Michael Neuhold
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Zettelkasten biblische Geographie


Ursprünglich wollte ich ein mehr oder weniger vollständiges alphabetisches Verzeichnis biblischer geographischer Begriffe (Orts-, Fluss-, Berg-, Landschaftsnamen) für meinen Palm PDA machen. Ich habe also mit dem Buchstaben A begonnen und bald gemerkt, dass das a) eine ziemlich langweilige Arbeit ist und b) ich mich mit dem Vorhaben schwer übernommen habe. Ich habe es also bald wieder sein lassen. Da ich nichts wegschmeißen kann, habe ich den Zettelkasten in einer HTML-Seite zusammengefasst und „geparkt“. Nach der Lektüre von Assaf Zeevis Buch zum Thema habe ich einen neuen Anlauf genommen und die Seite neu strukturiert. Zum Wesen eines Zettelkastens gehört es, dass nach und nach neue Zettel dazukommen. Diese Seite wird also nie ganz fertig sein.

Meine Quellen:

Wie schreib ich's

Das Hebr. hat einige Laute bzw. lautliche Unterscheidungen, die schon im Griech. und Lat. nicht korrekt wiedergegeben werden konnten. Das betrifft insbes. die Pharyngale Ḥet und ʿAjin, den Postalveolar Šin, intervokalisches He und die Unterscheidung der stimmlosen Sibilanten Samech/Śin/Ṣade. Ein paar Beispiele:

Laut hebr. LXX (gr.) Vulg. (lat.) dt. Erklärung
Ḥet חֶבְרֹון ḥæḇrôn Χεβρων Chebrōn Hebron Hebron im Gr. mit velarem Frikativ ([x]) wiedergegeben, lat. und dt. mit h
חֲוִילָה awîlâ Ευιλα(τ) Euila(t) (oder Heuila? die LXX-Ausgabe von Rahlfs lässt bei den meisten Eigennamen Spiritus und Akzent weg) Evila(t) Hawila gr. und lat. weggelassen, im Dt. als h
ʿAjin עַזָּה ʿazzâ Γάζα Gaza Gaza Gaza durchwegs mit g wiedergegeben (im hebr. ʿAjin sind die zwei Laute [ʕ] und [ɣ] zusammengefallen, die im Arab. noch als ﻉ und ﻍ unterschieden werden; ob aber die gr. Wiedergabe mit γ darauf zurückzuführen ist, ist umstritten)
עֵין דֹּור ʿên dôr Αενδωρ Aendōr Aendor Endor im Gr. und Lat. ist das a wohl ein Reflex des ʿAjin, im Dt. weggelassen
Šin שְׁכֶם šeḵæm Συχεμ Sychem Gen 12,6; Σικιμα Sikima Ri 9,7 Sychem Sichem mit s wiedergegeben (hier zeigt sich ein weiteres Problem: die verschieden gehandhabte Wiedergabe des Schwa)
שׁוּנֵם šûnem Nom. Σουναν Sounan Jos 19,18;
Akk. Σωμαν sōman 1Sam 28,4, Σουμαν Souman 2Kön 4,8
Nom. Sunem,
Akk. Sunam
Schunem gr. und lat. mit s, dt. mit sch wiedergegeben
He בֵּית לֶחֶם bêt læḥæm Βηθλεεμ Bēthleem Bethleem Bethlehem (nach den Loccumer Richtlinien: Betlehem) gr. und lat. weggelassen, im Dt. mit h wiedergegeben (nach den Richtlinien wäre Taw mit t wiederzugeben, aber LXX und Vulgata haben zumeist th, die Kirchen haben dies bei einigen Namen abweichend von den Richtlinien beibehalten, u.a. bei Nazareth, Genezareth, Golgotha, Gethsemane)
הֹר hor Ωρ Ōr (oder Hōr? s.o. bei Hawila) Or Hor gr. (vermutlich) und lat. weggelassen, im Dt. mit h wiedergegeben

Im Dt. wurde zumeist auf die aus der lat. Vulgata gewohnte Namensform zurückgegriffen. Luther hat bei seiner Übersetzung versucht, sich stärker den griech. bzw. hebr. Formen anzunähern (Zion statt Sion), hat aber andererseits Abweichungen (Golgatha statt Golgotha). Die Namensform Kapernaum statt Kapharnaum erklärt sich daraus, dass es so in der griech. Textausgabe stand, aus der Luther übersetzte (Erasmus' Novum testamentum). Auch Genezareth statt Genesareth ist wohl so erklären: Erasmus' Text hat in Mt 14,34 γεννηζαρέθ (Mk 6,53 u. Lk 5,1 allerdings γενησαρέθ). Manches wurde bereits bei Neudrucken von Lutherbibeln durch die Drucker korrigiert, eine größere Korrektur der Namensformen fand durch die Revision von 1956/1964 statt.

Mit dem Unternehmen einer ökumenischen Bibelübersetzung wurde auch eine Einigung der Konfessionen im Hinblick auf eine einheitliche Schreibung von biblischen Namen notwendig. Diese resultierte in den sog. Loccumer Richtlinien von 1967/70 und dem Ökumenischen Verzeichnis der biblischen Eigennamen nach den Loccumer Richtlinien von 1971/79 (2. Aufl. 1981). Allerdings gibt es Namen, bei denen die evangelische Kirche für die Revision Luther 2017 abweichend von den Richtlinien bei der gewohnten Namensform geblieben ist (Golgatha, Gethsemane). Die Basisbibel von 2021 hingegen hat sich in größerem Umfang an die Regeln gehalten.

Als Protestant, der glaubensmäßig mit der Lutherbibel sozialisiert wurde, sind mir die Namensformen dieser Bibel geläufig, ohne dass mir immer bewusst ist, dass es hier abweichende Schreibungstraditionen gibt. Man sehe mir meine Lutherlastigkeit nach. Ohnedies sind die Unterschiede bei den Ortsnamen viel geringer als bei Personennamen (Job - Hiob, Ezechiel - Hesekiel).

Allgemeine geographische Begriffe

Anatolien
v. griech. ἀνατολή anatolḗ „Aufgang, Osten“
im 14. Jh. im osman. Reich eingeführte Bezeichnung für den asiatischen Teil der Türkei; ursprl. Bezeichnung für den O-Teil des Byzantin. Reiches
Armenien
Hochland auf dem Gebiet der heutigen Türkei, ehem. UdSSR und Iran. Ältestes nachweisbares Volk waren die Churriter, in der 2. Hälfte des 2. Jt. v.Chr. stand Armenien unter hethit. und assyr. Einfluß. Im 9. Jh. Reich Urartu, im 7. Jh. Einwanderung der indogerman. Armenier, unter medisch-pers. Hoheit, nach 331 zum Reich Alexanders gehörig, seit 301 Seleukidenreich, seit 190 zunehmend selbständig, seit 69 v.Chr. röm. Protektorat, 53-430 n.Chr. unter der Herrschaft der parth. Arsakiden, seit 646 unter arab. Herrschaft.
Golf von Akaba
Bucht, in die das Nordostende des Roten Meeres ausläuft; früher älanitischer Meerbusen (sinus Aelaniticus „Bucht von Aelana = Elat“) genannt; heutiger Name nach der jordan. Stadt العقبة al-ʿAqaba
Kurdistan
Bergland in Vorderasien, in dem die Kurden leben; Grenzen nicht klar definiert (Kurden leben heute in Iran, Irak, Türkei, Syrien)
Nubien
Name nach einem bei Strabon und Plinius dem Älteren erwähnten Volk Nubai?
von Tafelbergen überragtes und von Trockentälern zerschnittenes Savannen- und Wüstengebiet beiderseit des Nil im N des heutigen Sudan
Palästina
aram. פְּלִשְׁתָּאִן pelištāʾîn „Philister“ (Pl.) > griech. Παλαιστίνη Palaistínē > lat. Palaestina
ursprl. Bezeichung für das Gebiet der Philister an der Mittelmeerküste zwischen Gaza und Karmel, im 2. Jh. Bezeichung der röm. Provinz Iudaea westl. des Jordans, später erweitert auch auf Gebiete östl. des Jordans
Transjordanien
Gebiet östl. des Jordans bzw. des Toten Meeres, heute Jordanien

Hebräische und arabische Bestandteile von Ortsnamen

Begriff Herkunft Bedeutung Beispiele
bet, bejt hebr. בֵּית bêt (בַּ֫יִת bajit) „Haus“ Bethlehem
be´er hebr. בְּאֵר beʾer „Brunnen“ Beerscheba
bor hebr. בּוֺר bôr „Zisterne, Grube“ Bor-Asan
chirbet, hirbet arab. خربة ḫirbat (ḫirba) „Ruine“ Chirbet Qumran
deir arab. دير dair „Kloster“ Deir el-Bahari
`emeq hebr. עֵ֫מֶק ʿemæq „Tal, (Tief-)Ebene“ Emeq Ajjalon
`en, `ejn hebr. עֵין ʿên (עַ֫יִן ʿajin) „Quelle“ Engedi
gebel, djebel, dschebel o.ä. arab. جبل ǧabal (d.i. [dʒabal]) „Berg“ Dschebel Musa
giv`at hebr. גִּבְעַת giḇʿat (גִּבְעָה giḇʿâ) „Anhöhe, Hügel“ Giv`at Scha´ul
har hebr. הַר har „Berg, Gebirge“ Harmagedon
kefar, kfar hebr. כְּפַר kep̱ar (כָּפָר kap̱ar) „Weiler, Dorf“ Kafarnaum
ma`aleh hebr. מַעֲלֵה maʿa (מַעֲלֶה maʿalæ̂) „Aufstieg, Bergweg“ Ma`aleh Adummim
midbar hebr. מִדְבַּר midbar (מִדְבָּר midbār) „Steppe, Wüste“ Midbar Tzin
nahal, nachal hebr. נַ֫חַל naḥal „Flußtal, Bach“ (meist im Sinne von „Wadi“) Nahal Sorek
qeren hebr. קֶ֫רֶן qæræn „Horn“
qirjat, kirjat hebr. קִרְיַת qirjat (קִרְיָה qirjâ) „Stadt“ Kirjat Arba
ramat hebr. רָמַת rāmat (רָמָה rāmâ) „Anhöhe“ Ramat Gan
ras / rosch arab. رأس raʾs / hebr. רֹאשׁ rôš „Kopf“ Ras Schamra (Ugarit)
tell / tel arab. تل tall / hebr. תֵּל tel „(Ruinen-)Hügel, Schutthaufen“ Tell Halaf, Tel Aviv
wadi arab. واد wād(in) „Flußtal, -bett“ (nur sporadisch wasserführend) Wadi Tumilat

Das Hebr. und Arab. setzen das erste Wort von Zusammensetzungen in eine von der Grundform (status absolutus) oft verschiedene Form (status constructus): Grundform `ajin, aber in Zusammensetzung `en gedi „Böckchenquelle“. In obiger Liste ist der st. constr. angeführt, abweichender st. abs. steht in Klammer.
Die Transliteration ist die im Dt. übliche. Im engl. Sprachraum ist z.B. y statt j, kh statt ch (khirbet), sh statt sch (rosh) üblich.
´ bezeichnet Aleph (Stimmansatz, glottal stop), ` bezeichnet Ajin (emphatischer Stimmansatz). Das Zere mit Jod als mater lectionis transkribiere ich mit ê, aber im heutigen Ivrit wird es als ej ausgesprochen.

Geographie Palästinas

Palästina liegt in der Mitte der drei Kulturräume Ägäis/Kleinasien, Mesopotamien, Ägypten. Vor allem bildet es die Landbrücke zwischen Ägypten und dem Zweistromland und zwischen Ägypten und Kleinasien.

Palästina hat etwa folgende West-Ost-Gliederung: an das Mittelmeer angrenzend die Küstenebene, in der der Gazastreifen oder die Scharonebene liegen; das Hügelland (Schefela); das Bergland; der Jordangraben, in dem der See Genezareth, der Jordan, das Tote Meer und die Araba liegen; die transjordanische Hochebene.

Westlich des Jordan gibt es folgende Nord-Süd-Gliederung: Galiläa, die Jesreelebene, Samaria und Judäa, der Negev.

Gewässer

Mittelmeer
bildet die Westgrenze Palästinas, die Küste ist sandig und arm an natürlichen Häfen
hebr. הַיָּם הַגָּדוֺל haj-jām hag-gādôl „das große Meer“ Num 34,6 u.ö.
See Genezareth, See von Tiberias, Galiläisches Meer
fischreicher Süßwassersee im nördlichen Jordangraben (212 m u.d.M.)
hebr. יָם־כִּנֶּרֶת jām-kinnæræt „Meer von Kinneret“ Num 34,11 u.ö.; im NT θάλασσα τῆς Γαλιλαίας „Meer von Galiläa“ Mt 4,18 u.ö., λίμνη Γεννησαρέτ „See Genezareth“ Lk 5,1, θάλασσα τῆς Τιβεριάδος „Meer von Tiberias“ Joh 21,1
Totes Meer, Salzmeer
extrem salzhaltiger Salzsee im Jordangraben, Wasserspiegel etwa bei 400 m u.d.M.
hebr. יָם הַמֶּלַח jām ham-mælaḥ „Salzmeer“ Gen 14,3 u.ö.; יָם הָעֲרָבָה jām hā-ʿarāḇâ „Meer der Araba“ Dtn 3,17 u.ö.
Ajalon
moderner Name eines etwa 50 km langen Flusses, entspringt einige Kilometer nordwestl. von Jerusalem, fließt durch die Schefela, mündet in Tel Aviv in den Jarkon, kurz bevor sich dieser ins Mittelmeer ergießt
Name nach einer Levitenstadt im Stamm Dan: hebr. אַיָּלֹון ʾajjālôn Jos 10,12 u.ö. (Das arab. Dorf Jalo wurde 1967 zerstört, heute ist hier der sog. Canada Park.)
Arnon
je nach Quelle 60-70 km lang, entspringt in den Bergen östl. des Toten Meeres, fließt durch das Wādī al-Mūǧib (der „Grand Canyon Jordaniens“), mündet in das Tote Meer; wird 25 km östl. vor seiner Mündung durch die Mujib-Talsperre zu einem See gestaut
hebr. אַרְנֹון ʾarnôn u. אַרְנֹן ʾarnon Num 21,28 u.ö., LXX Ἀρνων Arnōn
Jabbok
östl. Zufluss des Jordan, heute Nahr ez-Zarqāʾ, entspringt in der Nähe von Rabba (Amman)
hebr. יַבֹּק jabboq Gen 32,23 u.ö., LXX Ἰαβοκ Iabok
Jarkon
moderner Name eines 28 km langen, ganzjährig wasserführenden Flusses, mündet bei Tel Aviv ins Mittelmeer
Name nach einem in Jos 19,46 genannten Ort im Stammesgebiet von Dan: hebr. מֵי הַיַּרְקֹון mê haj-jarqôn „Wasser des Jarkon“ (v. יָרָק jārāq „Grünes“); zum ersten Namensbestandteil vgl. das aquae „Wasser = Quelle(n)“ im Namen vieler lat. Ortsnamen (z.B. Aquae Sextiae = Aix-en-Provence)
Jarmuk
östl. Zufluss des Jordan, entspringt in der Hauranregion und mündet unweit südl. des Sees Genezareth in den Jordan
arab. يرموك jarmûk, hebr. יַרְמוּךְ jarmûḵ (nicht im AT), lat. Hieromices
Jordan
ganzjährig wasserführender Fluß, entspringt im Hermongebirge, durchfließt den See Genezareth und den Jordangraben, mündet ins Tote Meer
hebr. יַרְדֵּן jarden, in Prosa immer mit Art., gr. Ἰορδάνης
Kischon
70 km langer Fluss in Nordisrael, im Oberlauf ein Winterbach, der Unterlauf ganzjährig wasserführend, mündet bei Haifa ins Mittelmeer. Nach dem WiBiLex-Art. ist in der Deboraerzählung Ri 4 allerdings ein anderer Fluss gemeint, wohl das Wādī al-Bīre, das am südwestl. Fuß des Tabor entspringt und in den Jordan entwässert.
hebr. קִישֹׁון qîšôn 1Kön 18,40; Ri 4,7.13;5,21, LXX Κισων Kisōn
Sered
wird meist mit dem Weidenbach gleichgesetzt, Rienecker führt aber Argumente gegen diese Identifizierung auf
זֶ֫רֶד zæræd Num 21,12; Dnt 13f
Sorek
Bach, arab. Wādī eṣ-Ṣarār (oder Surar), entspringt nördl. von Jerusalem, durchfließt die Schefela an Bet-Schemesch vorbei, mündet rund 15 km südlich von Tel Aviv/Jafo ins Mittelmeer
hebr. נַחַל שֹׂרֵק naḥal śoreq „Traubenbach, -tal“ Ri 16,4
Weidenbach
Bach an der Südgrenze von Moab, nach Gesenius17 traditionell mit dem Wādī al-Ḥasā identifiziert, einem 40 km langen Fluss, der in das Tote Meer mündet
נַחַל הָעֲרָבִים naḥal hā-ʿarābîm „Pappelbach“ (trad. Übers. „Weidenbach“) Jes 15,7

Erhebungen

Ebal, Garizim
zwei nur durch ein enges Tal getrennte Berge (940 m bzw. 881 m) nahe der Stadt Sichem (Nablus), s. Samariter: Geographie
hebr. עֵיבָל ʿêḇāl, LXX Γαιβαλ Gaibal, Vulg. Hebal; hebr. גְּרִזִים gerizîm Dtn 27,12f u.ö., LXX Γαριζιν Garizin
Gilboa
Bergmassiv südöstlich der Jesreelebene, 600-800 m über dem Jordangraben
hebr. גִּלְבֹּעַ gilboaʿ 1Sam 28,4 u.ö.
Golan(höhen)
Basaltplateau östlich und nordöstlich des Sees Genezareth (1204 m)
hebr. גֹּולָן gôlān Dtn 4,43 u.ö., Name einer Levitenstadt im Baschan (genaue Lage unbekannt), die namensgebend für die Landschaft Gaulanitis wurde
Hermon
Gebirge zwischen Golan und Antilibanon (2826 m)
hebr. חֶרְמֹון ḥærmôn Dtn 3,8 u.ö.
Karmel
Gebirgszug südlich der Bucht von Haifa (528 m)
hebr. כַּרְמֶל karmæl Jos 19,26 u.ö.
Tabor
Berg östlich von Nazareth (588 m)
hebr. תָּבֹור tāḇôr Ri 4,6 u.ö.

Ebenen, Wüsten

Unter Wüste ist hier Land verstanden, das zu wenig Regen erhält, um darauf Ackerbau treiben zu können. Solange ein gewisser Pflanzenbewuchs vorhanden ist, kann die Wüste als Weideland dienen.

Araba
im AT die Senke, die sich vom See Genezareth bis zum Golf von Akaba erstreckt, nach Hübner ist allerdings meist nur das untere Jordantal (arab. [el-]Ġōr) gemeint; heute bezeichnet es nur den Bereich zwischen Totem und Rotem Meer (arab. Wādī [al-]‘Araba)
hebr. עֲרָבָה ʿarāḇâ „Steppe, Wüste; Ebene“, als geograph. Begriff mit Art., Dtn 2,8 u.ö.
Baschan
Ebene östl. des Jordans zwischen Hermon und Gilead bis zum Haurangebirge
hebr. בָּשָׁן bāšān, meist mit Art., Dtn 3,10 u.ö.
Gazastreifen
etwa 40 km langer Landstreifen im südlichen Teil der Küstenebene Israels
benannt nach der Stadt Gaza, hebr. עַזָּה ʿazzâ Gen 10,19 u.ö.
Jesreel(ebene)
ca. 70 km lange Senke, die Galiläa und Samaria trennt
hebr. יִזְרְעֶאל jizreʿæ̂l 1Sam 29,1 u.ö., LXX Ἰεζραελ/-ηλ Iezrael/-ēl
Negev
Wüste im Süden Israels, Nordgrenze ist die Linie Gaza - Beerscheba - Arad - Totes Meer; laut Jericke war die Südgrenze im AT die Oase von Kadesch-Barnea, heute ist es das Rote Meer
hebr. נֶ֫גֶב nægæḇ „ausgetrocknetes Land; Süden“ Gen 20,1 u.ö., LXX Ναγεβ Nageb
Scharon(ebene)
heute dicht besiedelter Teil der Küstenebene Israels etwa zwischen Karmel und Tel Aviv
hebr. שָׁרֹון šārôn, immer mit Art., Jos 12,18 u.ö.

Landschaften

Edom
Volk und Land im Süden Palästinas, ungefähr zwischen der Südspitze des Toten Meeres und dem Roten Meer (Elat)
hebr. אֱדֹום ʾædôm Jer 49,17 u.ö.
Galiläa
Landschaft im Norden Israels zwischen Jesreelebene und Hermongebirge
hebr. גָּלִיל galîl Jos 20,7 u.ö., gr. Γαλιλαία Galilaía
Gilead
Landschaft östl. des Jordan mit unklaren Grenzen
hebr. גִּלְעָד gilʿād Gen 31,21 u.ö., LXX Γαλααδ Galaad
Moab
Volk und Land an der Ostseite des Toten Meeres
hebr. מֹואָב môʾāḇ Ri 3,30 u.ö.
Samaria
im AT meist Bezeichnung des Nordreichs Israel, aber ohne Galiläa und die ostjordan. Gebiete; im NT die von Samaritern bewohnte Region zwischen Judäa und Galiläa
hebr. שֹׁמְרוֺן šomerôn, später auf Aram. שָׁמְרַיִן šāmerajin, gr. Σαμάρεια Samáreia, lat. Samarīa, ursprl. Name der von König Omri im 9. Jh. gegründeten Hauptstadt des Nordreichs Israel
Schefela
das (aus Sicht des judäischen Berglandes niedrige) Hügelland zwischen der Küstenebene und dem Bergland
hebr. שְׁפֵלָה šep̱elâ „Niederung“ Dtn 1,7 u.ö.

Straßen

Wenn man in der Antike von Straßen spricht, darf man sich für die vorrömische Zeit keine Fahrbahn vorstellen. Vielmehr ist es eine Route durch ein begehbares Gelände, in dem sich dem Reisenden keine unüberwindlichen Ströme oder Gebirge in den Weg stellen. Idealerweise haben bereits Zehntausende von Füßen und Hufen einen sichtbaren Pfad hinterlassen. Inwieweit der Routenverlauf auch archäologisch nachweisbar ist, habe ich nicht herausgefunden.

Durch Palästina verliefen drei Nord-Süd-Routen, die durch mehrere in Ost-West-Richtung verlaufende Verbindungsstraßen verbunden waren.


Verlauf der Via maris durch Palästina.– Urheber: Bible Atlas, hrsg. v. Z. Ridling, Karte 6a.– Quelle: Holybooks.com.– Lizenz: unklar.– Bearbeitung: Bildausschnitt.

Verlauf der Königsstraße.– Urheber: Bible Atlas, hrsg. v. Z. Ridling, Karte 6a.– Quelle: Holybooks.com.– Lizenz: unklar.– Bearbeitung: Bildausschnitt.
Via maris
Moderner Name der Straße von Ägypten nach Syrien. Sie führte vom Nildelta entlang der Küste des Sinai und Palästinas (durch die Philisterstädte Gaza und Aschdod) in die Karmelregion. Der Weg ging dann an Megiddo vorbei durch die Jesreel-Ebene nach Hazor, von dort weiter nach Damaskus, Palmyra und an den Euphrat nach Mari. Kurz hinter Hazor zweigte aber auch die Route durch die Bekaa-Ebene ab, die nach Kadesch am Orontes, Hamat, Aleppo, Karkemisch, Haran und Ninive führte. Von Karkemisch konnte man aber auch weiter Richtung Kleinasien (Tarsus, Hattuscha) reisen. Diese Straße existierte seit der frühen Bronzezeit und war vor allem als Heeresstraße für die Ägypter, Assyrer usw. wichtig.
Der Name stammt aus Jes 8,23 (hebr. דֶּרֶךְ הַיָּם dæræḵ haj-jām „Meerweg, -straße“, Vulg. (9,1!) via maris), allerdings ist hier wohl eine zum Meer führende Ost-West-Verbindung im Norden Israels gemeint, vielleicht die Straße von Dan nach Tyrus. Die heute sog. Via maris (oder zumindest ihr südlicher Abschnitt) heißt in Ex 13,17 hebr. דֶּרֶךְ אֶרֶץ פְּלִשְׁתִּים dæræḵ ʾæræṣ pelištîm „Straße des Philisterlandes“.
Königsstraße
Straße vom Golf von Akaba (Ezion-Geber, Elat) durch Transjordanien nach Damaskus. Sie war vor allem für den Handel mit Arabien wichtig, denn vom Golf von Akaba führte eine Route weiter durch die arab. Halbinsel, die Weihrauchstraße. Eine weitere Route führte durch die Sinaihalbinsel ins Nildelta. Wichtige Stationen auf dem Königsweg waren Bozra, Dibon, Heschbon, Rabba (Amman), Ramot, Karnajim. Kaiser Trajan ließ den Weg zu einer römischen Straße ausbauen. Die Straße verband die Städte der Dekapolis und führte auch an Petra vorbei.
hebr. דֶּרֶךְ הַמֶּלֶךְ dæræḵ ham-mælæḵ „Straße des Königs“ Num 20,17;21,22
Straße der Patriarchen, Bergstraße
Von Bibelexegeten gebrauchter Name für die Straße, die von Beerscheba durch das Bergland über Hebron, Bethlehem, Jerusalem, Bethel, Schilo, Sichem führte und kurz vor Hazor in die Via maris mündete.
Die Straße wird namentlich nicht in der Bibel erwähnt, man kann ihre Existenz aber aus den Stationen der Wanderungen der Erzväter erschließen, z.B. bei Abraham: Gen 12,5f Sichem; 8 Bethel; 9 Negev; 13,3 Bethel; 18 Hebron; 20,1 Gerar im Negev; 21,31; 22,19 Beerscheba; 23,2 Hebron usw.
Sonnenuntergangsstraße
Ost-West-Verbindung von der Königsstraße bei Rabba (Amman) über den Jordan bei der heutigen Damia-Brücke nach Sichem.
hebr. דֶּרֶךְ מְבֹוא הַשֶּׁמֶשׁ dæræḵ meḇô haš-šæměš Dtn 11,29f
Steige von Adummim
Erwähnt als Nordgrenze des Stammes Juda. Sie führte vom Jordantal südlich von Jericho nach Jerusalem. Vom Jordantal ging der Weg weiter über den Jordan nach Rabba.
hebr. מַעֲלֵה אֲדֻמִּים‎ maʿalê ʾadummîm „Aufstieg der roten (Felsen)“ Jos 15,7; 18,17
Steige von Beth-Horon
Straße von der Küstenebene nach Jerusalem. Sie führte von Jafo (Jaffa/Tel Aviv) über Lod (wo heute der Ben-Gurion-Flughafen liegt), Beth-Horon (heute Beit Ur al-Fauqa und Beit Ur al-Tahta) und Gibeon nach Jerusalem.
hebr. מַעֲלֵה בֵּית חוֹרוֹן maʿalê bêt ḥôrôn Jos 10,10; s. 1Sam 13,18
Ajalonsteig
Es gab auch eine weiter südlich verlaufende Straße von Jafo nach Jerusalem, durch das Tal von Ajalon (s.o.).
Ajalon wird genannt Jos 10,12; 19,42; 21,24; Ri 1,35 u.ö.
Afeksteig
Straße von der Afek in der Küstenebene zur Straße der Patriarchen südlich von Sichem
Lachischstraße
Straße von Askalon an der Mittelmeerküste über Lachisch nach Hebron
Straße von Atharim
Straße im Süden Israels in der Gegend von Arad. Da ein Ort Atarim nicht weiter bekannt ist, ist der Verlauf der Straße unklar. Zeevi (S. 27) nennt sie Stätten-Straße und lässt sie von Kadesch-Barnea über Beerscheba, Arad um die Südspitze des Toten Meeres verlaufen und in der Gegend von Horonajim in die Königsstraße münden.
hebr. דֶּרֶךְ הָאֲתָרִים dæræḵ hā-ʾatārîm Num 21,1. Die Vulg. übersetzt exploratorum via „Straße der Kundschafter“, hat also offenbar הַתָּרִים hat-tārîm gelesen und es als Part. von תור „auskundschaften“ verstanden. Vielleicht ist es aber auch als Verkürzung aus הַתְּמָרִים hat-temārîm (vgl. Ri 1,16) „Palmen(stadt)straße“ zu verstehen, oder vielleicht liegt ein Zusammenhang mit arab. أثر ʾaṯar „Spur“ vor.

Lose Zettel

Assur
hebr. אַשּׁוּר ʾaššûr u. אַשֻּׁר ʾaššur, ass. aššur, aram. אשור ʾšwr, äg.-aram. אתור ʾtwr
1) Sohn Sems, Stammvater der Assyrer (Gen 10,22; 1Chr 1,17)
2) Südlichste u. älteste der großen Städte des assyr. Reiches, am Westufer des Tigris gelegen (Gen 2,14), heute der Ruinenhügel Qual`at Scherqat. Der gleichnamige Stadtgott und spätere Nationalgott Assyriens hatte hier sein Hauptheiligtum. Nach dem Gott sind die Stadt (als Hauptstadt später ersetzt durch Kalach, Dur-Scharrukin, Ninive, 614 von den Medern zerstört, unter den Parthern 2. Jh.v. - 3. Jh.n. noch einmal entstanden), die Landschaft Assyrien (Hochebene östl. von Tigris und südl. des Unteren Zab, heute Nordirak) bzw. das assyr. Reich (Gen 10,11; Hos 7,11; 9,3; 10,8; Sach 10,10; Jes 7,18), das Volk der Assyrer (Num 24,22; Hes 32,22; Hos 12,2; Jes 14,25; 19,23; 30,31) benannt. Auch von Babel (2Kön 23,29) und Persien (Esr 6,22) als Erben der assyr. Macht.
3) Landschaft in NW-Arabien? (Ps 83,9)
Eden
1) hebr. עֵדֶן ʿedæn = *עֵדֶן „Wonne, Freude“? od. sum.-ass. edinu „Steppe, Wüste“?
Landschaft, in der Gott den Garten im Osten gepflanzt hat (Gen 2,8), in den er den Menschen setzte. Die LXX übersetzt „Garten“ mit dem pers. Lehnwort paradeisos, daher unser Wort Paradies. In Eden entspringt ein Strom, der sich in die vier Hauptarme Pischon, Gihon, Euphrat und Tigris teilt (Gen 2,10-14). s. dazu ausführlich meine Seite Eden
2) hebr. עֶדֶן ʿædæn
Gegend unter assyr. Herrschaft, wohl das keilschriftl. bît-adini am mittleren Euphrat (1Kön 19,12; Hes 27,23; Jes 37,12).
Kusch
hebr. כּוּשׁ kûš, ass. kûsu, bab. kûšu, Amarna kaši, äg. kꜣš
1) Land südl. v. Ägypten, Nubien, von den antiken Schriftstellern Äthiopien genannt, von Luther mit „Mohrenland“ übersetzt. Seine sprichwörtl. dunkelhäutigen (Jer 13,23) und hochgewachsenen (Jes 18,2) Bewohner wurden von den Ägyptern gern als Soldaten und Polizisten eingesetzt. Die ägypt. Pharaonen dehnten ihre Herrschaft auf immer größere Teile Nubiens aus (Höhepunkt unter Thutmosis IV.). Zwischen 750 und 650 v.Chr. herrschten ägyptisierte nubische Könige von Napata über Ägypten (z.B. Pharao Tirhaka = Taharka, 2Kön 19,9). Von den Assyrern vertrieben, von Psammetich II. besiegt, gaben sie ihre Ansprüche auf Ägypten auf und verlegten ihre Haupstadt in den Süden nach Meroë. Prominente bibl. Nubier waren Ebed-Melech (Jer 38,7ff) oder der Kämmerer, der sich von Philippus taufen ließ (Apg 8,27ff).
2) In einigen Fällen (Gen 2,13; 2Chr 14,8; 21,16) ist viell. ein arab. Stamm gemeint (vgl. Kuschan, Hab 3,7). Bei Gen 2,13 und 10,8 denken manche an das Volk und Gebiet der Kossaioi (keilschriftl. kaššu), heute Westiran.
Nil
hebr. יְאֹר jeʾor u. יְאֹור jeʾôr, äg. , jtrw

Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Änderung: 21. Nov. 2021