Scriptores Rerum Germanicarum, Nova Series, Bd. 2). Kap. 2. (dMGH bei d. Bayer. Staatsbibl.)

Lech zieht später weiter nach Norden und wird zum Stammvater der Polen. In der poln. Version gibt es noch einen dritten Bruder, Rus, der zum Stammvater der Russen wird.

Nach Čechs Tod übernimmt sein Neffe Krok Herrschaft und Richteramt. Krok hat keinen Sohn, aber drei Töchter, von denen die jüngste, Libuše (dt. Libussa), die klügste ist und vom Vater zur Nachfolgerin ernannt wird. Sie vermählt sich mit dem Bauern Přemysl und wird die Stammmutter des böhm. Herrschergeschlechts der Přemysliden. Diese Version geht ebenfalls auf Cosmas von Prag zurück. In einer älteren Version, der sog. Christianslegende vom Ende des 10. Jh., ist Libuše noch eine namenlose Wahrsagerin.

Samo

In der zweiten Hälfte des 6. Jh. lassen sich die Awaren in Pannonien nieder und beherrschen zumindest einen Teil der benachbarten Slawen und beuten sie aus. Dagegen erheben sich die Slawen 623/24 unter der Führung des Franken Samo. Daraus entsteht ein Reich oder zumindest ein Stammesbund unter Samos Herrschaft. Wie groß sein Herrschaftsbereich genau war, ist umstritten. Es wird Böhmen, Mähren, die südwestl. Slowakei, Niederösterr. und Kärnten umfasst haben. Nach Samos Tod 658/59 zerfällt das Reich wohl wieder rasch.

Die Quellen schweigen nach Samos Tod für rund 150 Jahre. Erst aus der Zeit Karls d. Gr. haben wir wieder Nachrichten. Er schafft es zwar in seinem Feldzug von 805 nicht, Böhmen zu erobern, macht es aber in einer zweiten Kampagne 806 tributpflichtig.

Großmähren

Ende des 8., Anfang des 9. Jh. entsteht zunächst das Fürstentum Mähren. Mit der Eroberung des Fürstentums Nitra (heutige Slowakei und Nordungarn) 833 wird daraus das Reich der Mährer (auch Altmähren, Großmährisches Reich, Morawien u.ä. genannt) unter der Herrschaft des Knes (Königs) Mojmír I.

Im Bemühen, sich von der bayerisch-fränkischen Oberhoheit zu lösen, verjagt Mojmírs Nachfolger Rastislav den bayer. Klerus und holt 863 die Slawenapostel Kyrill und Method ins Land. Kyrill (der damals noch Konstantin heißt) schafft das glagolitische Alphabet und verschriftlicht die altslaw. Sprache durch Übersetzung von Teilen des Neuen Testaments und der Psalmen. Die Brüder erreichen 867, dass der Papst das Slaw. als vierte Liturgiesprache (neben Latein, Griech. und Hebr.) anerkennt. (Diese Sprache wird heute Altkirchenslaw. genannt. Grundlage ist die südslaw. Sprache aus der Heimat der Slawenapostel, dem Raum Saloniki, weshalb es manchmal auch Altbulgar. genannt wird.)

Ab 874 kann Svatopluk I. das Reich auf Pannonien, Böhmen, Schlesien und das Weichselgebiet ausdehnen. 886/87 verbietet er die slaw. Liturgie wieder, wohl aus Opportunismus gegenüber dem Ostfrankenreich. Unter Svatopluks Sohn Mojmír II. setzt ab 894 die Loslösung der eroberten Gebiete ein. Anfang des 10. Jh. löst sich das Reich unter dem Druck der Magyaren auf.

Die ersten Přemysliden

In der Zeit des Mährischen Reiches herrscht auch der erste historisch fassbare böhmische Fürst, der Přemyslide Bořivoj I. (852/55-888/89), unter der Oberherrschaft des mährischen Knes Svatopluk I. Bořivoj legt den Grundstein für die Prager Burg (Pražský hrad) auf dem Hradschin. Er ist verheiratet mit der später heiliggesprochenen Ludmilla. Die beiden lassen sich in der ersten Hälfte der 880er Jahre taufen und legen damit den Grundstein für die Christianisierung Böhmens.

Ihre Söhne und Nachfolger sind Spytihněv I. (875-915) und Vratislav I. (888-921). Vratislav ist verheiratet mit der Elbslawin Drahomíra. Ihr Sohn ist der später heiliggesprochene Wenzel (Václav, 908-929 od. 935). Da er beim Tod des Vaters noch minderjährig ist, übernimmt seine Mutter Drahomíra die Herrschaft, seine Erziehung aber seine Großmutter Ludmilla. Drahomíra lässt Ludmilla aber schon nach wenigen Monaten ermorden (15. Sept. 921).

Spätestens 925 übernimmt Wenzel die Macht. Er fällt aber einer Verschwörung seines jüngeren Bruders Boleslav zum Opfer. Boleslav I. (915-972), auch der Grausame genannt, ist zwar ein militär. tatkräftiger Fürst, muss sich aber schließlich dem Sachsen Otto I. unterwerfen.

Quellen:

Berge, Riesen, Nixen

Der Böhmerwald (tschech. Šumava, vgl. kroat. šuma „Wald“, die Ableitung von šumět „rauschen“ ist Volksetymologie), ist eine Bergkette, die sich entlang der tschech.-österr.-dt. Grenze erstreckt (auf der bayer. Seite heißt er Bayerischer Wald). Seine höchste Erhebung ist der Große Arber (1456 m) in Bayern bzw. auf tschech. Seite der Plöckenstein (Plechý, 1378 m) an der tschech.-österr. Grenze. Im Böhmerwald liegt, keine 10 km von der österr. Grenze entfernt, die Ortschaft Horní Planá (dt. Oberplan), der Geburtsort Adalbert Stifters (1805-1868).

Das Riesengebirge (tschech. Krkonoše, der Name dürfte vorslaw., viell. kelt. sein), erstreckt sich in Ost-West-Richtung entlang der böhmisch-schlesischen (d.h. tschech.-poln.) Grenze, nicht weit von der Grenze zu Deutschland (Niederlausitz). Es ist ein Teil der Sudeten und das höchste Gebirge Tschechiens (die Hohe Tatra gehört ja zur Slowakei). Die höchste Erhebung ist die Schneekoppe, tschech. Sněžka (1602 m); die Grenze verläuft über den Gipfel. Im Riesengebirge entspringt auf der tschech. Seite die Elbe, tschech. (mit Liquidametathese) Labe.

Im Riesengebirge haust der Sage nach Rübezahl (tschech. Krakonoš, ursprl. nach dem dt. Namen Rýbrcoul bzw. übersetzt Řepočetařepa „Rübe“, počítat „zählen“) und treibt sein Unwesen. Der dt. Name dieses Berggeistes, der mal als bocksfüßiger Dämon, mal als bärtiger Riese vorgestellt wird, ist unklar. Die Erzählung von J. K. A. Musäus, wonach er vom Rübenzählen stammt, ist volksetymolog. Umdeutung.

Antonín Dvořák hat seine Rusalka an keinem bestimmten See verortet. Es handelt sich um einen alten slaw. Märchenstoff.

Nützliche Redewendungen

jak se máš? „wie geht es dir?“ (wörtl. „wie hast du dich?“)
mám se dobře „mir geht es gut“ (wörtl. „ich habe mich gut“)
jde to „es geht“
měj se hezky! (Adv.) „mach's gut!“ (wörtl. „(ge)hab dich schön“)
šťastnou cestu! „gute (wörtl. glückliche) Fahrt/Reise!“
co ti je? „was ist mit dir? was fehlt dir?“
už víc nemůžu „ich kann nicht mehr“
jak se to řekne? „wie sagt man das?“
ale ano „doch!“ (wörtl. „aber ja“)
co to máš? „was hast du da?“
všechno v pořádku „alles in Ordnung“
dobře? „in Ordnung? einverstanden?“
chceš také něco? „willst du auch etwas?“
hele! „schau!“
počkej! „warte!“
už ne „nicht mehr“ (wörtl. „schon nicht“)
bylo to moc zajímavé „es war sehr interessant“
myslím že ano „ich denke schon“ (wörtl. „ich denke, dass ja“)
ještě nevím „ich weiß noch nicht“
jak chceš „wie du willst“
jak myslíš „wie du meinst“
a co (tak)...? „und was ist mit...? und wie wäre es mit?“ (wörtl. „und was (so)...“)
to nevadí „das macht nichts“
máš pravdu „du hast recht“
kolik je hodin? „wie spät ist es?“ (wörtl. „wieviel ist es der Stunden?“)
ještě máme čas „wir haben noch Zeit“
kolik je ti let? „wie alt bist du?“ (wörtl. „wieviel ist dir der Jahre?“)
je mi n let „ich bin n Jahre alt“ (wörtl. „mir ist n der Jahre?“ n>4)
tak dobře „also gut“
dívat se na televizi „fernsehen“ (wörtl. „auf den Fernseher schauen“)
dobrou chuť „guten Appetit“
děkuju, nápodobně „danke, gleichfalls“ (vgl. nápodoba „Nachahmung“)
to je mi líto „es tut mir leid“
odkud jste? „woher kommen Sie?“
těší mě „sehr erfreut“ (wörtl. „freut mich“)
dovolte? „gestatten Sie?“
tak to „dann“
jak se dostanu do ...? „wie komme ich zu/nach ...?“
kolik to stojí? „wieviel kostet das?“
není zač „keine Ursache“ (zač = za to, wörtl. „es ist nicht wofür“)
co to bude? „was darf es sein?“ (wörtl. „was wird es sein?“)
hned to bude „kommt sofort“ (wörtl. „gleich wird es sein“)
dám si kávu „ich nehme einen Kaffee“ (wörtl. „ich gebe mir einen K.“)
pane vrchní, platím! „Herr Ober, zahlen!“
to je dobrý (od. dobré) „stimmt so“ (beim Aufrunden der Rechnung)

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 23. Mai 2016