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Adam – eine historische Persönlichkeit?



Eva isst von der verbotenen Frucht und gibt auch dem Adam davon. Die Schlange ist mit dem Oberkörper einer Frau dargestellt. Relief am Sockel des Mittelpfeilers des Portail de la Vierge (Portal der Jungfrau, südlichstes Westportal), Kathedrale Notre-Dame de Paris, Original um 1200.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Jebulon, 2011; bearb. v. Materialscientist.– Lizenz: CC0 1.0 (~ gemeinfrei).– Bearbeitung: Kontrast erhöht, verkleinerter Bildausschnitt.

Eva hat schon, Adam wird gleich. Die Schlange ist als Echse mit Frauenkopf dargestellt. Hugo van der Goes: Sündenfall. Linker Flügel des Wiener Diptychons, wahrsch. 1477, Öl auf Holz, Kunsthistorisches Museum, Wien.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: unklar.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt.

Das biblische Menschenpaar im Augenblick des Sündenfalls, als Vorwand für eine lebensgroße Aktstudie. Albrecht Dürer: Adam und Eva. 1507, Öl auf Holz, Museo del Prado, Madrid.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Jose Baztan Lacasa, 2010.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt, geringfügig aufgehellt.

Der Sündenfall als romantisch-idealistische Idylle, fast wie in einem Römerquelle-Werbespot. Gustave Courtois: Adam und Eva im Garten Eden. 1899, Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts, Besançon.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Arnaud 25, 2013.– Lizenz: CC BY-SA 3.0.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt.

Erinnert irgendwie an ein faschistisches Propaganda-Poster (die Apfel­pflückerin). Károly Patkó: Adam und Eva. 1920, Öl auf Leinwand, Privatbesitz.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: unbekannt.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt.

Adam und Eva haben erkannt, dass sie nackt sind, und bedecken beschämt ihre Blöße. Fresko in der Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus in Rom, 4.-6. Jh.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: unklar, hochgeladen von Leinad-Z~commonswiki.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt.

Adam und Eva werden vom Engel mit dem Schwert (über den beiden) des Paradieses verwiesen. Masaccio: Vertreibung aus dem Paradies. 1426/27, Fresko in der Brancacci-Kapelle in der Kirche Santa Maria del Carmine in Florenz.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: unklar.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: Gradation angepasst, verkleinerter Bildausschnitt.

Anlass für diese Seite war ein Vortrag von Siegfried Zimmer, der nicht zu seinen Glanzpunkten gehört: „Kann die Erzählung von Adam und Eva historisch gemeint sein?“ (Worthaus 3.5.2, 2013). Dabei stimme ich in der Antwort auf die im Vortragstitel gestellte Frage mit Zimmer überein. Aber seine Argumentation ist meines Erachtens zum überwiegenden Teil nicht stichhaltig. Und sein Vortrag enthält etliche Schlampigkeiten, die sich für einen Wissenschaftler eigentlich verbieten, und auch fragwürdige oder sachlich falsche Behauptungen. Hier eine Auflistung:

Florilegium errorum

Hebr. רֵאשִׁית rêšît und griech. ἀρχή arkhḗ bedeuten etwas ganz anderes als dt. Anfang.
Das ist Unsinn. Wenn dem so wäre, würden die Bibelübersetzungen es auch ganz anders wiedergeben. Eine Analyse des Bedeutungsspektrums von rêšît s.u.
Wörter wie veraltet oder altmodisch kann es erst seit 100 Jahren geben (22:00).
Seit Aristophanes gibt es ein eigenes Wort für altmodisch: ἀρχα(ι)ϊκός (Aristoph.Nub. 821). Und selbstverständlich können im Griech. die Wörter für „alt, alt geworden“ auch negativen Sinn haben: ἀρχαῖος „veraltet“ (Aischyl.Prom. 317), „altmodisch, unmodern“ (Aristoph.Nub. 1469); παλαιός „veraltet, unbrauchbar geworden“ (Soph.Oid.T. 290); ἔκκαιρος „über die Zeit hinaus, veraltet, antiquiert“ (Anth.Pal. 11,417). Die Behauptung, ein bestimmtes Wort gebe es in einer Sprache gar nicht, ist in 9 von 10 Fällen Blödsinn.
Das historische Denken gibt es erst seit 200 Jahren (23:00).
Da würde Zimmer aber jeder, der sich mit Herodot oder Thukyides, Sallust, Livius oder Tacitus beschäftigt, lebhaft widersprechen. Ich eingeschlossen. Zimmer hat auf diesem Gebiet offensichtlich wenig Ahnung.
Archäologie kommt von griech. ἀρχή arkhḗ (22:37).
Ja, aber nur mittelbar. Genauer gesagt, kommt es von griech. ἀρχαῖος arkhaíos „altertümlich, alt“, und dieses ist abgeleitet von arkhḗ. Archäologie gräbt auch nicht nach Fossilien, dies tut die Paläontologie (deren Name von παλαιός palaiós, einem anderen griech. Wort für „alt“, kommt).
Von arkhḗ kommt auch Architekt(ur), da sich Architekten mit Fundamenten beschäftigen (23:58 / 24:10).
Nein, sondern deshalb weil griech. arkhḗ auch „Herrschaft, Regierung“ bedeutet. Der Archi-tekt ist der „regierende“ Ober-Baumeister, so wie der Erz-bischof (arkhiepískopos) der Ober-Bischof ist, der Erz-engel (arkhángelos) der Ober-Engel usw. Der Predigerunsitte, mit etymologischem Wortgeklingel etwas belegen zu wollen, sollte sich ein Wissenschaftler entschlagen. Zumindest wenn es ihm um Bildung geht (1:18).
Das Wort für Anfänger gibt es in der Antike nicht (28:12).
Doch, gibt es, aber es ist etymologisch anders gebildet; die wörtliche Bedeutung ist „unerfahren, Neuling, Rekrut“ o.ä., also griech. ἄπειρος ápeiros, νέος néos, lat. tīrō, rudis u.ä. Aber Zimmer wollte vermutlich darauf hinaus, dass das Wort für Anfang sprachlich nicht mit Unerfahrenheit assoziiert wird.
Die zweisilbigen hebr. Wörter betont man in aller Regel auf der zweiten Silbe (38:58).
So sie nicht zur großen Gruppe der Segolata gehören, wie z.B. מֶלֶךְ mǽlæk „König“, חֹשֶׁךְ ḥóšæk „Finsternis“, סֵפֶר sépær „Schriftstück, Brief, Buch, Urkunde“, בַּיִת bájit „Haus“, מַיִם májim „Wasser“, לַיְלָה lájlâ „Nacht“, צֶדֶק ṣǽdæq „das Rechte, Gerechtigkeit“, אֹהֶל ʾóhæl „Zelt, Wohnung“, דֶּרֶךְ dǽræk „Weg“, עַיִן ʿájin „Auge, Quelle“, קֹדֶשׁ qódæš „Heiligkeit, Heiligtum“, חֶרֶב ḥǽræb „Schwert“, יַיִן jájin „Wein“, שֶׁמֶשׁ šǽmæš „Sonne“, אֶרֶץ ʾǽræṣ „Land, Erde“, u.v.a.m, ich schaff es kaum, mich einzubremsen. Im übrigen ist abbá kein hebr., sondern ein aram. Wort. Wenn schon Behauptungen zum Hebr., dann auch richtig. (Ist ja auch eine Frage der Bildung.)
Nebenbei bemerkt kommen Koran und Moschee aus dem Arab., aber das Arab. hat andere Betonungsregeln als das Hebr. Überdies hat Moschee eine abenteuerliche Reise hinter sich: dt. Moschee < frz. mosquée < ital. moscheta < span. mezquita < arab. مسجد masǧid. Im Dt. gibt es etliche Wörter lat. Herkunft, die entgegen dem Lat. endbetont sind – vermutlich weil die Betonung vom Frz. beeinflusst ist: Kopie (lat. cópia), Fabrik (lat. fábrica), Dialog (lat. diálogus) usw.
Namen haben im Hebr., Griech., Ital., Lat. und im Dt. keinen Artikel (32:40).
Stimmt für das Hebr. Stimmt so nicht für das Griech., das Ital. und das Dt. Und das Lat. hat gar keinen Artikel! Aber: das ist eine Nebelgranate und für die weitere Argumentation belanglos. Es zählt ja hier allein der Sprachgebrauch des Hebr.
Griech.: Artikel steht bei Eigennamen, wenn sie als bereits erwähnt oder allgemein bekannt bezeichnet werden sollen.
Ital.: Vornamen stehen, wenn sie nicht näher bestimmt sind, ohne Artikel, Nachnamen aber meist mit Artikel.
Dt.: umgangssprachlich wird der Artikel bei Eigennamen gesetzt, schriftsprachlich nicht.
Einen Personennamen adám für eine bestimmte Einzelperson gibt es im AT nicht (36:02).
In Gen 4,25; 5,1.3-5 kann das Wort kaum anders sinnvoll verstanden werden denn als Eigenname, Details dazu s.u.
Man kann adám nicht deklinieren (38:10).
Missverständlich formuliert, weil es im Hebr. gar keine Kasusflexion gibt. Was Zimmer wohl meint: das Wort kommt nicht im Status constructus, d.h. als Nomen regens einer Genitivverbindung, vor, und es kommt nicht im Plural vor. Ersteres ist vielleicht nur Zufall, letzteres aber bedeutsam: das Wort ist offenbar ein Kollektivum (Details dazu s.u.).
„Wer einen toten ha-adám berührt, der wird sieben Tage unrein. 3. Mose 19, Vers 11.“ (42:02)
Das ist Num (4Mo) 19,11. Im Hebr. steht נֶפֶשׁ אָדָם næpæš ʾādām wörtl. „Seele eines Menschen“, also kein Artikel.
„Gott ist kein ha-adám, dass er lügt. 3. Mose 23, Vers 19.“ (41:18)
Das ist Num (4Mo) 23,19. Im Hebr. steht אִישׁ ʾîš „Mann, Mensch“, nicht adám! In der zweiten Vershälfte („noch ein Menschenkind, dass er bereut“) steht בֶּן־אָדָם bæn-ʾādām „Menschensohn, Menschenkind, Mensch“. Zimmer hat offenbar einfach ein paar Stellen aus einer Konkordanz herausgesucht, ohne sich vergewissert zu haben, was im Hebr. wirklich steht.
Ha-adám sieht was vor Augen ist […]. 5. Mose 16, Vers 7.“ (41:32)
Das ist 1Sam 16,7. Fehler passieren. Aber bei 8 Stellen 3 falsch zu belegen ist ein hoher Prozentsatz. (Die übrigen Stellen, die Zimmer zitiert, sind: Gen 6,1f; Gen 7,21; Gen 9,6; Ex 33,20; 1Kön 5,11.)
Einen Anfang im Sinne des lat. principium kann man nicht datieren (46:00).
Das ist so generell behauptet nicht richtig. Wenn Livius principio anni „zu Jahresbeginn“ sagt (2,48.56; 3,22 u.ö.), principio veris „zu Frühlingsbeginn“ (44,1.34), principio lucis „beim ersten Tageslicht“ (39,30), principio belli „bei Kriegsbeginn, am Anfang des Krieges“ (37,34), principio orationis „am Anfang der Rede“ (28,43), so kann man diese Angaben mehr oder weniger genau datieren. Es zeigt, dass der Unterschied zwischen principium und initium nicht viel schärfer ist als der zwischen den dt. Wörtern Anfang und Beginn: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse) – aber nicht jedem Beginn.

Unprofessionell ist auch Zimmers Anspruch, er kenne die Erzählung ganz gut (soll heißen: besser als seine weltanschaulichen Gegner), er habe sich mit der Erzählung (lange) beschäftigt (46:38). Das ist kein Sachargument. Man kann sich 100 Jahre mit der Bibel beschäftigt haben und trotzdem völlig auf dem Holzweg sein. Daher: Fakten, Fakten, Fakten! Und keine Pathologisierung von Biblizisten.

Ein Widerspruch ist es auch, wenn Zimmer einerseits behauptet, für die Menschen der Antike sei die Vergangenheit ganz wichtig gewesen, weil sie ja die Grundlage bildete, während für uns Moderne die Vergangenheit weit weg und unwichtig ist; andererseits aber sagt er, in der Antike hätte es noch kein historisches Denken gegeben. (Was sachlich falsch ist.)

Ich kann nicht erkennen, wozu die breite Darlegung des historischen Wandels dienen soll. Was haben Kompass oder Schießpulver mit dem historischen Denken und dem Verständnis der biblischen Texte zu tun? Es stimmt, dass man sich davor hüten muss, moderne Denkvoraussetzungen in die Antike zu projizieren. Ebenso muss man sich aber auch davor hüten, die Antike zum „ganz anderen“ hochzustilisieren. Auch ohne Kompass konnte man auf dem Meer navigieren, aber nicht so exakt und nicht über so weite Entfernungen. Auch ohne Schießpulver konnten Menschen einander töten, nur noch nicht so effizient.

Ich will Siegfried Zimmer nicht grundsätzlich ans Leder. Die meisten seiner Worthaus-Vorträge, in denen er sich nicht gerade der Vernichtung der evangelikalen Theologie widmet, finde ich durchaus gut, trotz manch sachlicher Fehler (wie der Behauptung, die Tyrischen Schekel seien bildlos gewesen) und der offensichtlichen Tatsache, dass Zimmer der alten Sprachen wenig mächtig ist („Praesens historicus“).

Begriffliches

Anfang

Dass abstrakte Begriffe in verschiedenen Sprachen nicht identischen Bedeutungsumfang haben, weiß jeder, der eine Fremdsprache gelernt hat. Griech. arkhē bedeutet nicht nur „Anfang“, sondern auch „Herrschaft“. Doch deswegen zu behaupten, ein Wort im Griech. oder Hebr. bedeute etwas ganz anderes als sein dt. Pendant, ist unseriös. Es geht ja immer um die Bedeutung im aktuellen Kontext.

So auch das hebr. Wort für „Anfang“: רֵאשִׁית rêšît bezeichnet zunächst den zeitlichen Anfang:

Aus der Bedeutung „Anfang“ entwickelt sich gelegentlich die Bedeutung „was man am Anfang gemacht hat“, „Erstling, erster Teil“. Das kann auch den Sinn von „erster Teil hinsichtlich Qualität, bester Teil“ annehmen. Nicht immer ist klar, welche Bedeutung im Vordergrund steht.

Und schließlich wird das Wort zu einem Begriff der Opfersprache, der eine bestimmte Form von Abgabe an das Heiligtum bezeichnet (öfters neben „Hebe, Hebopfer“).

Dies ist eine zwar langweilige, aber meines Wissens erschöpfende Auflistung der Bibelstellen, an denen rêšît vorkommt. Die Behauptung Zimmers, er könnte uns fünzig Stellen vorstellen, wo mit rêšît „die Grundlage“ gemeint ist (29:09), entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Dass im Begriff Anfang – auch im Dt. – die Konnotation (Nebenbedeutung) von „Ausgangspunkt“ oder „Grundlegung“ mitschwingt, bestreite ich dabei gar nicht. Aber daraus lässt sich nichts für die Interpretation von Gen 2-3 ableiten.

Worauf Zimmer hinauswill, ist vermutlich folgendes: Nach Mircea Eliade berichtet der Mythos von Ereignissen, die in der primordialen (uranfänglichen) Zeit, der „märchenhaften Zeit der ‚Anfänge‘“ stattgefunden haben. Das ist die graue Vorzeit, die nicht datierbar ist, weil sie nicht einfach ein Abschnitt auf dem Zeitstrahl der „historischen“ Zeit ist, sondern eine Zeit sui generis, eine Zeit außerhalb unserer Zeit. (Ob das alle antiken Menschen so empfunden haben, bleibe hier dahingestellt.) Der „Anfang“ von Gen 1,1 (und der folgenden Kapitel) ist für Zimmer in dieser primordialen, mythischen Zeit angesiedelt.

Aber gerade davon bin ich nicht überzeugt. Der (erste) biblische Schöpfungsbericht ist vor allem als Kritik an den Schöpfungsmythen seiner Zeit zu verstehen. Zu dieser Kritik gehört auch, dass „am Anfang“ den Anfang der realen, wirklichen Zeit meint. Das lässt sich z.B. ablesen an den Geschlechtsregistern, die die „Zeit der Anfänge“ bruchlos mit der Zeit der Erzväter (die man grob in die mittlere Bronzezeit datieren kann) verknüpft. Diese Kontinuität mag fiktiv sein, aber sie zeigt, dass der Autor ein Bewusstsein für die Kontinuität der Zeit hatte. Aber gerade die Geschlechtsregister blendet Zimmer bewusst aus (50:30).

Adam und Eva

Hebr. אָדָם ʾādām ist tatsächlich eigentlich kein Eigenname, sondern ein Appellativum und heißt „Menschheit, Mensch“. Es ist offenbar ein Kollektivum (wie z.B. dt. „Laub“) und kommt daher im AT nicht im Plural vor, dafür wird בְּנֵי־(הָ)אָדָם bnê-(hā-)ʾādām „Menschensöhne, Menschenkinder“ verwendet (oder der Plural eines anderen Wortes wie אֱנוֺשׁ ʾænôš „Mensch“ oder אִישׁ ʾîš „Mann, Mensch“). Weitere Details dazu s. Sach- und Worterklärungen der Luther 2017 und Rudolf Ebertshäusers Kritik: Adam. Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt. Verschiedene (allesamt schwer haltbare) Etymologien listet Dillmann in seinem Genesiskommentar.

An einigen Stellen hat ʾādām keinen Artikel und kann im Kontext auch kein artikelloses Appellativum („ein Mensch“) sein. Adam ist an diesen Stellen wie ein Eigenname gebraucht. Die so genannte Person ist Repräsentant und Stammvater der Adamiten, d.h. der Menschheit, ähnlich wie in der sog. Völkertafel (Gen 10) die verschiedenen Völker durch gleichnamige Stammväter repräsentiert sind: Kanaan, Elam, Assur, Aram usw.

Adams Frau heißt auf Hebr. חַוָּה ḥawwâ, nach Dillmann eine antiquierte Form von חַיָּה ḥajjâ „Leben“. Im AT ist ḥajjâ Fem. von חַי ḥaj „lebend(ig)“, also „die lebend(ig)e“, als Subst. „Lebewesen, Tier“ und „Seele, Person“ oder vielleicht „Leben“.

Gattungsgeschichtliches

Erzählen und Wahrheit

Seit es Hochkulturen gibt, haben die Menschen meines Erachtens auch ein geschichtliches Bewusstsein gehabt. Was sie erst entwickeln mussten, war ein historiographisches Bewusstsein, d.h. ein Methodenbewusstsein für den Umgang mit Informationen aus der Vergangenheit und ihre literarische Darstellung.

Wenn Zimmer seine „historischen Fragen“ an den Bibeltext stellt (ab 49:00), verwendet er ein anderes Verständnis von historisch als die damit angegriffenen Biblizisten. Letztere wollen damit behaupten, dass es Adam und Eva tatsächlich als Einzelpersonen am Beginn der Menschheit gegeben hat, dass Eden ein realer Ort in der Geographie des Nahen Ostens ist usw. Zimmers Fragen zielen aber auf historische Detailinformationen, die die Berichte nachprüfbar machen. Seine Fragen sind also historiographisch im oben dargestellten Sinn. Solche Informationen können und wollen die Texte der ersten Genesiskapitel nicht geben. Sie sind kein „historischer Bericht“, keine Geschichtsschreibung im heutigen Sinn. Aber: das hat ja auch keiner behauptet, und das beweist auch noch nichts für oder gegen die Historizität der berichteten Ereignisse.

Schon die Fragestellung an sich, ob eine Erzählung historisch gemeint sein kann, zeigt, dass man einer Kultur angehört, die unterscheidet zwischen: historisch = faktengemäß = wahr, und: unhistorisch = fiktiv / erfunden = mythisch / legendär / märchenhaft = unwahr. Doch nicht jede Fiktion ist eine Unwahrheit. Erzählen hat nicht auschließlich, ja nicht einmal in erster Linie die Funktion, historische Ereignisse mitzuteilen. Erzählen ist eine Form der Weltdeutung. Die Wahrheit vieler Geschichten liegt nicht darin, dass sie sich genau einmal zu einer bestimmten Zeit und mit konkreten Personen ereignet haben. Sondern sie sind oft die verdichtete Summe von Lebenserfahrungen. Oder die manchmal spekulative Herleitung von gegenwärtigen Zuständen aus vergangenen Ereignissen.

Auch der Historiker ist ein Erzähler, insofern er ja nicht einfach zusammenhanglos historische Fakten aufzählt, sondern sie in einen kausalen oder sinnhaften Zusammenhang bringt und dadurch einen Plot schafft. (Diese Erkenntnis verdanke ich Hayden White.) Alles andere wäre uninteressant und bedeutungslos. Gerade dieser Plot, die Darstellung von Zusammenhängen machen das Spannende an der Geschichtsschreibung aus. Der Unterschied zum Romancier, zum Sagendichter ist, dass der Historiker nur belegbare Fakten erzählen darf. Wo er bloße Vermutungen anstellt oder Gerüchte kolportiert, muss er dies deutlich sagen.


Ein Frosch, der (Deutsch) sprechen kann, und niemand wundert sich. Philipp Grotjohann: Illustration zum Grimmschen Märchen Der Froschkönig, um 1870.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Рыцарь поля, 2011?.– Lizenz: gemeinfrei.– Bearbeitung: verkleinerter Bildausschnitt.

Märchen

Wenn ein Prinz in einen Frosch verwandelt wird; wenn ein Wolf im Wald ein minderjähriges Mädchen anspricht; wenn ein Männchen Stroh zu Gold spinnt: dann gehen wir davon aus, dass es sich um ein Märchen handelt. Das gleiche gilt etwa, wenn Odysseus auf einer Insel landet, auf der einäugige Riesen leben (Kyklopen); wenn die Zauberin Kirke seine Gefährten in Schweine verwandelt; wenn Herakles gegen Vögel kämpft, die ihre Federn wie Pfeile abschießen können (Stymphalische Vögel). Ja sogar, wenn Herodot von Riesenameisen in der indischen Wüste berichtet, die beim Graben ihrer Baue goldhaltigen Sand auswerfen, es aber lebensgefährlich machen, diesen einzusammeln (3,102-105), müssen wir von einem Märchenmotiv ausgehen – vielleicht ein Schauermärchen der Goldgräber in Ladakh –, ungeachtet der Tatsache, dass Herodot das wohl für bare Münze genommen hat.

Es war einmal ein Müller […]. Wir haben uns angewöhnt, diese unbestimmte Angabe (wann? wo?) als Gattungssignal für ein Märchen zu verstehen. Aber das ist nur eine kulturelle Usance. Das Fehlen von genauen Angaben zu Zeit und Ort sind noch kein Beweis dafür, dass die Geschichte unhistorisch ist. Allerdings kann ein Ereignis, das sich angeblich irgendwann irgendwo zugetragen haben soll, schwer überprüft werden und kann daher wenig Anspruch auf Glaubwürdigkeit in einem historiographischen Sinn erheben.

Auch die Personen der Genesis (Noah, Abraham, Jakob) können allesamt keiner Zeit zugeordnet werden. Häufig setzt eine Erzählung mit dem Narrativ ohne jede Zeitangabe ein. Damit es nicht so abgehackt klingt, wird der Narrativ in der dt. Übersetzung mit einer Konjunktion wie „und“ angeschlossen: „(und) JHWH sagte zu Abram“ (Gen 12,1). Oder es steht eine relative Zeitangabe: „nach diesen Dingen geschah das Wort JHWHs zu Abram“ (Gen 15,1). Selten wird es so konkret wie in Gen 14,1: „(und) es geschah in den Tagen des Amrafel, des Königs von Šinʿar“. Schade, dass wir nicht wissen, wer das ist und wann er regiert hat (eine Zusammenfassung der Möglichkeiten auf meiner Seite Nachforschungen zu Gen 14: Amrafel von Schinar).

Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam […] Wie hieß dieser König? Über welches Land regierte er? Das Märchen benutzt ein typenhaftes Figureninventar. Im Märchen von Rumpelstilzchen sind das der arme, aufschneiderische Müller auf der einen, der goldgierige König auf der anderen Seite – und mittendrin die bedauernswerte Müllerstochter, von der etwas Menschenunmögliches verlangt wird. Personen im Märchen sind häufig, aber nicht zwangsläufig namenlos. Es gibt auch Schneewittchen, Rapunzel, Dornröschen, Hänsel und Gretel.

Der König im Märchen kann nie historisch eingeordnet werden. Aber das kann der König von Ägypten in den Genesis- und Exodus-Erzählungen auch nicht. Abraham, Josef, Mose – alle hatten mit dem Pharao zu tun und immer bleibt er namenlos und daher historisch nicht einzuordnen. Allerdings sind die Genesiserzählungen meist lokalisierbar. Ausgenommen ist allerdings die Urgeschichte Gen 1-11. (Denn wo lag z.B. der Garten (von) Eden? Wie ich zu zeigen versuchte, beschreibt Gen 2,8-15 eine idealisierte Geographie, keinen auf der Landkarte lokalisierbaren realen Ort.) Märchen haben dagegen ganz selten einen lokalen Bezug (Bremer Stadtmusikanten).

„Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“ Wir wissen, dass das nicht möglich ist. Kein Mensch kann so etwas. Aber Mose kann (mit Gottes Hilfe) aus einem Felsen Wasser austreten lassen (Num 20,9-11). Der wesentliche Unterschied ist vielleicht der, dass im Pentateuch Wunderbares durch Gottes Wirken geschieht. Im Märchen ist Magie ein Teil davon, wie die Welt funktioniert. Die Möglichkeit zum Zauber ist ihr inhärent eingeschrieben. Gott dagegen kommt im Märchen nicht vor.


Herakles raubt die Äpfel der Hesperiden. (Ein Garten im äußersten Westen, darin ein Baum mit goldenen Äpfeln, gepflegt von Nymphen, den Hesperiden, bewacht von einem mehrköpfigen Drachen oder einer Schlange. Garten - Baum - Schlange, das scheint ein narratives Motiv zu sein.) Röm. Mosaik mit den 12 Arbeiten des Herakles, aus der Casa de Porcar, Llíria (Provinz Valencia), 3. Jh. n.Chr., jetzt im Museo Arqueológico Nacional, Madrid.
Quelle: Wikimedia.– Urheber: Benjamín Núñez González, 2016.– Lizenz: CC BY-SA 4.0.– Bearbeitung: geringfügig perspektivisch transformiert, Kontrast erhöht, verkleinerter Bildausschnitt.

Mythos

Ov.met. 1,72-88:

neu regio foret ulla suis animalibus orba, Und damit keine Zone ihrer Lebewesen beraubt sei,
astra tenent caeleste solum formaeque deorum, haben die Gestirne und Göttergestalten den himmlischen Grund inne,
cesserunt nitidis habitandae piscibus undae, fielen die Wogen den glänzenden Fischen als Wohnung zu,
75 terra feras cepit, volucres agitabilis aër. bekam die Erde das Wild, die leichtbewegliche Luft die Vögel.
sanctius his animal mentisque capacius altae Ein Lebewesen, heiliger als diese und teilhaftiger des hohen Sinnes,
deerat adhuc, et quod dominari in cetera posset. fehlte noch, und das über die übrigen (Lebewesen) herrschen konnte.
natus homo est: sive hunc divino semine fecit Der Mensch wurde geboren: sei es, dass diesen aus göttlichem Samen machte
ille opifex rerum, mundi melioris origo, jener Schöpfer der Dinge, der Ursprung einer besseren Welt,
80 sive recens tellus seductaque nuper ab alto sei es, dass die junge Erde, vor kurzem getrennt vom hohen
aethere cognati retinebat semina caeli; Äther, den Samen des verwandten Himmels bewahrte;
quam satus Iapeto, mixtam pluvialibus undis, diese (Erde), vermischt mit Regenwasser, formte der von Iapetus Gesäte (=Prometheus)
finxit in effigiem moderantum cuncta deorum. nach dem Bild der alles lenkenden Götter.
pronaque cum spectent animalia cetera terram, Und während vorwärtsgeneigt die übrigen Lebewesen zur Erde schauen,
85 os homini sublime dedit, caelumque videre gab er dem Menschen ein aufragendes Antlitz, und den Himmel zu sehen
iussit et erectos ad sidera tollere vultus. hieß er und die Mienen aufgerichtet zu den Sternen zu heben.
sic, modo quae fuerat rudis et sine imagine, tellus So legte die Erde, die eben noch roh und ohne Gestalt gewesen war,
induit ignotas hominum conversa figuras. verwandelt, die (noch) unbekannten Gestalten der Menschen an.
Text nach:
P. Ovidii Nasonis Carmina. Hrsg. v. Alexander Riese. Bd. 2: Metamorphoses.– Erneut durchges. Nachdr. Leipzig: Tauchnitz, 1889. (S. 2)
Kommentar mit vielen Belegstellen aus der antiken Literatur:
The Metamorphoses of Publius Ovidius Naso. Hrsg. u. erl. v. Nathan Covington Brooks.– 5. Aufl. New York: Barnes & Co., 1857. (S. 32)

In diesem Text finden sich etliche Motive, die wir auch aus der Genesis kennen: der Mensch als Herrscher über die Tiere, geformt aus Lehm (Erde + Wasser), geschaffen nach dem Bild der Götter. Da schwerlich anzunehmen ist, dass Ovid im AT gelesen hat, muss man davon ausgehen, dass es sich hier um Vorstellungen handelt, die in der antiken Welt mehr oder weniger allgemein verbreitet waren (Belegstellen dazu bei Brooks). Nur dass es bei Ovid nicht JHWH ist, der den Menschen formt, sondern Prometheus, der Sohn des Titanen Iápetos. Als poeta doctus stellt Ovid der mythischen Vorstellung als Alternative eine mehr philosophische gegenüber: der (transzendent gedachte?) Schöpfer der Dinge machte den Menschen aus göttlichem Samen.

Dieser Text wird zum Mythos gerechnet. Und zwar nicht aus formalen Gründen (Hexameter), sondern aus inhaltlichen: Götter, Heroen, Weltentstehung, Sintflut, Geschichten, die sich in grauer, historisch nicht fassbarer Vorzeit abgespielt haben, werden als mythisch betrachtet. Kein Wissenschaftler stellt sich ernsthaft die Frage, ob eine solche Erzählung einen historischen Hintergrund hat. Denn die berichteten Ereignisse stammen alle aus einer Zeit, in der es noch keine schriftlichen Aufzeichnungen gab und aus der auch keine Denkmäler erhalten sind. Über die Historizität des Berichteten lässt sich daher nichts sagen (anders als z.B. bei der Heldensage). Der Glaubende kann sich bei den Erzählungen der Bibel auf den Standpunkt zurückziehen, Gott habe dem Autor der Texte offenbart, wie es wirklich gewesen ist. Aber inhaltlich handelt es sich bei Gen 1-3 um Mythen.

Argumente gegen die Historizität

Bei aller Kritik muss ich Zimmer im Grunde recht geben. In der Erzählung von Adam und Eva Gen 2-3 geht es um die Erklärung grundlegender Bedingungen der conditio humana:

Diese Dinge werden nicht biologisch oder sozialgeschichtlich, als Ergebnis langwieriger Prozesse, erklärt, sondern schöpfungstheologisch (2,24 „darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen…“) oder als Folge des Sündenfalls (3,17 „verflucht sei der Acker um deinetwillen…“), der als einmaliges Ereignis in der Frühzeit der Menschheit dargestellt ist.

Adam und Eva werden teils als idealtypische Figuren dargestellt (2,25 „der Mensch und sein Weib“; 4,1 „und der Mensch erkannte seine Frau Eva“), teils (aber selten) als individuelle Personen mit Eigennamen (4,25 „Und Adam erkannte noch einmal seine Frau“).

Doch es spricht einiges gegen die Annahme, dass Gen 2-3 in unserem modernen Sinn historisch ist. Darauf weist auch Zimmer hin, dieser Teil seines Vortrags (etwa die letzten 10 Minuten) enthält endlich valide Argumente:

Gott formt den אָדָם ʾādām „Mensch“ aus Staub von der אֲדָמָה ʾadāmâ „Erde, Erdboden, Acker“ und bläst ihm Lebenshauch in die Nase (Gen 2,7).
Gott formt also eine humanoide Statue aus dem Dreck der Erde und macht sie lebendig, indem er ihr etwas in die Nase bläst. Auf Hebr. klingt das nach einem Wortspiel, einer Etymologie. Wir wissen, dass das biologisch-chemisch nicht funktioniert: der Erdboden besteht hauptsächlich aus mineralischen Substanzen, der Mensch aus komplexen organischen Verbindungen. Gott, der aus dem Nichts erschaffen kann, brauchte ohnedies kein „Ausgangsmaterial“, um den Menschen zu schaffen. Es ist eher eine Vorbereitung auf 3,19: „denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren“.
Gott bringt die Tiere zum Menschen, aber keines ist für ihn eine „Hilfe wie ihm gegenüber“, d.h. die zu ihm passt o.ä. (2,19f).
Gott war also nicht von vornherein klar, dass kein Tier dem Menschen auf Augenhöhe begegnen kann? Einmal ganz abgesehen davon, wie der Mensch sich ohne Partner des anderen Geschlechts fortpflanzen soll. Sind bei diesen Tieren auch solche gemeint, die im Nahen Osten gar nicht leben (können), wie Eisbär oder Känguruh?
Gott versetzt den Menschen in Narkose, entnimmt ihm eine Rippe und „baut“ (dasselbe Wort wie beim Bauen eines Hauses, einer Mauer, eines Turms usw.) daraus eine Frau (2,21f).
Der Mensch hat also jetzt eine Rippe weniger als unmittelbar nach der Schöpfung? Und wozu brauchte Gott, der aus dem Nichts erschaffen kann, diese Rippe? Wie soll aus so wenig biologischem Material ein ganzes menschliches Wesen entstehen?
Die Schlange spricht zur Frau (3,1).
Tiere, die sprechen können, kennt man sonst aus dem Märchen und der Fabel: so spricht der Frosch(könig) zur Prinzessin, der böse Wolf spricht das Rotkäppchen im Wald an oder der (hernach gestiefelte) Kater redet mit dem Müllerssohn. Dass Tiere in Wahrheit nicht reden können, war m.E. auch den Menschen des alten Orients klar. Sprechende Tiere sind ein gattungsspezifisches Stilmittel, ein solcher Text kann und will nicht buchstäblich oder historisch verstanden werden.
Nachdem der Mensch und sein Weib von der verbotenen Frucht gegessen haben, hören sie das „Geräusch“ (also wohl die Schritte) Gottes, der im Abendwind (wörtl. „zum Wind des Tages (hin)“) im Garten spazieren geht (3,8).
Dass wir Menschen Gott nicht angemessen beschreiben können, ist das eine. Ein krasser Anthropomorphismus, wie ein Gott, der spazieren geht und dabei Geräusche macht, ist aber etwas anderes.

Mir will scheinen, dass für einen unbefangenen Leser mit Händen zu greifen ist, dass in diesem Text grundlegende Erkenntnisse zum Wesen des Menschen auf eine sehr bildhafte Weise erzählerisch ausgestaltet sind. Wie man eine sprechende Schlange für historisch halten kann, erschließt sich mir nicht. Aber was beweist, dass Adam und Eva keine historischen Personen waren? Nichts. Natürlich. Es geht bei der Beurteilung von Historizität immer um die Frage, wie plausibel, wie wahrscheinlich, wie glaubhaft etwas ist. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Es möge jeder selber beurteilen, was ihm glaubhafter erscheint.

Ist also Gen 2-3 unwahr, wenn sich die Ereignisse nicht buchstäblich so abgespielt haben und Adam und Eva keine historischen Personen waren? Für den Glaubenden keineswegs. Dass Gott den Menschen erschaffen hat, steht für uns Christen ja außer Frage. Und dass wir aus Staub erschaffen sind, bedeutet, dass wir materielle Wesen sind, mit allen Folgen und Grenzen, die das Materielle eben hat. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen ist eine Seite. Doch sein „Staubhaftigkeit“, seine Vergänglichkeit ist die andere Seite. Der Sündenfall ist insofern eine Tatsache, als wir alle unter seinen Folgen leiden. Die mythische Form der biblischen Erzählung tut ihrer Wahrheit keinen Abbruch, auch wenn diese Wahrheit keine der historischen Details ist. Doch dass wir Menschen „jenseits von Eden“ leben, ist eine Tatsache.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 21. März 2020